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Aktualisiert: vor 2 Stunden 33 Minuten

Welches Ei soll ins Omelette?

Mo, 11/19/2018 - 05:53

Anfang November fanden in der Theologischen Hochschule Reutlingen (THR) zwei öffentliche Veranstaltungen statt, die auf reges Publikumsinteresse stießen. In beiden Veranstaltungen ging es um die Zukunft. In der einen um die Zukunft, in der die Menschen immer älter werden und wie sich die Kirche dieser Realität stellt. Die andere Veranstaltung widmete sich ganz der technischen Seite der Zukunt: dem Internet der Dinge.

Reges Interesse für ein drängendes Thema

Das deutschsprachige Europa gehört zu den Teilen der Welt mit der ältesten Bevölkerung. Die Zahl der Älteren, Alten und Hochaltrigen steigt stetig an und stellt das Miteinander der Generationen vor immense Herausforderungen. Hier sind Kirche und Theologie gefordert, neue Perspektiven für eine alternde Gesellschaft zu entwickeln. Das setzt die Bereitschaft voraus, diese Thematik als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen. Die Theologische Hochschule Reutlingen (THR) bot mit einem Studientag am 5. November erstmals ein Forum an, sich zu diesem Thema zu informieren und zu diskutieren. Dabei ging es um Perspektiven, die zu diesem Thema aus der Religion im Allgemeinen, der Religions-Gerontologie, und aus dem christlichen Glauben, der Geronto-Theologie, aufgezeigt werden können. Wie die vollbesetzte Aula der THR zeigte, stieß das Thema auf reges Interesse unter Studenten, interessierten Laien und Hauptamtlichen aus der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) und aus der Ökumene.

Alternd glauben – glaubend altern

Im Vormittagsprogramm stellte Jörg Barthel, Professor für Altes Testament, in seiner Bibelarbeit die Segnungen und Lasten des Alterns vor und schloss mit dem Ausblick auf das Neue Testament und die Neuwerdung des alten und jungen Menschen in Jesus Christus. Für das Hauptreferat mit dem Titel »Alternd glauben – glaubend altern. Grundlagen und Perspektiven einer Theologie des Alterns« wurde Ralph Kunz gewonnen. Er ist Professor an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Zürich. Der Referent berichtete aus seiner Lehrtätigkeit und aus der persönlichen Erfahrung von verschiedenen Aspekten des Glaubens im Alter. Im Nachmittagsprogramm wurden fünf Workshops zu verschiedenen Aspekten des Alterns angeboten, zu denen Referenten aus der EmK und der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg/Reutlingen gewonnen werden konnten.

Das Internet der Dinge

Per Tastendruck am Smartphone den Toaster so in Gang setzen, dass das Röstbrot exakt zum geplanten Zeitpunkt und mit der gewünschten Knusprigkeit auf den Frühstücksteller kommt, und dazu den Kaffeeautomaten anweisen, zum Toast eine Tasse schmackhaften Kaffees bereitzustellen – alles kein Problem für das Internet der Dinge. Dieses macht herkömmliche Produkte wie den Toaster oder die Kaffeemaschine smart, indem es sie mit Konnektivität – vor allem zum Smartphone – ausstattet. In einem munteren und kurzweiligen Vortrag in der THR am 7. November im Rahmen des Studium Generale der drei Reutlinger Hochschulen stellte die Referentin Ainara Novales solche und weitere Produkte vor. Sie forscht als Doktorandin an der Hochschule Reutlingen und der Rotterdam School of Management. Ihr Ausgangspunkt war die ökonomische Seite des Fortschritts, nicht die technische. Als Ökonomin interessierte sie sich in ihrem Vortrag mehr für die Produzenten als für die Verbraucher.

Wenn der Kühlschrank meldet, welches Ei ins Omelette soll

Wo habe ich mein Auto abgestellt? Mein Smartphone kennt den aktuellen Standort. Es weiß auch, wie sparsam ich derzeit unterwegs bin. Wie steht es um mein Körpergewicht, meinen Puls, meine Atmung? Das Smartphone gibt Antwort. Sogar die Eierschachtel im Kühlschrank meldet dem Smartphone, welches Ei als erstes, weil am nächsten am Verfallsdatum, ins Omelette gehört – das wurde den Anwesenden per Liveübertragung eindrucksvoll vorgeführt – leider ohne Omelette. Nicht überraschend, aber eben doch sehr interessant ist, dass die Hersteller eine Hauptaufgabe darin sehen, für diese smarten Produkte überhaupt erst bedeutsame Nutzanwendungen für den Verbraucher zu suchen. Mal sehen, ob dann eher die Nachfrage den Markt bestimmen wird oder die Angebotsseite.

Einfach ausprobieren

Die anschließende ebenso lebendige Diskussion brachte Fragen nach den ökonomischen Chancen und Risiken für die beherrschenden Weltmarktführer und die kleinen Nischenunternehmungen auf. Sehr konkret waren dann die Fragen nach dem erhöhten Energiebedarf, nach gesundheitlichen Risiken durch vermehrte Strahlung und nach der Datensicherheit. Die Referentin antwortete im Großen und Ganzen mit einem fröhlichen Zukunftsoptimismus: »Wir sind die Generation, die das jetzt ‘mal probiert«.

Bildnachweis: Susanne Meister, THR-Öffentlichkeitsarbeit 

Die Autoren
Susanne Meister ist Studentin der Theologie an der Theologischen Hochschule Reutlingen der Evangelisch-methodistischen Kirche und dort zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Christof Voigt lehrt als Professor an der THR Philosophie und Biblische Sprachen. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Manuskript des Vortrags von Ralph Kunz

Zur Information
Die Theologische Hochschule Reutlingen (THR) ist als Einrichtung der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland, Österreich und der Schweiz die international ausgerichtete Studienstätte des deutschsprachigen Methodismus. Sie ist eine staatlich anerkannte Hochschule und verleiht die international anerkannten Studienabschlüsse Bachelor of Arts (B.A.) und Master of Arts (M.A.) in Theologie.
www.th-reutlingen.de

»Multikulti« in der Seniorenarbeit

Sa, 11/17/2018 - 06:36

 

Ende Oktober ging es bei einem Impulstag in der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Bad Soden-Neuenhain um das Thema »Bunte Vielfalt schätzen lernen – Multikulti in der Seniorenarbeit?!«. Dieses Themenangebot der EmK-Seniorenarbeit stieß im Heidelberger Distrikt mit rund 30 Teilnehmern auf reges Interesse.

Am Vormittag referierte Christof Voigt, Professor an der Theologischen Hochschule Reutlingen, zum Thema »Pluralität/Pluralisierung/Pluralismus«. Es war sehr anregend, wie er diese philosophischen und eher theoretisch anmutenden Begriffe verständlich machte. Er konnte die Relevanz für die aktuellen Diskussionen in Kirche und Gesellschaft deutlich machen – ob zu Fragen der Homosexualität, zu den Herausforderungen in der Arbeit mit Geflüchteten, zur Sorge über Populismus und weltweite politische Veränderungen oder bei anderen mehr oder weniger »alltäglichen« Herausforderungen. In einem zweiten Referat beleuchtete die in Böblingen und Holzgerlingen wirkende Pastorin Ulrike Burkhardt-Kibitzki die »Bunte Vielfalt« in der Geschichte der EmK und insbesondere in den Seniorenkreisen und konnte dies mit zahlreichen Bildern anschaulich machen.

Am Nachmittag war Gelegenheit, das Thema in drei Gesprächsgruppen zu vertiefen. Die im Ruhestand im Taunus nördlich von Frankfurt lebende Pastorin Marlis Machnik-Schlarb lud dazu ein, in der persönlichen Vergangenheit und in der Familiengeschichte nach »Multikulti« zu fragen. Rolf Held, Pastor im nordhessischen Lohra, diskutierte mit den Teilnehmenden die Frage nach Pluralität in den Gemeinden. Ulrike Burkhardt-Kibitzki legtE den Schwerpunkt auf die Seniorenkreise und ihre Arbeit in bunter Vielfalt.

Die Gastfreundschaft und unkomplizierte und freundliche Betreuung und Versorgung durch die Gemeinde Neuenhain tat ein Übriges dazu, dass sich am Ende das Tages alle einig waren: ein gelungener Tag an einem schönen Ort, »mit einem Thema, das nicht aktueller hätte sein können!« – wie es ein Teilnehmer formulierte.

Bildnachweis: Christine Carlsen-Gann

Die Autorin
Christine Carlsen-Gann ist Referentin im Bildungswerk der Evangelisch-methodistischen Kirche in Stuttgart mit dem Schwerpunkt Seniorenarbeit. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de


Ungerechtigkeiten kreativ widerstehen

Do, 11/15/2018 - 07:06

Während der Mitte Oktober vom Weltrat Methodistischer Kirchen ausgerichteten »Wasser und Frieden«-Konferenz in Jordanien, Palästina und Israel wurde der Methodistische Friedenspreis an Familie Nassar überreicht (emk.de berichtete). Aus Deutschland nahmen zwei hochrangige Vertreter der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) teil: Harald Rückert, Bischof der EmK für Deutschland, und seine Amtsvorgängerin Rosemarie Wenner waren Mitglieder der Delegation. In einer Kolumne des EmK-Magazins »Unterwegs« berichtet Bischof Harald Rückert von dieser Reise in den Nahen Osten.

Kürzlich hatte ich das Privileg, als Vertreter des internationalen Bischofsrats unserer Kirche an einer Reise nach Jordanien, Israel und Palästina teilzunehmen. Unter dem Thema »Wasser und Frieden« hielten wir uns im Jordantal, in der Westbank und in Jerusalem auf. Dabei hatten wir Gelegenheit, viele interessante Gespräche mit Menschen der Region zu führen – Juden, Christen und Muslime. Eine Begegnung hat mich dabei besonders berührt.

Trotz Bulldozern: die Arbeit geht weiter

Familie Nassar betreibt im Südwesten von Bethlehem ein Farmprojekt. Obwohl es Dokumente gibt, die belegen, dass das Land 1916 käuflich erworben wurde und damit zweifelsfrei dieser christlich-palästinensischen Familie gehört, ist sie permanent bedroht, enteignet zu werden. Der Rechtsstreit dauert schon neunzehn Jahre. Es dürfen keine Brunnen gebohrt werden. Vor vier Jahren zerstörten Bulldozer über zweihundert der Obst- und Olivenbäume mit reifen Früchten. Ihre Zelte und anderen Gebäude haben eine Abrissverfügung. Gelegentlich gibt es Einschüchterungsversuche. Doch die Arbeit geht weiter. Freiwillige aus aller Welt helfen bei der Bewirtschaftung des Landes, und es entstand die Begegnungsstätte »Zelt der Nationen«, in der zum Beispiel Sommerlager für traumatisierte Kinder abgehalten werden. Die Mitarbeiterinnen des methodistischen Verbindungsbüros in Jerusalem kommen regelmäßig zu Abendmahlsfeiern auf die Farm.

Frieden ist eine Haltung

Am Eingang des Geländes, das inzwischen von jüdischen Siedlungen und immer höher werdenden Barrieren umgeben ist, steht ein Stein, der in drei Sprachen das Leitmotiv von Familie Nassar widergibt: »Wir weigern uns, Feinde zu sein«. Ein beeindruckendes Zeugnis des Friedens! Es besteht nicht nur in Wörtern. In der Begegnung mit den Mitgliedern der Familie wird deutlich, dass diese Haltung ihrer innersten Überzeugung entspricht. »Wir wollen zeigen, dass man Ungerechtigkeiten auf kreative Weise widerstehen kann, offen und gewaltlos«, so Daoud Nassar. »Friede ist nicht nur Abwesenheit von Krieg«, fährt er fort, »Friede ist auch eine Lebenshaltung. Es ist die Kunst, inmitten von Konflikten inneren Frieden zu erleben und daraus zu handeln.« Bei unserer Frage, woher sie denn die Kraft und Energie nehmen würden für diesen Weg des Friedens, lächelt Daoud: »Aus dem Glauben, dem Glauben an Jesus Christus!« In einer bewegenden Feierstunde unter freiem Himmel konnten wir den Friedenspreis des Methodistischen Weltrats an Familie Nassar überreichen.

Bildnachweis: Harald Rückert
Beitrag entnommen aus »unterwegs« 23/2018, vom 11. Novermeber 2018

Der Autor
Harald Rückert ist Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Der Dienstsitz ist in Frankfurt am Main. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

»Menschen lieben, deren Überzeugung wir nicht teilen«

Mi, 11/07/2018 - 11:00

Spaltungen und Polarisierungen gibt es nicht nur in Gesellschaft und Politik. Dort scheint Polarisierung geradezu das Schmiermittel gesellschaftlicher Umwälzungen und politischer Mobilisierung zu sein. Diese gesellschaftliche Wirklichkeit macht aber auch um die Kirchen keinen Bogen. Christen wissen zwar, dass sie einander lieben sollten, aber dieser Auftrag wird innerhalb der Kirche auch unterschiedlich verstanden. Erbitterte Auseinandersetzungen über unterschiedliche Meinungen und praktische Konsequenzen des Bibelverständnisses sind die logische Folge.

Mitarbeit führt zu Mehrarbeit

Mit der Frage, wie damit in Kirchen umgegangen werden kann, beschäftigt sich das jetzt erschienene Buch mit dem Titel »Zu lieben sind wir da« des aus Südafrika stammenden Autors David N. Field. Der fünfundfünfzigjährige Theologe promovierte an der Universität von Kapstadt und lehrte Systematische Theologie in Südafrika und Simbabwe, bevor er nach Europa zog. Seine Mitarbeit in der vom internationalen Bischofsrat der Evangelisch-methodistischen Kirche eingesetzten Kommission »Ein Weg in die Zukunft« führte ihn mitten in die Auseinandersetzung dieser Kirche über die starken Meinungsverschiedenheiten in den Fragen zur Homosexualität. Der Auftrag der Kommission lautete, einen Weg zu finden, der die Einheit der Evangelisch-methodistischen Kirche zu bewahren hilft. Im Laufe dieser Mitarbeit entstand das jetzt vorliegende Buch.

Der Umgang mit Konflikten ist der Schlüssel

»Ich wollte kein Buch über Homosexualität schreiben«, erklärt Field den speziellen Ansatz des Buches. Es gibt schon viele Bücher, die sich dieses Themas annähmen. Sein Ansatzpunkt ist die Einheit der Kirche. Dies sei wichtig, um Gottes Mission in der Welt auszuführen. »Deshalb«, so ist der südafrikanische Theologe mit englischen Wurzeln überzeugt, »ist es eine Schlüsselfrage, wie wir mit theologischen und ethischen Konflikten umgehen.« Das schließe strittige Themen wie die Homosexualität mit ein, aber es gebe auch noch andere strittige Themen. In allen diesen Auseinandersetzungen gehe es um die Frage »wie wir Menschen lieben können, die Überzeugungen haben, die wir nicht teilen«. Field weist in seinem Buch nach, dass Liebe die Lösung dafür sein kann, dass Konflikte nicht zu Spaltungen führen. Indem Field auf das Werk John Wesleys, des Gründers der methodistischen Bewegung, Bezug nimmt, zeigt er, dass die Kirche die Liebe Gottes verkörpern kann und muss und wie sich das auf das Zusammenleben in Kirchen und Gemeinden auswirkt.

Einführungsveranstaltungen in Hannover und Stuttgart

In Zusammenarbeit des Autors mit dem Bildungswerk der Evangelisch-methodistischen Kirche finden zwei Veranstaltungen statt, bei denen die Möglichkeiten zur Arbeit mit diesem Buch vorgestellt werden. Bischof Harald Rückert wirkt bei diesen im November in Hannover und im Januar in Stuttgart stattfindenden Veranstaltungen ebenfalls mit. Auch seine Vorgängerin, Rosemarie Wenner, nimmt daran teil und berichtet, wie das im Buch vorgestellte Prinzip, die Kommission »Ein Weg in die Zukunft« in ihrer Arbeit zur Konfliktlösung begleitete. Die jetzt im Ruhestand lebende Bischöfin ist überzeugt, dass dieses Buch dazu verhilft, besser zu verstehen, »wieso wir eine Kirche sein können und sollen, in der Menschen mit unterschiedlichen Meinungen – auch zum Thema Homosexualität – sich gegenseitig dazu anspornen, auf Gottes Liebe zu antworten und Liebe weiterzugeben«.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit (Field); EVA Leipzig (Titelgrafik)

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Information zu den Einführungsveranstaltungen

Zur Information
Bibliographie: David N. Field »Zu lieben sind wir da. Der methodistische Weg, Kirche zu sein« (Paperback, 248 Seiten, ISBN 9783374058570, 15,00 Euro; eBook 11,99 Euro)
Direktlink zur Bestellung

Einführungen
Samstag, 17. November 2018 10:30 Uhr bis 16:45 Uhr in Hannover, EmK-Johanneskirche, Am Taubenfelde 1, 30159 Hannover
Samstag, 12. Januar 2019 10 Uhr bis 16 Uhr in Stuttgart, EmK-Hoffnungskirche, Silberburgstr. 134, 70176 Stuttgart

Info und Anmeldung

Übernehmen Roboter die Seelsorge?

Mo, 11/05/2018 - 03:33

Michael Wörz, Professor, Diplom-Ingenieur und Philosoph sowie Referent für Wissenschaftsethik an den Hochschulen Baden-Württembergs hielt den Eröffnungsvortrag beim Studium Generale der drei Reutlinger Hochschulen in der Aula der Theologischen Hochschule Reutlingen. Ein ganzes Jahr lang wird dabei an mehreren Abenden das Thema »Künstliche Intelligenz« von der technischen Seite wie autonomes Fahren und medizinische Diagnostik, aber auch von den anthropologischen Folgen und den ethischen Gefährdungen her thematisiert werden. Bei der Eröffnung blieb die Frage nach den Robotern und der Seelsorge offen. Aber die gefühlte Antwort war: Auf gar keinen Fall – und dennoch wird es bald so kommen!

Das Denken muss sich auf neue Gegebenheiten einstellen

Wörz hob in seinem einleitenden Vortrag darauf ab, dass mit den Kategorien von Aufklärung und Moderne die extrem schnelle Entwicklung der Künstlichen Intelligenz und die Folgen nicht mehr zu fassen seien. Das Denken müsse sich also auf völlig neue Gegebenheiten einstellen. Künstliche Intelligenz ist dadurch gekennzeichnet, dass Maschinen so programmiert sind, dass sie selber lernen und sich selbst fortlaufend verbessern. Die Entwicklung schreitet schnell und dynamisch voran: Inzwischen führen Computer nicht nur Steuerprüfungen durch und helfen bei der medizinischen Diagnostik, sondern verfassen Zeitungsartikel, schreiben Gedichte, komponieren und malen. Kein Bereich der Arbeitswelt werde von den Folgen dieser Entwicklung ausgenommen sein. Vielleicht die Bereiche, die mit Empathie, Emotionalität oder Intimität zu tun haben, wie beispielsweise die Seelsorge? Man könne sich nicht einmal in dieser Frage mehr sicher sein. Wie der Fortschritt zu steuern sei – wenn er überhaupt steuerbar ist –, diese Frage blieb am Ende offen. Es dürfte schon jetzt Lebensbereiche geben, in denen nicht der Mensch die Maschine steuere, sondern der Mensch von der Maschine gesteuert werde.

Theologie ist herausgefordert

Dem Referenten war daran gelegen, immer wieder die Theologie in die Diskussion einzubeziehen: Werde die Künstliche Intelligenz das »theologisch Höchste« überflüssig machen oder ersetzen? Wie seien die Bereiche von Zwischenmenschlichkeit, Empathie und Liebe zu bewahren? Was seien Sinn-Entwürfe für den Menschen? Hier lägen eine Fülle von Aufgaben, die die Theologie im Kern beträfen. Wörz mahnte die Theologie, sich jetzt um Antworten auf diese Fragen zu bemühen, sonst werde es für sie bald zu spät sein, genauso wie für das Projekt der Moderne, die Demokratie.

Bildnachweis: THR

Der Autor
Professor Christof Voigt lehrt Philosophie und Biblische Sprachen an der Theologischen Hochschule Reutlingen der Evangelisch-methodistischen Kirche. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weitere Nachrichten zum Thema
Seit einigen Jahren bietet die Theologische Hochschule Reutlingen gemeinsam mit der Hochschule Reutlingen, der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg - Campus Reutlingen, der evangelisch-katholischen Hochschulgemeinde und Campus Reutlingen e.V. Vorlesungsreihen zu Themen an, die die Gesellschaft aktuell und oft kontrovers diskutiert. Der Eintritt ist frei. Weitere Vorträge am 7. November, 21. November und 5. Dezember.
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Verfassungskonformität der Zukunftsmodelle bewertet

Mi, 10/31/2018 - 07:00

Anlässlich seiner Tagung in Zürich hatte der internationale Rechtshof, das oberste Recht sprechende Gremium der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), am 23. Oktober eine öffentliche Anhörung durchgeführt. Diese galt den drei von der Kommission »Ein Weg in die Zukunft« vorgelegten Modellen, über die die außerordentliche Tagung der Generalkonferenz, die oberste legislative Körperschaft der EmK, im Februar 2019 entscheiden wird. Die drei Modelle suchen unterschiedliche Lösungsansätze, um die seit Jahrzehnten herrschende Uneinigkeit in der Beurteilung von Homosexualität zu beenden.

Rein rechtliche Aufgabe

Der Rechtshof hob in seiner Entscheidung hervor, dass es seine Aufgabe sei, »zu beurteilen, ob die Legislativ-Petitionen verfassungskonform sind, ohne eine Meinung über ihre Vorzüge oder ihre Zweckmäßigkeit abzugeben«. Die Generalkonferenz habe über die einzelnen Modelle zu befinden und eine für die Kirche gültige Entscheidung zu treffen.

Einheitliche ethische Standards nicht zwingend nötig

Die Entscheidung des Rechtshofs über die drei Modelle wurde einstimmig gefasst. Dabei wurde das Modell, die Einheit der Kirche zu bewahren (Englisch: »One Church Model«), als weitgehend verfassungskonform eingestuft. Lediglich je ein Satz in drei der 17 mit dem Modell einhergehenden Petitionen beurteilte der Rechtshof als nicht verfassungskonform. In seiner Einschätzung dieses Modells hält der Rechtshof fest, dass die konnexionale Struktur der EmK »Kontextualisierung und Differenzierung aufgrund geographischer, sozialer und kultureller Unterschiede erlaubt und Raum für Glaubensvielfalt und theologische Perspektiven bietet«. Es sei dafür aber »keine Einheitlichkeit der moralisch-ethischen Standards in Bezug auf Ordination, Ehe und menschliche Sexualität erforderlich«.

Grundlegende rechtliche Bedenken

Beim Modell, das die bestehende Ordnung bewahrt (Englisch: »Traditional Plan«), beurteilte der Rechtshof neun der 17 das Modell begleitende Petitionen ganz oder teilweise als nicht verfassungskonform. So seien etwa die Unparteilichkeit und Unabhängigkeit von Gremien der Kirche grundlegende Kennzeichen eines rechtmäßigen Verfahrens. Wenn jedoch, wie bei diesem Modell vorgesehen, der Bischofsrat über Mitglieder aus seinen eigenen Reihen urteilen müsse, seien Unparteilichkeit und Unabhängigkeit nicht mehr gewährleistet. Zudem entspreche dies nicht dem Zweck, zu dem der Bischofsrat gebildet worden sei.

In seiner Einschätzung des Modells hält der Rechtshof des weiteren fest, dass die Generalkonferenz befugt sei, eine strenge Prüfung zu verlangen, ob Personen, die ordiniert werden sollen, die dafür vorgesehenen Anforderungen erfüllten. Jedoch könne die Generalkonferenz nicht den Umfang der Prüfung auf einen bestimmten Aspekt beschränken »und eine bestimmte Gruppe von Kandidaten oder Kandidatinnen für das Predigtamt (die sich selbst als homosexuell praktizierende Personen kenntlich machen) in ungerechter Weise als nicht geeignet beurteilen«. Ehe und Sexualität seien nur zwei unter zahlreichen Anforderungen, die von diesem Personenkreis erfüllt werden müssten, um beauftragt oder ordiniert zu werden. »Zu den weiteren Kriterien gehören beispielsweise die Verpflichtung, sich für soziale Gerechtigkeit, die ethnische Gleichstellung und die Gleichstellung der Geschlechter sowie die persönliche und finanzielle Integrität einzusetzen, und alle sollten Teil einer sorgfältigen und gründlichen Prüfung sein.«

Keine Beurteilung des dritten Modells

Das dritte Modell mit dem Ziel, Konferenzen-Verbünde zu bilden (Englisch: »Connectional Conference Plan«), sieht Änderungen der weltweit gültigen Verfassung der EmK vor, die für die Umsetzung erforderlich sind. In diesem Fall müssten weltweit alle Mitglieder aller Jährlichen Konferenzen über diese Verfassungsänderungen abstimmen. Daher hat der Rechtshof entschieden, dass er keine Befugnis habe, dieses Modell zum jetzigen Zeitpunkt zu prüfen.

Bildnachweis: Diane Degnan, UMCom.org

Der Autor
Sigmar Friedrich ist Redakteur der Kirchenzeitung »Kirche und Welt« der Evangelisch-methodistischen Kirche in der Schweiz. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Bericht bei UMNews (Englisch)

Zur Information
Der Rechtshof ist das oberste Recht sprechende Gremium der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche und tagt in der Regel zweimal jährlich. Die neun gewählten Mitglieder, vier Frauen und fünf Männer, tagen in nichtöffentlichen Sitzungen. Es können jedoch mündliche Anhörungen stattfinden, die dann öffentlich durchzuführen sind. Termine, Inhalte und Entscheidungen der Tagungen veröffentlicht der Rechtshof jeweils im Internet.

Bedeutung der Theologie Wesleys für die Gegenwart

Mo, 10/29/2018 - 06:51

Am Dienstag, dem 23. Oktober, hielt Stephan von Twardowski seine Antrittsvorlesung an der Theologischen Hochschule Reutlingen (THR). Unter dem Titel »Schaffe unser Leben neu!« entfaltete der neue Professor für Systematische Theologie die Bedeutung der Theologie John Wesleys für die Gegenwart.

Ein Wort für die theologische Reflexion

In der Einleitung seines Vortrages spielte Twardowski auf die Herausforderungen durch Interreligiosität und Migration an und hob hervor, dass die Frage nach Jesus Christus nie isoliert, nie ohne Kontext zu stellen sei. Weil die Wahrheit Jesu Christi sich im Glauben und in der Gemeinschaft bezeuge, gewinne die »Frage nach der Kirche« besondere Bedeutung. Der neue Reutlinger Systematiker nutzte an dieser Stelle die Gelegenheit, ein kraftvolles Wort zugunsten der theologischen Reflexion einzulegen, damit das Gespräch in der Kirche sich nicht auf Organisationsfragen unter Effizienzgesichtspunkten verenge.

»Dem Glauben ist die Gemeinschaftlichkeit wesentlich«

Was Kirche im methodistischen Verständnis sein will, sei seit der Zeit Wesleys aus vielen Quellen zu erheben. Bei Wesley selbst aus Lehrpredigten, Tagebüchern, Bibelkommentierungen, Gesangbuchliedern und sogar aus Konferenzprotokollen. Außerdem helfe das sogenannte »Quadrilateral« (Viereck), das die vier Pole Bibel, Tradition, Erfahrung und Vernunft in Beziehung zueinander setze. Darüber hinaus sei der theologische Auftrag der Kirche laut Kirchenordnung der Evangelisch-methodistischen Kirche zusammenfassend so beschrieben: »der Welt um uns herum Aufmerksamkeit zu schenken«. Andererseits lasse sich doch Grundlegendes zu einer methodistischen Lehre von der Kirche sagen: »Dem Glauben ist die Gemeinschaftlichkeit wesentlich«. Kirche sei immer Teil der einen Kirche und daher von Anfang an ökumenisch verfasst. Der dreieinige Gott sei Ursprung, Grund und Vollendung der Kirche. Die Heiligung – grundlegend für die Lehre von der Kirche und stets als Prozess, nie als Zustand verstanden – sei ihrerseits eine auf das Gemeinschaftliche ausgerichtete Bewegung. Auf den Punkt gebracht finde sich das in einem Lied Charles Wesleys, das von Twardowski zum Schluss seiner Antrittsvorlesung zitierte: »Komm, o Gott, uns zur Erlösung, / schaffe unser Leben neu! / Komm und mache uns zur Wohnung / deines Geists in deiner Treu! / Herr, wir wollen für dich leben, / dienen dir bei Tag und Nacht, / loben dich auf allen Wegen. / Preis sei deiner Liebesmacht!«

Resonanz bestätigt Anknüpfen an frühere Tradition

Die THR knüpfte mit der Antrittsvorlesung an eine frühere Tradition an. Die voll besetzte Aula der Hochschule zeigte, dass zusammen mit dem Thema der Vorlesung die Wiederaufnahme dieser Tradition beim Publikum ankam. Unter der Hörerschar waren viele aus dem Norden Deutschlands Angereiste, unter ihnen auch die Superintendentin und die beiden Superintendenten der Norddeutschen Konferenz, die »ihren Pastor« nach Reutlingen ziehen lassen. Auch Michael Welker, Twardowskis Doktorvater und emeritierter Professor für Systematische Theologie der Universität Heidelberg, war neben zahlreichen weiteren Personen aus der wissenschaftlichen und ökumenischen Nachbarschaft unter den Gästen.

Bildnachweis: Susanne Meister, THR

Der Autor
Professor Christof Voigt lehrt Philosophie und Biblische Sprachen an der Theologischen Hochschule Reutlingen der Evangelisch-methodistischen Kirche. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Zur Information
Die Dissertation von Stephan von Twardowski trägt den Titel »Der Friede Christi und die eine Kirche. Ekklesiologische Grundlegung der ökumenischen Ethik Bonhoeffers«.

»Wir weigern uns, Feinde zu sein«

Sa, 10/27/2018 - 07:26

Vom 7. bis 13. Oktober fand die »Wasser und Frieden«-Konferenz des Weltrats Methodistischer Kirchen in Jordanien, Palästina und Israel statt. Im Rahmen dieser Konferenz wurde der Methodistische Friedenspreis an Familie Nassar überreicht. Aus Deutschland nahmen zwei hochrangige Vertreter der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) teil: Harald Rückert, Bischof der EmK für Deutschland, war als Vertreter des internationalen Bischofsrats der EmK Mitglied der Delegation. Rückerts Amtsvorgängerin Rosemarie Wenner war als »Genfer Sekretärin« Teilnehmerin dieser Reise. Mit diesem Amt hält sie in ihrem Ruhestand den Kontakt zwischen dem Weltrat Methodistischer Kirchen und dem in Genf ansässigen Ökumenischen Rat der Kirchen sowie anderen kirchlichen Weltbünden. Als Autorin des nachfolgenden Artikels berichtet sie von Eindrücken dieser Reise.

Grenzerfahrungen unterschiedlicher Art prägten die Reise einer Delegation des Weltrats Methodistischer Kirchen nach Jordanien, Palästina und Israel. Geleitet wurde die Reise von Leão Neto aus London, Superintendent der Britischen Methodistischen Kirche und Vorsitzender des Komitees des Weltrats für Interreligiöse Beziehungen, unter Begleitung von Frank Dabba Smith, Rabbi am Leo Baeck College in London. Die Riese führte ins Jordantal, die Westbank und nach Jerusalem.

Viel Überzeugungsarbeit nötig

»Wasser und Frieden« war das Motto der Reise, bei der es in ganzheitlicher Weise um Theologie, Ökologie und Gerechtigkeitsthemen ging, eingebettet in Gespräche mit Menschen aus den drei sogenannten abrahamitischen Religionen. Begleitet wurden wir von Personen, die in der Organisation »Eco Peace« mitarbeiten. Diese Organisation unterhält Büros in der jordanischen Hauptstadt Amman sowie in Ramallah, dem Regierungssitz der regierenden palästinensischen Fatah Partei, und im israelischen Tel Aviv und ist die einzige Organisation, die mit den drei Regierungen in dieser konfliktträchtigen Region zusammenarbeitet. Eco Peace bringt Menschen dieser Regionen zusammen und fördert ein Bewusstsein für die Bedeutung des Naturschutzes, wirkt auf eine faire Verteilung der Ressource Wasser hin und setzt sich dafür ein, politische Gräben zu überwinden. Dazu braucht es nicht nur einen erheblichen organisatorischen Aufwand, sondern viel Überzeugungsarbeit. Die Menschen haben gelernt, sich gegenseitig als Feinde zu betrachten. Doch Wasser kennt keine Grenzen. Um mit dieser Ressource verantwortlich umzugehen, müssen Barrieren zwischen den Menschen abgebaut werden. Junge und ältere Menschen aus Jordanien, Palästina und Israel arbeiten dabei Hand in Hand beim Aufbau von Zentren, in denen ökologisch verträglicher Tourismus angeboten wird.

Beharrlich und kreativ

Neben dieser Arbeit mit der Bevölkerung ist Eco Peace auch mit den politischen Entscheidungsträgern Israels, Palästinas und Jordaniens im Gespräch. Mit Unterstützung internationaler Partner werden Konzepte entwickelt und erprobt, um die Absenkung des Wasserspiegels im See Genezareth und im Toten Meer zu stoppen, die Verschmutzung der Gewässer zu minimieren und die kostbare Ressource Wasser gerechter zwischen Israel, Jordanien und den palästinensischen Siedlungen zu verteilen. Beharrlich und kreativ verfolgt Eco Peace diese Ziele. Grenzen werden durchlässiger. So ist es Eco Peace zum Beispiel gelungen, Palästinensern den Zugang zur Taufstelle Jesu am Jordan zu öffnen. Wir saßen eine Weile an diesem viel besuchten Ort und teilten uns gegenseitig mit, was das Symbol des Wassers für die christliche Taufe und für die rituellen Waschungen in der jüdischen und der muslimischen Tradition bedeutet. »Wir alle leben vom Wasser«, sagte der muslimische Mitarbeiter von Eco-Peace aus Ramallah. Deshalb solle »das Wasser, mit dem wir uns reinigen, daran erinnern, dass wir das Schöne und Gute, das von Gott kommt, nicht zerstören sollen«.

Menschen bauen Brücken

Im Westjordanland hörten wir von massiven Eingriffen in die Wasserversorgung durch den Ausbau der jüdischen Siedlungen und vom Überlebenskampf der Bauern und Beduinen, die von Umsiedlungen bedroht sind. Aber auch von internationaler Solidarität und vom Durchhaltevermögen vieler Menschen, die sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, war die Rede. Dies war insbesondere in den Begegnungen mit Familie Nassar auf ihrer Farm in der Nähe von Bethlehem zu spüren. Obwohl es Dokumente gibt, die beweisen, dass das Land seit 1916 dieser christlichen palästinensischen Familie gehört, will Israel das Land übernehmen. Seit neunzehn Jahren dauert der Rechtsstreit an. Da keine Brunnen gebohrt werden dürfen, sammelt die Familie das Regenwasser in Zisternen, sodass die Arbeit weitergehen kann. Die Mitarbeiterinnen des Methodistischen Verbindungsbüros in Jerusalem kommen regelmäßig zu Abendmahlsfeiern auf die Farm. Freiwillige aus aller Welt helfen bei der Bewirtschaftung der Farm. Es entstand die »Zelt der Nationen« genannte Begegnungsstätte, in der beispielsweise Sommerlager für traumatisierte Kinder abgehalten werden. »Wir weigern uns, Feinde zu sein« steht auf einem Stein am Eingang der inzwischen von jüdischen Siedlungen umgebenen Farm. Hier werden innere Grenzen überwunden, obwohl die äußeren Barrieren immer höher werden. »Menschen bauen Brücken« lautet das Motto der Nassar-Familie, die viele Kontakte nach Deutschland hat. Der Generalsekretär des Weltrats Methodistischer Kirchen, Bischof Ivan Abrahams, und die stellvertretende Ratsvorsitzende, Gillian Kingston, überreichten in einer bewegenden Feierstunde unter freiem Himmel den Friedenspreis des Methodistischen Weltrats an Familie Nassar.

Freiwillige willkommen!

Am letzten Tag der Reise entwickelten wir zusammen mit dem Direktor des Eco-Peace-Büros in Tel Aviv Ideen, wie die Zusammenarbeit zwischen Eco Peace, dem Methodistischen Büro in Jerusalem und dem Weltrat Methodistischer Kirchen weitergehen kann. Zum Beispiel sind Reisegruppen und Freiwillige, die einige Wochen mitarbeiten möchten, sowohl bei Eco Peace als auch auf der Farm von Familie Nassar willkommen. Darüber hinaus gilt es zu erkennen, das auch wir einen Beitrag leisten können, wenn wir in unserem Lebensumfeld ökologisch verantwortlich leben und Gottes gute Schöpfungsgaben pfleglich behandeln. Denn Wasser kennt keine Grenzen. Wir alle teilen uns die Ressourcen auf der ganzen Welt.

Bildnachweis: Rosemarie Wenner

Die Autorin
Rosemarie Wenner war von 2005 bis 2017 Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Im Ruhestand ist sie weiterhin ökumenisch und international aktiv. Kontakt über oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
»Zelt der Nationen« der Familie Nassar
Friedenspreis 2017 des Weltrats Methodistischer Kirchen
Eco Peace Middle East

Zur Information
Weltrat Methodistischer Kirchen
Der Weltrat Methodistischer Kirchen (World Methodist Council, WMC) ist ein Dachverband von über 70 Kirchen methodistischer und wesleyanischer Tradition sowie mit ihnen verbundener unierter und vereinigter Kirchen, in denen über 51 Millionen Menschen ihre geistliche Heimat haben. Die Evangelisch-methodistische Kirche ist mit über 12,5 Millionen Kirchengliedern die größte Mitgliedskirche des WMC. Im Rat arbeiten rund 400 Kirchenvertreter mit. Die Kirchen finanzieren den Weltrat gemeinsam. Ziel des Zusammenschlusses ist die Förderung der Einheit unter den beteiligten Kirchen und das gemeinsame Zeugnis für den christlichen Glauben in der Welt. Zudem fördert der WMC ökumenische und interreligiöse Aktivitäten. Seit 1956 hat der WMC seinen ständigen Sitz in Lake Junaluska, im US-Bundesstaat North Carolina.
Weitere Informationen: www.worldmethodistcouncil.org

Der Friedenspreis des Weltrats Methodistischer Kirchen
Der Friedenspreis des Weltrats Methodistischer Kirchen wurde 1977 erstmals verliehen. Er wird jährlich einer oder mehreren Personen oder Organisationen zugesprochen, die in ihrem Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung von Menschen auf der ganzen Welt Mut, Kreativität und Standhaftigkeit bewiesen haben. Nominierungen können von der Leitung der WMC-Mitgliedskirchen eingereicht werden. Der Preis besteht aus einer vergoldeten Silbermedaille und ist mit einem symbolischen Betrag von 1.000 US-Dollar dotiert.
Zu den früheren Preisträgern gehören unter anderen der ehemalige südafrikanische Präsident Nelson Mandela, der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu, der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter, der ehemalige Präsident von Mazedonien, Boris Trajkovski, die Mütter des Platzes der Mairevolution in Argentinien und der ehemalige Generalsekretär der KPdSU und Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow.
Weitere Informationen: worldmethodistcouncil.org/whatwedo/world-methodist-peace-award

Beten und Fasten fördert die Demut

Do, 10/25/2018 - 10:00

Auch Christen können so heftig diskutieren und aneinandergeraten, dass die Gemeinschaft aufgekündigt wird und ein gemeinsames Gebet nicht mehr möglich erscheint. Umgekehrt entsteht manchmal der Eindruck, dass die Aufforderung zu intensivem Gebet auch eine Flucht vor kritischer Auseinandersetzung sein kann. Dass beides – diskutieren und beten – keine Gegensätze sein müssen, zeigt die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) mit einer Aktion, zu der Harald Rückert jetzt deutschlandweit die Gemeinden der EmK auffordert. Der für die EmK in Deutschland zuständige Bischof lädt dazu ein, die aktuell weltweit stattfindende innerkirchliche Auseinandersetzung über die Frage der Homosexualität mit Gebet und mit Fasten zu begleiten.

Die Ernsthaftigkeit des Glaubens gegenseitig anerkennen

Der seit gut anderthalb Jahren im Amt befindliche Bischof nimmt dazu eine Anregung aus dem internationalen Bischofsrat der EmK auf. Seit Juni dieses Jahres lädt dieser weltweit die sich zur EmK zählenden Menschen dazu ein, sich täglich vier Minuten Zeit zum Beten zu nehmen und einen Tag in der Woche zu fasten. Zielsetzung dieser Aktion ist das Gebet und der Einsatz »für die Zukunft unserer Kirche«, wie es der Titel dieser Aktion formuliert. In den Auseinandersetzungen darüber, wie von der Ordnung der Kirche her die Homosexualität zu bewerten ist, solle nicht nur diskutiert werden. Es gehe vielmehr darum, so Bischof Rückert, im Beten und Fasten »einen geistlichen Ansatzpunkt aufzuzeigen, der uns einen ganz anderen Zugang ermöglicht«. In einem zehnminütigen Video legt Rückert dar, wie die Impulse zum täglichen Gebet und zum wöchentlichen Fasten im persönlichen Leben aufgenommen und umgesetzt werden können. Er ist überzeugt, dass diese Praxis einen Zugang eröffnet, bei dem Menschen trotz gegensätzlicher Meinungen »einen Weg finden, auf dem wir einander die Ernsthaftigkeit des Glaubens und der Nachfolge unsere Liebe zum Wort Gottes und unsere Leidenschaft für das Evangelium von Jesus Christus tatsächlich glauben«.

Diskutieren und Beten

Im Video erklärt Rückert wie er sich selbst eine tägliche Erinnerungszeit für das vierminütige Gebet gesetzt hat und dass er sich auch auf das wöchentliche Fasten einlässt »obwohl es in dieser wöchentlichen Form auch für mich eine ganz neue Übung ist«, wie er offen zugibt. Wenn Diskussion und Auseinandersetzung auf diese Weise mit Gebet und Fasten begleitet werde, führe das zu einer »Haltung der Demut und gegenseitiger Offenheit und zu einer Bereitschaft, sich der Führung durch den Heiligen Geist anzuvertrauen«. So heißt es im Schreiben des Bischofsrats vom Mai dieses Jahres. Jetzt beginnt die Aktion in den Gemeinden der EmK in Deutschland, wofür den Gemeinden neben dem bischöflichen Videobeitrag noch weitere Arbeitsmaterialien zur Verfügung gestellt werden. Die Aktion soll bis zur Generalkonferenz, dem weltweit höchsten Gremium der Evangelisch-methodistischen Kirche, im kommenden Februar andauern. Bei dieser Konferenz liegen den Delegieren drei Antragspakete vor, die auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlichen Konsequenzen eine Klärung in der Frage herbeiführen sollen, wie von der Ordnung der Kirche her Homosexualität zu bewerten ist und was das für den Umgang mit homosexuellen Menschen bis hin zu Trauung und Ordination Homosexueller bedeutet. Weil dies nur durch Diskussion und Mehrheitsentscheidung nicht gelingen wird, wendet sich Rückert an alle Pastorinnen und Pastoren sowie alle Laienmitglieder deutscher Jährlicher Konferenzen der EmK, sich als »Botschafterinnen und Botschafter für diese Gebetsinitiative« einzusetzen und für eine weite Verbreitung zu engagieren.

Der Anlass

Hintergrund für diese Aktion ist die seit Mai 2016 in der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche verstärkt stattfindende Diskussion über Homosexualität und die damit verbundenen innerkirchlichen Auseinandersetzungen. Die in Portland im US-Bundesstaat Oregon tagende Generalkonferenz 2016 hatte seinerzeit die Einsetzung einer Kommission beschlossen, die einen Lösungsweg suchen sollte, um für die EmK in der Auseinandersetzung über die Frage der Homosexualität die Einheit zu bewahren. Seit im Mai 2018 die eingesetzte Kommission »Ein Weg in die Zukunft« ihre Ergebnisse vorgelegt hat, sind weltweit Gespräche, Anhörungen und Diskussionen im Gange, die bei der außerordentlichen Tagung der Generalkonferenz vom 23. bis 26. Februar kommenden Jahres zu einer Entscheidung führen sollen. Die jetzt gestartete Aktion soll diesen Weg mit Beten und Fasten begleiten.

Bildnachweis: Ausschnitt aus dem Video »Beten und Fasten für die Zukunft der Kirche« von Bischof Harald Rückert

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
Link zum Video von Bischof Harald Rückert

Internationaler Rechtshof der EmK tagt in Zürich

Mi, 10/24/2018 - 04:27

Der Rechtshof (Judicial Council) der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) tagt erstmals in seiner Geschichte in Europa. Seit dem gestrigen Dienstag und noch bis zum Freitag (23. bis 26. Oktober) treffen sich die Mitglieder dieses Gremiums in Zürich in der Schweiz. Allgemeine Aufgabe des Rechtshofs ist es, auf Basis von eingereichten Anträgen zu prüfen, ob bischöfliche Entscheidungen und Konferenzbeschlüsse der verschiedenen Strukturebenen der Evangelisch-methodistischen Kirche mit dem Kirchenrecht übereinstimmen. Die Entscheidungen des Rechtshofs sind endgültig.

Von der Ruhestandsregelung bis zur Teilnahmegebühr

Bei der Tagung in Zürich wird ein Beschluss der Generalkonferenz aus dem Jahr 2016 zur Ruhestandsregelung für Bischöfe und Bischöfinnen verhandelt. Außerdem geht es um Verfahrensfragen bei Statusänderungen pastoraler Mitglieder. Ebenfalls wird entschieden, ob es rechtens ist, dass Besucher der im kommenden Jahr stattfindenden außerordentlichen Generalkonferenz eine Gebühr für Anmeldung und Teilnahme bezahlen müssen.

Vorausgehende verfassungsrechtliche Prüfung

Von Brisanz könnte ein Antrag auf vorausgehende Prüfung der drei Antragspakete sein, die auf der außerordentlichen Generalkonferenz im kommenden Jahr verhandelt werden und alle mit der Haltung der EmK zur Homosexualität zusammenhängen. Die Entscheidung bei der außerordentlichen Generalkonferenz wird je nach Beschlusspaket unterschiedliche Rechtsänderungen zur Folge haben. Mit der nun vorgesehenen Prüfung sollen schon im Vorfeld verfassungsrechtliche Bedenken erkannt und ausgeräumt werden. Der Rechtshof kann den Antrag auf vorausgehende Rechtsprüfung auch zurückweisen und erst nach der Entscheidung der außerordentlichen Generalkonferenz tätig werden.

Bildnachweis: UMNS

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Die Meldung wurde erstellt auf Basis von Informationen von Erik Senz und Urs Schweizer. Erik Senz ist Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit der EmK in der Schweiz, Urs Schweizer ist Assistent von EmK-Bischof  Dr. Patrick Streiff, Zürich.

Weiterführende Links
www.umc.org/who-we-are/judicial-council (Englisch)

Zur Information

Der Rechtshof ist das oberste Recht sprechende Gremium der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche und tagt in der Regel zweimal jährlich. Die jetzt in Zürich stattfindende Herbsttagung ist erst die zweite, die außerhalb der USA stattfindet, und die erste in Europa. Die neun gewählten Mitglieder, vier Frauen und fünf Männer, tagen in nichtöffentlichen Sitzungen. Es können jedoch mündliche Anhörungen stattfinden, die dann allerdings öffentlich durchzuführen sind. Termine, Inhalte und Entscheidungen der Tagungen veröffentlicht der Rechtshof jeweils im Internet.

Weitere Informationen zum Rechtshof (PDF)

Den Gottesdienst zu den Menschen bringen

Mo, 10/22/2018 - 11:00

»Ich habe mich schon als Jugendlicher mit der Frage beschäftigt, Pastor zu werden. Weil ich mir aber nicht sicher war, habe ich erst eine Ausbildung gemacht.« Mit diesen Sätzen erinnert sich Stefan Kettner an den Anfang seines Weges in den hauptamtlichen Dienst als Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Jetzt führt ihn dieser Weg ins Amt des Superintendenten für den Distrikt Heidelberg in der Süddeutschen Konferenz. Die Berufung von Stefan Kettner zum Superintendenten gab Harald Rückert, Bischof der EmK in Deutschland, am Wochenende bekannt. Bei der Tagung der Süddeutschen Jährlichen Konferenz im Juni dieses Jahres war in mehreren Wahlgängen zunächst keine Wahl zustande gekommen.

Hineinschnuppern bringt Klarheit

Der im November 49 Jahre alt werdende designierte Superintendent ist in Karlsruhe geboren und in Pforzheim aufgewachsen. In der Pforzheimer EmK-Gemeinde fand er in dem damaligen Gemeindepastor Dieter Hensler ein zugewandtes Gegenüber, der den angehenden Bankkaufmann neben seiner Ausbildung intensiv in die Praxis der Gemeindearbeit einbezog. Im Rahmen dieses »Hineinschnupperns« mit der Durchführung von Freizeiten und der Gestaltung von Bibelarbeiten, Andachten und der Seelsorge an jungen Menschen »merkte ich, dass das der Platz ist, an dem Gott mich haben will«. Mit dem Abschluss seiner Bankausbildung wechselte Kettner nach Tübingen zum Studium der Theologie, das er in Heidelberg und Reutlingen vertiefte und mit einem Diplom abschloss. Nach einem einjährigen Gemeindepraktikum im rheinland-pfälzischen Zweibrücken war er neun Jahre Pastor in Reutlingen und seit neun Jahren im nördlich von Stuttgart gelegenen Bietigheim-Bissingen.

Ein Herz für kreative Gottesdienste

»Der pastorale Dienst in der Gemeinde ist die wichtigste Aufgabe in unserer Kirche.« Damit betont Kettner auch den Blickwinkel, aus dem er sein neues Amt als Superintendent angehen will, nämlich »den Hauptamtlichen in dieser wichtigen Aufgabe hilfreich zur Seite zu stehen und mit ihnen zu überlegen, wie Gemeindearbeit gefördert, gestärkt und unterstützt werden kann«. Nach zwanzig Jahren Gemeindepraxis ist Kettner überzeugt: »Wenn wir es nicht schaffen, unsere Gemeindearbeit zu stärken und voranzubringen, dann wird es auch für viele andere Bereiche unserer kirchlichen Arbeit in Zukunft schwierig werden.« Gerne wolle er in der Kirche mit der Übernahme des Amtes als Superintendent auch Verantwortung übernehmen, »um neue Wege zu gehen und Menschen für den Glauben und die Kirche zu begeistern«. Das bedeute, dass Gemeinden sich auf den Weg zu den Menschen machen müssten. Dafür stehe das Motto »Wenn die Menschen nicht zum Gottesdienst kommen, dann bringen wir eben den Gottesdienst zu den Menschen«, wie es Kettners aktuelle Gemeinde in Bietigheim angefangen hat zu praktizieren. Zum Erntedankfest hatte die dortige Gemeinde einen Gottesdienst im Freien beim städtischen Apfelfest mit verkaufsoffenem Sonntag gefeiert. Gottesdienste in der Bibliothek und in einem Fitnesscenter seien bereits angedacht. »Mein Herz schlägt für kreative Gottesdienste«, mit denen die »Botschaft der Liebe Gottes als zentrales Element der Verkündigung« den Menschen nahegebracht werde.

»Verschieden gestrickt«, aber gemeinsam unterwegs

Seine geistliche Entwicklung habe er ganz unterschiedlichen Prägungen zu verdanken. So verbinde er aus seiner Zeit als Kind und Jugendlicher viele Glaubenserfahrungen mit der Liebenzeller Mission. Während seiner Studienzeit habe er in Tübingen und Heidelberg die Weite der Theologie schätzen gelernt. Aus mehreren Klosteraufenthalten und bei Kongressen für junge Erwachsene und der geistlichen Gemeindeerneuerung habe er innerhalb der EmK viele Impulse empfangen. »Mich begeistert Lobpreis genauso wie ein klassischer Gottesdienst mit Liturgie«, fasst Kettner die Bandbreite seiner Erfahrungen zusammen. Diese möchte er dazu einbringen, dass die EmK als »Gemeinschaft aus Suchenden und Fragenden gemeinsam unterwegs ist«. »Wir sind in unseren Frömmigkeitsstilen verschieden gestrickt und doch gemeinsam unterwegs mit unserem Herrn Jesus Christus hin zu Gott.« Wenn dies ernsthaft und in gegenseitigem Respekt geschehe, könne in Gemeinde und Kirche trotz unterschiedlicher Positionen und Meinungen eine tragfähige und einladende Gemeinschaft erfahren und gelebt werden, ist Kettner überzeugt.

Umsicht, Leidenschaft, Kreativität

Bischof Harald Rückert freut sich, dass der »mit Umsicht, Leidenschaft und Kreativität wirkende Gemeindepastor« bereit ist, die Beauftragung zu diesem neuen Dienst anzunehmen. »Mit seiner Erfahrung im Bereich von Ausbildung und Personalbegleitung kann Stefan Kettner Haupt- und Ehrenamtliche in den Gemeinden motivieren«, ist Rückert von den Qualitäten des designierten Superintendenten überzeugt. Kettner wird ab Sommer nächsten Jahres in Nachfolge von Carl Hecker für den Distrikt Heidelberg zuständig sein. Dieser erstreckt sich über die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und einen kleinen Teil im Westen Baden-Württembergs. Die Familie, Stefan Kettner ist verheiratet und hat zusammen mit seiner Frau eine Tochter und zwei Söhne im Teenageralter, wird zunächst in Bietigheim wohnen bleiben, damit die Ehefrau ihre Ausbildung und die beiden älteren Kinder ihren Schulabschluss machen können.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Ein Weg in die Zukunft

Sa, 10/20/2018 - 07:05

Seit gut zwei Jahren ist die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) weltweit in einem intensiven Gesprächs- und Gebetsprozess, um eine Lösung in den strittigen Fragen zur menschlichen Sexualität zu finden. Die aktuelle Ausgabe des EmK-Magazins »Unterwegs« beschäftigt sich ausführlich mit diesem weltweit angelegten Prozess. Vor zwei Jahren befand sich die Generalkonferenz, das weltweit oberste Leitungsgremium der Evangelisch-methodistischen Kirche, in der Diskussion zur Beurteilung von Homosexualität in einer Sackgasse. Daraufhin setzte der Bischofsrat die Kommission »Ein Weg in die Zukunft« ein, die Lösungsansätze entwickeln sollte. Rosemarie Wenner, inzwischen Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche im Ruhestand, war Mitglied dieser Kommission. Sie berichtet über den zurückgelegten Weg und die jetzt zur Entscheidung vorliegenden Vorschläge.

Seit 1972 gibt es bei jeder Tagung der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche Debatten über die Frage, wie Homosexualität aus christlicher Sicht zu betrachten ist. In jenem Jahr, gerade einmal vier Jahre nachdem sich die Vorgängerkirchen »Bischöfliche Methodistenkirche« und »Evangelische Gemeinschaft« zur Evangelisch-methodistischen Kirche zusammengeschlossen hatten, legte die mit der Erarbeitung der Sozialen Grundsätze beauftragte Kommission ihren Bericht vor. Darin stand: »Homosexuelle sind nicht weniger als Heterosexuelle Menschen von heiligem Wert, die den Dienst und die Anleitung der Kirche in ihren Kämpfen um erfülltes Leben ebenso brauchen wie die geistliche und emotionale Fürsorge einer Gemeinschaft, die versöhnende Beziehungen mit Gott, mit anderen und mit sich selbst ermöglicht. Weiterhin betonen wir, dass die Menschenrechte und die zivilen Rechte für alle Menschen zu gelten haben.«

Eine Ergänzung der Sozialen Grundsätze

In der Debatte über diese Formulierung stellte jemand den Antrag, folgenden Satz zu ergänzen: »Die Evangelisch-methodistische Kirche billigt praktizierte Homosexualität nicht und sieht diese Praxis als unvereinbar mit der christlichen Lehre an.« Dieser Antrag wurde angenommen. Seitdem diskutiert die Generalkonferenz alle vier Jahre darüber, ob diese Ergänzung zurecht in unseren Sozialen Grundsätzen steht. Die wenigen Bibelstellen, die sich explizit auf homosexuelle Praktiken beziehen, verurteilen diese zwar scharf. Viele Christen sehen sie allerdings nicht als zeitlos gültig an; sie argumentieren mit dem Liebesgebot und erinnern daran, dass Gottes Gnade allen gilt.

Inzwischen kommen etwa 40 Prozent der Delegierten zur Generalkonferenz aus Ländern in Afrika, Asien oder Südosteuropa, in denen Homosexualität verboten oder tabuisiert ist. Sie haben schon allein mit der Tatsache Mühe, dass das Thema überhaupt bei einer christlichen Konferenz verhandelt wird. In den USA und in den westeuropäischen Ländern sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften hingegen erlaubt und die Toleranz gegenüber Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Neigungen wächst in den Gesellschaften und in vielen Gemeinden. Die Debatten wurden in den letzten Jahren schärfer und unversöhnlicher; hierin spiegeln wir als Kirche auch gesellschaftliche Brüche wider, wie sie vor allem in den USA massiv zutage treten, obwohl wir gerne Gegenkultur sein möchten.

Während der Generalkonferenz 2016 befürchteten viele, dass sich die Kirche an der Frage, wie Homosexualität zu beurteilen ist, spalten würde. Da stellte jemand den Antrag, den Bischofsrat zu bitten, einen Vorschlag zu unterbreiten, wie die Evangelisch-methodistische Kirche aus dieser Sackgasse herauskommen kann. Dieser Antrag wurde angenommen. Als Bischofsrat erarbeiteten wir buchstäblich über Nacht eine Erklärung, in der wir vorschlugen, während der Tagung keine Entscheidung in dieser Thematik zu treffen und dem Bischofsrat das Mandat zu erteilen, eine Kommission einzusetzen, die einen Weg in die Zukunft erarbeitet.

Neue Perspektiven mit Gebet und Bibelstudium

Die Möglichkeit, eine außerordentliche Generalkonferenz abzuhalten, wurde erwähnt. Nach intensivem Ringen folgte die Generalkonferenz mit knapper Mehrheit diesem Vorschlag. Im Herbst 2016 berief der Bischofsrat daraufhin die Kommission »Ein Weg in die Zukunft «. Sie wurde von Bischof Kenneth Carter, Florida, USA, Bischöfin Sandra Steiner-Ball, Virginia, USA, Kongo, geleitet. Ihr gehörten 32 Personen an, Laien, Pastoren und Bischöfinnen aus allen Kontinenten, die unterschiedliche theologische Richtungen vertraten. David Field aus Basel und ich brachten die europäische Perspektive in die Kommission ein. Neun Kommissionssitzungen fanden statt, eine davon im September 2017 in Berlin. Die Arbeit war von Gebet und Bibelstudium getragen.

Wir einigten uns in der ersten Sitzung auf einen Verhaltenskodex, der unter anderem besagte, dass wir mehr Wert darauf legen, andere zu verstehen, als selbst verstanden zu werden, dass wir einander gute Absichten unterstellen, dass wir einander in unseren unterschiedlichen Meinungen respektieren und dass wir Vertraulichkeit wahren. Trotz gegensätzlicher Positionen suchten wir gemeinsam nach Wegen für unsere Kirche, die die Einheit fördern und gleichzeitig so viel Freiheit wie möglich zulassen, um in den unterschiedlichen Kontexten in vier Kontinenten die missionarische Kraft der Kirche zu stärken. Wir erarbeiteten eine theologische Grundlegung, in der wir die ökumenische Gesinnung und die missionarische Ausrichtung der Kirche betonten und dazu aufriefen, die Überzeugungen in Demut einzubringen.

Unterschiedliche Vorschläge

Für die zukünftige Struktur der Kirche machten wir drei Vorschläge: Der Traditionalist Plan (traditioneller Ansatz) würde im Wesentlichen die jetzt gültigen Regelungen belassen, dass praktizierende Homosexuelle nicht ordiniert werden können und dass es in EmK-Gemeinden und durch Geistliche der EmK keine Trauungen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften geben soll. Wer dies nicht mittragen kann, sollte einer neu zu bildenden methodistischen Kirche angehören, die mit der bestehenden affiliiert sein kann.
Nach dem Connectional Conference Plan (getrennt aber verbunden) würde die Kirche in mehrere Zweige geteilt, die sich geographisch überlappen können. Ein Zweig würde die traditionelle Haltung bewahren, ein anderer würde die volle Inklusion von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierungen ermöglichen, ein dritter würde unterschiedliche Regelungen in dieser Thematik zulassen. Die Konferenzen außerhalb der USA könnten entweder einem dieser Zweige zugehören oder einen eigenständigen Zweig bilden. Alle »Connexional Conferences« würden bei der Generalkonferenz über für alle verbindliche Lehrfragen und gemeinsame Vorhaben entscheiden.
Nach dem One Church Plan (eine Kirche) würden die ablehnenden Aussagen zu Homosexualität und die daraus folgenden ausgrenzenden Regelungen aus der weltweit geltenden Verfassung, Lehre und Ordnung gestrichen. Gleichzeitig würde eingefügt, dass niemand gezwungen werden kann, gegen sein Gewissen zu handeln. Die Entscheidung, ob Menschen, die in gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben, ordiniert werden können, wäre dann von den Kommissionen für ordinierte Dienste in den Konferenzen zu treffen, und die Frage nach gleichgeschlechtlichen Trauungen wäre von den Pastorinnen und Pastoren und den Gemeinden zu bedenken.

Der Bericht steht in den vier offiziellen Sprachen der Generalkonferenz im Internet. In der Kommission fanden sowohl der »Connectional Conference Plan« als auch der »One Church Plan« viel Unterstützung. Der Bischofsrat sprach sich mit deutlicher Mehrheit dafür aus, der Generalkonferenz die Annahme des »One Church Plan« zu empfehlen. Er sah in ihm eine Möglichkeit, Menschen mit gegensätzlichen Meinungen in der Frage, wie Homosexualität nach biblischer und kirchlicher Lehre zu beurteilen ist, in einer Kirche Raum zu geben und auch den Unterschieden in den einzelnen Ländern unserer weltweiten Kirche Rechnung zu tragen. Alle drei Vorschläge liegen nun der Generalkonferenz vor. Daneben gibt es zahlreiche weitere Anträge, zum Teil in Abänderung dieser Vorlagen, zum Teil mit ganz anderen Ansätzen.

Beten und aufeinander hören

Die Delegierten werden zuerst entscheiden müssen, welche der weiteren Anträge mit der vom Bischofsrat ausgesprochenen Einladung zur Generalkonferenz in Einklang stehen und folglich behandelt werden können. Danach werden die Delegierten darum ringen, welchen Weg die Kirche einschlagen soll. Sowohl der Kommission »Ein Weg in die Zukunft« als auch dem Bischofsrat war es wichtig, dass die Beratungen in einem geistlichen Prozess des respektvollen Hörens geschehen und nicht in einem Kampf, in dem es am Ende Gewinner und Verlierer gibt. Die Generalkonferenz wird deshalb mit einem Tag des Betens und Aufeinander Hörens beginnen.

Wie wird die Generalkonferenz entscheiden? Ich weiß es nicht. Die Zentralkonferenzen werden in jedem Fall für ihr Gebiet Anpassungen vorzunehmen haben. Ich werbe für einen Weg, der Unterschiedlichkeit erlaubt und größere Akzeptanz für Menschen, die nicht heterosexuell sind, signalisiert. Vor allem soll unser Nachdenken über den Weg in die Zukunft ins Gebet eingebettet sein, dass Gott uns für seinen Weg öffnet.

Bildnachweis: Maidstone Mulenga
Dieser Artikel ist dem EmK-Magazin »Unterwegs« 21/2018 vom 14. Oktober 2018 entnommen.

Die Autorin
Rosemarie Wenner war von 2005 bis 2017 Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Im Ruhestand ist sie weiterhin ökumenisch und international aktiv. Kontakt über oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links

Die aktuelle Nummer 21/2018 des EmK-Magazins »Unterwegs« ist kostenlos über die Zeitschriften-App »m-kiosk« erhältlich. Bitte nutzen Sie dafür folgende Zugänge:

Zur Information
Zum in diesem Beitrag angesprochenen Thema veröffentlicht emk.de mehrere Beiträge aus der aktuellen Nummer des EmK-Magazins »unterwegs«. Außerdem veröffentlicht emk.de zum in der kommenden Woche einen Video-Beitrag von Bischof Harald Rückert mit dem Thema »Beten und Fasten für die Zukunft der Kirche« mit weiteren Links zu Arbeitsmaterialien und Veröffentlichungen zum Thema.

»Wir brauchen eine neue Vision des Lebens«

Do, 10/18/2018 - 06:30

Seit gut zwei Jahren ist die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) weltweit in einem intensiven Gesprächs- und Gebetsprozess, um eine Lösung in den strittigen Fragen zur menschlichen Sexualität zu finden. Die aktuelle Ausgabe des EmK-Magazins »Unterwegs« beschäftigt sich ausführlich mit diesem weltweit angelegten Prozess. Der leitende Unterwegs-Redakteur führte mit dem Buchautor David N. Field ein Interview unter dem Blickwinkel, wie man Menschen lieben kann, mit denen man in grundsätzlichen Fragen nicht übereinstimmt. Field war Mitglieder der Kommission »Ein Weg in die Zukunft« und erlebte, wie der Glaube eine Brücke ist, die trägt.


»unterwegs«: Die Idee zu Ihrem Buch »Zu lieben sind wir da« entstand während der Mitarbeit in der Kommission »Ein Weg in die Zukunft«. Wie haben Sie die Arbeit in der Kommission erlebt?

David N. Field: Als ich erstmals die Namen der Mitglieder der Kommission gelesen hatte, dachte ich, dass eine Gruppe mit so unterschiedlichen Idealen niemals zusammenarbeiten könnte. Dennoch sind starke Beziehungen gewachsen. Das half uns, ehrlich zu diskutieren, die eigenen Erfahrungen auszutauschen und uns gegenseitig zu respektieren. Unser Glaube brachte uns zusammen, obwohl wir unterschiedliche Meinungen über Homosexualität hatten.

Warum ist in der Debatte um Homosexualität das von Ihnen geschriebene Buch wichtig?

Die Aufgabe der Kommission war, eine Struktur der Kirche zu entwerfen, in der Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zusammenleben und glauben können. Wir brauchen eine neue Vision des Lebens und der Mission der Kirche. Die Geschichte der EmK in verschiedenen Teilen der Welt öffnet uns viele Ressourcen für eine neue Vision. Eine solche Vision für die Kirche würde uns eine Richtung geben, um die Herausforderungen des einundzwanzigsten Jahrhunderts zu bewältigen – das Thema der Homosexualität eingeschlossen.

Wenn ich richtig sehe, sprechen Sie das Thema Homosexualität aber im Buch selbst kaum an. Warum?

Ich wollte kein Buch über Homosexualität schreiben. Es gibt bereits viele Bücher dazu. Sollten wir einen Weg finden, den Konflikt um die Homosexualität zu lösen, wäre die entscheidende Frage immer noch da: Was heißt es, Kirche nach dem Willen Gottes zu sein und die Mission auszuführen, die er uns aufgetragen hat. Für eine solche Vision ist die Einheit der Kirche wichtig, sie bezeugt Gottes Mission in der Welt. Deshalb ist es eine Schlüsselfrage, wie wir mit theologischen und ethischen Konflikten umgehen. Das schließt das Thema Homosexualität mit ein, aber es gibt noch andere strittige Themen.

Warum steht das Thema Liebe so stark im Vordergrund?

Für John Wesley war »Liebe« der zentrale Begriff, wie es für Martin Luther der Begriff »Glaube« war. In meinem Buch zeige ich, dass Liebe nicht nur von Wesley so betont wurde, sondern dass sie eine zentrale Aussage der Bibel ist. Uns stellt sich die Frage, was diese Liebe von uns fordert. In der Debatte um Homosexualität führt das zur Frage, wie wir schwule und lesbische Christen lieben können. Wie können wir Menschen lieben, die Überzeugungen haben, die wir nicht teilen?

Wir reden in der Kirche – auch in der Evangelisch-methodistischen Kirche – viel über Liebe. Wie kommen wir als Christen in eine Praxis der Liebe?

Es gibt drei wichtige Punkte. Erstens müssen wir die Liebe, die Gott im Leben und Tod von Christus gezeigt hat, wiederentdecken. Zweitens müssen wir Wege finden, diese Liebe in unserem Alltag zu leben. Zuletzt geht es darum, zu einer Gemeinschaft zu gehören, die sich bemüht, Gott und die Nächsten zu lieben, sich aber bewusst ist, dass das nicht einfach ist – sondern ein tägliches Bemühen in Antwort auf Gottes Gnade.

Sie nehmen die Geschichte der methodistischen Bewegung in den Blick. Was für Erfahrungen gibt es, die uns heute helfen können?

Ich denke an eine Geschichte aus dem Leben von Nelson Mandela, der Methodist war. Harry Wiggett, ein anglikanischer Gefängnisseelsorger, war verantwortlich für die politischen Gefangenen, unter denen sich auch Mandela befand. Wiggett feierte mit den Gefangenen Abendmahl. Ein Aufseher beobachtete den Gottesdienst. Wiggett begann mit der Abendmahlsfeier, als Mandela ihn unterbrach, zum Gefängniswärter hinüberging und ihn fragte, ob er Christ sei. Als der Gefängniswärter dies bestätigte, lud Mandela ihn ein, sodass sie miteinander Abendmahl feiern konnten.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit (Field); EVA Leipzig (Titelgrafik)
Dieser Artikel ist dem EmK-Magazin »Unterwegs« 21/2018 vom 14. Oktober 2018 entnommen.

Der Autor
Michael Putzke ist leitender Redakteur des zweiwöchentlich erscheinenden EmK-Magazins »Unterwegs«. Kontakt: redaktion(at)emk.de.

Weiterführende Links
Zum in diesem Beitrag angesprochenen Thema veröffentlicht emk.de mehrere Beiträge aus der aktuellen Nummer des EmK-Magazins »unterwegs«. Außerdem veröffentlicht emk.de in der kommenden Woche einen Video-Beitrag von Bischof Harald Rückert mit dem Thema »Beten und Fasten für die Zukunft der Kirche« mit weiteren Links zu Arbeitsmaterialien und Veröffentlichungen zum Thema. Die aktuelle Nummer 21/2018 des EmK-Magazins »Unterwegs« ist kostenlos über die Zeitschriften-App »m-kiosk« erhältlich. Bitte nutzen Sie dafür folgende Zugänge:

Zur Information
Das Buch von David N. Field »Zu lieben sind wir da. Der methodistische Weg, Kirche zu sein« ist ab Anfang November im Buchhandel erhältlich. (Paperback, 248 Seiten, ISBN 978-3-374-05857-0, ca. 15,00 Euro)
Zur Einführung des Buches und als Hilfestellung zur Verwendung in der Gemeindearbeit organisiert das Bildungswerk der Evangelisch-methodistischen Kirche zwei Fachtage: Samstag, 17.11.2018 in Hannover; Samstag, 12.1.2019 in Stuttgart. Dabei führt David N. Field in sein Buch ein, der Leiter des Bildungswerks, Pastor Wilfried Röcker, stellt praktische Hilfen für die Gemeindearbeit vor. David Field und die EmK-Bischöfin i. R. Rosemarie Wenner berichten von ihren Erfahrungen in der Kommission »Ein Weg in die Zukunft«.

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Was Überzeugung und Demut miteinander zu tun haben

Sa, 10/13/2018 - 06:03

Seit gut zwei Jahren ist die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) weltweit in einem intensiven Gesprächs- und Gebetsprozess, um eine Lösung in den strittigen Fragen zur menschlichen Sexualität zu finden. Die aktuelle Ausgabe des EmK-Magazins »Unterwegs« beschäftigt sich ausführlich mit diesem weltweit angelegten Prozess. Harald Rückert, der Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland, schreibt in dieser Ausgabe des Magazins, wie es aus seiner Sicht möglich ist, trotz unterschiedlicher Ansichten und Meinungen Gemeinschaft und Einheit zu bewahren:

Was verbindet: Liebe zu Gott, zur Bibel, zu den Menschen und zur Kirche

Auf unserem »Weg in die Zukunft« stehen wir als Kirche derzeit vor einer großen Herausforderung. Es geht um unsere Gemeinschaft. Es geht darum, wie wir als Kirche die uns in Christus geschenkte Einheit leben wollen. Lassen Sie uns dafür zuerst festhalten, was uns bisher verbindet: Die Liebe zu Gott. Sie ist unsere Antwort auf Gottes bedingungslose Liebe, mit der er uns und allen Menschen begegnet. Die Liebe zur Bibel. Sie ist Quelle und Maßstab für unseren Glauben. Auf Grundlage der Bibel helfen uns Tradition, Erfahrung und Vernunft zum besseren Verständnis biblischer Texte. Die Liebe zu allen Menschen. Alle Menschen sind von heiligem Wert und nach dem Bild Gottes geschaffen. Alle sind in unseren Gemeinden willkommen und zur Mitarbeit eingeladen. In unserer »Verfassung, Lehre und Ordnung« werden in diesem Zusammenhang auch homosexuelle Menschen ausdrücklich erwähnt. Die Liebe zu unserer Kirche. In ihr haben wir geistliche Heimat gefunden und erleben Gemeinschaft. Hier sind wir zum Glauben gekommen. Hier sind Menschen, die uns beeindruckt oder gar geprägt haben. Hier sind Menschen, mit denen wir Geschichten teilen, mit denen wir gelacht und geweint haben. In dieser Kirche wird unser Glaube geformt, und in ihr sind wir gemeinsam in der Nachfolge Christi unterwegs. Das und noch viel mehr verbindet uns.

Mit Unterschieden zurechtkommen

Gerade angesichts unserer großen Herausforderung, erscheint mir folgende Anregung hilfreich: Erzählen Sie sich gegenseitig einmal, was Ihnen an unserer Kirche wertvoll ist und welche bewegenden Erfahrungen Sie mit unserer Kirche verbinden. Alle Gespräche und Diskussionen, die in der kommenden Zeit stattfinden werden – und zu denen ich ausdrücklich ermutige – sollten so beginnen. Das gibt eine andere Grundlage für Gespräche, in denen dann auch Strittiges zur Sprache kommt. Denn, auch wenn wir gemeinsam unsere Liebe zur Bibel bekennen, lesen wir sie doch auf verschiedene Weisen und kommen zu unterschiedlichen Erkenntnissen. Beispiel? Die einen bevorzugen eher die Taufe von Kindern und die anderen eher die Taufe von Erwachsenen; wir gehen mit den Gaben des Heiligen Geistes unterschiedlich um; in Fragen des gesellschaftlichen Engagements setzen wir unterschiedliche Schwerpunkte. Weil uns so viel miteinander verbindet, ist es uns bisher dankenswerterweise recht gut gelungen, mit diesen Unterschieden zurecht zu kommen. In dieser Vielfalt sind wir eins in Christus.

Wann muss Einheit aufgekündigt werden?

Auf unserem Weg in die Zukunft fordern uns derzeit die unterschiedlichen Sichtweisen zum Thema Homosexualität und zum Zusammenleben mit homosexuellen Menschen heraus. Ich frage mich, und ich frage Sie: Sind diese unterschiedlichen Überzeugungen wirklich so gewichtig, um unsere Einheit in Christus in Frage zu stellen und sogar aufzukündigen? Messen wir dieser Frage so große Bedeutung zu, dass wir damit alles Schöne, Gemeinsame, Vielfältige und Verbindende unwiederbringlich durchkreuzen lassen?

Trübe Spiegel und Stückwerk

Liebe Schwestern und Brüder, sprechen Sie miteinander ganz persönlich darüber, was Sie in diesem Zusammenhang belastet und beschwert. Ringen Sie gemeinsam darum, wie Ängste überwunden und Einheit bewahrt werden können. Suchen Sie das geistliche Gespräch, bei dem eine klare Überzeugung willkommen ist und gleichzeitig mit der Demut Hand in Hand geht, die darum weiß, dass unser Erkennen »wie durch einen trüben Spiegel hindurch Stückwerk« (nach 1. Korinther 13,12) ist und bleibt. Treten Sie immer wieder gemeinsam in Gottes Gegenwart und beten Sie miteinander gerade als Menschen mit unterschiedlicher Sichtweise. Ich bete inständig dafür, dass Gott uns als Kirche seinen Weg in die Zukunft zeigt.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Dieser Artikel ist dem EmK-Magazin »Unterwegs« 21/2018 vom 14. Oktober 2018 entnommen.

Der Autor
Harald Rückert ist Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Der Dienstsitz ist in Frankfurt am Main. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
Die aktuelle Nummer 21/2018 des EmK-Magazins »Unterwegs« ist kostenlos über die Zeitschriften-App »m-kiosk« erhältlich. Bitte nutzen Sie dafür folgende Zugänge:

Zur Information
Zum in diesem Beitrag angesprochenen Thema veröffentlicht emk.de in den kommenden Tagen weitere Beiträge aus der aktuellen Nummer des EmK-Magazins »unterwegs«. Außerdem veröffentlicht emk.de zum 21. Oktober einen Video-Beitrag von Bischof Harald Rückert mit dem Thema »Beten und Fasten für die Zukunft der Kirche« mit weiteren Links zu Arbeitsmaterialien und Veröffentlichungen zum Thema.

Deutsch-amerikanischer EmK-Theologe tödlich verunglückt

Mi, 10/10/2018 - 13:00

Wie erst jetzt bekannt wurde, verstarb der seit Mitte der 1960er-Jahre in Kalifornien in den USA lebende Rolf Knierim am 29. September bei einem Autounfall im US-Bundesstaat Arizona. Seine mit im Fahrzeug befindliche 89-jährige Ehefrau Hildegard kam bei dem Unfall ebenfalls ums Leben. Die beiden in dem anderen am Unfall beteiligten Fahrzeug befindlichen Personen erlitten leichte Verletzungen. Nähere Informationen zum Unfallhergang sind nicht bekannt.

Erster freikirchlicher Professor an einer evangelischen Fakultät

Rolf Knierim wurde 1928 in Pirmasens geboren. Unter Gerhard von Rad studierte er Theologie an der Universität Heidelberg und wurde 1957 in der damaligen Südwestdeutschen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) zum Pastor ordiniert. Ein Jahr später wechselte Knierim an die Theologische Fakultät der Universität Heidelberg, an der er promoviert und habilitiert wurde. Laut vorliegenden Informationen war Knierim der erste ordentliche Professor an einer evangelischen theologischen Fakultät in Deutschland, der einer evangelischen Freikirche angehörte. Mitte der 1960er-Jahre verbrachte Knierim zwei Semester als Gastprofessor an der Hochschule für Theologie im kalifornischen Claremont (Claremont School of Theology). Infolgedessen erhielt er den Ruf als ordentlicher Professor für das Lehrfach Altes Testament an diese Hochschule, woraufhin Knierim 1966 mit seiner Frau und fünf Kindern in die USA übersiedelte. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1994 lehrte er als Professor Altes Testament an der Hochschule für Theologie in Claremont und Religionswissenschaften an der privaten Universität von Claremont (Claremont Graduate University). Mit Wirkung des Jahres 1971 war Knierim von der damaligen Südwestdeutschen Konferenz an die Kalifornien-Pazifik-Konferenz überwiesen worden, der er bis zu seinem Tod angehörte.

Entwurf eines methodistischen Selbstverständnisses

Knierim veröffentlichte in Deutschland und den USA zahlreiche Bücher und Monografien. Darunter der seinerzeit vieldiskutierte »Entwurf eines methodistischen Selbstverständnisses« (1960) sowie »Bibelautorität und Bibelkritik« (1962), ein Thema, über das in den 1960er-Jahren viel debattiert wurde. Auch in den USA veröffentlichte der leidenschaftliche Lehrer für Altes Testament zahlreiche Werke zu alttestamentlicher Theologie.

»Theologie im Pool«

Von einer »großen Erinnerung an meine tiefe Verbindung« und von der »Ehre, ein Teil der Geschichte dieser Konferenz geworden zu sein«, war Knierims Erinnerung an seine Zeit in der damaligen Südwestdeutschen Konferenz der EmK in Deutschland geprägt. So jedenfalls beschreibt es Knierim in einem Schriftwechsel mit dem im Ruhestand in Karlsruhe lebenden EmK-Pastor Peter Vesen, der ebenfalls der seinerzeitigen Südwestdeutschen Konferenz angehörte. Dieser erinnert sich an einen Besuch bei Familie Knierim im östlich von Los Angeles gelegenen Claremont, der als »Theologie im Pool« in der gegenseitigen Erinnerung haften blieb. Nach dem Besuch von Universität und Hochschule wurde die theologische Unterhaltung, der kalifornischen Wärme wegen, im Swimmingpool des Knierimschen Anwesens fortgeführt. Für Knierim ein Grund zur Dankbarkeit, »nach so vielen Jahren mal wieder in meiner Muttersprache eine theologische Diskussion führen zu dürfen«.

Bildnachweis: privat

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Wikipedia-Eintrag zu Rolf Knierim

Humanitäre Lage verschärft sich

Mi, 10/10/2018 - 06:02

Nach dem verheerenden Erdbeben und dem anschließenden Tsunami spitzt sich die humanitäre Situation in Indonesien weiter zu. Laut einer Pressemeldung der Diakonie Katastrophenhilfe brauchen über 600.000 Menschen dringend Nothilfe. Einige Regionen im Landesinneren seien noch immer nicht erreichbar, sodass damit zu rechnen sei, dass die Opferzahlen weiter steigen. Die Diakonie Katastrophenhilfe hat zunächst 200.000 Euro bereitgestellt, möchte die Hilfe aber weiter aufstocken.

Die Diakonie Katastrophenhilfe hat in Indonesien langjährige Partnerschaften aufgebaut und kann die Hilfe sofort über verschiedene lokale Organisationen umsetzen. »Wir sind froh, dass wir über unsere Partner schon Stunden nach der Katastrophe vor Ort waren, denn der Hilfsbedarf ist riesig«, schildert Michael Frischmuth, Kontinentalleiter Asien bei der Diakonie Katastrophenhilfe, die Situation. »Da die Märkte vielerorts zerstört sind, werden die Nahrungsmittel knapp. Außerdem droht der Ausbruch von Krankheiten. Wir verteilen deshalb neben Nahrungsmitteln auch Hygieneartikel und versorgen die Menschen mit sauberem Wasser« so Frischmuth weiter.

Zwei Erdbeben und ein Tsunami haben am 28. September die indonesische Insel Sulawesi erschüttert. Seither folgten weitere, teils heftige Nachbeben. Laut aktuellen Angaben ist die Zahl der Todesopfer auf inzwischen über 2.000 gestiegen. Vor allem in Palu, der Hauptstadt der Provinz Zentralsulawesi, haben die Naturkatastrophen schwere Schäden angerichtet und zehntausende Häuser zerstört. Insgesamt sind mehr als zwei Millionen Menschen betroffen. Indonesien liegt innerhalb des Pazifischen Feuerrings und wird daher häufig von Erdbeben erschüttert.

Bildnachweis: Bildnachweis: Diakonie Katastrophenhilfe, Partnerorganisation YEU

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

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Achtsamkeit, bewusstes Genießen und Freude

Sa, 10/06/2018 - 05:50

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg feierte auf der Landesgartenschau in Lahr Anfang September einen ökumenischen Gottesdienst zum Tag der Schöpfung. Rosemarie Wenner, die jetzt im Ruhestand in Nußdorf bei Heidelberg lebende Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche, hielt dort die Predigt. Nachfolgend Auszüge daraus zum Erntedanktag.

Der biblische Psalm 104 ist ein einziges und langes Loblied auf Gott, den Schöpfer. Der Beter betrachtete die Welt mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen einer längst vergangenen Zeit. Damals sah man die Erde als Scheibe an, die auf Pfeilern stand. Das Chaos der Wassermassen war gezähmt worden. Innerhalb dieses Weltbildes sah der Beter genau hin und schilderte die Vielfalt, wie sie sich ihm darstellte. Dies geschah gleichzeitig mit den Augen eines Menschen, der an Gott glaubte: An Gott, der sich seinem Volk Israel in der Schöpfung und in seinem Wort zu erkennen gibt. Alles, was der Beter des Psalms in seiner Welt entdeckte, bezog er auf Gott: Gott schuf die Erde und gestaltete darin die Lebensräume für Tiere, Pflanzen und Menschen. Über Gott wird allerdings nicht philosophiert oder theoretisiert. Gott wird angeredet und angebet. Gott ist das große DU: »Du lässt die Quellen hervorsprudeln ...«; »Du tränkst die Berge aus deinen Kammern ...«; »Du lässt Gras wachsen für das Vieh, auch Pflanzen für den Menschen, die er anbaut ...«.

Wachstum liegt nicht allein in des Menschen Hand

Die Menschen sind auch in dem Bild, das der Beter sieht. Die menschliche Mühe und Arbeit wird benannt. Viel muss von uns Menschen getan werden, damit wir Brot gewinnen und den Wein noch dazu, der des Menschen Herz erfreut. Diese Mühe ist mit Sorgen verbunden, auch mit materiellen Sorgen, wie sie gerade dieses Jahr viele Landwirte belasten. Die Ernte fällt für die meisten von ihnen mager aus wegen der Trockenheit und der hohen Temperaturen. Wachstum liegt nicht allein in des Menschen Hand. Und mit der eigennützigen Ausbeutung der Erde richten wir mit unseren menschlichen Händen sogar viel Schaden an. Denn das Klima ist nicht nur Schicksal. Es wird davon beeinflusst, wie wir wirtschaften und leben. Wir hören die Warnungen. Wir wollen, dass der Klimawandel gestoppt wird. Dennoch tun wir längst nicht alles, was in unserer Macht steht, um die Schöpfung zu bewahren.

Zusammen mit den Gläubigen in der jüdischen Tradition sind auch wir Christen und Christinnen davon überzeugt: Wir verdanken unser Leben nicht uns selbst und trotz unserer Klugheit oder unserer Schaffenskraft können wir es auch nicht selbst erhalten. Von Gottes Früchten leben wir, obwohl wir mitwirken beim Säen, Pflanzen, Hegen und Ernten. Gott schuf alles, was ist. Ihm verdanken wir uns. Und Gott erhält den Kreislauf des Lebens: Gras für das Vieh; Milch, die uns stärkt; Wasser als Lebenselixier für alle und Wein, denn das Leben verdient es, gefeiert zu werden.

Es ist genug für alle da

Gottes Früchte ernähren uns und alles, was lebt. Sie werden uns gegeben. Reichlich. Es ist genug für alle da. Wir nehmen sie aus der Hand des Schöpfers und erinnern uns an das »DU«, dem wir alles verdanken. Wir denken an Gott voller Dankbarkeit und Freude und hoffentlich auch mit unserer Bereitschaft zur Umkehr. Psalm 104 regt an, dass ich mich als Teil des großen Ganzen sehe und mich hineinbegebe in Gottes Vision für die Welt: Alle sollen leben können, weil keiner alles für sich allein beansprucht. Es geht um das Ganze. Und ich gehöre zu diesem Ganzen. Wenn ich das erkenne, dann muss ich den Psalm nicht mehr gegen mich beten. Ich bete ihn für mich und für die Gemeinschaft, in die Gott mich hineinstellt. Dankbar erkenne ich an: Wir Menschen sind Teil der Schöpfung. Wir werden ärmer, wenn die Vielfalt der Arten eingeschränkt wird. Wenn ein Teil des Ganzen leidet, leiden auch wir. Und wenn wir zugunsten des Ganzen einen nachhaltigen Lebensstil einüben, werden wir auch ganz persönlich bereichert durch Achtsamkeit, bewusstes Genießen und Freude an dem großen Ganzen.

Saatkorn Hoffnung

Noch einmal: Es geht darum, wie wir auf die Welt sehen und wie wir uns selbst in dieser Welt wahrnehmen. Sehen wir uns im Gegenüber zu Gott, dem Schöpfer? Nehmen wir wahr, dass Gott uns zuwachsen lässt, was wir brauchen, sodass wir von Gottes Früchten leben können? Investieren wir deshalb unseren Teil des Saatkorns Hoffnung, damit Gutes wachsen kann in unserer Welt? Wir Christen glauben: Gott wirkt in dieser Welt – erhaltend und erneuernd: »Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu!« Wer so betet, hat Gutes zu erwarten und tut Gutes. Denn die Freude an Gott ist Ansporn zum Umdenken und zum achtsamen Leben.

Dieser Artikel ist dem EmK-Magazin »unterwegs« 20/2018 vom 30. September 2018 entnommen.
Bildnachweis:

Die Autorin
Rosemarie Wenner war von 2005 bis 2017 Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Im Ruhestand ist sie weiterhin ökumenisch und international aktiv. Kontakt über oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Indonesien braucht Hilfe

Mo, 10/01/2018 - 16:04

Zwei Erdbeben und ein darauffolgender Tsunami haben am vergangenen Freitagabend (Ortszeit) auf der indonesischen Insel Sulawesi über 800 Menschen das Leben gekostet. Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, bittet darum, »die Menschen in dieser schweren Stunde nicht alleine lassen« und ruft dringend zu Spenden auf. Die Evangelisch-methodistischen Kirche unterstützt den Spendenaufruf der Diakonie.

Erdbeben und Flutwelle

Die Flutwelle war von einem Erdbeben der Stärke 7,7 auf der Richterskala ausgelöst worden. Knapp 80 Kilometer von Palu, der Hauptstadt der Provinz Zentralsulawesi, entfernt lag das Epizentrum. Häuser wurden weggerissen und Straßen überflutet. Vor allem in der Provinz Zentralsulawesi mit der Haupstadt Palu wurden schwere Schäden angerichtet und tausende Häuser zerstört. Laut Katastrophenschutz ist das betroffene Gebiet größer, als zunächst angenommen. Durch die Verwüstung der Stadt gestalte sich die Hilfe besonders schwierig – nur mit Mühe könnten die Krankenhäuser die Verletzten versorgen. Zudem seien noch viele Opfer unter den Trümmern begraben, zahlreiche Menschen gelten als vermisst. Auch die Versorgung der Überlebenden laufe nur schleppend an.

Hilfe vor Ort dringend nötig

»Die erschreckend hohen Opferzahlen kommen bislang nur aus der Provinzhauptstadt Palu. Wir befürchten, dass die Zahlen in den kommenden Tagen noch steigen werden, da der Tsunami auch andere Orte an der Westküste Sulawesis getroffen hat«, sagt Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. Die Verantwortlichen der Diakonie Katastrophenhilfe seien im Austausch mit Partnerorganisationen auf Indonesien und prüften, wie vor Ort schnellstmöglich Hilfe geleistet werden könne. Erst im August starben etwa 500 Menschen auf Lombok, nachdem die Insel von mehreren schweren Erdbeben getroffen wurde. Indonesien liegt innerhalb des Pazifischen Feuerrings und wird daher sehr häufig von Erdbeben erschüttert.

Bildnachweis: Logo Diakonie Katastrophenhilfe

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

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Von der »Allianz« zur »Allianz«

Fr, 09/28/2018 - 13:08

Der Münchner Diplomkaufmann Reinhardt Schink wechselt aus dem Allianz-Versicherungskonzern in die Deutsche Evangelische Allianz und tritt im Mai 2019 die Nachfolge von Hartmut Steeb als Generalsekretär an. Der Hauptvorstand der »Allianz« wählte den 53-Jährigen am gestrigen Donnerstag (27. September) bei seiner turnusgemäßen Herbstsitzung im thüringischen Bad Blankenburg. Schink stammt aus dem baden-württembergischen Backnang. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann studierte er Betriebswirtschaft und promovierte im Bereich strategischen Managements. Seit 1997 verantwortete er im Versicherungskonzern »Allianz« verschiedene Managementpositionen. Er ist verheiratet und hat mit seiner Frau Mirjam zwei erwachsene Kinder.

Brücken bauen und tragfähige Kompromisse suchen

Nach eigenen Angaben kommt Schink aus einer Familie, »in der über Generationen hinweg ein lebendiger Glaube gelebt wurde«. Während seiner Jugendzeit kam er in Kontakt mit dem CVJM und absolvierte seinen Zivildienst bei diesem überkonfessionellen Jugendverband in München. Sein Engagement führt ihn in überregionale und internationale CVJM-Gremien. Von 2009 an leitet er als Vorsitzender sechs Jahre lang den Arbeitskreis »Internationale Arbeit« des CVJM-Gesamtverbands in Deutschland. Seitdem ist er Stellvertretender Vorsitzender des Gesamtverbands. In seiner beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeit sieht er sich als »Brückenbauer und Friedensstifter« und findet das »gemeinsame Finden von gangbaren Kompromissen als befriedigend und wertstiftend«. Diese Erfahrungen will er in seinem neuen Amt einbringen.

Initiator zahlreicher Projekte

Hartmut Steeb übernahm das Amt des Generalsekretärs der Deutschen Evangelischen Allianz 1988 zuerst in der westdeutschen und seit 1991 in der gesamtdeutschen Allianz. Der 64-jährige diplomierte Verwaltungswirt hat in den 30 Jahren seiner Tätigkeit für die Deutsche Evangelische Allianz das evangelistische und gesellschaftspolitische Engagement der »Allianz« deutlich verstärkt. So war er Mitbegründer der 1993 gestarteten Evangelisation »ProChrist« und war maßgeblich daran beteiligt, charismatische und pfingstkirchliche Strömungen in die evangelikale Bewegung zu integrieren. In der Lebensrechtsbewegung zählt Steeb in Deutschland zu den führenden Persönlichkeiten. Als Allianz-Generalsekretär hat der gebürtige Stuttgarter Steeb zahlreiche christliche Projekte und Initiativen mitgegründet und mitgestaltet. Dazu gehören das Gemeinde-Ferien-Festival »Spring« und der »Pavillon der Hoffnung« auf der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover sowie die Willow-Creek-Kongresse in Deutschland. Steeb ist verheiratet und hat mit seiner Frau Angelika zehn Kinder und sechzehn Enkelkinder.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, © EmK Öffentlichkeitsarbeit

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Zur Information
Deutsche Evangelische Allianz (DEA)
Die Evangelische Allianz in Deutschland ist ein Netzwerk evangelisch gesinnter Christen aus verschiedenen Kirchen, Gemeinschaften und Gruppen. Als internationale Bewegung wurde die Evangelische Allianz 1846 in London gegründet. An der kirchlichen Basis ist die Evangelische Allianz in Deutschland an rund 1.100 Orten aktiv und hält zu über 350 überregionalen Werken und Verbänden Kontakt. Bekannt ist die Evangelische Allianz vor allem durch die jährlich im Januar stattfindende »Allianzgebetswoche« sowie den Gebetstag für verfolgte Christen und das 30-Tage-Gebet für die islamische Welt. Die Zentrale befindet sich im thüringischen Bad Blankenburg. Vorsitzender ist Ekkehart Vetter, Generalsekretär ist Hartmut Steeb. Im Mai 2019 folgt im Reinhardt Schink nach.
Die Wahl des Generalsekretärs gilt für sechs Jahre. Wiederwahl ist möglich. Die öffentliche Feier zum Amtswechsel und zur Einführung von Reinhardt Schink ist für den 12. Juni 2019 in Bad Blankenburg geplant. www.ead.de



Was hindert uns?

Mi, 09/26/2018 - 12:40

Zum dritten Mal trafen sich die erweiterte Kirchenleitung der Evangelischen Brüder-Unität (EBU) und das Zentralkonferenz-Kabinett der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland (EmK) zu einer Konsultation. Inhaltlich beschäftigte sich das Treffen mit der Multikulturalität der Kirchen und dem Selbstverständnis als missionarische Kirchen. Für das Treffen hatte die Evangelische Brüder-Unität vom 19. bis 21. September nach Amsterdam eingeladen.

Die Bedeutung der eigenen Sprache für die multikulturelle Arbeit 

Für den Austausch über die multikulturellen Herausforderungen, die sich beiden Kirchen in ihrer Arbeit stellen, bot der Tagungsort einen guten Hintergrund. Getagt wurde nämlich in dem im Südosten von Amsterdam gelegenen Stadtteil »Zuidoost«, wo der Anteil der Einwohner mit Migrationshintergrund besonders hoch ist. Die in diesem Stadtteil aktive Gemeinde der Herrnhuter hatte dort vor einigen Jahren eine neue Kirche errichtet mit dem Namen »Wi Eegi Kerki« (deutsch: Unsere eigene Kirche). Wie die gegenseitige Durchdringung verschiedener Kulturen gelingen könne und wo Grenzen liegen war eine der Fragestellungen, die sich aus den Diskussionen ergab. Thematisiert wurde die Bedeutung der jeweils eigenen Sprache für den Ausdruck des persönlichen Glaubens. Zudem sei ein Kulturwandel in den Kirchen nötig, der eine stärkere Beteiligung von Migranten an der Verantwortung und Leitung ermögliche.

Bekenntnis und Akzeptanz

In der Runde zum missionarischen Selbstverständnis der Kirchen wurden Gemeindegründungsprojekte in der EmK vorgestellt. Im Austausch wurde deutlich, dass es zuerst darum gehen müsse, sich für die Menschen zu interessieren und zu öffnen. Eindrücklich waren Informationen über das Haus der Religionen in Bern, in dem auch die Herrnhuter ihren Platz gefunden haben und aktiv mitarbeiten. Im religiösen Dialog, der sich aus dem Projekt entwickle, werde auch Diskussionsbedarf deutlich, der sich nicht vernachlässigt werden dürfe. Es gehe in der Begegnung mit Menschen anderen Glaubens darum, das eigene Bekenntnis zu Jesus Christus zum Ausdruck zu bringen, dabei aber auch das Gegenüber in seiner Überzeugung zu akzeptieren und mitunter auch auszuhalten.

Sender-Besuch mit Live-Interview 

Großes Interesse fand eine Tour durch den Stadtteil Amsterdam-Zuidoost, zu der auch der Besuch einer von der EBU verantworteten Schule, das Miteinander verschiedener Religionen sowie der Besuch eines lokalen Radiosenders gehörten. Der Sender berücksichtigt in seinem Programm die zahlreichen im Stadtteil gesprochenen Sprachen, wodurch regionale Informationen weitergegeben werden können. Jeden Samstag gestaltet die EBU eine Sendezeit im Rahmen des Programms. Beim Besuch des Senders waren Harald Rückert, Bischof der EmK, und Johannes Welschen, für die Region Niederlande zuständiges Mitglied der EBU-Kirchenleitung, spontan zu einem kurzen Live-Interview eingeladen worden.

Mehr gegenseitige Durchlässigkeit

Im Resümee der Tagung wurden Arbeitsaufgaben formuliert, um in der Zusammenarbeit beider Kirchen die nächsten gemeinsamen Schritte anzugehen. Damit findet die Frage »Was hindert uns, mehr Durchlässigkeit in verschiedenen Arbeitsbereichen zu ermöglichen?« ihre konkrete Antwort. In der theologischen Ausbildung sollen die vorhandenen Ressourcen gegenseitig genutzt werden. Außerdem werden Gemeinden ermutigt, aufeinander zuzugehen und an Orten, wo beide Kirchen mit Gemeinden vertreten sind, Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu prüfen. Zur gegenseitigen Hilfe oder als Horizonterweiterung soll auch ein Austausch-Programm für Mitarbeiter installiert werden, und im Bereich Gemeindeneugründung soll es einen Erfahrungsaustausch geben. Bereits bestehende Angebote wie das von der Ostdeutschen Konferenz der EmK gemeinsam mit der Ev. Landeskirche Sachsens getragene Pastoralkolleg oder der Theologische Konvent der EBU sollen gegenseitig geöffnet werden. Auch der Theologische Grundkurs der EmK biete gute Möglichkeiten für die Ausbildung von Ehrenamtlichen beider Kirchen. Für diese Vorhaben wurden Verantwortliche benannt.

Bildnachweis: Stephan Ringeis

Der Autor
Stephan Ringeis ist Superintendent der Evangelisch-methodistischen Kirche für den Distrikt Zwickau. Kontakt: stephan.ringeis(at)emk.de.

Zur Information
Im Jahr 2012 vereinbarten die Europäisch-Festländische Kirchenprovinz der EBU und die Evangelisch-methodistische Kirche regelmäßige Begegnungen zur gegenseitigen Konsultation und Intensivierung der Zusammenarbeit. Die ersten beiden Begegnungen fanden in Herrnhut (2012) und Reutlingen (2015) statt. Für 2021 ist die nächste Konsultation in Planung. Der Ort steht noch nicht fest.

Die Evangelische Brüder-Unität (EBU) – Herrnhuter Brüdergemeine ist eine evangelische Kirche. Sie ist der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angegliedert und zugleich Gastmitglied in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF). Die Europäisch-Festländische Kirchenprovinz der EBU vereint Gemeinden und Werke in Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, Dänemark, Schweden, Estland, Lettland und Albanien. Zu dieser Kirchenprovinz zählen sich 16.000 Menschen, 9.000 davon sind in den Niederlanden beheimatet. Sie ist eine der weltweit 27 Provinzen der Brüder-Unität (Unitas Fratrum, Moravian Church).
www.ebu.de

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