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Aktualisiert: vor 7 Stunden 59 Minuten

Die Solidarität ist noch zu steigern

Fr., 05/29/2020 - 14:42

Bisher ist die Zahl der an Covid-19 infizierten und verstorbenen Personen in den meisten Partnerländern der Weltmission der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) erfreulicherweise noch nicht besonders hoch. Eine Ausnahme ist allerdings Brasilien. In den meisten afrikanischen Ländern konnte durch eingeleitete Maßnahmen wie Schulschließungen oder Hygienekampagnen ein wirklich heftiger Ausbruch durch Ansteckung mit dem Virus vermieden werden. Jedoch haben viele der Restriktionen wie Gottesdienstverbote oder stark eingeschränkte Reise-und Transportmöglichkeiten zu großen wirtschaftlichen Einbrüchen geführt. Den Partnerkirchen fehlen besonders die sonntäglichen Kollekten, die einen Großteil der Einnahmen ausmachen.

Hilfsanfragen werden zunehmen

Weil viele Menschen sozusagen »von der Hand in den Mund« leben und keine oder nur geringe Rücklagen haben, wirkt sich alles sehr schnell und drastisch aus. Geld für Nahrung und andere wichtige Dinge des täglichen Lebens ist nun knapp oder nicht mehr vorhanden. Beispielsweise können Kirchen die Pastorengehälter nicht mehr bezahlen. Deshalb werden nun Hilfsmaßnahmen wie die Verteilung von Reis und anderen Grundnahrungsmitteln an Bedürftige geplant. Wir in unserer Wuppertaler Zentrale sind uns sicher: Der Bedarf für unsere Unterstützung wird größer und weitere Hilfsanfragen werden kommen.

Beispiele aus Sierra Leone und Kenia

An zwei aktuellen Beispielen von Aktivitäten von Partnern der EmK-Weltmission lässt sich aufzeigen, wie die finanzielle Hilfe verwendet wird. So wurde in der Klinik der EmK in Jaiama im westafrikanischen Sierra Leone das gesamte Personal im Umgang mit dem Corona-Virus geschult. Darüber hinaus wurden Hygieneartikel besorgt und im Alltag des Betriebs der dortigen Gesundheitsstation eingesetzt. In ähnlicher Weise ist das Krankenhaus der methodistischen Kirche in Maua in Kenia aktiv. Dort wurde Schutzkleidung gekauft und ans Personal verteilt. Weitere Hygienemaßnahmen wurden erfolgreich umgesetzt, sodass die notwendigen Standards eingehalten werden können.

Die EmK in der Schweiz ist vorbildlich

Bisher hat die EmK-Weltmission Spenden in Höhe von 28.000 Euro für die Corona-Hilfe erhalten. Davon sind bereits 20.000 Euro weitergeleitet worden. Weitere Projekte und Maßnahmen sind in Planung. Durch soziale und finanzielle Schutzmaßnahmen geht es uns in Deutschland vergleichsweise gut. In den meisten Partnerländern gibt es diese Hilfen nicht. Menschen ohne Arbeit und Einkommen erhalten nichts vom Staat. Darum ist unsere Solidarität nötig. Ein Blick in die Nachrichten unserer Nachbarländer zeigt mir: mehr scheint möglich zu sein. Die Mitglieder der im Vergleich zu Deutschland viel kleineren EmK in der Schweiz haben umgerechnet schon über 120.000 Euro für die Corona-Hilfe gespendet. Die Partnerkirchen unserer EmK-Weltmission freuen sich, wenn auch wir die Solidarität noch steigern.

Bildnachweis: EmK-Weltmission

Der Autor
Frank Aichele ist Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche und Leiter der EmK-Weltmission. Der Dienstsitz ist in Wuppertal. Kontakt: weltmission(at)emk.de

Weiterführende Links
Internetpräsenz der EmK-Weltmission

Zur Information
Spenden unter dem Stichwort »Corona-Hilfe« nimmt die EmK-Weltmission gerne entgegen.
Konto-Inhaber: EmK-Weltmission
IBAN: DE65520604100000401773
BIC: GENODEF1EK1

Die Spenden werden an die Partnerkirchen zur Unterstützung ihrer Arbeit im Kampf gegen die Folgen der Corona-Pandemie weitergeleitet. 

Gottesdienst in reduzierter Gestalt

Di., 05/26/2020 - 10:42

Seit Mitte Mai starten die Gemeinden der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in der Region von Mitteldeutschland ihre Gottesdienstangebote. Unter den vorgeschriebenen Hygieneanordnungen und den teilweise unterschiedlichen Regeln ist das nicht einfach. Zudem kann auch das Empfinden der Menschen sogar innerhalb einer Gemeinde weit auseinandergehen.

Start mit angezogener Handbremse

Eine besondere Idee hatte Matthias Zieboll, der als Pastor im thüringischen Leutenberg wirkt. Zusammen mit dem Geschäftsführer der Begegnungs- und Bildungsstätte Schwarzenshof, Martin Schwartz, hatte er an Himmelfahrt zu einem Autogottesdienst auf Schwarzenshof eingeladen. Für ungefähr 120 Autos war Platz geschaffen worden, rund zwanzig Fahrzeuge fanden sich schließlich zu einer interessanten Erfahrung ein.

Die bekannte Winnetou-Filmmusik von Martin Böttcher beschallte den Schwarzenshofer Berg als der Prediger auf einem Pferd in die Autoarena einritt. In Erinnerung an John Wesleys Pferdeliebe begann der Gottesdienst, der indirekt die Frage aufwarf, ob gegenseitige Nähe in einem Autogottesdienst möglich ist. Das Hupkonzert nach der Segensbitte ließe sich als ein eindeutiges »Ja« deuten. Vielleicht war es aber auch ein Sehnsuchtsruf nach Gemeinschaft, die in der prallen Sonne hinter dem Lenkrad nur eingeschränkt möglich war. Das Singen im Pkw unter freiem Himmel führte zu keinem Gemeinschaftserlebnis, aber die persönlichen Antennen wurden ausgefahren, um vielleicht doch etwas aus dem Nachbarauto zu hören. Die Resonanz auf die Einladung zum Autogottesdienst spiegelt die allgemeinen Erfahrungen wieder: Es ist ein Start mit angezogener Handbremse.

Hoffnung nach zaghaftem Wiederbeginn

Wie sonntägliche Gottesdienste im Zuge der Lockerungsmaßnahmen seit Anfang Mai aussehen, zeigen einige Beispiele aus EmK-Gemeinden in Mitteldeutschland. So werden in der Zwickauer Friedenskirche sonntags nacheinander zwei Kurzgottesdienste angeboten. Jeweils reichlich eine halbe Stunde erleben die Gottesdienstbesucher Ansprache, Orgelmusik und Gebet. »Die Kürze hat auch etwas für sich«, beschreibt Christian Posdzich die neue Erfahrung. Als Pastor der Gemeinde sieht er die positive Herausforderung: »Unter den eingeschränkten Bedingungen gewinnt die Konzentration auf das Wesentliche Bedeutung.« Die eingeplanten acht Minuten für die Predigt seien jedoch eine Herausforderung. »Zuletzt wurde es schon wieder länger«, schmunzelt er.

Der Besuch der beiden Kurzgottesdienste sei eher zurückhaltend. Zu Pfingsten würden deshalb nicht zwei, sondern wieder nur ein Gottesdienst angeboten. Über die Erfahrungen mit der Abstandsregel möchte Posdzich theologisch intensiver nachdenken. Trotz Abstand sei Gemeinschaft gegeben, wobei der einzelne Mensch aber für sich und für andere klarer erkennbar werde. Das könne die Beziehungsmuster in Zukunft auch positiv beeinflussen.

In Zittau, im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien gelegen, wird bisher ganz auf Gottesdienste verzichtet. Einerseits biete sich die Hospitalkirche dafür nicht an, andererseits gehe die Gemeinde einen anderen Weg. »Bevor wir auf Abstand nebeneinander sitzen, benötigen wir das Gespräch im Gegenüber«, einigte sich der Gemeindevorstand. So sollen im Juni mehrere Gesprächsangebote in kleineren Kreisen starten. Erst Ende Juni soll an einem Sonntag zur Gottesdienstzeit ein Gemeindetreffen stattfinden. Das Wo und das Wie ist noch offen. Schon vor der Corona-Zeit hatte die Gemeinde intensiv nach neuen Wegen für ihre Gemeindearbeit gesucht. Deshalb wolle sie sich jetzt nicht einfach in alte Formen hineinbegeben. Nun seien sie gespannt, was sich durch den zaghaften Wiederbeginn entwickle.

Mitlesen von Liedern als intensive Erfahrung

Unter dem Motto »Dem Heiligen Geist Raum geben« bietet die Gemeinde der Bethesdakirche in Leipzig zu Pfingsten einen Pilgergottesdienst an. Auf der Internetseite der Gemeinde heißt es: »Lasst Euch anregen, Zweiergruppen zu bilden«. Gemäß der derzeitigen Regeln dürften sich zwei Haushalte treffen. Diese könnten »individuell zu Pfingstsonntag Ort, Zeit und Ziel Eures Pilgerweges« vereinbaren. Für die Gruppenfindung bietet die Gemeinde Unterstützung an. 

Die Gemeinde der Christuskirche im zu Zwickau gehörenden Stadtteil Planitz feiert ihren Gottesdienst unter dem Titel »Gottesdienst in reduzierter Gestalt«. Hinsichtlich der Besuchszahlen entwickle er sich nur langsam, heißt es aus der Gemeinde. Es gebe eine Gruppe von Menschen, die sich zu den Risikopersonen zählten und deshalb mit einem Besuch zurückhaltend seien. Andererseits sei die mit vierzig Minuten relativ kurze Gottesdienstform ohne Gemeindegesang auch gewöhnungsbedürftig. Die Hoffnung auf Normalität bewege die Gedanken der Gemeindeglieder vor und nach dem Gottesdienst.

Eine Obergrenze von sechzig Personen für den Gottesdienstbesuch legte die Chemnitzer Friedenskirchgemeinde auf dem Kaßberg fest. Eine persönliche Anmeldung müsse bis Samstagmittag erfolgen. Der Vorstand hat den Mund-Nasen-Schutz für verbindlich erklärt. Schließlich wurde der Gottesdienst von rund vierzig Personen besucht. Lieder wurden leise mitgesummt. Thomas Günther, der Pastor der Gemeinde, erzählt von der Erfahrung des bewussten Mitlesens von Liedtexten zum Orgelspiel. »Die Inhalte rücken dann viel stärker in den Vordergrund als beim Singen.« Unbekannte Lieder fänden dann sogar schneller einen Platz im Gottesdienstleben. Allerdings verändere das vorgeschriebene Schutzkonzept den Charakter der Gottesdienste sehr stark.

Statt des Friedensgrußes mit Umarmung und Segenswünschen experimentierten einige Gemeinden in ihren Gottesdiensten mit »intensivem Zuwinken«. Ob dabei der eine oder die andere in den Blick kamen, die bisher seltener umarmt wurden, war nicht zu ermitteln. 

Bildnachweis: EmK OJK

Der Autor
Stephan Ringeis ist Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit und Rundfunkarbeit der Evangelisch-methodistischen Kirche für die Ostdeutsche Konferenz und begleitet den Gemeindebezirk Oberlausitz als Interimspastor. Außerdem ist er Senderbeauftragter der Evangelischen Freikirchen beim MDR. Kontakt: stephan.ringeis(at)emk.de.

Gesandt und befähigt zum Brückenbauen

Sa., 05/23/2020 - 06:31

Ein zentral aus Erfurt übertragener Gottesdienst tritt an die Stelle der Abschlussgottesdienste der drei deutschen Jährlichen Konferenzen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). In diesem Sendungsgottesdienst für die Gemeinden und deren Pastoren und Pastorinnen wird Harald Rückert, der für Deutschland zuständige Bischof der EmK, auch die für das folgende Konferenzjahr gültigen Dienstzuweisungen für die drei Konferenzen mitteilen und in Kraft setzen. Der Gottesdienst wird am 21. Juni über den deutschen Youtube-Kanal der EmK freigeschaltet und kann in die Gottesdienst-Planung der Gemeinden vor Ort zu diesem Termin oder zeitversetzt übernommen werden.

Kirchengebäude mit Botschaft

Wegen der relativ zentralen Lage in der Mitte Deutschlands fiel die Wahl für den Ort der Gottesdienstaufzeichnung auf die Ägidienkirche der EmK in Erfurt. Darüber hinaus ist es auch die besondere Geschichte des Gebäudes und die Lage als sogenannte »Brückenkirche« innerhalb Erfurts, die dieser Kirche eine zusätzliche Botschaft verleihen. »Das Evangelium selbst schlägt die Brücke zwischen Gott und uns Menschen, dem Schöpfer und seiner Schöpfung«, verbindet Rückert die Lage der Kirche mit biblischen Aussagen. Menschen, die Christus nachfolgten, »sind gesandt und befähigt, Brücken zu bauen zwischen Menschen und über trennende Gräben hinweg«, beschreibt der Bischof den Auftrag, von dem auch im Sendungsgottesdienst die Rede sein wird.

Die urkundlich erstmals im 12. Jahrhundert erwähnte Kirche ist seit 1960 im Besitz der heutigen Evangelisch-methodistischen Kirche. Damit dürfte sie weltweit eines der ältesten sakralen Gebäude sein, in dem methodistische Gottesdienste gefeiert werden. Die Ägidienkirche bildet den östlichen Zugang zur Krämerbrücke, die – wie der Name sagt – eine mit Häusern und Läden bebaute Einkaufsstraße ist. Beim Einkaufsbummel sieht man ihr die Brückenfunktion gar nicht an.

Gottesdienstausstrahlung auch in englischer Sprache

Notwendig geworden waren die Überlegungen für einen zentralen Gottesdienst per Internet-Übertragung durch den Wegfall aller drei Tagungen der deutschen Jährlichen Konferenzen der Evangelisch-methodistischen Kirche. Die für Ende April angesetzte Norddeutsche Jährliche Konferenz war bereits zu Anfang der Auswirkungen der Corona-Pandemie abgesagt worden. Inzwischen sind auch die Konferenztagungen der Ostdeutschen und Süddeutschen Konferenz abgesagt.

Für notwendige Verwaltungsentscheidungen treten zu unterschiedlichen Terminen geplante Kurzkonferenzen oder Ersatzgremien zusammen. Aber für die öffentliche Gültigkeit bischöflicher Dienstzuweisungen ist die Verkündung dieser Beauftragungen durch den Bischof im Rahmen einer gottesdienstlichen Veranstaltung der Jährlichen Konferenz bindend. Als für die drei Jährlichen Konferenzen gemeinsam durchgeführte Veranstaltung tritt der Gottesdienst am 21. Juni in Erfurt an diese Stelle.

Der Sendungsgottesdienst wird von einem Team mit Personen aller drei Konferenzen sowie mit Musikern der Erfurter Gemeinde und einer Musik-Combo aus Hauptamtlichen des Distrikts Stuttgart gestaltet. Die Planungen sehen vor, diesen Gottesdienst auch in einer englischen Fassung zu veröffentlichen, um den sprachlichen Bedürfnissen der internationalen Gemeinden der EmK innerhalb Deutschlands zu entsprechen.

Generalkonferenz und Zentralkonferenz noch nicht neu terminiert

Die weitreichenden Auswirkungen der Corona-Pandemie hinterlassen ihre Spuren auch im internationalen Veranstaltungskalender der Evangelisch-methodistischen Kirche. Weil die für Anfang Mai dieses Jahres geplante Generalkonferenz nicht stattfinden konnte, mussten auch alle von dieser Veranstaltung abhängigen Termine für Zentralkonferenzen (außerhalb der USA) und Jurisdiktionalkonferenzen (in den USA) verschoben werden. Der neue, vermutlich in den Herbst 2021 fallende Termin für die Generalkonferenz steht noch nicht fest. Aus diesem Grund kann auch der neue Termin für die verschobene Zentralkonferenz Deutschland noch nicht festgelegt werden. »Sobald die Generalkonferenz feststeht, werden wir für Deutschland zügig den Termin der Zentralkonferenz mitteilen«, reagiert Rückert auf die oft gestellte Frage nach der Terminierung für die Zentralkonferenz.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Menschen ein gutes Zuhause bieten

Do., 05/21/2020 - 10:59

Altenheim, Freizeiten und Bildungsarbeit – für die Methodisten im Osten Deutschlands waren diese Begriffe immer auch mit dem Namen Schwarzenshof verbunden. Das im Thüringer Wald gelegene kirchliche Anwesen beherbergte neben den Gebäuden für Freizeiten auch ein Altenheim, das 1998 nach über siebzig Jahren die Arbeit einstellen musste. Damals zogen die Bewohner um ins neu errichtete Diakonische Altenhilfezentrum in das nur eine Handvoll Kilometer entfernt gelegene Rudolstadt.

Stärkung methodistischer Tradition

Dort entsteht jetzt mit der »Bethanien-Residenz im Rudolspark« ein neues Projekt der Bethanien-Diakonissen-Stiftung (BDS). Im kommenden Frühjahr sollen dreißig barrierefreie Wohnungen für betreutes Wohnen, eine Tagespflege und Räume für eine Sozialstation ihrer Bestimmung übergeben werden. Trotz der durch die Corona-Maßnahmen eintretenden Verzögerungen ist der Vorstand der Bethanien-Diakonissen-Stiftung guter Dinge, dass die Investition in ein erstes eigenes Projekt in Rudolstadt im Zeitplan bleibt. Neben der Ergänzung der Angebote des Diakonischen Altenhilfezentrums Saalfeld-Rudolstadt ging es dem Vorstand vor allem um die »Stärkung der methodistischen Tradition« und weitere diakonische Aktivität in der Region. Damit wird die 1925 »auf Schwarzenshof« begonnene Altenheim-Arbeit nur wenige Kilometer entfernt von ihrem Ursprungsort weiter ausgebaut.

Ein engagierter diakonischer Partner

Zu den Gesellschaftern des 1996 gegründeten Diakonischen Altenhilfezentrums Saalfeld-Rudolstadt hatte zunächst die »Schwarzenshof Bildungs- und Altenheim Betriebs gGmbH« gehört, deren Anteile später die Ostdeutsche Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) übernahm. Für die Übernahme dieser Anteile fand die Ostdeutsche Konferenz in der Bethanien-Diakonissen-Stiftung 2017 einen engagierten diakonischen Partner. Stephan Ringeis, Pastor der EmK in der Ostdeutschen Konferenz und Mitglied des BDS-Stiftungsrats, hatte damit die Hoffnung verbunden, »dass die methodistische Tradition an diesem Ort fortgeführt wird«. Die kirchliche Arbeit der EmK in dieser Region sei immer eher klein gewesen. Jedoch habe die Kirche dort über die Zeit hinweg die Aufgabe gesehen, »Menschen ein gutes Zuhause zu bieten und dabei die Botschaft von Jesus Christus weiterzugeben«. Das, so Ringeis weiter, werde »auch mit der Bethanien Residenz möglich sein«.

Seelsorgerliche Begleitung als Kernstück des Angebots

Die Zusammenarbeit der beiden Gesellschafter des Altenhilfezentrums, die Bethanien-Diakonissen-Stiftung sowie der Diakonieverein Rudolstadt, wird mit dem Bau der Senioren-Residenz intensiviert. Das Altenhilfezentrum wird in der neuen Einrichtung alle Serviceleistungen anbieten, zu denen die Organisation von Veranstaltungen, Hilfestellungen zu sozialen Kontakten, Beratung und Unterstützung in Krisensituationen sowie eine Tagespflege gehören. Außerdem wird eine Sozialstation des Diakonievereins Rudolstadt in das Anwesen einziehen. Für die Wohnungen zeichne sich, so die Anbieter, schon jetzt ein großer Bedarf ab. Die mit dem Slogan »Selbstbestimmt. Christlich. Geborgen« beworbenen Wohnungen seien schon jetzt fast alle vergeben. Seitens der BDS und der EmK sei besonders die seelsorgerliche Begleitung ein Kernstück des Angebots. Matthias Zieboll, der für den Gemeindebezirk Thüringen Südost zuständige Pastor, werde in ökumenischer Zusammenarbeit mit dem Seelsorgedienst des Altenhilfezentrums die Seelsorgearbeit in der neuen Einrichtung übernehmen und weiter ausbauen. Am heutigen Himmelfahrtstag ist er am »alten Altenheimstandort« auf Schwarzenshof im Einsatz. Der kreative Pastor mit ungewöhnlichen Ideen feiert dort den ersten Auto-Gottesdienst auf dem Gelände der Begegnungs- und Bildungsstätte Schwarzenshof.

Bildnachweis: BDS

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Bethanien Residenz im Rudolspark  
Bethanien-Diakonissen-Stiftung 
Diakonisches Altenhilfezentrum Saalfeld-Rudolstadt 
Begegnungs-und Bildungsstätte Schwarzenshof 

Corona gefährdet die Schwächsten noch mehr

Di., 05/19/2020 - 06:45

Die Diakonie Katastrophenhilfe hat ihre Hilfe in den vergangenen Wochen weltweit an die Pandemie angepasst und neue Corona-Hilfsprojekte gestartet. Im Rahmen der Corona-Hilfe unterstützt das Hilfswerk aktuell Menschen in 33 Ländern.

»Millionen Menschen weltweit verlieren im Schatten der Corona-Krise gerade ihre Existenzgrundlage, weil sie schon immer prekär war«“, beschreibt die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel, die gegenwärtige Situation. In Deutschland sei Erleichterung in Sicht, während die Not in armen Ländern laufend zunehme und immer dramatischer werde. Das gelte besonders für Länder, die ohnehin mit schweren Krisen kämpften und keinerlei Reserven mehr hätten. »Corona vervielfacht die Belastungen, sodass sich diese Länder aus eigener Kraft kaum mehr helfen können«, mahnt Füllkrug-Weitzel.

Corona bringt das Fass zum Überlaufen

Der weltweite Kampf gegen Corona droht die Hilfe in anderen, zeitgleich ablaufenden Krisen zu verdrängen. So fürchtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem »Worst-Case-Szenario«, dass sich die Zahl der Malaria-Toten in der Region Afrika südlich der Sahara (auch: Subsahara-Afrika) 2020 auf fast 770.000 erhöhen könnte – das wären doppelt so viele wie 2018.

Der Osten Afrikas hat weiterhin mit Heuschreckenschwärmen zu kämpfen. Ihre Population könnte bis Juni auf das 400-fache anwachsen. Erreichen die Schwärme auch Länder mit anhaltenden bewaffneten Konflikten wie Somalia oder Südsudan, werde die Verbindung aus Krieg, Vertreibung und Heuschrecken die Not und den Hunger deutlich vergrößern. »Wir müssen insbesondere die Folgen von Corona für jene Menschen im Blick behalten, die schon in mehrfacher Hinsicht leiden: an Kriegen, Naturkatastrophen, Heuschreckenplagen«, fordert Füllkrug-Weitzel. Corona bringe das Fass zum Überlaufen, weil kein Land die Kombination so vieler Krisen ohne internationale Hilfe bewältigen könne. »Es muss schnell und umfassend reagiert werden. Sonst wird sich die Zahl der Menschen, die verhungern, dramatisch erhöhen.«

Kritische Ernährungslage

Fast jedes Land der Welt hat Kontakt- oder Einreisebeschränkungen erlassen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Neben der akuten Gefahr durch eine Covid-19-Erkrankung wirkten sich diese Eindämmungs-Maßnahmen direkt auf die humanitäre Situation aus: Im informellen Sektor arbeitende Menschen hätten kein Einkommen mehr, Millionen Kinder verlören durch die Schulschließungen ihre einzige Mahlzeit am Tag, vielerorts könne wegen Ausgangsbeschränkungen aktuell weder geerntet noch ausgesät werden, wodurch sich die ohnehin kritische Ernährungslage in vielen Teilen Afrikas, aber auch Lateinamerikas und Asiens zuspitze.

Große Herausforderung für Hilfsorganisationen

Die Diakonie Katastrophenhilfe teilt mit, dass sie auf die rasanten Entwicklungen der vergangenen Wochen in enger Absprache mit ihren lokalen Partnerorganisationen und dem kirchlichen Netzwerk ACT Alliance reagiert hätten. Die Hilfsprojekte seien weltweit überprüft und angepasst worden. »Wir sind froh, dass wir in den vergangenen Wochen umfangreiche Hilfe auf den Weg bringen konnten«, erklärt Martin Keßler, der Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. Auch für sie als Organisationszentrum sei die aktuelle Lage eine große Herausforderung, da auch unsere Auslandsbüros und Partnerorganisationen von Reise- und Ausgangsbeschränkungen betroffen seien. »Als Teil einer solidarischen Gesellschaft dürfen wir jetzt nicht nachlassen und müssen die Hilfe für die Schwächsten weiter ausbauen, hierzulande und in aller Welt.«

Bildnachweis: Diakonie

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Zur Information
Sie können helfen:
Evangelisch-methodistische Kirche – Diakonie Katastrophenhilfe.
IBAN der Diakonie Katastrophenhilfe: DE68520604100000502502
Spende mit dem Stichwort »Corona-Hilfe« versehen. Im Verwendungszweck die Nummer 5000032 ergänzen. Damit wird die Spendenherkunft automatisch der EmK zugeordnet.

Die »Diakonie Katastrophenhilfe« ist die von den evangelischen Kirchen gemeinsam getragene Katastrophenhilfe. Wo Katastrophen und Not in dieser Welt sind, versuchen die Verantwortlichen mit kurzfristigen Entscheidungen Hilfsmöglichkeiten auszuloten und Not zu lindern.

»Gott war schon da, wohin ich gehen sollte«

Mo., 05/18/2020 - 07:32

Als Dozent und Rektor des Theologischen Seminars in Reutlingen hat Manfred Marquardt Generationen von Pastorinnen und Pastoren der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) geprägt. Dass diese theologische Ausbildungsstätte des deutschsprachigen Methodismus heute als »Theologische Hochschule Reutlingen« staatlich anerkannt ist, hat er während seiner Zeit als Rektor dieser Einrichtung mit auf den Weg gebracht. Heute feiert dieser »Lehrer aus Leidenschaft« seinen achtzigsten Geburtstag. In einem Interview mit der emk.de-Redaktion gibt er Einblick in Themen der Theologie und persönliche Erfahrungen.

emk.de: Als theologischer Lehrer war dein Fachgebiet die Systematische Theologie. Damit können manche Menschen nicht so viel verbinden. Wie kann dieser Zweig der Theologie verständlich beschrieben werden?

Manfred Marquardt: Die Systematische Theologie verbindet einerseits verschiedene Fachbereiche miteinander: die Arbeit der Ausleger des Alten und des Neuen Testaments, der Kirchen- und Dogmengeschichte, und nutzt deren Ergebnisse für ihre beiden Fächer: die Dogmatik und die Ethik. Auf Deutsch: die Lehre des Glaubens und die Frage nach der Verantwortung für das persönliche und gesellschaftliche Handeln. Andererseits verbindet die Systematische Theologie die theologischen Inhalte mit der politischen, der kulturellen und der sozialen Geschichte unserer Welt und Zeit.

In der Systematischen Theologie geht es darum, wie das Geschehen der Welt, in der wir leben, uns als Christen herausfordert. Wie artikulieren wir, warum und an wen wir glauben? Wie erklären wir, welche Konsequenzen daraus für unsere Verantwortung in unserer Lebenswelt zu ziehen sind? Für uns als Nachbarn, Kollegen oder Staatsbürger, für unser Verhalten zu anderen Menschen und zur Schöpfung. Die Systematische Theologie sammelt darum auch, was aus den Naturwissenschaften, der Medizin, der Politik oder der Philosophie auf uns zukommt, und versucht das mit dem Glauben in einen Dialog zu bringen.

»Ich wollte Pastor bleiben«

Wie hast du deine Liebe zur Lehre entdeckt, die schließlich zur Berufung als Lehrer der Systematischen Theologie führte?

Ich bin gerne zur Schule gegangen, und es gab eine lange Zeit, in der ich dachte, ich würde Lehrer werden – etwa für Deutsch, Latein oder Französisch. Mir waren die Sprachen immer wichtig. Das Glück, einen eigenen Text in einer anderen Sprache wiederzugeben, ist schon etwas Besonderes. Dieser Plan hat sich aber durch das, was ich den Ruf Jesu nenne, zerschlagen. Ich bin nicht Lehrer geworden, sondern habe Theologie studiert, um Pastor zu werden. Andere waren es, die dann feststellten, dass ich eine Eignung und vielleicht auch einen Fundus an Wissen dafür habe, in der Lehre wirksam zu sein. So habe ich in den ersten Dienstjahren Religionsunterricht gegeben, in Diakoniekursen junge Diakonissen in die Kirchengeschichte eingeführt und bald auch in der Pastorenfortbildung und der Erstellung von Material für den kirchlichen Unterricht mitgewirkt. Das alles habe ich gern gemacht.

Als ich promoviert hatte, kam die Kirche – damals Superintendent Fritz Harriefeld und Bischof Carl Ernst Sommer – auf mich zu und forderten mich auf, für die Nachfolge von Karl Steckel im Lehrfach Systematische Theologie in Reutlingen zu kandidieren. Dagegen habe ich mich zunächst gewehrt, weil ich Pastor bleiben wollte. Nachdem die erste Wahl scheiterte, habe ich mich der Kandidatur gestellt mit dem Gedanken: Wenn Gott mich da haben will, wird das so kommen. Und so kam es auch. Ich habe immer gern unterrichtet und mache das ja bis heute.

Du sollst mein Bote sein

Das ist schon ganz mitten drin im theologischen Lehrdienst. Was aber führte den jungen Manfred Marquardt im Nachkriegsdeutschland mit Anfang Zwanzig dazu, sich in der kirchlichen Arbeit zu engagieren und dann in den pastoralen Dienst zu gehen? Mit solchen Fähigkeiten hätte ein Weg in den wirtschaftlichen Aufschwung mit guter Karriere offen gestanden.

Das hat etwas mit meiner Biografie zu tun. Als Familie sind wir durch zwei große Verlusterfahrungen gegangen: im Frühjahr 1945 durch die Flucht vor der russischen Front, und 1953 durch die verbotene Flucht aus der DDR, auf der wir nur eine Handtasche und einen Koffer mitnehmen konnten. Getragen hat mich in der ganzen Zeit, was ich als Kind aufgenommen habe: die biblischen Geschichten aus der Sonntagsschule und die Lieder, die meine Mutter mit uns gesungen hat. Sie war im Jugendbund für entschiedenes Christentum, also dem »EC«. Von dort hat sie viele Heilslieder mitgebracht, die wir auch in der Sonntagsschule gesungen haben: Beispielsweise »Solang mein Jesus lebt, und seine Kraft mich hebt, muss Furcht und Sorge von mir flieh‘n, mein Herz in Lieb‘ erglüh‘n«. Furcht und Sorge waren in diesen Liedern mitgenannt. Es ging aber auch um die Erfahrungen von geschenkter Kraft und Geborgenheit.

Nach der Flucht aus der DDR gab es an unserem Wohnort im Westerwald keine Gemeinde unserer Kirche. Da war es die Jugendarbeit in der landeskirchlichen Gemeinde, die sehr wichtig für mich wurde. Der junge Pfarrer hat mich quasi zu seinem Assistenten gemacht. Er hätte gerne gesehen, dass ich Pfarrer der Rheinischen Kirche geworden wäre. Ich bin aber bei meiner Entscheidung für die Evangelische Gemeinschaft geblieben; sie war die Schatzgrube für mich und meinen Glauben über die ersten zwei Jahrzehnte meines Lebens.

Es gab Lehrer, die im letzten Schuljahr des Gymnasiums fragten: »Manfred, du willst Pfarrer werden? Werde bloß nicht sauertöpfisch. Studiere doch lieber Kernphysik oder Germanistik.« Ich musste nicht lange überlegen und abwägen. Mich zog der Ruf – das sehe ich im Rückblick auf diese Zeit recht deutlich – es war der Ruf »Du sollst mein Bote sein!« Wie das in einer kleinen Freikirche aussehen würde, wusste ich nicht so genau. Aber der Beruf des Pastors hat mich gelockt. Und das sollte mein Lebensprogramm werden, was es in unterschiedlichen Formen auch geworden ist.

Dieser Mann hat mich fasziniert

Vielen in der Evangelisch-methodistischen Kirche ist der Name Manfred Marquardt als profunder Wesley-Kenner bekannt. Für einen »Systematiker«, der noch dazu seine Wurzeln in der Evangelischen Gemeinschaft hat, ist das nicht unbedingt selbstverständlich. Was hat dich an John Wesley so fasziniert?

Genau genommen begann diese Geschichte mit einem Scheitern. Unter Anleitung meines Doktorvaters hatte ich schon eineinhalb Jahre an meiner Promotion gearbeitet. Da erschienen zu meinem Thema zwei wissenschaftliche Veröffentlichungen. Ich musste also meine bereits fortgeschrittenen Studien stoppen und ein neues Thema suchen.

Als inzwischen ordinierter Pastor der neu vereinigten Evangelisch-methodistischen Kirche stellte ich fest, dass ich eigentlich nicht viel über John Wesley wusste. Sollte er das neue Thema für meine Promotion werden? Zwar hatte ich schon angefangen, Schriften über und von John Wesley zu lesen. Im Frankfurter Archiv habe ich vieles gefunden und durchforscht. Mehr und mehr hat mich fasziniert, was John Wesleys theologischen Ansatz erkennen lässt. Er hatte eine profunde, akademisch gebildete und die Wissenschaft auch nicht ablehnende Einstellung. Er hat Philosophen gelesen von Platon bis zu den modernen Aufklärern seiner Zeit. Er konnte Griechisch und Latein. Andererseits war er Sohn eines ordinierten anglikanischen Pfarrers, und er war Universitätsdozent in Oxford und kannte doch keine Berührungsängste – weder gegenüber Adligen noch Bettlern. Er hat mit den ärmsten Menschen Kontakt aufgenommen. Mit seinem Studentenkreis in Oxford ging er zu den Gefangenen und begleitete die zum Tode Verurteilten auf ihrem Weg zum Schafott. Noch als über Achtzigjähriger ist er – auch bei schlechtem Wetter – in London von Haus zu Haus gegangen und hat für französische Kriegsgefangene Geld gesammelt, damit sie Decken bekamen. Wesley geht hin und sammelt für die Feinde Englands!

Dieser Mann, seine Überzeugung und sein Handeln, haben mich fasziniert. In ihm erkannte ich den Geist Jesu! Die Weisheit von Gott, die niemandem von Geburt an gegeben oder durch Erziehung vermittelt ist. Das Nahe-Sein bei denen, die jemanden brauchen und um die sich niemand kümmert. So kam es, dass ich meinem Doktorvater eine Arbeit über Wesleys soziale Ethik und Praxis vorschlug, und er hat zugestimmt. Sie wurde zum Beginn meiner tiefgründigen Beschäftigung mit John Wesley. Diese Arbeit über Wesleys Sozialethik war dann nach dem Urteil von Professor Martin Schmidt so wegweisend, dass sie veröffentlicht und auch in andere Sprachen übersetzt wurde.

Wie können Gemeindeglieder und nachkommende Theologengenerationen dafür gewonnen werden, sich mehr mit methodistischer Theologie zu beschäftigen?

Wir versuchen das ja gerade. Demnächst erscheint im Kirchenmagazin »unterwegs« eine kleine Reihe über die drei Regeln »Nichts Böses tun, Gutes tun, die Gnadenmittel Gottes gebrauchen«. Es gibt inzwischen die kleinen Hefte »Kennzeichen eines Methodisten« mit der zugehörigen Jugendfassung »Was wirklich zählt« und über die schon erwähnten »Drei einfachen Regeln«. Der Band mit den Lehrpredigten John Wesleys ist ja leider so dick und teuer geworden, dass viele ihn nicht erwerben wollen oder können. Darum wollen wir in kleinen Portionen wichtige, interessante und heute durchaus aktuelle Wesley-Texte in einer verständlichen Sprache den Menschen in unseren Gemeinden und auch in der Ökumene bekannt machen. Ich ermutige Pastoren und Pastorinnen, Veranstaltungen zu solchen Texten zu wagen. Erfreut stelle ich fest, dass die junge Generation im pastoralen Dienst viel mehr Interesse an dieser Tradition und dem Erbe unserer Kirche hat, als dies noch vor zwanzig oder dreißig Jahren der Fall war. Diese kleinen Formate kommen in Länge und Sprache der geringeren Lesegeduld in unserer Zeit entgegen. Wenn die Menschen dann auf den Geschmack gekommen sind, dann werden sie sich freuen, Methodist oder Methodistin zu sein. Und das wäre das Beste.

Wir können als Glaubende durchaus mit Gegensätzen leben

Die theologische Ausbildung im freikirchlichen Umfeld – so ist immer wieder zu beobachten – ist auch eine Auseinandersetzung zwischen wissenschaftlicher Theologie und der oft so genannten »bibeltreuen« Schriftauslegung. Wie lässt sich hier eine Brücke bauen?

Eigentlich nur durch Gespräche und Aufklärung. Ich kann mich selbst an ein frühes Erlebnis erinnern: Nach einer Vorlesung an der Uni über die beiden Korintherbriefe dachte ich, dass ich nach dem, was ich hier höre, niemals mehr predigen kann. Diese Vorstellung, dass die historisch-kritische Bibelforschung einen vom Umgang mit der Bibel entfernt, wie man sie als junger Christ kennt, gibt es also schon seit vierzig bis fünfzig Jahren. Ich habe – auch auf Anraten und durch Begleitung von Professoren und Pastoren – einen Weg herausgefunden, auf dem sich beides zum besseren Verständnis der Bibel verbinden lässt. Den haben wir als Dozenten auch unseren Studierenden geholfen zu finden. Das gelingt nur, wenn wir ohne Angst andere Zugänge wahrnehmen, die uns zum Verstehen der Bibel helfen. Und indem Andersdenkende als Christen, als Glaubende, als Brüder und Schwestern ernst nehmen. Wir müssen einander zuhören und bereit sein, die Position des anderen zu verstehen. Es genügt nicht, einfach Bekenntnisse abzulegen und dann zu sagen: Wenn du nicht mit mir bist, dann bist du gegen mich. Wir müssen fragen: Warum denken wir verschieden, und was verbindet uns? Dann können wir einander verstehen lernen auf der Basis gegenseitiger Annahme.

Das heißt nicht, dass wir alle eine einheitliche Position haben werden. Wir können als Glaubende durchaus mit Gegensätzen leben. Das war in der Kirche seit ihren neutestamentlichen Zeiten nie anders. Wir können einander fragen und erkennen: Was ist das Entscheidende, das uns verbindet? Was ist der Grund, der gelegt ist und auf dem wir alle stehen? Wo können wir sagen, du bist dieser Meinung und ich bin anderer Meinung. Wesley nennt das im Englischen »opinion«. Das ist nicht eine beliebige »Meinung«, die man so oder anders haben kann. Wesley beschreibt damit eine innere Überzeugung, die man nicht ohne weiteres aufgibt. Aber sie erlaubt es zu fragen, was die Kirche trägt, was uns im Glauben trägt und worin wir unterschiedliche Meinungen behalten können.

Die Briefe von Paulus und Jakobus sind ein Beispiel dafür, dass sich ihre Aussagen nicht leicht harmonisieren lassen. Auch die gerade aktuelle Bibellese zum ersten Timotheusbrief zählt dazu. Wir können die dortigen Ordnungen nicht eins zu eins in unsere Kirchenordnung übernehmen. Frauen dürften nicht auf die Kanzel, wir hätten in den Gemeinden noch Sklaven, die ihren Herren gehorsam sein müssten, und weitere Anordnungen, die uns befremdlich erscheinen. An solchen und anderen Stellen merken wir, dass wir mit der Bibel als einem geschichtlichen Dokument umgehen. Sie ist ein lebendiges Buch, das auch in sich Veränderungen und Erneuerungen birgt, die man entdecken kann. Das ist spannend und bereichernd. Und in Jesus, dem lebendigen Wort Gottes, ist das auf einzigartige Weise offenbart und verbunden, wenn er den überlieferten Texten einen eigenen Sinn gibt, wie er wohl dem göttlichen Ursprung entspricht.

Fröhliche Menschen auf der Kanzel

Als Rektor des Theologischen Seminars hast du wesentlich daran mitgewirkt, dass diese methodistische Ausbildungsstätte zur staatlich anerkannten Theologischen Hochschule wurde. Wie kann eine solche staatlich anerkannte Einrichtung trotzdem noch den Bezug zur konkreten kirchlichen Gemeindearbeit bewahren, um Menschen gezielt dafür ausbilden zu können?

Wir hatten schon viele Jahre vor der Anerkennung mit dem Kultusministerium und dem Wissenschaftsministerium nach Lösungen gesucht, durch die unseren Studierenden ein allgemein anerkannter Abschluss verliehen werden konnte. Es ging vor allem um diejenigen, die noch eine andere Aus- oder Weiterbildung machen wollten. Auch um diejenigen, die nach einer langen Ausbildung erkannt hatten, dass sie nicht in den pastoralen Dienst gehen wollten oder konnten. Oder auch Studenten aus dem Ausland, die bei uns ein oder zwei Semester studierten und dann keinen international anerkannten Nachweis ihrer Studien bekommen konnten. Deshalb hatte der Verwaltungsrat entschieden, die staatliche Anerkennung anzustreben.

Der von der europäischen Bildungspolitik verfolgte Bologna-Prozess erleichterte in den Neunziger-Jahren das Erreichen dieses Zieles. Die Ausbildung ist damit inhaltlich nicht und methodisch nicht wesentlich anders geworden als vor der staatlichen Anerkennung. Aber die Strukturen und die formalen Anforderungen an die neuen Professoren, die Gremien und die staatliche Aufsicht haben sich verändert. Andererseits können die Absolventen und Absolventinnen jetzt mit den verschiedenen Abschlüssen als Bachelor und Master national und international weiterstudieren oder auch eine andere Weiterbildung beginnen. Anderen bieten wir die Möglichkeit, einige Semester bei uns zu studieren und vor allem Studiengänge zu belegen, die nur bei uns angeboten werden. Auch unsere Gemeinden können Pastoren und Pastorinnen mit solider praxisorientierter Ausbildung und umfassendem theologischem Wissen erwarten. Dann stehen fröhliche Menschen auf der Kanzel, die eine zugewandte Beziehung zur Gemeinde aufbauen können und ihr etwas zu geben haben.

Gezogen, nicht getrieben

Im Alter von achtzig Jahren kann eine lange Wegstrecke überblickt werden. Was war für dich die maßgebliche Erfahrung, die den Glauben prägte und tragfähig machte?

Ich setze anstelle des »Was« ein »Wer«. Natürlich waren es auch die Lieder meiner Mutter, der Besuch der Sonntagsschule, ein gründliches Studium und viele andere Erfahrungen, die mich geprägt haben. Mehr aber als alles andere war es die Erfahrung Gottes - nicht als eines strafenden Gottes im Himmel, sondern als eines liebenden Vaters. Ich habe überall die Stimme gehört, die mir den Weg zeigte. Eine Energie, die mich eher gezogen als getrieben hat. Sie hat mich gezogen und spüren lassen, dass Gott schon da ist, wohin ich gehen sollte.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Die Fragen stellte Klaus Ulrich Ruof, der unter Manfred Marquardts Ägide von 1980 bis 1984 am Theologischen Seminar in Reutlingen Theologie studierte. Die persönliche Anrede erklärt sich aus der pastoralen Verbindung innerhalb der Evangelisch-methodistischen Kirche und der Zusammenarbeit mit dem Interviewten in pastoralen und verlegerischen Aufgaben.

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Methodistisches Markenzeichen

Sa., 05/16/2020 - 07:10

Bei einer Veranstaltung während des EmK-Kongresses sollte erstmalig der vom Bildungswerk der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) ausgelobte »Methodistische Predigtpreis für Laien« verliehen werden. Wegen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen behördlichen Auflagen musste der von langer Hand vorbereitete Kongress abgesagt werden. Davon betroffen war auch die Auszeichnung preiswürdiger Predigten von acht Frauen und vier Männern. Die Bekanntgabe der mit dem Predigtpreis Ausgezeichneten fand zwischenzeitlich ohne Öffentlichkeit statt.

Fundamentaler Bestandteil methodistischer Verkündigung

»Die Qualität der prämierten Predigten hat uns überzeugt«, erklärt Rainer Bath, der die sechsköpfige Jury leitete. Aus siebzig Einsendungen wurden zwölf Predigten prämiert, die beispielhaft dafür stehen, dass die Laienpredigt ein fundamentaler Bestandteil methodistischer Verkündigung ist. Zwei der prämierten Predigten wurden von Frauen aus der Schweiz eingereicht: Hanna Gerber aus Solothurn und Vreni Wirth-Scholian aus Graubünden. Zwei weitere Preisträger sind aus Norddeutschland: Jörg Mathern aus Gelsenkirchen und Dr. Ursula Thiel-Freese aus Lüdinghausen. Die anderen Ausgezeichneten sind aus dem süddeutschen Raum: Susanne Bader aus Erlangen, Judith Bader-Reissing aus Stuttgart, Dietmar Frank aus Laichingen, Ulrike Göhler aus Weinstadt, Dr. Christine Haag-Merz aus Böblingen, Dominik Müller aus Darmstadt, Dr. Michael J. Parnham aus Bad Soden im Taunus und Petra Sklenar aus Gerstetten.

»Es hat sich gelohnt«

»Anfangs waren wir unsicher, welches Echo diese Ausschreibung hervorrufen würde«, erzählt Bath als vorsitzender Juror, der als promovierter Theologe und Pastor im aktiven Dienst Gemeinden in Köln und Umgebung begleitet. Er weiß um die Herausforderungen des Predigens und die Schwierigkeit der Wertung von Predigten. Nach Sichtung der eingegangenen Predigten seien sie sich in der Jury aber einig gewesen: Die Ausschreibung »hat sich gelohnt«. Jetzt hoffe die Jury darauf, »dass diese Predigten Menschen dazu ermutigen, den Ruf in die Verkündigung des Evangeliums zu hören«. Personen, die im Ehrenamt predigten, griffen nämlich auf eine Erfahrungswelt zurück, die den Hauptamtlichen in der Kirche kaum zur Verfügung stehe. »Davon«, so Bath weiter, »leben diese Predigten«. Außerdem zeugten diese Predigten auch »von der guten theologischen Ausbildung von Laien in unserer Evangelisch-methodistischen Kirche«.

Über sich selbst und den Glauben nachdenken

In einem Video kommen nun die mit dem Predigtpreis ausgezeichneten acht Frauen und vier Männer zu Wort. Sie erzählen über das, was sie zum Predigen motiviert und was sie für sich selber daraus gewinnen. Wilfried Röcker, der Leiter des in Stuttgart angesiedelten EmK-Bildungswerks, bedankt sich in dem Video bei allen, die ehrenamtlich in vielen Gemeinden Predigtdienste versehen. Sie ließen sich in ihrer Predigtbereitschaft immer wieder herausfordern und würden Hintergründe und Zusammenhänge biblischer Texte zu ergründen versuchen, »um dann Menschen einzuladen, über sich und ihren Glauben nachzudenken«.

Ein Schatz, der neugierig macht

Die Laienpredigt sei ein »Markenzeichen des Methodismus«, schreibt Walter Klaiber, der Schirmherr des Preises, im Vorwort des Sammelbands, in dem die zwölf prämierten Predigten jetzt veröffentlicht vorliegen. Damit betont der im Ruhestand in Tübingen lebende frühere Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche die Bedeutung der Laienpredigt für die kirchliche Arbeit im Methodismus. Der Titel des Buches, »Welch ein Schatz!«, unterstreicht diese Aussage und macht neugierig auf den Inhalt.

Bildnachweis: EmK-Bildungswerk

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Video zum »Methodistischen Predigtpreis für Laien – 2020«

»Welch ein Schatz!« - Die Predigtsammlung zum »Methodistischen Predigtpreis für Laien – 2020« ist im Verlag »gotoralf« erschienen und kann übers Internet bezogen werden (14 Euro). Mit einem Teil des Erlöses aus dem Verkauf des Predigtbands wird die theologische Ausbildung von Laien im Rahmen der Arbeit des Bildungswerks der Evangelisch-methodistischen Kirche unterstützt.

Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten beim EmK-Bildungswerk

Zur Information
Die Jury des erstmalig vergebenen »Methodistischen Predigtpreises für Laien« war mit sechs Personen besetzt: Pastor Dr. Rainer Bath (Köln; Jury-Vorsitz), Professor Dr. Holger Eschmann (Reutlingen), Gudrun Hölschen (Wetter an der Ruhr), Torsten-Michael Ufer (Eckartsberg bei Zittau), Pastorin Linda Wagner (Calw) und Martin Wörz (Laichingen).

»Nähe durch Distanz«

Fr., 05/15/2020 - 06:32

An Christi Himmelfahrt (Donnerstag, 21. Mai) lädt die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) zu einem ersten Auto-Gottesdienst auf das Gelände der Begegnungs- und Bildungsstätte Schwarzenshof ein. Der Ort liegt in der Nähe des thüringischen Rudolstadt auf halber Strecke zwischen den Städten Leipzig und Würzburg. Für dieses Projekt haben sich die EmK-Gemeinden der Region und die Begegnungs- und Bildungsstätte zusammengetan.

»Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn«

Nach Wochen des Abstandhaltens und eingeschränkter Kontakte ist es den Initiatoren »ein Bedürfnis«, die sich schrittweise erweiternden Möglichkeiten wieder für das zu nutzen, »was uns durch den Verzicht besonders wichtig geworden ist: Wir wollen wieder zusammenkommen – vor Gott und unter freiem Himmel«. Die Predigt im Gottesdienst hält Matthias Zieboll. Der aus dem rund dreißig Kilometer südlich von Schwarzenshof gelegenen Leutenberg kommende Pastor wird von Markus Wagner aus Lobenstein musikalisch unterstützt.

Zieboll, der bereits mit seiner Familie in einer MDR-Fernsehproduktion auftrat, thematisiert im Gottesdienst die Abstandsregeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie. In der Krise sei zwar äußerliche Distanz angesagt, was aber nicht automatisch auch innere Distanz bedeuten müsse. An Himmelfahrt gehe es dagegen um die Botschaft »Nähe durch Distanz«. An Himmelfahrt sei Jesus nämlich leiblich auf Distanz gegangen. »Aber gerade dadurch ist er uns näher als unser Hemd«, ist der Leutenberger Pastor überzeugt. Jesus sei zwar nicht mehr sichtbar, aber auf neue Weise erfahrbar. »Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn, und schon gar nicht aus dem Herzen.«

Willkommene Veranstaltung

Die Veranstaltung findet auf einer großen Freifläche an der Begegnungs-und Bildungsstätte Schwarzenshof statt. Zur Durchführung würden nach Aussagen der Organisatoren alle behördlichen Auflagen erfüllt. Für die Anreise und Abfahrt sei auch bei feuchter Witterung gesorgt, versichert der Geschäftsführer der zur Zeit geschlossenen Schwarzenshofer Einrichtung, Martin Schwartz: »Wir sind darauf vorbereitet, alle Fahrzeuge, selbst bei aufgeweichtem Boden, sicher wieder auf die Straße zu bringen.« Für die wegen der Corona-Pandemie seit Mitte März auf behördliche Anordnung hin geschlossene Einrichtung ist die Veranstaltung eine willkommene Abwechslung. Eine Öffnung zum Normalbetrieb sei noch nicht in Sicht, was zu einem enormen Einnahmeausfall des 120-Betten-Hauses führe. Der Förderverein des Hauses freue sich deshalb über dieses Angebot in einer Zeit der Verunsicherung und ruft zu einer Spendenaktion auf, um die Einrichtung zu unterstützen.

Bildnachweis: EmK OJK

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

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Plakat und Flyer der Veranstaltung

Zur Information
Auto-Gottesdienst an Himmelfahrt, 21. Mai 2020, 11 Uhr (Zufahrt ab 9.45 Uhr)
Begegnungs- und Bildungsstätte Schwarzenshof bei Rudolstadt (Thüringen)
Anfahrt ausschließlich über Zeigerheim: www.schwarzenshof.de/unser-haus/wegweiser/

Die Organisatoren erbitten eine kurze Teilnahme-Ankündigung per E-Mail an: driveinchurch(at)schwarzenshof.de.

Damit die Veranstaltung gelingt, sind alle Teilnehmer um Beachtung und Einhaltung der behördlich verordneten Auflagen gebeten. Insbesondere was die Personenzahl in den Fahrzeugen betrifft, dürfen keine Risiken eingegangen werden.
Bildungs- und Begegnungsstätte Schwarzenshof
Förderverein Schwarzenshof e.V.
Bankverbindung: IBAN DE43 3506 0190 1622 1600 10; BIC GENODED1DKD

Zur Region Thüringen Südost gehören die EmK-Gemeinden in Rudolstadt, Leutenberg, Lobenstein, Remptendorf, Eliasbrunn und Schleiz, zu denen sich rund 300 Kirchenglieder und Kirchenangehörige zählen.

Ein kleines Zeichen christlicher Solidarität

Sa., 05/09/2020 - 07:05

Michael Putzke, Redakteur des deutschen Kirchenmagazins »unterwegs« der Evangelisch-methodistischen Kirche interviewt die Präsidentin der Methodistischen Kirche in Italien. Mirella Manocchio spricht dabei über die Situation in diesem von der Krise schwer getroffenen Land,über das Ergehen der Menschen und die Lage der Kirchen.

Michael Putzke: Wie ist die Lage Italiens in der Corona-Krise im Moment?

Mirella Manocchio: Italien war das erste Land in Europa, aus dem über die tödliche Pandemie des Corona-Virus und seine Folgen berichtet wurde. Es war auch das erste Land, das Kranke und Tote aufgrund dieser Virusinfektion meldete. Unsere Regierung versuchte, die Situation in den Griff zu bekommen, indem sie die Ausbreitung des Virus eingrenzte. Deswegen wurden die Aktivitäten nach und nach eingestellt, die Freizügigkeit der Menschen wurde stark beschränkt. Der Tourismus ist zum Stillstand gekommen. Ab Anfang März wurde auch die Industrieproduktion eingestellt.

Es muss für die Menschen in Italien schwer sein, die soziale Distanz zu akzeptieren, die jetzt notwendig ist. Wie gehen sie damit um?

Es wurde von uns ein großes menschliches und wirtschaftliches Opfer verlangt, das unser Land mit viel Mut erbringt. Die Menschen drücken ihre Gefühle von Nähe und Freundschaft auf vielfältige und kreative Weise aus: Sie spielen und singen Volkslieder oder unsere Nationalhymne von Balkonen und aus Fenstern. Sie hängen Transparente heraus mit der Aufschrift »Alles wird gut«. Sie kochen für Nachbarn oder Menschen in Not, sie teilen Lebensmittel mit Obdachlosen und bringen Geschenke und Essen für ältere Menschen, die allein sind.

Was braucht Italien jetzt am meisten?

Bis jetzt sind mehr als zwanzigtausend Menschen gestorben, aber die Zahl der Infizierten ist geringer als noch vor Wochen. Die Gesundheitskrise ist nicht vorbei, aber die Situation verbessert sich. Italien steht jetzt vor einem weiteren Problem: die Wirtschaftskrise wegen der Ausgangssperre. Unsere Regierung versucht, Arbeitern, Händlern, kleinen und großen Industriebetrieben zu helfen, aber es ist nicht einfach, weil es einen großen Bedarf gibt und die finanzielle Situation im Land nicht einfach ist. Italien braucht, wie andere Länder auch, europäische Wirtschaftshilfe.

Wie wirkt sich diese Krise auf die Methodistische Kirche in Italien aus?

Diese komplexe Situation hat unsere Kirche und verschiedene Gemeinden stark in Mitleidenschaft gezogen. Tatsächlich durchlebt unsere Kirche eine ausgesprochen schwierige Zeit, vielleicht die schwierigste seit dem Zweiten Weltkrieg. Seit Ende Februar sind alle kirchlichen Aktivitäten eingestellt worden. Einige Menschen in unseren Gemeinden sind krank geworden oder trauern um Angehörige.

Wir setzen all unsere Kreativität und technischen Möglichkeiten ein, um die fehlende räumliche Nähe auszugleichen und als Kirche handlungsfähig zu bleiben.

Wir entdecken neu den Wert und die Kraft des Gebets, die persönliche Geste. Wir haben das biblische Wort und unsere Worte auf eine neue Art und Weise angewandt. Unser Bedürfnis nach Spiritualität und Nähe ist auf unerwartete Weise und in neuen kreativen Formen wieder aufgetaucht.

Wie haben Sie Ostern gefeiert?

An Ostern habe ich einen evangelischen Gottesdienst im Fernsehen verfolgt, und nachmittags über eine Videokonferenz an einer Andacht teilgenommen. Was Ostern für mich bedeutet, habe ich in einer Osterandacht geschrieben, die in unserer Kirche veröffentlicht wurde: »Mit Christus wird die Auferstehung nicht in die letzte Zeit aufgeschoben, sondern sie ist für uns eine fortwährende Dimension. In uns tragen wir die zu erwartenden Zeichen der endgültigen Auferstehung, die eine vollständige Befreiung von allen Formen der Unterdrückung und Diskriminierung, von Angst und Hass ist. Ostern zu feiern, selbst in den dunklen Zeiten des Corona-Virus, bedeutet, die Tür der Zukunft zu durchschreiten, die Gott für uns geschaffen hat. Es bedeutet, sich einer Mission zu öffnen, die alle Gläubigen bevollmächtigt und befähigt. Der Glaube an diese Verkündigung des Lebens, das Ostern ist, ist das, was uns zum Zeugnis und zur Mission führt.«

Die Methodistische Kirche in Italien engagiert sich für die Betreuung von Flüchtlingen. Wie hat sich diese Arbeit verändert?

Auch unsere diakonische Arbeit musste umgestaltet oder ausgesetzt werden. Das ist nicht einfach, denn sie richtet sich an Kranke, an Senioren und Menschen am Rande der Gesellschaft, die gerade jetzt mehr Nähe und Hilfe brauchen. Unsere Gemeinden und kirchlichen Arbeitszweige haben darauf reagiert. Sie fanden Kraft im Zuspruch Gottes, gerade jetzt weiterzuarbeiten. In Rom und Mailand zum Beispiel setzten die methodistischen Gemeinden ihre diakonische Arbeit fort: Sie verteilen Frühstück, Kleidung und Worte des Trostes an Obdachlose unter den von der Regierung festgelegten Vorsichtsmaßnahmen.

Unsere Arbeit mit Flüchtlingen geht trotz allem weiter. Insbesondere versuchen wir den vielen Migranten, die in Süditalien ausgebeutet werden, durch die Projekte der »Föderation der Evangelischen Kirchen in Italien« gesundheitlich und materiell zu helfen. Die Methodistische Kirche und die Waldenserkirche haben acht Millionen Euro der Steuer »Otto per Mille « zur Unterstützung von Projekten bereitgestellt, die von der Gesundheits- und Wirtschaftskrise besonders betroffen sind. Natürlich kann dies eine so schwierige Situation nicht lösen, aber es wird ein kleines Zeichen der christlichen Solidarität sein.

Was beschäftigt Sie noch in dieser Krise?

In dieser Zeit der Pandemie und der Ausgangssperre ist es nicht einmal möglich, Verstorbene würdig zu beerdigen. Das ist wirklich schwer für Familien und Freunde. Die Kommission für Gottesdienst und Liturgie der baptistischen, methodistischen und waldensischen Kirchen, der auch ich angehöre, hat Liturgien entwickelt, um Verstorbener in Videokonferenzen zu gedenken und Trauerfeiern ohne Sarg zu halten.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Dieser Artikel ist dem zweiwöchentlich erscheinenden Magazin »unterwegs« der Evangelisch-methodistischen Kirche – Nummer 9/2020 vom 26. April 2020 – entnommen.

Der Autor
Michael Putzke ist leitender Redakteur des zweiwöchentlich erscheinenden EmK-Magazins »unterwegs«. Kontakt: redaktion(at)emk.de.

75. Jahrestag des Kriegsendes

Mi., 05/06/2020 - 16:10

Das nationale Gedenken aus Anlass des 75. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa und der Befreiung vom Nationalsozialismus wird übermorgen, am Freitag, dem 8. Mai, um 10 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst im Berliner Dom eröffnet. Das Erste Deutsche Fernsehen (ARD) überträgt die einstündige Feier live.

Am Gottesdienst wirken der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der Vorsitzende der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sowie der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Erzpriester Radu Constantin Miron mit. Die Liturgie leitet Dompredigerin Petra Zimmermann.

Der Gottesdienst steht unter dem Leitwort »Frieden!« und fragt nach der Verantwortung, die aus der Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vor 75 Jahren für ein friedvolles Miteinander in der heutigen Zeit erwächst. Biblische Texte verbinden sich mit Stimmen von damals zur Botschaft, im Bemühen um Frieden und Versöhnung nicht nachzulassen. 

In der Liturgie kommen weitere Repräsentanten christlicher Kirchen sowie der Jüdischen Gemeinde zu Berlin zu Wort. Wegen der Corona-Pandemie findet der Gottesdienst ohne Gemeinde im Dom statt. In der Bundeshauptstadt Berlin steht der 8. Mai, der in Berlin in diesem Jahr als außerordentlicher Feiertag arbeitsfrei ist, ganz im Zeichen der Erinnerung an das Kriegsende.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Berliner Dom

Zur Information
Ökumenischer Gottesdienst aus Anlass des 75. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa und der Befreiung vom Nationalsozialismus
Freitag, den 8. Mai 2020, um 10 Uhr im Ersten Deutschen Fernsehen (ARD)
Livestream am 8. Mai 2020 um 10 Uhr
Zeitversetzter Abruf aus der Mediathek

Wie stabil ist das Fundament?

Sa., 05/02/2020 - 07:48

Sars-CoV-2 ist vielleicht nicht die gefährlichste Krankheit, die in letzter Zeit aufgetreten ist. Aber sie ist äußerst tückisch und zu ihrer Eindämmung sind weltweit Maßnahmen ergriffen worden, die in das öffentliche und private Leben in einer Weise eingreifen, wie wir das seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt haben. Noch ist der Ausgang der Krise unsicher, und die Folgen der Restriktionen für Einzelne und Gesellschaft sind nicht absehbar. Aber viele mögen von der Frage umgetrieben sein, was das für unseren Glauben bedeutet. Schnelle Antworten dazu sind problematisch. Ich habe bisher auch kaum Versuche eines öffentlichen Nachdenkens darüber mitbekommen. Auch ich ringe um eine Antwort und möchte deshalb meine Überlegungen dazu gerne mit anderen teilen.

Liebe und Egoismus

Das Erste, was mir auffällt: Es zeigt sich in eindrücklicher Klarheit, was im Herzen der Menschen ist. Und das ist Gutes und Schlechtes. Wir beobachten eine Welle der Hilfsbereitschaft. Gruppen von Schülern und Studierenden bieten Hilfe für Ältere an und organisieren das umsichtig. Andere erspüren, wo Notlagen entstehen könnten, und suchen kreativ nach Lösungen. Aber es gibt auch das Gegenteil: Leute tätigen unsinnige Hamsterkäufe und lassen Anderen nichts für den täglichen Bedarf oder klauen Klopapier, Seife und Desinfektionsmittel in Kliniken, wo es denen, die das nötig brauchen, fehlt. Was ist der Mensch? Fähig zur Liebe und bedroht durch schieren Egoismus.

Was jetzt gerade passiert, zeigt auch, wie verletzlich das System ist, auf dem unsere Gesellschaft beruht. Globale Vernetzung ist nicht nur Chance, sondern auch Gefahr. Vieles, dessen Funktionieren wir für selbstverständlich halten, ist nicht so selbstverständlich, wie wir meinten. Die Frage stellt sich: Worauf können wir uns verlassen und worauf unser Leben bauen?

Was bedeutet das für unseren Glauben?

Das führt zur entscheidenden Frage: Was bedeutet diese Situation für unseren Glauben, was sagt sie uns über Gott? Manche werden fragen: Warum lässt Gott es zu, dass sich solch ein gefährlicher Krankheitserreger ausbreitet? Andere werden das als Zeichen der Endzeit sehen, für die die Ausbreitung von Seuchen vorhergesagt ist. Aber es hat in der Geschichte der Menschheit schon viel gefährlichere Epidemien gegeben. Dennoch bleibt die Frage: Hat Gott diesen Virus erschaffen, um uns damit eine Lektion zu erteilen?

Ein Tübinger Pfarrer hat vor einiger Zeit im Blick auf solche Fragen einen Satz gesagt, der mich seither begleitet. Er sagte: »Ich glaube nicht, dass Gott meine Tochter hat sterben lassen, um mir eine Lektion zu erteilen. Aber ich habe durch diese Erfahrung sehr viel gelernt, was mir bis heute wichtig ist.« Dass tödliche Viren entstehen, gehört zu dem Ineinander von Leben und Tod, das Gott in seine Schöpfung gelegt hat. Weil wir wissen, dass Gott hinter all dem steht, können auch schwierige Erfahrungen für uns zur Botschaft und zur Aufgabe werden.

Jemand sagte gerade zu mir: »Ich muss immer wieder an den Turmbau zu Babel denken.« Die Türme einer boomenden Ökonomie scheinen in unserer Zeit in den Himmel zu wachsen – aber die Frage, wie stabil ihr Fundament ist, wird durch diese Ereignisse an Jeden und Jede von uns gestellt.

Um Glauben, Hoffnung und Liebe bitten

Worauf vertrauen wir? Darauf, dass die Börsenkurse immer kontinuierlich in die Höhe gehen oder darauf, dass unser Leben bei Gott geborgen ist? Die Treue Gottes und seine Liebe zeigt sich nach der Botschaft der Bibel eben nicht darin, dass immer alles glatt geht, sondern darin, dass wir auch in schwierigen Situationen darauf vertrauen dürfen, dass Gott mit uns ist und uns Kraft gibt, auch die Krise zu durchstehen.

Aber wo unsere Versuche, Antworten zu finden, scheitern, können wir beten und Gott bitten:

  • um Glauben und Vertrauen, dass er mit uns ist, wenn uns die Krankheit trifft oder vieles zerbricht, worauf wir uns bisher verlassen haben. In ihm sind wir geborgen, er wird Hilfe schenken.
  • um Hoffnung und Zuversicht, dass es Wege aus dieser Krise geben wird. Manches wird danach anders sein. Aber vielleicht liegt in der Krise auch die Chance für neue Wege des Miteinanders.
  • um Liebe, die unseren Egoismus überwindet, die unvermutet zwischen Menschen aufblüht, weil er sie schenkt, und die im Nehmen und Geben mein Leben und das Anderer erfüllt.

Bildnachweis: Vektor Kunst, pixabay
Dieser Artikel ist dem zweiwöchentlich erscheinenden Magazin »unterwegs«  der Evangelisch-methodistischen Kirche – Nummer 9/2020 vom 26. April 2020 – entnommen.

Der Autor
Dr. Walter Klaiber ist Bischof i. R. der Evangelisch-methodistischen Kirche. Er lebt im Ruhestand in Tübingen. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Augenmaß, Zuversicht und feines Gespür

Sa., 04/25/2020 - 05:52

Die Politik hat unter bestimmten Auflagen Lockerungen für den seit Mitte März geltenden sogenannten »Lockdown« beschlossen. Noch gilt das für die Kirchen nicht im Allgemeinen. Zuerst Sachsen, seit dem vergangenen Montag, 20. April, und seit Donnerstag, 23. April, auch Thüringen haben unter strengen Auflagen Gottesdienste mit stark begrenzter Personenzahl wieder zugelassen. Auf die sukzessive ab Anfang Mai wohl auch für Gottesdienste geltenden weiteren Lockerungen bereiten sich die Kirchen vor. Welche Überlegungen gibt es dafür in der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK)?

Gemeindeleben ist mehr als Gottesdienst

»Wir staunen jeden Tag neu, wie vielfältig gelebter Glaube auch in Corona-Zeiten an vielen Stellen in unseren Gemeinden gelingt«, staunt Gabriel Straka. Der Superintendent für den EmK-Distrikt Berlin ist dankbar, dass Gemeinden die aktuelle Situation mutig anpacken und kreative Lösungen entwickeln. Neben digitalen Angeboten gibt es radelnde Zeitschriftenverteiler, pastorale Hauptamtliche bringen ihre schriftlichen Predigten in die Häuser und in der Osternacht unterwegs befindliche »Straßenmalkünstler« bringen die Botschaft des Auferstandenen auf Straßen und Gehwege an. »Das sind vielfältige Lebensäußerungen unserer Kirche, die Mut machen und Zuversicht vermitteln«, erklärt Harald Rückert, der für Deutschland zuständige Bischof der EmK.

Die Gremien vor Ort mit einbeziehen

»Auf Basis dieser ermutigenden Beobachtungen sollen die nächsten Schritte bedacht werden, um die von der Politik beschlossenen Lockerungen an die eigene kirchliche Situation anzupassen«, beschreibt Rückert die Herausforderung, in der sich die Gemeinden jetzt befinden. Dabei sei Augenmaß nötig, um mit Zuversicht und Gespür für das, was den Menschen dient, Lösungen zu finden. Es gehe nicht einfach darum, schnellstmöglich wieder Gottesdienste abzuhalten. »Wie wir als Methodisten Gemeinde leben, soll dabei leitend sein«, betont der Bischof. Schließlich definiere sich eine Gemeinde nicht nur durch den Sonntagsgottesdienst, sondern durch Gemeinschaft, Singen, Gespräche, Bibelstunden, Gruppenstunden oder die fröhliche Begegnung beim Kirchkaffee.

»Wir wollen uns auf einen gemeinsamen Stufenplan verständigen, was Gottesdienste und andere Veranstaltungen angeht«, ist daher die Vereinbarung aus einer Videokonferenz vom Donnerstag dieser Woche (23. April). Bischof Rückert hatte sich dabei mit den Superintendenten der neun Distrikte über das weitere Vorgehen beraten. Für das auf Gemeinschaft beruhende freikirchliche Gottesdienst-Modell stellten sich jedoch die politisch formulierten Angebote für Gottesdienste mit hauptsächlich an begrenzten Teilnehmerzahlen orientierten Regelungen schwierig dar. Das entspreche nicht dem, »was der Gottesdienst in unserer Kirche den Menschen bedeutet«, heißt es im Sitzungsprotokoll. Deshalb müssten für passgenaue Lösungen vor Ort die dort zuständigen Gremien »stärker mit ins Boot genommen werden«.

Gute Vorbereitung ermöglicht sorgsamen Start

In einer ersten Stufe der Vorbereitung auf mögliche Lockerungen sollten sich die zuständigen Gremien der Gemeinden über Videokonferenz, Telefonkonferenz oder E-Mail beraten. Die zur Verfügung stehende Zeit solle genutzt werden, um vorbereitende Maßnahmen in Gang zu setzen. Dazu gehörten eine umsichtige Raum- und Wegeplanung in kirchlichen Räumen, die Bevorratung mit Hygieneartikeln oder die Einweisung von Personen für Aufsicht und Anweisungen. Von Seiten der Kirche würden dazu Informationen und Vorlagen zur Verfügung gestellt. In der zweiten Phase, die ab Anfang Mai erwartet werde, wenn die Politik weitere Lockerungen verfügt, müsse »weiterhin flexibel und in überschaubaren Schritten gehandelt werden«. Eines, so heißt es aus dem Kreis des Bischofs und der Superintendenten, müssten die Gemeinden unbedingt beachten: »Gottesdienste im Zuge der Lockerungsmaßnahmen werden noch eine ganze Zeit lang anders sein als bislang gewohnt.«

Außerdem gelte es klug und verantwortlich abzuwägen, um die Lockerungen in Anspruch zu nehmen. Dabei müsse Rücksicht auf unterschiedliche Bedürfnisse genommen werden, Personen müssten geschützt werden und Menschen sollten nicht plötzlich in Zugzwang gebracht werden, an kirchlichen Veranstaltungen teilzunehmen. Deshalb könne der weitere Verzicht auf Gottesdienste für manche Gemeinden durchaus auch eine Option sein. In diesem Sinne, so Rückert, könne Religionsfreiheit auch bedeuten, »dass wir nicht alles mitmachen müssen, was der Staat uns an Freiräumen ermöglicht«.

Kirchen können zum Gebet geöffnet werden

Neben diesen ersten Schritten wird den Gemeinden ab sofort die Möglichkeit gegeben, die bisher geschlossenen kirchlichen Gebäude »für die persönliche Besinnung und das Gebet« zu öffnen. Voraussetzung dafür ist die Zustimmung des zuständigen Superintendenten und die Einhaltung von Auflagen. Dazu gehörten eine anwesende Aufsichtsperson, klare Regelungen für Hygienemaßnahmen und die Einhaltung des erforderlichen Abstands, die Beachtung des Zugangs nur für Einzelpersonen, um die Grenze zu einer Versammlung nicht zu überschreiten, sowie die Eintragung in Listen zur möglichen Nachverfolgung von Infektionsketten, wenn dies erforderlich ist.

Bildnachweis: Melanie Ott

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Das kreative Angebot in der EmK während Corona-Zeiten

Spannende Wanderschaft

Di., 04/21/2020 - 05:58

Von 1989 bis 2005 war Walter Klaiber aktiver Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Zunächst nur für den damaligen Westteil Deutschlands zuständig, wurde er ab 1992 Bischof für die wiedervereinigte Zentralkonferenz Deutschland der Evangelisch-methodistischen Kirche. Vor seiner Zeit als Bischof war Klaiber von 1965 bis 1969 Gemeindepastor in Nürnberg. Nach seiner Zeit als Assistent an der theologischen Fakultät in Tübingen wurde er 1971 zum Dozenten für Griechisch und Neues Testament an das Theologische Seminar der Evangelisch-methodistischen Kirche in Reutlingen berufen (heute Theologische Hochschule Reutlingen) und 1972 von der Universität Tübingen zum Doktor der Theologie promoviert. Von 1977 an bis zu seiner Wahl zum Bischof leitete er die theologische Ausbildungsstätte der EmK für den gesamten deutschsprachigen Raum als Rektor. Seit Beginn seines Ruhestands ist Klaiber mit Vorträgen, Predigtdiensten und Veröffentlichungen aktiv. Eine besondere Berufung ist ihm seither die Arbeit an der Kommentarreihe »Die Botschaft des Neuen Testaments«, die er selbst begründet hat. In einem Interview stellte er sich den Fragen der emk.de-Redaktion.

Das Leben ist in Gottes Hand

emk.de: Im Jahre 1940 geboren, gehörst du der Kriegskind-Generation an. Wie hat das am Anfang des Lebens deinen Glauben geprägt?

Bischof Dr. Walter Klaiber: Die Erfahrung des Krieges ist sehr prägend für mein Leben geworden. Meine ersten Erinnerungen haben alle mit dem Krieg zu tun. Ich bin in Ulm aufgewachsen, einer Stadt, die ab 1943 sehr stark von Bombenangriffen betroffen war. Und ich habe viele Erinnerungen an Stunden im Bombenkeller, an bange Fragen, wenn wir wieder nach Hause gingen: »Wie wird das sein, wird unser Haus noch stehen?« Das Interessante ist, dass ich mich nicht erinnere, dass ich Angst hatte. Es war nur alles sehr merkwürdig. Aber ich glaube im Nachhinein, dass ich in einer Atmosphäre aufgewachsen bin, in der man wusste: das Leben ist in Gottes Hand.

Meine frühen Lebensjahre waren weiterhin davon geprägt, dass ich relativ viel bei meinen Großeltern war. Meine Großeltern waren sehr, sehr fromme Leute. Da war das Leben im Alltag ganz stark vom Gebet bestimmt. Ich erinnere mich überhaupt nicht an irgendwelche einzelnen Aussagen. Aber in meiner Erinnerung bin ich überzeugt, dass auch hier die Erfahrung von Geborgenheit eine ganz wichtige Rolle für mein späteres Leben gespielt hat.

Was für eventuelle Weichenstellungen gab es in der Kinder- und Jugendzeit für die spätere Entscheidung, in den pastoralen Dienst und in den Lehrdienst zu gehen?

Ich bin in sehr lebendigen Gemeinden aufgewachsen – zunächst in Ulm, später in Tuttlingen. In Ulm bin ich in die Sonntagsschule gegangen und erinnere mich nicht, dass da schon irgendwelche Gedanken an die Zukunft bei mir auftauchten. Aber in Ulm laufen Legenden um, dass ich gelegentlich auf einen Stuhl gestanden sei und meine Brüder und andere mit einer Predigt unterhalten habe. Aber das ist etwas, woran ich mich selbst nicht erinnere. Viel wichtiger für diese Entscheidung war dann die Zeit in Tuttlingen ab meinem zwölften Lebensjahr. Wir waren ein großer, sehr lebendiger Jugendkreis. Es ist nicht von ungefähr, dass aus diesem Jugendkreis drei Leute meiner Generation in den Pastorendienst gegangen sind, die alle auch Pastoren bis in den Ruhestand hinein geblieben sind.

Berufsziel: Lehrer für Deutsch und Geschichte

Es wird erzählt, dass du schon als Jugendlicher eine Evangelien-Harmonie erstellt hast, also eine Zusammenstellung der Berichte über Jesus in einer zeitlich stimmigen Reihenfolge. Was hat dich an der Bibel als Jugendlicher schon so fasziniert?

Es war keine ganze Evangelien-Harmonie, aber Ansätze dazu. Nachdem ich bewusst Christ sein wollte – das war in meinem fünfzehnten Lebensjahr – habe ich auch sehr ernsthaft die Bibel gelesen und habe versucht, manches zu verstehen. Unter anderem habe ich mit Hilfe des großen Anhangs zur Stuttgarter Jubiläumsbibel versucht, sowohl die Berichte der Berufung der Jünger als auch die Berichte der Oster-Erscheinungen in eine historische Reihenfolge zu bringen. Und das ist mir nicht gelungen. Das ist auch ohne Gewalttätigkeit nicht so leicht möglich. Damals gab es in der Gemeinde niemanden, auch nicht der Pastor, der mir erklären konnte, woran das liegt.

Ich habe dann etwas später im Alter von siebzehn Jahren Hilfen gesucht in theologischer Literatur. Eine Klassenkameradin hat mir die Bibliothek ihres Vaters geöffnet, und da habe ich schon viel gelesen. Ich war also sehr an der Theologie interessiert, auch an Fragen von Naturwissenschaft und Theologie. Da haben mir Religionslehrer weitergeholfen. Aber ich habe nie mit dem Gedanken gespielt, sozusagen aus Interesse, Theologie zu studieren. Sondern ich wollte Lehrer werden, Geschichte und Deutsch studieren. Die Theologie kam erst dann in den Blick als die Berufung zum Pastor klar war.

Wann war diese Berufung, die dann zum Wechsel ins Fach Theologie führte?

Ich hatte mit neunzehn Jahren mein erstes Semester in Tübingen angefangen und hatte mich lange gegen die Berufung gewehrt. Damals waren aktive junge Leute – junge Männer damals – nicht davor gefeit, berufen zu werden. Ich wollte mich da nicht zwingen lassen. Aber es war mir nach meinem ersten Semester klar: Mein Weg muss ins Predigtamt gehen. Es war einfach der innere Ruf »Ich muss das Evangelium, die gute Botschaft weitergeben.«

»Wir können jetzt vieles neu gestalten«

Das Studium und vor allem die Zeit des pastoralen Dienstes in Nürnberg gerieten in die sogenannten 68-er-Jahre der gesellschaftlichen Umwälzung in Deutschland. Was bedeutete dies für den Glauben, die persönliche Frömmigkeit, das Studieren in der Bibel und das Pastor-Sein?

In meiner Studienzeit war diese Bewegung in dieser Stärke noch nicht zu spüren, sondern in der Zeit als Pastor und vor allem in meiner Zeit als Assistent an der Theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Ich gehörte nicht in die vorderste Front der Rebellen, die auf die Barrikaden gegangen sind, aber hatte durchaus Sympathie für gewisse Forderungen sowohl in der Gesellschaft als auch in der Kirche. Meiner Ansicht nach war es für meine Generation sehr wichtig, dass die Vereinigung der Evangelischen Gemeinschaft und der Methodistenkirche mit dieser gesellschaftlichen Entwicklung zusammenfiel. Es kamen ja zwei Traditionen zusammen, die nicht deckungsgleich waren, weshalb die Berufung auf »die Tradition« nicht so einfach war.

Unser Eindruck war: Wir können jetzt vieles neu gestalten. Wir können vor allen Dingen die Beteiligung an Entscheidungen verbreitern, die Jugend stärker mit hineinnehmen. Es war sicher auch wichtig, dass Bischof Sommer damals ein weites Herz hatte und sich vieles mindestens anhörte und versuchte zu begleiten, sodass wir hier ein weites Feld fanden. Ich gehörte nicht zu denen, die in unserer Kirche auch mit relativ steilen Forderungen an die Öffentlichkeit getreten sind. Aber ich hatte Sympathie für mehr Offenheit, für mehr Freiheit, und das fiel eben auch mit dem zusammen, dass ich im Studium durch die Begegnung mit der Reformation, durch die Begegnung mit Paulus etwas von der Freiheit des Evangeliums gegenüber mancher Enge in der eigenen Tradition entdeckt habe.

Die Berufung als Dozent ans Theologische Seminar der jetzt vereinigten Kirche war im Jahr 1971. Die gesellschaftlich nach wie vor bewegten Zeiten und Umbrüche haben auch diese pastorale Ausbildungsstätte betroffen. Dazu gehörte seinerzeit auch die Diskussion um die sogenannte Historisch-kritische Methode zur Auslegung der Bibel. Wie hat das den Kontakt mit den Gemeinden geprägt?

Tatsächlich war der Neuanfang des vereinigten Seminars in Reutlingen ein sehr, sehr starker Traditionsbruch im Leben beider Vorgängerseminare. Ich spürte, dass viele Leute – nicht alle – erwarteten, dass ich frischen Wind reinbringe. Auch die Studierenden haben das so erwartet. Wenn ich heute zurückblicke, bin ich überzeugt, dass ich die ersten Jahrgänge, mit denen ich zu tun hatte, sicher in manchem überfordert habe, weil ich selber noch mit dem Stoff kämpfte und weil ich mich nun unter dem Anspruch fand, die Fülle der neueren Theologie, insbesondere der historisch-kritischen Auslegung auch einzubringen. Andererseits denke ich, dass es vielen, die selbst manches in Frage stellten, auch geholfen hat, Wege zu finden, die nicht nur Fragen stellten, sondern auch neue Antworten boten. Das habe ich als Aufgabe angesehen, und das ist sicher auch bei manchen angekommen.

Ich war natürlich auch manchmal Zielscheibe von Kritik, gerade auch in Gemeinden. Wenn ich aber darzulegen versuchte, dass viele Fragen, die ich aus der historisch-kritischen Auslegung aufgenommen habe, für mich schon ihren Ursprung in meiner eigenen, aufmerksamen Bibellektüre hatten, habe ich eigentlich immer eine Offenheit erlebt. Wenn sie hörten, dass ich da nicht nur Fragen gefunden habe, sondern auch Antworten, hat das nicht wenige Gemeinden, die zunächst kritisch waren, überzeugt oder offen gemacht für diese neue Form der Bibelauslegung. Ich habe dabei deutlich zu machen versucht, dass es nicht um die historisch-kritische Auslegung gewissermaßen als neue Heilslehre geht, sondern dass es um ein Werkzeug geht, um das Evangelium, die Frohe Botschaft noch besser zu verstehen. Ich denke, dass das auch – mindestens zum Teil – so angekommen ist.

Leitung durch Schriftauslegung

Erneut ein Umbruch fällt mit der Wahl zum Bischof 1989 zusammen. Eine für Deutschland sehr prägende Zeit der Veränderung, die 1992 zur Kirchenvereinigung von Ost und West führte. Was daran war gelungen und gut, was waren Dinge, die vielleicht auch eine andere Betrachtung gebraucht hätten?

In der Kirche wüsste ich eigentlich nicht ohne weiteres viel zu sagen, was wir hätten anders machen müssen. Während man ja in der Politik davon sprechen kann, dass die fast handstreichartige Übernahme des Ostens möglicherweise hätte behutsamer vonstattengehen können, sehe ich in der Kirche nicht ohne weiteres, dass wir große Fehler gemacht hätten. Wir sind sehr behutsam miteinander umgegangen. Ich habe dann auch als Bischof der Ostdeutschen Konferenz versucht, ihre Eigenart immer zu berücksichtigen und zu respektieren und mit der Konferenz so zu arbeiten, wie sich das aus der DDR-Vergangenheit ergeben hatte. Damit habe ich auch sehr gute Erfahrungen gemacht. Obwohl es teilweise schwierige Fragen waren, vor allem auch in Finanzdebatten, habe ich diese Zeit doch als eine sehr gute Zeit in Erinnerung. Das gilt besonders auch für die späteren Jahre, als ich vor allem auch in der Ostdeutschen Konferenz wie einer gelebt habe, der dazugehört.

Aus deiner Zeit als Bischof stammt das Motto »Leitung durch Schriftauslegung«. Was waren dafür die Gesichtspunkte, die dich in der Leitungsverantwortung als Bischof bewegt haben?

Ich möchte dieses Schlagwort nicht überstrapazieren. Es gibt sicher auch Aspekte von Leitung, die andere Methoden, andere Perspektiven nötig machen. Aber es lag für mich als Exeget eben nahe, aus der Auslegung der Botschaft der Bibel heraus die Fragen, die wir in der Kirche hatten, zu bedenken und – wenn möglich – zu beantworten: Wie geht unsere Arbeit weiter? Was müssen wir, was können wir tun?

Hier müssen wir auch berücksichtigen, dass die Leitungsbefugnisse eines Bischofs unserer Kirche sehr ambivalent sind. Auf der einen Seite wird Leitung und Führung erwartet, auf der anderen Seite sind in fast allen Fragen die Gremien entscheidungsbefugt. Die Gremien waren in meiner Zeit relativ zurückhaltend, sich inhaltlich leiten zu lassen, obwohl sie auf der anderen Seite auch signalisierten, sie erwarten Führung. Insofern war es für mich einfach naheliegend, entweder durch direkte Bibelauslegung bei Andachten und Predigten diese Leitung auszuüben, oder auch indirekt, indem ich mit Papieren oder Thesen, die ich in bestimmte Prozesse hineingegeben habe, versuchte, Grundaussagen der Bibel für unsere Arbeit fruchtbar zu machen.

Missionarisches Bewusstsein in der Ökumene wecken

Als Bischof bist du an vielen Stellen ökumenisch tätig gewesen. Wie konntest du hier methodistisches Profil einbringen?

Wir hatten ja als Methodisten in der Ökumene immer auf vielen Ebenen bis hinein in die Weltebene eine gewisse Vermittlerrolle. Ein orthodoxer Freund sagte mir, Leute die aus einer bischöflich-synodalen Tradition kommen, haben eine Leitungserfahrung, die in der Ökumene sehr hilfreich ist: nämlich Leitungskompetenz, aber auch ein Gespür dafür, dass man Gremien dann auch die Dinge entwickeln lassen muss. Es gab immer wieder schwierige Situationen. Aber da hilft es, wenn man Konferenzerfahrung hat.

Als Kirche haben wir auch eine gewisse Mittelstellung zwischen den Freikirchen, den Landeskirchen, auch durchaus eine überraschende Nähe zur katholischen Kirche – mindestens wie sie sich hier in Deutschland gestaltet – das hat alles dazu geführt, dass ich in der Ökumene viel Hilfreiches tun konnte.

Sehr wichtig war mir – und ich habe das auch in einen Prozess eingebracht, der um die Jahrtausendwende stattgefunden hat –, ein missionarisches Bewusstsein in die Ökumene hineinzubringen. Es gab den Prozess »Aufbruch zu einer missionarischen Ökumene«, der keine großen Events veranstaltet hat, der aber doch die Bewusstseinsbildung in den einzelnen Kirchen stark mit gefördert hat. Das hat das Bewusstsein dafür geschärft, dass Mission nicht vor allem die Rekrutierung von Kirchengliedern für die eigene Kirche bedeutet, sondern die Weitergabe der Botschaft des Evangeliums, zu der wir alle gemeinsam verpflichtet sind.

Von der Vermittlerrolle der Methodisten war schon die Rede. In Deutschland ist das immer wieder eine Position zwischen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, der Vereinigung Evangelischer Freikirchen und dem Evangelikalismus. Wie ist es dir gelungen, in diesem gesamten Gebiet christlicher Begegnung Brücken zu schlagen?

Ob mir das gelungen ist, ist eine für mich ganz offene Frage. Was ich als angenehm empfunden habe, dass in den 1990-er-Jahren und dann nach der Jahrtausendwende die Kontroverse zwischen Evangelikalen und Ökumene nicht mehr in dieser Schärfe geführt wurde, sondern dass eine viel größere Gesprächsbereitschaft da war. Das hat sehr geholfen, auch mit beiden »Lagern« zu sprechen.

Für mich persönlich war hilfreich, dass ich von meiner Jugend her eine Liebe zur Evangelischen Allianz mitgebracht habe und dann später die ökumenische Weite sehr schätzen gelernt habe, sodass ich versuchen konnte hier Brücken zu bilden. Aber es muss auch klar gesagt werden, dass für uns als Kirche diese Vermittlungsposition auch einen ziemlichen Nachteil bedeutet. Nach meiner Beobachtung haben heute am religiösen Markt eher ausgeprägte Positionen eine Chance. Ein gewisser Anti-Ökumenismus ist auf freikirchlicher Seite durchaus ein gutes Werbemittel – leider. Und wir sind nicht zuletzt deswegen in Schwierigkeiten, weil wir nicht die klare Alternative zu irgendetwas anderem bieten können und auch nicht bieten wollen.

Wandern zwischen verschiedenen theologischen Welten

Du bist auch im Ruhestand noch sehr aktiv. Aus der Fülle an Aktivitäten sei die Arbeit am Neukirchener Bibelkommentar »Die Botschaft des Neuen Testaments« herausgegriffen. Wie kam es dazu, dass du diese Reihe aus der Taufe gehoben hast?

Ich hatte immer wieder die Überlegung, ob man nicht Kommentare schreiben könne, die auf der einen Seite wissenschaftlich fundiert sind und auf der anderen Seite wirklich auch für Nicht-Theologen verständlich. Wer die deutsche Kommentarlandschaft ansieht, wird feststellen, dass gerade die ursprünglich allgemeinverständlich gedachten Kommentare immer wieder dazu neigen, letztlich doch in eine Fachsprache einzumünden, die man nur mit theologischen Vorkenntnissen verstehen kann. Das hat mich schon lange bewegt. Am Anfang meines Ruhestands las ich von dem Schweizer Neutestamentler Ulrich Lutz in einer Lebensbeschreibung, dass er seine Kollegen auffordert, Kommentare zu schreiben, die wirklich allgemeinverständlich, aber wissenschaftlich fundiert sind. Das habe ich als Ruf angesehen und habe dann einmal begonnen, eine solche Auslegung beim Römerbrief zu versuchen. Die ersten Beispiele habe ich an den Neukirchener Verlag geschickt, der sofort damit einverstanden war, eine Reihe zu begründen.

Es hat mir viel Freude gemacht, viele dieser Kommentare selber zu schreiben, vor allen Dingen, weil mich das selber auf eine unendlich spannende Wanderschaft zwischen den verschiedenen theologischen Welten innerhalb des Neuen Testamentes brachte – vom Römerbrief und anderen Paulusbriefen zu Markus, zu Matthäus, dann zu Johannes und zuletzt auch noch zur Offenbarung. Es war immer wieder ganz neu herauszufinden, was ist denn nun die ganz eigengeprägte Botschaft dieser theologischen Gewährsleute, und was ist die gemeinsame Botschaft des Neuen Testaments. Das war sehr spannend und ich bin außerordentlich dankbar, dass ich das tun konnte, und dass das offensichtlich ganz gut bei der Zielgruppe ankommt.

Wie sind die Reaktionen?

Die Reaktionen kommen aus zwei verschiedenen Gruppen. Das eine ist die eigentliche Zielgruppe: Laienprediger und andere Leute, die sich für Theologie interessieren, aber auch Personen, die die Bibel näher kennenlernen wollen. Interessanterweise kommen aber auch viele sehr dankbare Reaktionen aus einem Kreis, den ich nicht als primäre Zielgruppe hatte, nämlich Pastoren und Pfarrer, weil sie einfach sehen, »hier bekommen wir eine Auslegung die botschaftszentriert ist und das hilft uns sehr beim Predigen«.

Auf Gottes Liebe ist Verlass

Du hast nach wie vor viele Kontakte, auch zu jüngeren Menschen. Wenn du heute jungen Leuten etwas mit auf den Weg geben wolltest, was würdest du ihnen aus deiner Erfahrung und aus deinem Leben mit der Bibel gerne mitteilen?

Dass sie sich auf Gottes Liebe verlassen können. Dass sie in dem, wie Jesus Christus gelebt hat und für uns gestorben ist, und in dem, wie das die ersten Theologen der Christenheit – wie beispielsweise Paulus – ausgelegt haben, erkennen, dass diese Liebe Gottes verlässlich ist und sie begleitet. Das gilt in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen: wo wir Erfolg haben und wo wir Perspektiven sehen, aber auch dort, wo wir in Schwierigkeiten sind und wo wir Fehler machen. Und es gilt auch da, wo wir fragen müssen, wie geht es weiter?

Bildnachweis: EmK-Öffentlichkeitsarbeit (Volker Kiemle)

Die Fragen stellte Klaus Ulrich Ruof, der unter Walter Klaibers Ägide von 1980 bis 1984 am Theologischen Seminar in Reutlingen Theologie studierte. Die persönliche Anrede erklärt sich aus der pastoralen Verbindung innerhalb der Evangelisch-methodistischen Kirche und der Zusammenarbeit mit dem Interviewten in pastoralen Aufgaben während der aktiven Dienstzeit von Bischof Dr. Walter Klaiber.

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
Kommentarreihe »Die Botschaft des Neuen Testaments«

Weltweiter Oster-Chor

So., 04/19/2020 - 06:36

Wie erst jetzt bekannt wurde, hat die Medienagentur der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in den USA zu Ostern einen weltweit eingesungenen Osterchoral veröffentlicht. Über dreihundert Methodisten aus aller Welt hatten den Oster-Choral »Christ, der Herr ist auferstanden« eingesungen und per Video zur Verfügung gestellt. Er ist eines der bekanntesten Lieder von Charles Wesley und steht weltweit in vielen Gesangbüchern verschiedenster Denominationen.

Das Video war gemeinsam von der EmK-Medienagentur und dem Arbeitszweig für Evangelisation (Discipleship Ministries), die beide in Nashville, im US-Bundesstaat Tennessee beheimatet sind, produziert worden. Seit dem Karfreitag, dem 10. April, ist es zugänglich und verzeichnet inzwischen auf der Video-Plattform You-Tube fast 150.000 Aufrufe.

Bildnachweis: Screenshot aus dem Video

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Video-Direkt-Link zu You-Tube
Link zur ursprünglichen Meldung auf umc.org (Englisch)

Zur Information
Der Text des Chorals »Christ, der Herr ist auferstanden« stammt von Charles Wesley aus dem Jahr 1739. Die dazugehörige Melodie ist ursprünglich aus dem Jahr 1708, der zughörige Satz aus dem Jahr 1877. Im Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland (EM) ist es unter der Nummer 224 zu finden, im United Methodist Hymnal (UMH) unter der Nummer 302.

Unschärfe fordert genaueres Hinschauen

Do., 04/16/2020 - 11:00

Der dritte, im kommenden Jahr in Frankfurt am Main stattfindende Ökumenische Kirchentag (ÖKT) hat ein Gesicht. Am gestrigen Mittwoch (15. April) stellten Bettina Limperg und Thomas Sternberg das Kampagnenmotiv in einer Video-Pressekonferenz vor. Zusammen mit Benjamin Schwarz von der Berliner Werbeagentur »Part« erklärten die Präsidentin und der Präsident des ÖKT die für das Leitwort »Schaut hin« entwickelte Kampagne.

Hinschauen gefordert

Das dem Kirchentags-Leitwort zugrundeliegende Bibelwort ist dem Markusevangelium (Kapitel 6, Vers 38) entlehnt. Dort fordert Jesus vor der dann folgenden Speisung der Fünftausend seine Jünger auf, genau nachzuschauen, wie viele Brote vorhanden seien. Um dieses genaue Nachschauen oder Hinschauen gehe es bei dieser ökumenischen Großveranstaltung. Dafür sei das Motiv »ein echter Hingucker«, sagte ÖKT-Präsidentin Limperg im Rahmen der Präsentation. Die grafisch bewusst inszenierte Unschärfe irritiere zunächst. Wer hinschaue, müsse gleich noch ein zweites Mal hinschauen. Damit werde das Schauen zum Tun, weil der Blick geschärft werden müsse. So rücke die Übernahme von Verantwortung für die Themen und Ressourcen unserer Zeit ins Blickfeld. Gleichzeitig eröffne der Farbverlauf zwischen Blau und Pfirsich-Orange den Blick in eine hoffnungsvolle Weite.

Aus Hinschauen entsteht Handeln

Erdacht wurde das Motiv der Kampagne von der Berliner Agentur »Part«. »Die Kampagne fordert die Menschen nicht nur auf, sondern animiert sie regelrecht dazu, hinzuschauen«, erklärt Geschäftsführer Benjamin Schwarz die bewusst eingesetzte Unschärfe. Diese erfordere nämlich genaues Hinsehen, das auch in vielen Alltagssituationen nötig sei. »Wir wollen, dass die Menschen aus diesem Motiv den Anreiz zur Beteiligung mitnehmen, aber auch das Signal spüren: Es lohnt sich, es wird gut, wenn wir genauer hinsehen und daraus ein Handeln entsteht.«

Die EmK beim ÖKT

Der Ökumenische Kirchentag findet vom 12. bis 16. Mai 2021 in Frankfurt am Main statt. Er wird gemeinsam veranstaltet vom Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Die Veranstalter erwarten für dieses »Fest des Glaubens« und die vielen Veranstaltungen zum Nachdenken über Fragen der Zeit über 100.000 Teilnehmer. Nach 2003 in Berlin und 2010 in München findet der Ökumenische Kirchentag im kommenden Jahr zum dritten Mal statt.

Die Evangelisch-methodistischen Kirche wird mit einem eigenen Stand auf der »Agora« des ÖKT vertreten sein. In diesem nach dem antiken Marktplatz genannten Bereich präsentieren sich viele Kirchen, Gemeinschaften und Werke. Unter anderem plant die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) einen größeren zusammenhängenden Auftritt beteiligter Freikirchen, in dessen Rahmen auch die EmK ihren Stand einbringen wird.

Bildnachweis: ÖKT

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Internetpräsenz des ÖKT
Werbelinie des ÖKT
Werbematerialien zum ÖKT 

Das Kreuz vor der Tür

Sa., 04/11/2020 - 07:15

Ein Weihnachtsbaumständer mit einem vertrockneten, astlosen Weihnachtsbaumstamm steht da am Gehwegrand vor der Tür zur Hausnummer Fünf der Münchner Frauenlobstraße. Etwas eigenartig, fast deplaziert wirkt das Ensemble, das sich mit Querbalken und Stacheldrahtkranz auf den zweiten Blick als Kreuz verstehen lässt. Schon seit Montag dieser Woche steht das Kreuz dort am Wegesrand. Hinter den Eingangstüren geht es in die Räumlichkeiten der dort beheimateten Friedenskirche der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Was aber hat es mit diesem eigenartigen Ensemble auf sich?

Zeichen der Verbundenheit mit Menschen des Stadtteils

»Traditionell steht in der Passionszeit in unserer Kirche ein Kreuz, das aus dem Stamm des Christbaums besteht«, erklärt die Gemeinde diese öffentliche Installation. In der Erklärung zu ihrem Ostergottesdienst in der im Internet zugänglichen »Soundcloud« beschreiben sie den Brauch methodistischer Gemeinden in England, den Stamm des Christbaums zum Kreuz umzuwandeln. An Ostern würden dann alle Gottesdienstbesucher Blumen mitbringen, mit denen das vertrocknete Weihnachtsbaumkreuz zum Erblühen gebracht werde.

Weiter heißt es dann, dass die Münchner EmK-Gemeinde in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie an Ostern geschlossen bleibe. Deshalb hätten sie das Kreuz kurzerhand »vor die Tür in der Frauenlobstraße 5 in München gestellt«. Jetzt hätten Passanten dort die Möglichkeit, innezuhalten und ihre Sorgen und Ängste am Kreuz abzugeben oder ein Gebet zu sprechen. Auf einem Plakat gibt es dazu einige kleine Hinweise. Passanten werden eingeladen, an diesem Kreuz zu Ostern Blumen der Hoffnung, der Zuversicht und des Dankes anzubringen. Damit will die Friedenskirche ein Zeichen der Verbundenheit setzen für die Menschen aus dem Stadtteil mit ihren Sorgen und Hoffnungen in der Corona-Krise.

Akustisch buntes Blumenkreuz

Kurt Junginger, der Pastor dieser am Rand der Münchner Innenstadt gelegenen EmK-Gemeinde, berichtet, dass immer wieder Menschen stehen bleiben. Außerdem hätten sich einige Nachbarn für diese Initiative bedankt, von der zwischenzeitlich auch die Süddeutsche Zeitung und das Internetforum des Stadtteils berichteten.

Weil die Gemeinde in diesem Jahr ihr Osterkreuz nicht selber schmücken kann, ist eine andere Idee umgesetzt worden. Die Gemeindeglieder stellten einen gut einstündigen Ostergottesdienst zusammen, der ein »akustisches buntes Blumenkreuz« ist. Die Pressebeauftragte der Gemeinde, Elke Dillmann, erklärt, dass »sehr viele Menschen aus der Gemeinde in ihren Wohnungen Musik und größtenteils selbstverfasste Texte mit ihren Handys aufgenommen haben«, die zu einem »experimentellen und anrührenden Ostergottesdienst« zusammengefügt worden seien. Der ist jetzt schon in der Soundcloud anzuhören. Diesen Gottesdienst werden wohl nicht nur die Münchner Methodisten anhören. Wer weiß, wie viele Nachbarn im Stadtteil einmal »reinhören« werden, um die Gemeinde hinter dem »eigenartigen Ensemble« am Gehwegrand der Münchner Frauenlobstraße ein wenig kennenzulernen. Vielleicht lernen sie ja dann auch Jesus ein wenig kennen.

Bildnachweis: Elke Dillmann

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Ostergottesdienst der EmK-Gemeinde München Friedenskirche (Audio)


Die entscheidende Perspektive gegen die Angst

Do., 04/09/2020 - 19:00

Anlässlich der Corona-Pandemie finden in der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) und in anderen Kirchen seit Mitte März deutschlandweit keine gottesdienstlichen Veranstaltungen statt. Dies betrifft auch die Gottesdienste an Karfreitag und Ostern. Für den morgigen Karfreitag (10. April) bietet die Evangelisch-methodistische Kirche deshalb die deutschlandweite Übertragung eines Gottesdienstes mit Bischof Harald Rückert an, der über Internet verfolgt werden kann.

In seiner per Internet übertragenen Predigt nimmt der für Deutschland zuständige Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche angesichts der aktuellen Corona-Pandemie die allgemeine Lage auf. Fast alle Überlegungen und Planungen seien durchkreuzt. Dazu gehöre auch die Erfahrung, dass deutschlandweit alle Gottesdienste untersagt seien und damit auch die an Karfreitag üblichen Abendmahlsfeiern nicht stattfinden könnten. Die leeren Abendmahlsgefäße bei der Gottesdienstübertragung verdeutlichten in ihrer bildlichen Darstellung diese durchkreuzten Pläne. Die daraus erwachsenden Sorgen, Befürchtungen und Ängste seien real und bedrängend. Mit Verweis auf das Jesus-Wort »In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden« (Johannes 16,33) betont Rückert, dass Christus überwunden habe, was in der Welt Schrecken und Angst verbreite. »Das eröffnet die entscheidende Perspektive für uns«, ist Rückert überzeugt.

Die Dramatik der Ereignisse um Karfreitag mit Jesu Tod und seiner Auferstehung an Ostern spitzt der Bischof in dem Satz zu: »Der Tod wird sich an Jesus erfolglos abrackern und totlaufen«. Das dürfe, so Rückert, zu einer tiefen Gewissheit führen. Bei allem, was Menschen bleibend aus den Händen genommen werde, bleibe »felsenfest« bestehen, »dass Jesus uns nahe ist, der mitten durch Bosheit, Leid und Tod hindurch die Angst der Welt überwunden hat«.

Bildnachweis: Leonie Minor

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Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Gottesdienst zu Karfreitag mit Bischof Harald Rückertfreigeschaltet ab Karfreitag, 10. April 2020, um 10 Uhr – der Gottesdienst kann auch später noch angeschaut werden.
Predigt zu Karfreitag von Bischof Harald Rückert (Persische Übersetzung, Audio mp3)
Text der Predigt zu Karfreitag von Bischof Harald Rückert (PDF)

Verantwortung übernehmen mit Besonnenheit und Hoffnung

Mo., 04/06/2020 - 13:24

»Beten ist das, was wir in dieser Zeit gemeinsam tun können und das uns mit anderen Christen und Konfessionen verbindet, und im Gebet stehen wir zusammen vor Gott«, unterstützt Harald Rückert die am vergangenen Freitag gestartete Aktion »Deutschland betet gemeinsam«. Gemeinsames Beten bringe zum Ausdruck, »dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen mit Besonnenheit und Hoffnung«, so der für Deutschland zuständige Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Die erst am vergangenen Freitag publik gemachte deutschlandweite Gebetsaktion war am vergangenen Freitag (3. April) von einigen Leitern christlicher Netzwerke gestartet worden, unter ihnen auch Johannes Hartl, der Leiter des Augsburger Gebetshauses. Eingeladen wird für den kommenden Mittwoch, den 8. April, von 17 Uhr bis 18:30 Uhr zum gemeinsamen Gebet. Damit werde die Anregung des bayerischen Ministerpräsidenten aufgegriffen, der im Rahmen einer Gesprächsrunde bei der TV-Moderatorin Anne Will den Appell an die Öffentlichkeit richtete »Wer gläubig ist, soll beten, dass es Deutschland nicht zu hart trifft«.

Inzwischen erhält dieser Gebetsaufruf breite Unterstützung aus kirchlichen und politischen Kreisen, wie der Bischof der Evangelischen Kirche in Württemberg, Frank Otfried July, der Bischof der römisch-katholischen Diözese Passau, Stefan Oster, und der Metropolit der Rumänisch-Orthodoxen Kirche, Erzbischof Serafim Joantã. Außerdem unterstützen die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Bayern, Campus für Christus Deutschland, die Charismatische Erneuerung in der katholischen Kirche, der CVJM, die Evangelische Allianz Deutschland und weitere Organisationen diesen Aufruf.

Bildnachweis:  Deutschland betet gemeinsam

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Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

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Gebetsaktion »Deutschland betet gemeinsam«

Die Fragenden werden in Frage gestellt

Sa., 04/04/2020 - 08:50

In der jüdischen und christlichen Religionsgeschichte waren Seuchen Zeichen dafür, dass in der Lebensart des Volkes Gottes Unerträgliches geschieht. Gott vollziehe deswegen mit einer todbringenden Krankheit ein Strafgericht über Sünder und Nicht-Sünder. Es gibt dafür ein altes Wort: »Gottesgeißel«. Ist also die Corona-Pandemie eine Gottesgeißel? Wenn das stimmte, dann wären unvergleichlich schlimmere Seuchen auf der südlichen Hälfte der Welt drastische Formen der Gottesgeißel. Die »Deutsche Welthungerhilfe « verschickte dieser Tage einen Brief mit einer Mitteilung, die alle wissen können: »Etwa alle zehn Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen von Unterernährung. Über sechzig Millionen Kinder in Indien leiden an Mangelernährung.«

Es gibt keine Gottesgeißel

Jesus gibt ein Beispiel und erklärt: »Meint ihr, dass die achtzehn Menschen, auf die der Turm am Teich Siloah stürzte und sie erschlug, schuldiger gewesen sind als alle anderen Bewohner Jerusalems? Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr alle ebenso zugrunde gehen« (Lukas 13, 4-5). Er knüpft damit an ein Unglück an: Am Teich Siloah in Jerusalem stürzt ein Turm ein und begräbt achtzehn Menschen unter sich. Nach dem damaligen Verständnis kann das kein Zufall sein: Ein solches Unglück kann nicht ohne den Willen Gottes geschehen. Denn er, Gott, bestimmt die Todesstunde eines Menschen. Irgendetwas Unverzeihliches müssen die Erschlagenen getan haben.

»Meint ihr, dass die achtzehn Menschen schuldiger gewesen sind als alle anderen Bewohner Jerusalems?« Mit nur einer Frage fällt Jesus das Dogma, besondere Schuld führe zu besonderem Unglück. Es gibt keine Gottesgeißel. Gott in Christus quält und tötet nicht. Der Mensch soll nicht Gott in Frage stellen. Vielmehr stellt Gott die Fragenden in Frage: »Wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr alle ebenso zugrunde gehen.«

Eine unlösbare Frage

Jesus wagt es, die Unterschiede in der Schuldfrage aufzuheben und sündige Verantwortlichkeiten bei den Opfern des Siloha-Unglücks außer Acht zu lassen. Die quälende Frage, warum der allmächtige Gott Siloah und Corona und so viele andere Massenerkrankungen und Massenverletzungen zulässt, werden wir nicht lösen. Sie lässt sich nicht beantworten. Sie ist philosophisch und theologisch noch nie gelöst worden.

Auch Jesus beantwortet die Frage nicht, warum der Turm eingestürzt ist. Darum sollten wir uns definitiv entschließen, eben nicht zu wissen und zu sagen, woher das Unglück seine tödliche Wirksamkeit hat und wieso es in Gottes Welt kommen kann. Angesichts unserer Unfähigkeit, den uns in Christus unbedingt liebenden Gott in Vereinbarung zu bringen mit den Erfahrungen grenzenlosen Leids, sollten wir zugeben: Wir können das nicht vereinbaren. Wir können nur darum bitten, dass Gottes Liebe uns und die Anderen über Schuld und Unglück, über Seuchen und Tod hinausträgt. Jedoch erwarten wir Auskunftslose sehnsüchtig mehr: nicht weniger als den neuen Himmel und die neue Erde und mit ihnen Gottes Antwort auf so viele Fragen.

Kehrtwende, um sich in der Welt zu engagieren

Diese Hoffnung »auf das Ende hin« ist keine Vertröstung. Sie ist Versprechen. Und ebenso ist sie Aufforderung zu menschlicher Zuwendung. Der gekommene und kommende Christus gibt Stärkung und Weisung im Augenblicklichen. Erst hernach bewahrheitet sich die Hoffnung. Erst nach Corona, erst dereinst kommen der Wiederkommende und die neue Schöpfung. Darum bezieht sich die Frage nach dem Warum nicht mehr vorrangig aufs eigene Leid, sondern sie wird zur solidarischen Frage nach dem Leiden Anderer. Sie sind ja mitnichten Opfer einer Gottesgeißel.

»Wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr alle ebenso zugrunde gehen «, warnt Jesus. Worin geschieht die Umkehr? Zunächst in der Kehrtwende des Menschen zu Gott. Der Umkehrende beginnt neu, Gott in Christus zu vertrauen und zu gehorchen. Daraufhin besteht sie in der Hinwendung zum Mitmenschen. Der Umkehrende beginnt neu, seinen Teil für eine Welt zu tun, in der Kranke getröstet und Krankheiten mit Sinn und Verstand behandelt werden. Und viele, viele Leidende – gleich woher sie kommen – müssen von uns besser aufgenommen und ernährt, geachtet und beschützt werden. Und im Absehbaren sollen Gerechtigkeit und Macht, Reichtum und Armut zu einem besseren Ausgleich kommen.

Bildnachweis: Vektor Kunst, pixabay

Dieser Artikel ist dem zweiwöchentlich erscheinenden Magazin »unterwegs« der Evangelisch-methodistischen Kirche – Nummer 07/2020 vom 29. März 2020 – entnommen.Während der Ausgangsbeschränkungen anlässlich der Corona-Pandemie sind die EmK-Veröffentlichungen »Unterwegs« und »Podium« als digitale Frei-Abonnements erhältlich. Die App »Freikirchen-Kiosk« (im AppStore, bei GooglePlay oder als Browser-Version) installieren. Sobald die App installiert ist, können die nachstehenden Freischaltcodes verwendet werden. Dazu die Rubrik »Freischaltcode« öffnen und den Code eingeben. (Bei der Browser-Version muss ein Benutzerkonto angelegt werden, um den Freischaltcode eingeben zu können.) Code für Unterwegs: uwApp4all2020, Code für Podium: pdApp4all2020

Der Autor
Dr. Rolf Wischnath ist Honorarprofessor und Lehrbeauftragter für Evangelische Theologie mit dem Schwerpunkt Dogmatik und ihre Didaktik an der Universität Paderborn. Kontakt über: redaktion(at)emk.de

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