Neues aus der EmK

Neues aus der EmK Feed abonnieren
Aktualisiert: vor 4 Stunden 28 Minuten

Die Kirche »über den Winter bringen«

Sa, 03/16/2019 - 13:05

Am Donnerstag dieser Woche verstarb Armin Härtel im Alter von 90 Jahren. Der in Chemnitz im Ruhestand lebende Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) hatte während 16 Jahren das Bischofsamt in der damaligen DDR inne.

Die Kirche steht unter der Herrschaft Christi

»Wir waren damals zwar ›Kirche im sozialistischen Staat‹«, beschrieb Armin Härtel in einem Interview im Kirchenmagazin »Unterwegs« anlässlich seines 80. Geburtstags im Jahr 2008 seine Zeit als evangelisch-methodistischer Bischof für die damalige DDR. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit habe er aber betont, dass die Kirche unter der Herrschaft Christi stehe. Deshalb könne die Kirche »nicht ›Kirche des sozialistischen Staates‹ sein«. Dieser konsequente und kraftvolle Glaube zieht sich durch Härtels Leben schon als Prägung von Kindheitstagen an.

Pastor im Erzgebirge und Bischof in der DDR

In einem von ihm selbst verfassten Lebenslauf beschreibt Härtel, dass sein Leben schon von Geburt an mit Gemeinde und Kirche verbunden gewesen sei. Als ältestes Kind sei er im erzgebirgischen Bernsbach geboren und aufgewachsene, und dort in der Küsterwohnung der Kreuzkapelle zuhause gewesen. Seine Eltern versahen in dieser Gemeinde den Küsterdienst. Zum Ende seiner Schulzeit war er im letzten Kriegsjahr noch zum Reichsarbeitsdienst nach Polen eingezogen worden. Nach Kriegsende legte er sein Not-Abitur ab und arbeitete für eine Zeit als Prüfungsgehilfe bei einem Bücherrevisor. In jener Zeit wird ihm der Pastor seiner Heimatgemeinde zum »Dolmetscher«, um seine Berufung für den pastoralen Dienst zu verstehen, den er 1946 mit einem Praktikum beginnt. Nach dem dreijährigen Theologiestudium in Frankfurt am Main erhält er 1951 seine erste Dienstzuweisung als Pastor im sächsischen Großenhain. Nach weiteren »Stationen« in den Erzgebirgsorten Grünhain und Schönheide ist er von 1968 an für zwei Jahre Superintendent für den Distrikt Dresden. Bis 1970 wurde die Ostdeutsche Konferenz der EmK von einem Bischof aus der Bundesrepublik Deutschland geleitet. Die politischen Verhältnisse jener Zeit führen 1970 dazu, dass die Ostdeutsche Konferenz eine eigene Zentralkonferenz Deutsche Demokratische Republik bilden musste. Als Bischof für diese neue Zentralkonferenz wurde Armin Härtel im Juni 1970 gewählt. Dieses Amt bekleidete Härtel 16 Jahre lang. Wegen einer schweren Erkrankung seiner Ehefrau trat er 1986 vom Bischofsamt zurück. Bis zum Eintritt in den Ruhestand versah er sechs Jahre lang den Pastorendienst in der Chemnitzer Erlöserkirche.

Die Jährliche Konferenz als »Theologisches Forum«

Über seine Zeit als evangelisch-methodistischer Bischof in der DDR sah Armin Härtel seine Aufgabe darin, »die Kirche ›über den Winter zu bringen‹ und dabei dem Herrn zu folgen«. Innerhalb seines Bischofsgebietes entdeckte er im Leben der Kirche »eine Reihe von Spannungen, darunter ›die Spannung von Theologie und Gemeindefrömmigkeit‹«, wie es in der Festschrift anlässlich seines 80. Geburtstags heißt. Seine Diagnose hat bis in die heutige Praxis der Jahrestagungen der Ostdeutschen Konferenz Auswirkungen. Die für die Ostdeutsche Jährliche Konferenz typischen »Theologischen Referate« sind eine direkte Folge dieser Härtel’schen Diagnose aus der Frühzeit seines Bischofsamtes. Dadurch, so heißt es in der Festschrift »ist die Konferenz tatsächlich zu einem ›theologischen Forum‹ geworden« und die Referate selbst »mahnender, tröstender und ermunternder Zuspruch«, wie es Bischof Härtel angeregt hatte.

Einer, den auch die Gottlosen achten

In seinem Bischofsamt legte Armin Härtel Wert auf ökumenische Kontakte im In- und Ausland und wurde zu einem geachteten Partner sowohl in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der DDR als auch in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen und europaweit in der Konferenz Europäischer Kirchen. Mutig, standfest und offen begegnete er auch den staatlichen Dienststellen und Behörden in der DDR. Diese mutige Selbstverständlichkeit zeigt sich auch in einer Interviewpassage anlässlich seines 80. Geburtstags im Kirchenmagazin »Unterwegs«. Auf die Frage, wie er als Gemeindepastor in Chemnitz die aufkeimende Friedliche Revolution 1989 erlebte, redet er von Demonstrationen, »an denen ich natürlich teilgenommen habe«. Obwohl noch gar nicht ersichtlich war, dass der Widerstand erfolgreich sein könnte, war er selbstverständlich dabei. Härtels im Jahr 2017 verstorbener Nachfolger im Amt, Rüdiger Minor, beschrieb die von ihm an vielen Stellen aufgefundenen Spuren seines Vorgängers mit einem Zitat des frühchristlichen Theologen Ignatius von Antiochien: »Ihn achten, glaube ich, auch die Gottlosen.«

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Zur Information
Spiritualität und Weltverantwortung. Festschrift zum 80. Geburtstag von Armin Härtel, hrsg. von Ulrike Schuler in der Reihe »EmK-Geschichte«, Band 55, Frankfurt am Main 2011. Bestellung bei blessings4you

Armin Härtel im Alter von 90 Jahren verstorben

Fr, 03/15/2019 - 14:40

Im Alter von 90 Jahren verstarb der im Ruhestand in Chemnitz lebende Pastor und frühere Bischof der Zentralkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche in der DDR, Armin Härtel. Er wurde 90 Jahre alt.

Nachruf folgt.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.  


Das Ringen um einen Weg zur Bewahrung der Einheit

So, 03/10/2019 - 05:18

Der Kirchenvorstand der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland hatte seine turnusgemäße Frühjahrssitzung am Freitag und Samstag (8. und 9. März) der jetzt zu Ende gegangenen Woche. Fast die gesamte Sitzungszeit beschäftigte sich das im hessischen Fulda tagende Gremium mit dem Beschluss der jüngst in St. Louis zu Ende gegangenen Generalkonferenz. Mit einer Botschaft, die Einheit zu bewahren und sich dafür gemeinsam auf den Weg zu machen, wendet sich der Kirchenvorstand an die EmK-Gemeinden in Deutschland.

Betroffenheit und Sorge um die Einheit der EmK

»Es gibt kaum eine Region auf der evangelisch-methodistischen Weltkarte, wo nach der Entscheidung der Generalkonferenz nicht Scherben, Zerbruch und tiefe Gräben entstanden sind«, eröffnete Harald Rückert, der für die EmK in Deutschland zuständige Bischof, die Sitzung des Kirchenvorstands. Das seien erste Auswirkungen der Entscheidung der Generalkonferenz, die den sogenannten »Traditional Plan« beschlossen hatte, mit der an den bisherigen Bestimmungen der Kirchenordnung zur Homosexualität festgehalten wird. Darüber hinaus fordert der Beschluss die konsequente Anwendung aller diesbezüglichen Regelungen und verschärft diese durch Kontrolle und Strafen. Tief betroffen hörten die Mitglieder des Kirchenvorstands Rückerts Informationen von zahlreichen Bischofskollegen aus Nord-, Mittel- und Südeuropa, aus den USA, aus Afrika und von den Philippinen. Aus allen Regionen sei tiefe Betroffenheit und große Sorge um die Einheit der EmK zu vernehmen. Mit Zitaten aus Schreiben an den Bischof erhielten die Mitglieder dieses Leitungsgremiums für die EmK in Deutschland auch Einblick in die Zerrissenheit und emotionale Betroffenheit, die der Beschluss bei Menschen mit ganz unterschiedlichen Haltungen in Gemeinden der EmK in Deutschland auslöste.

»Nicht akzeptabel«

Mit dem Beschluss der Generalkonferenz hatte sich der Kirchenvorstand zu befassen, weil im Rahmen der Beschlussfassung der Generalkonferenz ausdrücklich eine Stellungnahme weltweit aller Jährlichen Konferenzen der EmK verlangt wird. Mit zwei wesentlichen Aussagen wendet sich der Kirchenvorstand nach seinen Beratungen an die Menschen in den deutschen EmK-Gemeinden. Zum einen heißt es in der Botschaft des Kirchenvorstands: »Unabhängig von unseren inhaltlichen Überzeugungen sind wir einstimmig der Meinung, dass diese Bestimmungen des Traditional Plan für unsere Kirche in Deutschland nicht akzeptabel sind.« Deshalb gehe die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland »den damit eingeschlagenen Weg von Gesinnungskontrolle und verschärften Strafen nicht mit«. Die Mitglieder des Kirchenvorstands betonen, dass »demokratisch getroffene Entscheidungen« zu achten sind. Allerdings würden die weitreichenden Folgen dieses Beschlusses in diesem Fall eine Übernahme und Ausführung des Beschlusses durch die evangelisch-methodistischen Gremien in Deutschland nicht ermöglichen.

Ein gemeinsamer Weg, »der uns allen viel abverlangt«

Die zweite Hauptaussage der Botschaft des Kirchenvorstands ist eine Einladung an alle Gruppierungen der EmK in Deutschland, an einem Weg zur Bewahrung der Einheit mitzuwirken. Auf diesem Weg könne die Kirche nur zusammenbleiben, wenn es gelinge, »auch ohne Einigkeit in wichtigen Fragen, in Nähe und Anerkennung zu leben. Deshalb wollen wir eine Kirche werden, in der sowohl homosexuell empfindende Menschen ordiniert und bei einer Eheschließung gesegnet werden können als auch traditionell eingestellte Menschen ihre Vorstellungen und Lebensweisen bewahren können. In diesem Ziel sind wir uns als Kirchenvorstand einig.« Dieser Weg werde eingeschlagen im Bewusstsein, »dass das Bemühen um Gemeinschaft uns allen auch in Zukunft viel abverlangen wird«, wenn Menschen unterschiedlicher Überzeugungen Geborgenheit und Heimat in der Kirche finden sollen. Die Bitte wird ausgesprochen, »in unserer Kirche zu bleiben und zusammen mit uns diesen Weg zu suchen«.

Runder Tisch

Der Kirchenvorstand beschloss, für die Suche eines Weges zur Bewahrung der Einheit, einen »Runden Tisch« zu bilden, zu dem »Menschen verschiedener Gruppierungen und Richtungen« eingeladen werden. Dieser werde noch vor Mitte Mai seine Arbeit aufnehmen. Eine Gruppe, die den Prozess für einen Runden Tisch einleiten soll, wird von Bischof Rückert berufen und geistlich geleitet. Im November 2020 sollen bei der Zentralkonferenz »richtungsweisende Beschlüsse« gefasst werden, weil nur dort die kirchliche Ordnung betreffende Entscheidungen für alle drei deutschen Jährlichen Konferenzen gefasst werden können.

Zeichen für eine zunehmend zerrissene und gespaltene Gesellschaft

Die Mitglieder des Kirchenvorstands weisen ausdrücklich darauf hin, dass der Beschluss nach intensiven Beratungen zustande gekommen sei. Die für die neun Distrikte der EmK in Deutschland zuständigen Superintendenten (eine Frau und acht Männer) sowie die weiteren 21 stimmberechtigten und beratenden Mitglieder des Kirchenvorstands hätten, so die Botschaft an die Gemeinden, »mehrere Tage lang intensiv, emotional und ehrlich mit diesem Beschluss und allen seinen Folgen gerungen«. Trotz weit auseinanderliegender Überzeugungen hätten sie zu diesem einstimmigen Beschluss gefunden. Wenn dieser Weg gelinge, so heißt es am Schluss der Botschaft, könne das »ein Zeichen in einer zunehmend zerrissenen und gespaltenen Gesellschaft« sein. Der Wortlaut der gesamten Botschaft an die Gemeinden ist einem Anhang zu dieser Meldung zu entnehmen.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links

 

 

Für Menschen da – auf dem Tierfriedhof

Fr, 03/08/2019 - 13:17

Snoopy«, »Daisy«, »Trixi«, »Joschi«, »Gina« oder »Lady« steht auf den weißen Schildern. Darunter eine Schale mit rosa blühenden Begonien, zwei spielende Kätzchen aus Keramik, eine Steckvase mit Rosen oder die Figur eines schlafenden Hündchens. Es ist ruhig auf dem Tierfriedhof, wo Hund, Katze, Hase und Papagei friedlich nebeneinander liegen. Ein Paar mit einem Hund steht vor einem Grab. Weiter hinten läuft ein Kind von einem Schild zum anderen und zeigt seinen Eltern die liebevoll aufgestellten Tierfiguren. Am Eingang schneidet eine gepflegte Frau mit der Gartenschere Astern zurecht. Es ist Dorothee Petri. Sie begrüßt die Ankommenden, die den Weg zur Tierruhestätte gefunden haben.

Jahrzehntelanges Engagement

Vor zwanzig Jahren hat ihr innzwischen verstorbener Mann, auf Wunsch der Tierschutzorganisation ATTiS, den Friedhof unweit der Bundesstraße 17 in der Nähe von Augsburg gegründet. Sie erzählt, wie schwierig es war, das Grundstück und die Genehmigung zu bekommen. Mit viel Herzblut und Engagement ist das Projekt geglückt. Seit inzwischen über dreißig Jahren kümmert sich ATTiS um das Wohlergehen der Tiere – und das weit über die Grenzen Augsburgs hinaus. »Nach all der Liebe und Zuneigung, die sie uns gaben, haben unsere Haustiere auch einen würdigen Abschied verdient«, meint Dorothee Petri. Deshalb wollte ATTiS eine Tierruhestätte gründen und damit den langjährigen pelzigen und gefiederten Begleitern den Weg zur Tierkörperbeseitigung ersparen.
Trotz allem ist es keine Kultstätte. Es ist ein Platz mit natürlicher Bepflanzung, ein friedlicher Ort, an dem man die Liebe spüren könne, die die Menschen ihren Tieren – und umgekehrt – gegeben hätten, sagt die langjährige Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft der Tierversuchsgegner und Tierfreunde in Schwaben, wie das Kürzel vollständig ausgeschrieben lautet.
Sie hat sich dieser Aufgabe verschrieben und verzichtet dafür sogar auf Urlaubsreisen. Denn montags, mittwochs und freitags verbringt sie die Nachmittage auf dem Tierfriedhof. Im Sommer auch oft sonntags – und sogar an Weihnachten.

Trost spenden und über den Himmel sprechen

Weshalb nimmt die Methodistin, die schon seit 66 Jahren zur EmK gehört, dies auf sich? Natürlich ist sie eine Tierfreundin, die sich auch auf der Straße und vom Büro aus aktiv für den Tierschutz einsetzt. Aber sie ist auch eine Menschenfreundin und führt oft lange Gespräche mit Leuten, die manchmal ihren »einzigen Freund« verloren haben. »Das letzte Kind hat ein Fell« ist unter Tiermedizinern ein verbreiteter Spruch.
In vielen Fällen ist Dorothee Petri Seelsorgerin. Denn bei der Beschreibung eines verstorbenen Haustiers erzählen die Trauernden oft aus ihrem eigenen Leben: von ihren Sorgen und Hoffnungen, ihren Ängsten und dem Alleinsein. Die Achtzigjährige, die sich mit sechzehn Jahren in die EmK hat aufnehmen lassen, drängt ihren Glauben niemandem auf. Aber sie ist da, wenn Fragen nach dem auftauchen, was nach dem Tod kommt.

Gemeinde und gesellschaftliches Engagement ergänzen sich

Am Sonntagvormittag engagiert sie sich im Gottesdienst. Sie verkleidet sich fürs Krippenspiel, übernimmt den Begrüßungsdienst oder wirkt in der Liturgie mit. Beim Feiern des Gottesdiensts tankt sie für die neue Woche auf und geht dann raus – dorthin, wo die Menschen sind.
Die Trägerin des Bayerischen Tierschutzpreises kann man in der Fußgängerzone an einem Stand gegen Tierversuche oder für artgerechte Unterbringung von Nutztieren treffen. Oder auf einer Demo vor dem Augsburger Dom, in dem Jäger eine Hubertusmesse feiern wollen, oder vor dem bayerischen Landtag in München, in dem Gesetze beschlossen werden sollen, die Tier und Mensch schaden würden.
Die Mitarbeit in der eigenen Gemeinde und gesellschaftliches Engagement ergänzen sich für Dorothee Petri sehr gut. Und so wird sie an einem der nächsten Nachmittage wieder auf dem Tierfriedhof sein, immer offen für Menschen und deren Erlebnisse – traurige und schöne.

Bildnachweis: Iris Hahn
Dieser Artikel ist dem EmK-Magazin »unterwegs« 4/2019 vom 17. Februar 2019 entnommen.

Die Autorin
Iris Hahn lebt in Augsburg und ist Ko-Redakteurin des zweiwöchentlich erscheinenden EmK-Magazins »Unterwegs«. Kontakt: redaktion(at)emk.de.

Feuerwehr und Gemeindechor

Mo, 03/04/2019 - 06:21

Wenn der Piepser Alarm schlägt muss er raus. Der Funkmelder zeigt an, was los ist und dann heißt es: »Rein in die Klamotten – egal zu welcher Tages- und Nachtzeit«, erzählt Wolfgang Zewe. Seit Anfang der 80er-Jahre ist er dabei. Damals ist der Saarländer in die Heimat seiner Frau, in den Schwarzwald, gezogen. Dann stand die Frage im Raum: Wie findet man Zugang zu den Menschen am neuen Ort? Ein Bekannter meinte damals: »Wenn du hier Anschluss haben willst, dann wäre die Feuerwehr eine Gruppe, wo du mit Menschen in Verbindung kommen kannst.« Als die Feuerwehr im Ort dann Leute suchte, hat er sich gemeldet.

Bei Übungen geht es zur Sache

Alle vierzehn Tage geht Wolfgang Zewe zu den Treffen der Freiwilligen Feuerwehr. In Egenhausen im Nordschwarzwald mit seinen zweitausend Einwohnern gibt es 35 Personen, die sich hier engagieren. Jetzt im Winter stehen eher Schulungen auf dem Programm, zum Beispiel zum Thema Unfallverhütung. »Wenn das Wetter besser wird und man mit Wasser arbeiten kann, dann geht es richtig zur Sache«, sagt Zewe. Denn wenn es brennt, muss es schnell gehen. Da ist ein Ablauf festgelegt, damit schnell am Brand Wasser zur Verfügung steht. Von Beruf ist Wolfgang Zewe eigentlich Koch, bei der Feuerwehr ist er Maschinist. Er bedient Pumpen und die im Löschfahrzeug eingebaute Technik. Außerdem gibt er die Geräte aus, die beim Einsatz gebraucht werden. Wenn bei einem Autounfall jemand aus dem Wagen geschnitten werden muss, sorgt er dafür, dass die Rettungsschere einsatzbereit ist.

Einsätze schweißen zusammen

Wenn der Funkmelder losgeht und er zum Einsatz muss, läuft ein Film ab, erzählt Wolfgang Zewe: »Was kommt auf uns zu? Wer ist mit mir auf dem Löschfahrzeug?« Wenn ein Haus brennt oder man zu einem Autounfall kommt und man weiß, »da liegt jemand drin, der mit dem Leben kämpft – das macht etwas mit einem. Man merkt dann recht schnell, ob man das kann oder nicht.« Diese Erlebnisse verbinden Menschen. Wenn es tatsächlich brenzlig wird – bei einem Brand oder bei einem Unfall – muss man sich aufeinander verlassen können. Das ist Kameradschaft. Zusammen erlebt man die Einsätze und hinterher werden sie gemeinsam reflektiert. Das schweiße zusammen, sagt Zewe.

Kirche hat einen guten Stand

Engagiert ist er auch in der Gemeinde. Bis zu diesem Jahr vertritt er den Gemeindebezirk Altensteig als Laienmitglied in der Süddeutschen Jährlichen Konferenz. Die ganze Woche ist gefüllt: Montags ist Feuerwehr, dienstags Hauskreis, mittwochs Gemeindechor und am Donnerstag sind oft Sitzungen. »Mein Standpunkt ist: Es muss stimmen, man muss für die Sache eine Liebe haben«, erklärt Zewe seine Motivation. Und wenn er bei einer Feuerwehrübung einen wichtigen Termin in der Gemeinde hat, meldet er sich beim Kommandanten ab. Die Kameraden wissen: »Der Zewe geht zu den Methodisten nach Altensteig. Das wird dann auch akzeptiert.« In der Gegend habe die Kirche eben noch Bedeutung für die Menschen – auch bei der Feuerwehr. Immer wieder schaut der Pfarrer der Evangelischen Landeskirche vorbei. »Der kommt, wenn man Hilfe braucht«, sagt Wolfgang Zewe. Der ist auch Notfallseelsorger. »Da haben wir ein gutes Verhältnis.«

Bildnachweis: privat
Dieser Artikel ist dem EmK-Magazin »unterwegs« 4/2019 vom 17. Februar 2019 entnommen.

Der Autor
Michael Putzke ist leitender Redakteur des zweiwöchentlich erscheinenden EmK-Magazins »Unterwegs«. Kontakt: redaktion(at)emk.de.

Der Weg in die Zukunft ist noch verborgen

So, 03/03/2019 - 06:00

Die Tagung der außerordentlichen Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in St. Louis ist vorüber. Mit einer knappen Entscheidung wurde dort der sogenannte »Traditional Plan« beschlossen, mit dem die bisherigen Lehrinhalte der Kirchenordnung der EmK bestätigt wurden. Diese besagen, dass praktizierte Homosexualität »als unvereinbar mit der christlichen Lehre« gilt und dass die Ordination Homosexueller sowie die Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften nicht zulässig sind. Zusätzliche wurden Abschnitte ergänzt, die die konsequente Anwendung der bisherigen Regelungen sicherstellen und gegebenenfalls ahnden. Die Reaktionen auf diesen Beschluss fallen sehr unterschiedlich aus. In einem Brief an die Gemeinden der EmK in Deutschland erläutert Bischof Harald Rückert das Ergebnis der Beratungen der Generalkonferenz und fordert dazu auf, »Frieden zu suchen im Miteinander in unserer Kirche und im Zeugnis für die Welt«.

Klarheit ist »ehrlich«, Gesprächsverweigerung ist »schwierig«

In dem Schreiben bedauert Rückert, dass es nicht gelungen sei, »ein klares Zeugnis zu geben, dass Menschen mit starken unterschiedlichen Überzeugungen, dennoch beieinanderbleiben können«. Das zeigten auch die bei ihm eingehenden Kommentare, die bei den einen Erleichterung und Dankbarkeit, bei anderen Erschütterung und Enttäuschung erkennen ließen. Mit der Entscheidung sei deutlich geworden, »dass in unserer Kirche weltweit eine Mehrheit die konservative Sichtweise auf Fragen rund um die menschliche Sexualität teilt«. Eine solche Klarheit sei »ehrlich«. »Schwierig ist«, so Rückert weiter, »dass diese Mehrheit weithin nicht bereit ist, über eine andere Sichtweise überhaupt ins Gespräch zu kommen.«

»Bleibt mit euren Gaben bei uns«

Als Bischof werde er »weiterhin mit Nachdruck für die Vielfalt in unserer Kirche eintreten, die untrennbar mit der Einheit, die Christus geschenkt hat, verbunden ist«. Er bete dafür, dass sich möglichst viele mit auf den Weg in die Zukunft begeben, »der uns jetzt noch verborgen zu sein scheint«. Deshalb bitte er auch darum, zum jetzigen Zeitpunkt »keine übereilten Entscheidungen zu treffen«. Ausdrücklich wendet er sich an diejenigen, »denen durch den Beschluss der Generalkonferenz erneut Schmerz zugefügt wurde«. Ihnen rufe er zu: »Ihr gehört zu uns! Ihr seid Menschen, denen Gottes Liebe uneingeschränkt gilt. Bleibt mit euren Gaben und eurer Leidenschaft für Christus bei uns.«

»Wir sind der Heilung bedürftig«

Rückert erwähnt in seinem Schreiben auch, dass kurz nach der Bekanntgabe der Generalkonferenzentscheidung Reaktionen aus den großen Konferenzregionen in den USA (Jurisdiktionen genannt) und von außerhalb der USA aus den Zentralkonferenzen eingegangen seien, die äußerst beunruhigend und belastend seien. In der sich an die Generalkonferenz anschließenden Sitzung des internationalen Bischofsrats der EmK habe dies zum Eindruck geführt, dass es »Sieger und Verlierer« gebe. »Sollte sich dieser Eindruck bewahrheiten, sind am Ende alle Verlierer«, schreibt Rückert.
Kenneth H. Carter, der Vorsitzende des Bischofsrats und als Bischof für die Florida-Konferenz in den USA zuständig, hat sich ebenfalls mit einem Hirtenbrief an die Gemeinden der EmK gewandt. Dabei bezieht er sich auf einen Abschnitt im neutestamentlichen Jakobusbrief. Dort geht es in einem Abschnitt um Kranksein und die Erfahrung von Heilung auch um Sünde. Jakobus fordere aber nicht dazu auf, so Carter in seinem Schreiben, »dass wir die Sünde bei den anderen ermitteln, sondern den anderen unsere Sünden bekennen und füreinander zu beten, damit wir geheilt werden« (Jakobus 5,16). Gerade in der Zeit, in der sich die Kirche jetzt befinde, »sind wir der Heilung bedürftig«.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit (Rückert); Kathleen Barry, UMNS (Carter)

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Bischofsbrief von Harald Rückert
Bischofsbrief von Kenneth H. Carter (Englisch)

Einsatz für Versöhnung als Lebensinhalt

Sa, 03/02/2019 - 05:30

Seit vierzig Jahren setzt sich Arno Gerlach für die Versöhnung zwischen Christen und Juden ein. Vor wenigen Wochen wurde dem langjährigen Vorsitzenden des »Freundeskreis Beer Sheva« aus Wuppertal die Ehrendoktorwürde der philosophischen Fakultät der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva verliehen. Die Universität am Rande der im Süden Israels gelegenen Negevwüste ehrt damit Arno Gerlachs Engagement für die Städtepartnerschaft zwischen Wuppertal und Beer Sheva und für die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel generell sowie für seinen Einsatz in Osteuropa.

Israel als zweite Heimat

Erste Kontakte nach Israel entstanden in den 70er-Jahren, als neben vielen anderen internationalen Gästen auch Bürgermeister aus Israel nach Wuppertal kamen, um sich dort über die moderne Müllverbrennungsanlage zu informieren. Im Jahr 1983 gründete Arno Gerlach, der in der EmK-Gemeinde Wuppertal-Barmen zuhause ist, den Verein »Freundeskreis Beer Sheva«. Seither ist Israel für ihn zu einer zweiten Heimat geworden. Bei seinen inzwischen über zweihundert Aufenthalten hat er in Israel unzählige Begegnungen und Projekte auf den Weg gebracht und dabei viele Menschen aus beiden Städten zusammengeführt. Dazu zählen Schulpartnerschaften, Konzertreisen mit der Kantorei Barmen-Gemarke und sportliche Veranstaltungen. »Wir sind praktisch auf allen Gebieten des gesellschaftlichen und öffentlichen Lebens aktiv«, berichtet der 77-Jährige.

Das Vermächtnis des Vaters

Seine Motivation für dieses Engagement zieht der 1941 in Lyck, Ostpreußen geborene Gerlach aus der Erinnerung an seinen Vater. Im Winter 1944/45 hatte die Familie aus der Heimat fliehen müssen. Ein halbes Jahr waren sie damals auf der Flucht, bis sie in Wuppertal ein neues Leben beginnen konnten. Aber die Sehnsucht der Eltern, wieder nach Ostpreußen zurückzugehen, war groß. »Diese Hoffnung hatten sie nie aufgegeben«, erzählt Gerlach. Als 1970 die Nachricht bekannt wurde, dass die Bundesregierung im Warschauer Vertrag die Oder-Neiße-Grenze als endgültige Ostgrenze anerkannt hatte, findet Arno Gerlach seinen Vater zusammengesunken im Arbeitszimmer. Die große Hoffnung, irgendwann doch noch die Heimat wiederzusehen, war für den Vater »mit einem Schlag dahin«, erinnert sich Arno Gerlach. Lange sitzt der Vater schweigend da bis er zu seinem Sohn sagt: »Junge, hör gut zu: Wenn es um den wirklichen Frieden in der Welt geht, dann müssen wir auch auf unsere Heimat verzichten.« Diesen Satz habe er nie vergessen, sagt Gerlach heute. Für den Frieden zu arbeiten ist ein täglicher Kampf. Die Jahreslosung für das Jahr 2019 »Suche Frieden und jage ihm nach« (Psalm 34,15) beschreibt in treffender Weise Gerlachs christliche Motivation für diesen jahrzehntelangen und ausdauernden Dienst.
Sein Vater ist ihm zum Vorbild geworden – auch im Einstehen für die Verständigung mit Israel. Im Krieg sei der Vater als Lokomotivführer einmal angewiesen worden, in Ostpreußen einen Güterzug zu fahren. Exakt wie er war, habe er zu Beginn der Fahrt die Frachtpapiere verlangt, diese aber seien ihm verweigert worden. Bei einem Zwischenhalt in einem Bahnhof nahm der Vater allen Mut zusammen und wollte selbst die Ladung inspizieren. Der erste Güterwagen war leer – aus dem zweiten aber hörte er menschliche Stimmen. Da sei dem Vater klar geworden, dass er Juden ins Konzentrationslager transportieren soll, erzählt Gerlach. Seinem Sohn berichtet der Vater im Rückblick: »Das war die schwerste Entscheidung meines Lebens.« Noch im Bahnhof wurde der Vater von den SS-Soldaten drangsaliert und verletzt, aber er quittierte in diesem Moment seinen Dienst. Seinen Sohn bittet der Vater nach dem Krieg, angesichts der Geschichte Deutschlands alles zu tun für die Versöhnung zwischen Christen und Juden und für die Verständigung zwischen Israel und Deutschland. Für Arno Gerlach ist dieser Auftrag Lebensinhalt geworden.

Kampf gegen den Antisemitismus heute

Heute sieht Arno Gerlach mit Trauer, dass viele Menschen in Deutschland die Geschichte nicht wirklich kennen. Auch unter jungen Menschen wächst der Antisemitismus. Für ihn ist dies ein Antrieb, gerade jetzt nicht aufzuhören. Sein Anliegen ist und bleibt der unermüdliche Widerstand gegen Antisemitismus, Extremismus und Fremdenfeindlichkeit sowie das nachhaltige Bemühen um Frieden im Nahen Osten und in der Welt.
Gerade arbeitet Arno Gerlach für die Ausweitung der Schulpartnerschaften. In Wuppertal gibt es bisher drei Schulen, die feste Partnerschaften mit Schulen in Israel haben. Weitere sollen folgen. Die Arbeit mit Jugendlichen liegt ihm am Herzen. In Wuppertal gibt es eine Realschule, die zweisprachig ausbildet. In manchen Klassen sind achtzig Prozent der Schüler Muslime, schätzt Gerlach. Viele von ihnen haben antisemitische Vorurteile. In Absprache mit den Lehrern plant Gerlach Veranstaltungen, um mit diesen Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Dazu nutzt er seine Kontakte in die Politik, über die er als langjähriges Mitglied im Wuppertaler Rat der Stadt verfügt. Jüngst hat Gerlach den Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Dr. Felix Klein, in diese Schule eingeladen.

Zusammenarbeit auf allen Ebenen

In der Laudatio hob die Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva hervor, dass Arno Gerlach mit seinen zahlreichen Kontakten in Israel mehrere Städte in beiden Ländern auf dem Weg zu einer Partnerschaft unterstützt hat. Ebenso wurde die Bedeutung seines internationalen Wirkens für die Friedensarbeit innerhalb der deutsch-israelischen Beziehungen gewürdigt sowie die Versorgung und Unterstützung der jüdischen Gemeinden in im ungarischen Budapest und im rumänischen Bukarest unmittelbar nach der Revolution 1989.
Die Zusammenarbeit der Städte Wuppertal und Beer Sheva in fast allen gesellschaftlichen und administrativen Bereichen wird als wichtige Grundlage der guten Beziehungen beider Staaten betrachtet, die sich positiv entwickeln. Gerlach hat mit ökologischen, sozialen und bildungsbezogenen Projekten viele Bürger, Berufsgruppen und Institutionen beider Städte in Verbindung gebracht und Verständnis und Vertrauen untereinander gefördert.
Für Arno Gerlach ist die Ehrung im 70. Jahr der Unabhängigkeit des Staates Israel Verpflichtung und Auftrag zugleich. So erklärte er: »Nicht nur der dumpfe Angriff auf wehrlose Menschen, auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ist eine existenzielle Bedrohung für unser Land und die Welt, vielmehr sind Ignoranz, Schweigen und Nichtstun gegen die Unmenschlichkeit, den Hass und die Missachtung der Menschenwürde die eigentliche Gefahr für die Freiheit und den Frieden.«

Bildnachweis: privat
Dieser Artikel ist dem EmK-Magazin »unterwegs« 4/2019 vom 17. Februar 2019 entnommen.

Die Autoren
Dieter Klotz ist Laienmitglied der Norddeutschen Konferenz und Laienprediger in der EmK. Michael Putzke ist leitender Redakteur des zweiwöchentlich erscheinenden EmK-Magazins »unterwegs«. Kontakt: redaktion(at)emk.de.

An der Einheit der Kirche weiter arbeiten

Do, 02/28/2019 - 05:56

Die Tagung der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) ist zu Ende. Vom vergangenen Samstag bis Dienstag dieser Woche (23. bis 26. Februar) hatte sich dieses höchste gesetzgebende Gremium mit 864 Delegierten in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri eingefunden, um für die Praxis dieser weltweit verfassten Kirche eine Lösung in den strittigen Fragen zur menschlichen Sexualität zu finden. Auf die Heimreise haben die Delegierten und die bis zu 3.000 Besucher, Beobachter und bei der Tagung vor Ort anwesenden Personen verschiedenster Einrichtungen und Werke der EmK einen Beschluss mitgenommen, mit dem der bisherige Inhalt der Kirchenordnung zu diesen Fragen bestätigt und mit zusätzlichen Artikeln und Ausführungsbestimmungen erweitert wurde.

Was dieser mit knapper Mehrheit verabschiedete sogenannte »Traditional Plan« für die EmK und ihre Gemeinden in vielen Teilen der Welt und unterschiedlichen Kulturräumen bedeute, wird jetzt von vielen Seiten gefragt. Der für Deutschland zuständige Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche, Harald Rückert, antwortet in ersten Pressereaktionen auf diese Entscheidung. Außerdem wendet er sich mit einem Videobeitrag an die Gemeinden in Deutschland. Für die Gottesdienste am 3. März wird ein Bischofsbrief versandt.

Rückert: »Das macht mich traurig«

Er habe sich, so teilt er in einem kurzen Videobeitrag mit, für den Entwurf eingesetzt, mit dem die Einheit der Kirche bei einer gegenseitig respektierten Vielfalt gestaltet werden sollte. Dieser sogenannte »One Church Plan« war jedoch bei der zurückliegenden Tagung in keiner der Beratungen mit einer erforderlichen Mehrheit versehen worden. »Das macht mich traurig«, gibt Bischof Rückert in seiner Videobotschaft an die Gemeinden freimütig zu. Es schmerze ihn besonders auch für die Menschen, die mit ihrer Homosexualität in dieser Kirche leben und arbeiten und jetzt erneut mit einer für sie als Ablehnung empfundenen Entscheidung konfrontiert sind.

Umsetzung der Beschlüsse erst 2020 nötig

»Die Entscheidung ist eine bleibende große Herausforderung für die EmK, an der Einheit der Kirche zu arbeiten und für die Vielfalt zu werben“, erklärte Rückert auf eine Presseanfrage nach den Folgen für die EmK. Es gebe große kulturelle Unterschiede in einer weltweiten Kirche, die sich sowohl in der Diskussion als auch im Ergebnis niederschlügen. Die Umsetzung des jetzt getroffenen Beschlusses mit allen Teilaspekten werde für Deutschland erst nach der im November 2020 tagenden Zentralkonferenz wirksam. Bis dahin seien alle Rechtsfolgen und die Verfassungskonformität der Beschlüsse geklärt. Diese würden jetzt noch vom Rechtshof der EmK überprüft und der nächsten ordentlichen Tagung der Generalkonferenz 2020 zur Bestätigung vorgelegt. Bis dorthin sei Zeit, um gründlich die Konsequenzen für den deutschen Teil der EmK zu beraten und die sich daraus abzeichnenden Wege zu beschreiben.

Zeit für Gespräche

Für manche, so gibt Rückert in seiner Videobotschaft zu bedenken, sei die Entscheidung zum Aufatmen, für andere ein Grund zur Trauer. Das sei eine Spannung, die ihm in vielen Reaktionen und Zuschriften begegne, und die miteinander ausgehalten werden müsse. Dazu brauche es Gespräche auf allen Ebenen der Kirche. Es sei gut, dass das nicht unter Zeitdruck geschehen müsse, weil die Zeit bis zur Zentralkonferenz 2020 gut bemessen sei. Rückert dankte auch den Menschen in den Gemeinden für viele Gebete und Gebetsveranstaltungen vor und vor allem während der Generalkonferenz. »Betet weiterhin!«, fordert er auf, »und sucht weiterhin die Einheit unter uns. Werdet nicht müde, das Evangelium von Jesus Christus hinauszutragen in unsere Zeit durch Taten und Worte.«

Bildnachweis: Bildausschnitt aus dem Video

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Video auf YouTube
Video zum Download (MP4|100 MB)

Zur Information
Die Generalkonferenz ist das höchste gesetzgebende Gremium der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Sie allein kann für die EmK sprechen und die weltweite Ordnung und Lehre festlegen und ändern. Die Zentralkonferenz Deutschland der EmK kann die weltweit geltende Ordnung in bestimmten Grenzen für den deutschen Teil der EmK anpassen.

Der Weg zum Miteinander bleibt auf der Strecke

Mi, 02/27/2019 - 11:13

Um 16:55 Uhr ist es »amtlich«: Der sogenannte »Traditional Plan«, bei dem in der Frage zum Umgang mit Homosexualität und Homosexuellen in der Kirche die bisherige Ordnung der Kirche bewahrt werden sollte, erhält auch in der letzten und entscheidenden Abstimmung die nötige Mehrheit. Mit der Zustimmung von 438 Delegierten beschließt das höchste gesetzgebende Gremium der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) diesen Entwurf bei 384 Gegenstimmen.

Beschluss mit Vorbehalt

Seit dem vergangenen Samstag, 23. Februar, hatte die Generalkonferenz der EmK in St. Louis im US-amerikanischen Bundesstaat Missouri getagt. Einziges Thema der aus weltweit allen Jährlichen Konferenzen angereisten 864 Teilnehmer war die Frage, wie die Evangelisch-methodistische Kirche eine Lösung in den strittigen Fragen zur menschlichen Sexualität findet. Mit dem jetzt getroffenen Beschluss wurde die bestehende Ordnung der EmK bestätigt. Praktizierte Homosexualität wird als nicht vereinbar mit christlicher Lehre bezeichnet. Die Ordination homosexueller Menschen und die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften bleiben verboten. Außerdem werden zusätzliche Abschnitte in die Ordnung eingefügt, die die konsequente Anwendung der bisherigen Regelungen sicherstellen sollen. Die Entscheidung der Generalkonferenz steht unter Vorbehalt und wurde zur Prüfung der Vereinbarkeit mit der Verfassung der Kirche an den Rechtshof verwiesen. Deshalb sind viele Einzelheiten einer konsequenteren Anwendung zurzeit noch unklar. Für die Zentralkonferenzen der Evangelisch-methodistischen Kirche außerhalb der Vereinigten Staaten wurde zur Umsetzung eine wichtige Regelung getroffen, die besagt, dass diese Entscheidungen erst nach der nächsten ordentlichen Zentralkonferenztagung wirksam werden. Für Deutschland ist dies erst im November 2020 der Fall.

Wie ein roter Faden: knappe Mehrheiten

Mit diesem Beschluss ist das lange Ringen in der Evangelisch-methodistischen Kirche vorerst mit einem Schlusspunkt versehen. Seit 1972 hat sich jede der alle vier Jahre tagenden Generalkonferenzen mit dieser Frage befassen müssen. Die nach der letzten Generalkonferenz eingesetzte Kommission »Ein Weg in die Zukunft« hatte im Auftrag der Generalkonferenz drei Vorschläge unterbreitet, von denen jetzt der »Traditional Plan« die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen konnte. Das Geschehen der beiden Sitzungstage vom Montag und dem gestrigen Dienstag zeigt aber an, dass diese Frage die Kirche weiterhin beschäftigen wird. Einer Mehrheit von gut 53 Prozent der Delegierten steht eine sehr starke Minderheit von fast 47 Prozent gegenüber. Dieses Stimmenverhältnis zog sich durch viele Abstimmungen der beiden letzten Sitzungstage hindurch. Auch der allgemeine Verweis des beschlossenen »Traditional Plan« an den Rechtshof der Kirche zur Überprüfung, ob alle getroffenen Regelungen verfassungskonform sind wurde bei 405 Ja-Stimmen nur mit einer knappen Mehrheit von 10 Stimmen befürwortet. Der Rechtshof wird sich bei seiner nächsten Sitzung in Evanston im US-Bundesstaat Illinois in knapp zwei Monaten mit dieser Überprüfung beschäftigen.

Die Enttäuschung bricht sich Bahn

Wie sehr dieses knappe Stimmenverhältnis die Kirche belastet, zeigte die der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses folgende Phase im Plenum der Generalkonferenz und im gesamten Auditorium des Konferenzzentrums. Auf den Rängen stimmten die Unterstützer einer Öffnung der Kirche für mehr Inklusion von Homosexuellen Lieder an. Im Konferenzplenum sammelte sich eine große Anzahl Delegierter zu einem großen Kreis und stimmte in die auf den Rängen angestimmten Lieder mit ein. Gleichzeitig bildete sich ebenfalls im Plenumsbereich der Delegierten ein anderer, kleinerer Kreis der Befürworter der getroffenen Entscheidung. Tanzend und ebenfalls singend brachten sie ihre Freude zum Ausdruck. Um diesen emotionalen Äußerungen Zeit zu lassen, unterbrach die vorsitzende Bischöfin Cynthia Fierro Harvey, die für die Louisiana-Konferenz im Süden der USA zuständig ist, die Sitzung. Auf den Rängen aber beruhigten sich die Unterstützer einer Öffnung der Kirche bis zum Schluss der Generalkonferenztagung nicht mehr. Diese Gruppe war im großen Rund des Konferenzzentrums an Stickern, bunten Schals und anderen Accessoires die Tage zuvor schon präsent und gut erkennbar. Geradezu auffällig war die Zurückhaltung, die mit viel Hoffnung gepaart war. Nach dieser neuerlichen Ablehnung einer offeneren Regelung im Rahmen der Ordnung der Kirche brach sich die Enttäuschung Bahn.

Junge Leute können »progressiv« und »konservativ« sein

Diese Enttäuschung bahnte sich bereits in der Diskussion und den Entscheidungen zu verschiedenen Anträgen zur Ergänzung oder Änderung einzelner Passagen und der verschiedenen vorliegenden Anträge an. So hatte eine Gruppe um Tom Berlin, Pastor im US-Bundesstaat Virginia, am Vormittag ein Minderheitenvotum eingebracht. Damit sollte der sogenannte »One Church Plan« zur Bewahrung der Einheit der Kirche noch einmal ins Gespräch gebracht werden. Dieser Versuch scheiterte mit dem wiedererkennbaren Stimmenverhältnis von 449 Gegenstimmen bei 374 Befürwortern. Etliche Unterstützer des »Traditional Plans« hoben immer wieder auf die biblische Begründung ab und die kulturelle Umgebung, in der eine Öffnung der Kirche in Fragen der Homosexualität völlig unverständlich wäre. Die Beteuerungen der Befürworter einer Öffnung der Kirche in diesen Fragen, dass der »One Church Plan« weder Konferenzen noch Gemeinden dazu zwinge, verfingen nicht. Lyndsey Stearns, angehende Pastorin aus der West-Ohio-Konferenz und eine der Jugenddelegierten, teilte den Delegierten mit, dass sie in den 24 Stunden zuvor 15.529 Unterschriften von jungen Menschen aus der gesamten EmK gesammelt hatte, die eine Erklärung unterschrieben, mit der sie den Wunsch nach Einheit der Kirche unterstützten. Dem stand die Aussage einer anderen jungen Delegierten gegenüber, Aislinn Deviney aus der Rio-Texas-Konferenz, die sich als »evangelikal« bezeichnete und auch als eine der jungen Personen trotzdem den »Traditional Plan« unterstützt.

Auf der Strecke geblieben

Bei diesen unverrückbar erscheinenden Mehrheiten war auf Beobachterseite immer mehr erkennbar, dass der Versuch der Kommission »Ein Weg in die Zukunft«, einen Weg des Miteinanders ausfindig zu machen und zu unterbreiten, auf der Strecke blieb. Das zeigte sich dann auch darin, dass beide Gruppierungen zu taktischen und parlamentarischen Mitteln griffen, um den Weg der Entscheidung zu erschweren oder zu erzwingen. Dazu gehörten eine Vielzahl an Änderungsanträgen und Anträgen zur Geschäftsordnung sowie verschärfende Anträge, die die Absurdität einiger Passagen des vorliegenden Entwurfes auf die Spitze treiben sollten. Am Ende des Tages und der Generalkonferenz stand das Ergebnis, das bereits im Priorisierungsprozess am Sonntag in Erscheinung getreten war. Die Gruppe, die sich zum Ziel gesetzt hatte, die bisherige Ordnung der Kirche bestätigt zu sehen und sogar noch zu verschärfen, hatte im Priorisierungsprozess schon 459 Stimmen erzielen können und behielt in der Schlussabstimmung mit 438 Stimmen auch die Oberhand.

Rückert: An der Einheit arbeiten und für die Vielfalt werben

Der Abschluss der Generalkonferenztagung geriet wegen Zeitdrucks förmlich »unter die Räder« und war der Situation, in der sich die Kirche nach diesem Votum befindet, nicht angemessen. Aber aufgrund vertraglicher Vereinbarungen war die Veranstaltungshalle um 18:30 Uhr für den Umbau zu einer am nächsten Tag stattfindenden Monster-Truck-Show zu räumen. So irritierend dieser Schluss geriet, ist er auch Zeichen dafür, wie viel Arbeit jetzt vor den Bischöfen und Bischöfinnen der Kirche in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich liegt. »Wir müssen jetzt viel Zeit investieren und vor allem mit den Progressiven Kontakt aufnehmen, weil besonders sie sich durch das Geschehene verletzt fühlen«, erklärte Kenneth H. Carter, Bischof der Florida-Konferenz und Vorsitzender des EmK-Bischofsrats, in einer Pressekonferenz nach Abschluss der Generalkonferenz. »Wir werden ihnen sagen, dass wir sie berücksichtigen.« Jetzt müsse noch deutlicher gelehrt werden, dass alle Menschen in der Kirche willkommen seien und alle heilig seien.

Harald Rückert, der für die EmK in Deutschland zuständige Bischof, bringt seinen Schmerz zum Ausdruck, dass den Homosexuellen in der EmK mit diesem Beschluss erneut Schmerzen zugefügt wurden. »Es bleibt eine große Herausforderung«, betont der seit knapp zwei Jahren im Amt befindliche Bischof, »am Thema der Einheit der Kirche zu arbeiten und für die Vielfalt zu werben.« Dankbar sei er dafür, dass die Zentralkonferenzen außerhalb der USA bis Ende 2020 Zeit haben werden, sich mit den aus der Entscheidung erwachsenden Folgen zu beschäftigen. »Diese Zeit werden wir brauchen und auch nützen.«

Bildnachweis: Paul Jeffrey, UMNS

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links

Zur Information
Die Bedeutung der Generalkonferenz für die Evangelisch-methodistische Kirche
Als oberstes kirchenleitendes Gremium der Evangelisch-methodistischen Kirche kann allein die Generalkonferenz Fragen zur weltweiten Ordnung der Kirche entscheiden und beschließen. Deshalb sind die Delegierten gefordert, über Fragen der Fortentwicklung biblischer Lehre, kirchlicher Praxis und gesellschaftlicher Relevanz ringen wie es aktuell in der Auseinandersetzung um Fragen zur Homosexualität der Fall war. Je zur Hälfte sind die Delegierten Laien und Pastoren bzw. Pastorinnen. Die Bischöfe nehmen an der Generalkonferenz teil, haben aber kein Rederecht und auch kein Stimmrecht. Nur diejenigen Bischöfe, die als Vorsitzende die Sitzungen der Generalkonferenz leiten, haben Rederecht zur Erfüllung ihrer formalen Aufgabe. Andere Bischöfe haben nur dann Rederecht, wenn es ihnen von den Delegierten ausdrücklich zugestanden wird.
Aus Deutschland waren bei der Generalkonferenz neben Bischof Harald Rückert und seiner Amtsvorgängerin Rosemarie Wenner sechs Delegierte vor Ort. Aus jeder der drei deutschen Jährlichen Konferenzen je ein pastorales und ein Laienmitglied. Aus Norddeutschland waren dies Kai Uwe Dannenberg aus Clausthal-Zellerfeld und Pastorin Anne Detjen aus Eberswalde, aus Ostdeutschland Steffen Landrock aus Leipzig und Pastor Werner Philipp aus Dresden sowie aus Süddeutschland Christine Flick aus Wendlingen und Superintendent Markus Jung aus Nürnberg.

Traum oder Albtraum?

Di, 02/26/2019 - 10:28

Der dritte Tag der Generalkonferenz in St. Louis war der mit größter Spannung erwartete Tag. Es war anzunehmen, dass sich an diesem Tag eine Richtung zeigen würde, wohin die Delegierten in ihrer Entscheidung tendieren. Am Ende des Tages liegen die Ergebnisse auf dem Tisch und hinterlassen ratlose oder freudige Gesichter – je nach Sichtweise.

Die Fakten

Nach der Priorisierung vom Vortag fanden in dieser Reihenfolge die Abstimmungen über die vorgelegten Entwürfe und weiteren Anträge statt. Weil die Beschlüsse nach den formalen Regeln der Generalkonferenz erst im Plenum gefasst werden können, wenn sie zuvor in einem der Konferenzausschüsse beraten wurden, tagte die Generalkonferenz an diesem Tag als ein solcher Konferenzausschuss. Die eigentliche Diskussion und Entscheidung findet dann am letzten Sitzungstag, dem Dienstag statt. Kurz zusammengefasst sieht das Ergebnis der vorentscheidenden »Konferenzausschusssitzung« folgendermaßen aus: Der von konservativer Seite stark unterstützte sogenannte »Traditional Plan« hat als einziger der vorliegenden Entwürfe die notwendige Mehrheit erhalten, um am letzten Konferenztag abschließend diskutiert zu werden. Er erzielte 461 Ja-Stimmen bei 359 Gegenstimmen (rund 56 zu 44 Prozent). Der von der Kommission »Ein Weg in die Zukunft« und auch vom Bischofsrat mit deutlicher Mehrheit empfohlene Entwurf, der sogenannte »One Church Plan«, hatte nur 386 Ja-Stimmen auf sich vereinigen können bei einer Zahl von 436 Gegenstimmen (rund 47 zu 53 Prozent). Auch der sogenannte »Connectional Conference Plan« ist vom Tisch. Ebenfalls deutlich abgelehnt wurde ein weiterer, »Simple Plan« genannter Entwurf, der eine Variante des »One Church Plans« darstellte.

Klar und trotzdem unübersichtlich

Von den der Generalkonferenz vorgelegten Entwürfen hat also nur der »Traditional Plan« die Hürde genommen, um am letzten Tag der Generalkonferenz in letzter Lesung diskutiert und entschieden zu werden. Formal schwierig ist dabei, dass für diesen Entwurf bekanntermaßen noch große Unwägbarkeiten im Raum stehen. Der Rechtshof als oberstes Recht sprechendes Organ der Evangelisch-methodistischen Kirche hat schon vor geraumer Zeit deutlich gemacht, dass etliche der mit dem »Traditional Plan« verbundenen Regelungen mit der Verfassung der Kirche nicht konform sind. Das betrifft vor allem Regelungen, die stark auf Kontrolle und Ahndung ausgerichtet sind und dabei nur den einen Sachverhalt der Homosexualität als Kriterium heranziehen. In dieser Hinsicht ist das starke Abschneiden dieses Entwurfs kirchenjuristisch noch mit Vorsicht zu betrachten. In dieser Angelegenheit wird es zu Anfang des kommenden Sitzungstages eine Stellungnahme des Rechtshofs geben. »Damit ist die Lage noch etwas unübersichtlich«, erklärte Bischof Harald Rückert auf Nachfrage, wie das weitere Verfahren jetzt aussehe. Jedenfalls sei die Einheit der Kirche mit diesem Votum gefährdet. Mit aus dieser Sorge um die Einheit der Kirche hat eine Delegiertengruppe bereits angekündigt, dass sie ein Minderheitenvotum einbringen werde, um auf diese Weise den »One Church Plan« als einen verbindenden Weg der Mitte doch noch einmal ins Gespräch bringen zu können. Zu dieser Gruppe gehört auch der durch sein Buch »24 Stunden« bekannte US-amerikanische Pastor und Buchautor Adam Hamilton.

Die Abstimmungsmehrheit kommt von außerhalb der USA

Eine wesentliche Änderung im Abstimmungsverhalten der Delegierten sei nach Meinung erfahrener Delegierter und von Beobachtern nicht zu erwarten. In den USA wird der »Traditional Plan« von einer verhältnismäßig starken Gruppe, vor allem aus dem Süden der Vereinigten Staaten, befürwortet und beworben. Besonders stark befürworteten diesen Entwurf die Delegierten der afrikanischen Konferenzen. Aus Osteuropa und den Philippinen kamen weitere Unterstützer dieses Entwurfs, die sich in der Debatte verhältnismäßig stark zu Wort meldeten. Die Befürworter des »One Church Plans«, die eine deutliche Mehrheit der Delegierten in den USA und den westeuropäischen Konferenzen haben, vermochten es dagegen nicht, darüber hinaus nennenswert weitere Delegierte zu gewinnen, die der Freiheit dieser Regelung ihre Stimme gaben.

Kein sofortiger Handlungsdruck

Laut Bischof Harald Rückert »müssen wir jetzt erst den morgigen Tag abwarten«. Erst dann liege die endgültige Entscheidung vor. Auch nach dieser Entscheidung – und das gelte auch, wenn die Delegierten der Generalkonferenz sich noch anders besinnen sollten – gebe es keinen sofortigen Handlungsdruck. Nach Abschluss der Generalkonferenz könnten alle Entscheidungen in Ruhe beraten werden, um daraus die Schlussfolgerungen für die EmK in Deutschland abzuleiten. In diese Richtung äußert sich auch die Laiendelegierte der Süddeutschen Konferenz, Christine Flick. »Wir sollten jetzt nicht ›das Kind mit dem Bade ausschütten‹«, meint sie, auch wenn sie am Ende dieses Tages »einfach nur traurig« ist. Obwohl die Kommission »Ein Weg in die Zukunft« eine Brücke gebaut hatte, »die die unterschiedlichen Überzeugungen wertschätzt und verbindet« sei diese von konservativer Seite gar nicht genutzt worden. Aus ihrer Sicht habe diese Seite »im Grunde die eigene Überzeugung absolut gesetzt«.

»Ich habe einen Traum«

Markus Jung, pastoraler Delegierter und Superintendent im Nürnberger Distrikt der Süddeutschen Konferenz, hatte sich in der Konferenzdebatte am Nachmittag zu Wort gemeldet. In Anlehnung an Martin Luther Kings »I have a dream« hat er in einer Drei-Minuten-Rede den Delegierten seinen »Traum von Kirche« vorgestellt, in der die Kirche »bunt, vielfältig und voller Liebe« ist. An diesem Konferenztag sei er aber, so schreibt er in einem persönlichen Resümee, von harten Wortmeldungen verletzt, die eine »vollkommene Ablehnung gepaart mit in einer Wortwahl« offenbart hätten, »die ein weiteres Zusammenarbeiten für mich kaum möglich macht«. Werner Philipp, pastoraler Delegierter der Ostdeutschen Konferenz und designierter Superintendent für den Distrikt Zwickau, fühlt sich durch die mit dem »Traditional Plan« verbundene rigorose Kontrolle und die Ahndung durch disziplinarische Maßnahmen »an die Gesinnungsschnüffelei im real existierenden Sozialismus vergangener Tage« erinnert. Damals sei ihm aber die Kirche »ein existentieller Zufluchtsort freien Denkens und Glaubens« gewesen. Er ist der Überzeugung, »dass die Kirche in einer Zeit wachsender Polarisierung und Ausgrenzung ein überzeugendes Zeichen setzen muss, mit dem sie die Gegenkultur bedingungsloser Inklusion und Nächstenliebe lebt«. Es scheine sich aber abzuzeichnen, »dass es Toleranz und Inklusion in diesen Tagen schwer haben – auch in unserer Kirche«. Vorsichtig lässt er trotz eines »ernüchternden« Konferenztages noch Hoffnung zu. »Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, und manchmal«, so schreibt er am Schluss seiner Tageszusammenfassung »ersteht sie auch am dritten Tag. Und der wäre ja – je nach Zählung am letzten noch ausstehenden Konferenztag«.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit 

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
Die Generalkonferenz kann im Livestream verfolgt werden:
In englischer Sprache
In französischer Sprache

Die Tagungen beginnen in der Regel zwischen 7 und 9 Uhr in der Früh (Ortszeit). Das entspricht 14 bzw. 16 Uhr deutscher Zeit. Der aktuelle Zeitplan (Änderungen möglich) kann hier heruntergeladen werden.

Die Einheit zur Leidenschaft machen

Mo, 02/25/2019 - 08:03

Am gestrigen Sonntag, dem zweiten Sitzungstag der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), ging es erstmals in die inhaltliche Arbeit. Dazu hatten die Delegierten für die Arbeit an den vorliegenden Entwürfen und Anträgen eine Reihenfolge festzulegen, in der die Diskussion erfolgt. Ganz oben: Pensionsfragen und der sogenannte »Traditional Plan«. Der sogenannte »One Church Plan« liegt an Position fünf. Noch davor zwei Anträge, die sich damit befassen, wie einzelne Gemeinden die Gesamtkirche verlassen können und wie in einem solchen Fall Eigentumsfragen geregelt werden können.

Mehrheiten, die noch keine Mehrheiten sind

Aus dieser Reihenfolge, so sind Kenner der Abläufe einer Generalkonferenz überzeugt, lassen sich noch keine Schlüsse für Mehrheiten ableiten. Die Top-Platzierung von Pensionsfragen und Kircheneigentumsfragen lassen sich dadurch erklären, dass jede Entscheidung für einen der Lösungsvorschläge logischerweise auf Pensionen und Besitzverhältnisse Auswirkungen hat. Das gilt sowohl für diejenigen, die dann gegebenenfalls die Kirche verlassen werden, als auch für diejenigen, die bleiben. Verständlich, dass diese Fragen so stark priorisiert werden. Im direkten Vergleich der beiden am höchsten gehandelten Lösungsvorschläge ist der Stimmenunterschied einer Abstimmung über die Behandlungsreihenfolge nicht wirklich aussagekräftig. Der inzwischen im parlamentarischen Verfahren nur als »Traditional Plan« (nicht mehr »Traditionalist Plan«) bezeichnete Lösungsvorschlag liegt mit 459 zu 403 Stimmen nur 56 Stimmen »vor« dem »One Church Plan«. Die Fragen, was eine Beibehaltung und damit sogar verbundene Verschärfung der Kirchenordnung beim »Traditional Plan« und eine Veränderung der Ordnung durch Entfernung restriktiver Passagen und Änderungen in den Sozialen Grundsätzen beim »One Church Plan« bedeuten, sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt des parlamentarischen Ablaufs noch gar nicht diskutiert. Das steht in den kommenden beiden Sitzungstagen Montag und Dienstag an.

Zuschauen – zuhören – vertrauen

Für diese anstehende inhaltliche Auseinandersetzung setzte der Vormittag ein Zeichen. Dort bildeten die Predigt von Bischof Kenneth H. Carter und der ausführliche Bericht der Kommission »Ein Weg in die Zukunft« den Schwerpunkt. Carter, Vorsitzender des Bischofsrats der EmK und als Bischof für die Florida-Konferenz zuständig, schilderte ausführlich, wie er sich in den zurückliegenden drei Jahren der Aufgabe gestellt habe, »aufmerksam zuzuschauen und aufmerksam zuzuhören«. Dies sei der Auftrag gewesen, den die vergangene Generalkonferenztagung im Mai 2016 erteilt habe. Er habe deshalb »bei den Konservativen, den Progressiven und den Mitte-Leuten« genau hingeschaut und aufmerksam zugehört. Es sei ihm darum gegangen, »ihre Zeugnisse zu hören und das Wirken des Heiligen Geistes in ihnen anzuerkennen und dabei über sie das Beste zu denken«. Diese Aufgabe habe sich allerdings »von meiner Arbeit, die ich zuvor während mehr als 28 Jahren als Pastor gemacht habe, nicht unterschieden«, schob er schmunzelnd nach. Um die Aufgabe des Zuschauens und Hinhörens zu erfüllen, habe die Kommission »Ein Weg in die Zukunft« einen ganz besonderen Dienst erfüllt. Jetzt sei es in der Hand der Delegierten, diese Aufgabe weiterzuführen. Darum gehe es in den – zusammen mit dem gestrigen Tag – kommenden drei Tagen. »Dazu versammeln wir uns unter dem Kreuz und der Flamme«, womit Carter auf das Logo der EmK und mehr noch auf die biblische Bedeutung dieser beiden Zeichen hinwies. »Wir sind Menschen, die unseren Glauben an Jesus Christus als unseren Herrn und Erlöser bekannt haben. Und wir werden um die Gabe des Heiligen Geistes beten, der uns eins macht mit Christus, der uns eins miteinander macht und der uns eins macht im Dienst für die ganze Welt.« Dafür sollten sich die Delegierten bei einer Regel aus Taizé bedienen. Diese fordere dazu auf: »Mache die Einheit des Leibes Christi zu deiner Leidenschaft.« Ob das wirklich eine so große Leidenschaft für die Delegierten sei, müsse sich jeder selbst fragen. Darum gehe es jedenfalls in den kommenden Tagen. Es sei zwar leichter, die Gründe für eine Spaltung auszumachen. Stattdessen sollten die Delegierten viel mehr auf das schauen und hören, was verbindet. Wenn das gelänge, könne sich viel ereignen. »Und Gott kann mehr tun, als wir uns vorstellen können!« Gott habe das versprochen, betonte Carter zum Schluss seiner Predigt. »Und weil er das versprochen hat, kann er es auch tun!«

Die Frage bleibt: Wie sieht die Lösung aus?

Nach dem geistlichen Auftakt des Tages stellten die Mitglieder der Kommission »Ein Weg in die Zukunft« mit einer umfangreichen Präsentation ihr Arbeitsergebnis vor. Einmal mehr war diese Vorstellung ein Beispiel dafür, was eine transparente Arbeitsweise und eine respektvolle Kommunikation möglich machen. Die drei Entwürfe zur Lösung der schwierigen Situation, in der sich die Evangelisch-methodistische Kirche seit Jahren in der Frage im Umgang mit Homosexualität befindet, wurden vorgestellt und von Mitgliedern der Kommission erklärt und kommentiert. Dabei kam die extrem konservative Sicht einzelner Kommissionsmitglieder zum Vorschein. Aber auch der Wunsch nach weiter Öffnung der Kirche für Homosexuelle kam zur Sprache, indem eines der Kommissionsmitglieder – ein Pastor – sich vor der versammelten Generalkonferenz als homosexuell outete. Wie trotz dieser weit auseinanderliegenden Überzeugungen eine Gemeinschaft während der Arbeit am Auftrag durch die Generalkonferenz wuchs, brachten die Kommissionsmitglieder wahrnehmbar zum Ausdruck. Es blieb allein die Frage, wie nach den meinungsstarken Kommentierungen der drei Entwürfe durch jeweils ein Kommissionsmitglied eine zur Einheit führende und die Einheit bewahrende Lösung aussehen könnte. Diese Frage hat sich Ende des ersten parlamentarischen Arbeitstages verstärkt. Jetzt ist das aufrichtige Zuschauen und Zuhören der Delegierten gefordert, wie Bischof Carter es zum Auftakt des Tages anmahnte. Und es ist eine weise Sitzungsleitung gefordert, die die Prozesse zur Entscheidungsfindung transparent und fair anleitet.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
Predigt von Bischof Kenneth H. Carter (Englisch)
Berichterstattung auf Englisch

Die Generalkonferenz kann im Livestream verfolgt werden:
In englischer Sprache
In französischer Sprache

Die Tagungen beginnen in der Regel zwischen 7 und 9 Uhr in der Früh (Ortszeit). Das entspricht 14 bzw. 16 Uhr deutscher Zeit. Der aktuelle Zeitplan (Änderungen möglich) kann hier heruntergeladen werden.

Die, um die es geht, waren vergessen worden

So, 02/24/2019 - 12:35

Sechs Stunden Gebet bildeten den Auftakt am gestrigen ersten Tag der außerordentlichen Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Noch waren einige Delegierten-Tische leer, was bedeutet, dass sich einige der Delegationen erst zum Auftakt der Beratungen im US-amerikanischen St. Louis einfinden werden.

Kulturelle Vielfalt und gegenseitige Achtung

Die Gebetszeiten wurden von verschiedenen Bischöfen der unterschiedlichen Weltregionen der EmK angeleitet. Der von Moskau aus für die Region Eurasien zuständige Bischof Eduard Khegay und der für Deutschland zuständige Bischof Harald Rückert stellten die Arbeit der EmK in den verschiedenen Ländern Europas vor. Rückerts Hinweis auf die sprachliche Situation der EmK in Mittel- und Südeuropa mit zwanzig Sprachen in sechzehn Ländern, versetzte viele, besonders die amerikanischen Delegierten in Staunen. Wenn die Arbeit von 310 Gemeinden der EmK in diesen Ländern mit zwanzig Sprachen konfrontiert ist, mache das deutlich wie herausfordernd das für eine in Mitteleuropa vergleichsweise kleine Kirche ist. Gleichwohl betonte Rückert die Dankbarkeit für diese Verschiedenheit und den Reichtum, der in der vielfältigen missionarischen Arbeit, den unterschiedlichen kulturellen Gewohnheiten und der trotzdem erlebten Einheit in Christus erfahrbar wird. »In den Beiträgen aus den verschiedensten Regionen hörten wir bewegende Geschichten von Gemeinden und Projekten aus aller Welt – aus unserem eigenen Land, aber auch Berichte von den Philippinen, aus afrikanischen Ländern und aus den USA«, ist Pastorin Anne Detjen von dem Gehörten angetan. Die Delegierte der Norddeutschen Konferenz, ist dankbar für die Impulse, »mit denen wir zum Gebet füreinander eingeladen wurden«. Für den Laiendelegierten der Ostdeutschen Konferenz, Steffen Landrock, war das Erleben dieses Tages eine »wunderbare kulturelle Vielfalt aus den unterschiedlichen Regionen unserer weltweiten Kirche«. Das lasse ihn hoffen, dass dieser Auftakt »ein guter Start für die anstehenden schwierigen Verhandlungen« war und »wir uns mit Liebe und gegenseitiger Achtung in aller Unterschiedlichkeit begegnen können«.

Spontane Programmänderung

Die durch das Mittagessen unterbrochene Gebetszeit fand am Nachmittag ihre Fortsetzung. Gleich zum Auftakt wurde vom Schema abgewichen, in der Vorstellung verschiedener weiterer Gebetsanliegen aus allen Teilen der EmK-Welt weiterzumachen. Aus der Mitte der Generalkonferenz hatten homosexuelle Delegierte darauf aufmerksam gemacht, dass die Tagung zwar wegen der Fragen rund um Homosexualität einberufen worden sei, »in der ganzen bisherigen Gebetszeit aber noch kein Gebet mit uns und für uns stattgefunden hat«. Dieser Einwurf wurde zu einem ersten bewegenden Moment in der nüchternen Atmosphäre der gigantisch großen Veranstaltungshalle. Die von Dorothee Benz, einer Laiendelegierten der New-York-Konferenz geäußerte Kritik fand Widerhall, indem für Homosexuelle gebetet wurde und sich der betenden Gruppe aus dem Raum der Delegierten eine ganze Anzahl Personen anschloss. »Das war der emotionale Höhepunkt aus meiner Sicht«, schreibt Superintendent Markus Jung, pastoraler Delegierter der Süddeutschen Konferenz in einem Resümee zum Tag. Hier habe sich etwas ereignet, was zuvor im geplanten Gebetsgeschehen nicht vorgesehen war »und somit spontan die Stimmung spiegelte: den Wunsch der Öffnung.«

Progressive wollen mehr

Abseits des Gebetstages mit anschließendem Abendmahl ist das Konferenzgeschehen stärker umkämpft, als die lange und einträchtig erscheinende Veranstaltung signalisieren will. Das wird deutlich in begleitenden Veranstaltungen, in denen versucht wird, Einfluss auf das Abstimmungsverhalten zu nehmen. So waren am Vorabend des ersten Konferenztages in einem Hotel in St. Louis 160 Personen zu einer Veranstaltung gekommen, die den Titel »Gespräch am Scheideweg« trug. Rund 4.000 Personen folgten per Live-Übertragung der Veranstaltung, bei der nachdrücklich dazu aufgefordert wurde, dass die Kirche endlich »mit und nicht über« die Homosexuellen zu sprechen habe. Der den Weg dafür öffnende sogenannte »One Church Plan« sei dafür zwar ein Anfang, gehe aber nicht weit genug. Weil diese Lösung es ausdrücklich gestatte, dass sich pastorale Führungspersonen und Gemeinden weiterhin gegen eine Integration von Homosexuellen in der Kirche stellen könnten, erlaube diese Lösung sogar die sich fortsetzende Diskriminierung dieser Personengruppe. Die Teilnehmer wünschten sich eine mutigere und weitreichendere Lösung als die jetzt im One Church Plan vorliegende. Nüchtern betrachtet stehe eine weltweite Kirche aber auch vor einer extremen Herausforderung. Über Kulturen und Ländergrenzen hinweg müsse ein Weg gefunden werden, der allen ermögliche, damit leben zu können. Deshalb sei der One Church Plan »besser als der Status Quo und definitiv besser als der Traditionalist Plan«, warb Randall Miller, ein Delegierter der Kalifornien-Nevada-Konferenz, Randall Miller, für diese Lösung.

Frühstückseinladung mit Werbeblock

Auch das konservative Meinungsspektrum weiß sich zu organisieren. »Good News« (Gute Nachricht), eine stark konservative, US-amerikanische Gruppierung innerhalb der EmK in den USA, hatte zu einer Frühstücksveranstaltung am gestrigen ersten Konferenztag eingeladen, zu der statt der erwarteten 250 Personen an die 400 gekommen waren. Erstmalig seien bei diesem traditionell abgehaltenen Konferenzfrühstück so viele unterschiedliche Personen und außergewöhnlich viele der Konferenzdelegierten aus Afrika gewesen. »Good News« und weitere ähnlich ausgerichtete Gruppierungen unterstützen den ursprünglich als »Traditionalist Plan« bezeichneten Entwurf, für den es inzwischen verschiedene Abwandlungen gibt, weshalb dieser Entwurf jetzt als »Modified Tradional Plan« (Geänderter Traditional Plan) bezeichnet wird. Bei der Veranstaltung spricht Jerry Kulah, Pastor und Delegierter für die Generalkonferenz die westafrikanische Liberia-Konferenz. »Trennung in Wahrheit ist besser als Einheit im Irrtum«, ist eine seiner Aussagen. Er wehrt den Verdacht ab, die afrikanischen Delegierten würden für ihr Abstimmungsverhalten auch die aus den USA kommende finanzielle Unterstützung mit einbeziehen. Tom Lambrecht, US-Pastor der EmK und Vizepräsident von »Good News«, klärte die anwesenden Delegierten eingehend über das Abstimmungsverfahren auf. In jedem der verschiedenen Abstimmungsschritte sei unbedingt der »Traditionalist Plan« oder die modifizierten Varianten dieses Entwurfs und bestimmte Anträge zu Finanzregelungen zu unterstützen. Denn nur über diesen Weg könnten Gemeinden, falls sie sich zum Austritt aus der EmK genötigt sähen, einen gerechten Anteil ihnen zustehender Gelder aus dem Rentenvermögen der Kirche erhalten. Lambrecht, der selbst Mitglied der Kommission »Ein Weg in die Zukunft« war, ist nach der Veranstaltung zuversichtlich, dass die internationalen Delegierten sich im Großen und Ganzen für die Unterstützung des ›Traditionalist Plan‹ einsetzen«. Das würde nicht zuletzt auch vielen amerikanischen Delegierten Mut machen, diesen Entwurf zu unterstützen.

Jesusliebe statt Höllenlärm

Schon tagsüber, dann aber vor allem beim Verlassen des Kongresszentrums nach Abschluss des ersten Tages, wurden die Delegierten im wahrsten Sinne des Wortes von einem »Höllenlärm« empfangen. Eine Gruppe von Mitgliedern der Westboro Baptist Church, einer unabhängigen baptistischen Gemeinde aus dem westlich von St. Louis gelegenen US-Bundesstaat Kansas, hielt Sünde- und Umkehr-Schilder hoch und beschallte ununterbrochen mit Megaphon-Ansprachen die Delegierten. Markus Jung, Superintendent im Nürnberger Distrikt der Süddeutschen Konferenz ging auf die Gruppe zu und fragte einen, wo denn die Liebe in seiner Ansprache wäre. »Erst hat er mich als Sünder betitelt«, erzählt er hinterher von dieser Begegnung, »und dann hat er mich verdammt«. Es ist der Tagung der Generalkonferenz zu wünschen, dass dieses Erleben auf außerhalb des Tagungszentrums beschränkt bleibt und die Delegierten der Jesusliebe Raum lassen.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Die Generalkonferenz kann im Livestream verfolgt werden:
In englischer Sprache
In französischer Sprache

Die Tagungen beginnen in der Regel zwischen 7 und 9 Uhr in der Früh (Ortszeit). Das entspricht 14 bzw. 16 Uhr deutscher Zeit. Der aktuelle Zeitplan (Änderungen möglich) kann hier heruntergeladen werden.

Bedeutung und Wirkung einer einfachen Form

Sa, 02/23/2019 - 19:05

Der »Gateway Arch«, auf Deutsch ist das ganz schlicht ein Torbogen, ist das Wahrzeichen der im Mittleren Westen der USA gelegenen Stadt St. Louis. In diesen Tagen ist sie der Nabel der evangelisch-methodistischen Welt. Knapp 4.000 Methodisten sind vor Ort, viele verfolgen von zuhause aus das Geschehen einer spannungsvollen Lösungssuche. Vielleicht kann die Botschaft dieses weltweit bekannten Monuments auch eine Botschaft für die Methodisten sein.

Ankommen – Siedeln - Aufbrechen

Dass es die Stadt St. Louis überhaupt gibt, ist einer besonderen geografischen Lage zu verdanken. Die Vereinigung von Flusssystemen war in der Geschichte der Menschheit immer ein Ort für Verkehr, Handel und Begegnung. Hier sind es die beiden großen Flüsse Missouri und Mississippi, die im weiteren Verlauf nur noch als Mississippi bei New Orleans in den Golf von Mexiko münden. Zielsicher haben sich die in der damaligen »Neuen Welt« angekommenen Siedler auch an dieser Stelle niedergelassen. So entstand St. Louis als Handelszentrum und Verkehrsknotenpunkt. Von dort aus breitete sich Anfang des 19. Jahrhunderts die Besiedelung des nordamerikanischen Kontinents mit Expeditionen und Trecks weiter Richtung Westen aus. Erfolgsgeschichten und Dramen verbinden sich mit dieser Ausbreitung und Eroberung. Nicht zuletzt gehört dazu auch die in den USA immer noch schwelende Wunde des bis heute schwierigen Umgangs mit den Ureinwohnern Nordamerikas.

»So einfach wie möglich«

In den Dreißiger-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde damit begonnen, am Fluss eine Gedenkstätte anzulegen. Dort sollte ein Ort entstehen, der an die großartige Geschichte der sich weiter nach Westen ausbreitenden Besiedelung erinnern sollte. Was noch fehlte, war ein angemessenes und aussagekräftiges Monument, für das gut zehn Jahre später eine Ausschreibung erfolgte. Aus 172 eingegangenen Vorschlägen ging 1947 der von Architekt Eero Saarinen eingereichte Entwurf als Sieger hervor. Damit begann die Geschichte dieses in seiner Art und Form weltweit bekannten und einzigartigen Denkmals und Wahrzeichens der Stadt. Das »Tor zum Westen«, wie es auch genannt wird, sollte nach Ansicht des Architekten wie jede architektonische Idee »so einfach wie möglich sein, um Bedeutung und Wirkung zu erzielen«. Als Konstruktionsmodell wählte er die Form einer Kette, wie sie frei zwischen zwei Befestigungspunkten hängt. Im konstruierten Bogen dann nur »umgekehrt«, also nach oben aufgerichtet. Mit einer Höhe von 192 Metern und einer Breite an der Basis mit demselben Maß überragt der Bogen die dahinterliegende Stadtkulisse und wurde so zum prägenden und weit über die Stadt hinaus bekannten Wahrzeichen. Der erste Spatenstich war im Jahr 1961, das erste Formteil wurde 1963 gesetzt, und vollendet wurde der Bau 1965. Der Architekt selbst erlebte die Fertigstellung seines Werkes nicht mehr. Er starb 1961 noch während der ersten Baugründungsphase an einem Gehirntumor.

Bedeutung, Dramatik, Wunden

Nun tagen die Methodisten mit ihrer Generalkonferenz in dieser Stadt, von der aus die Besiedelung in den Westen Nordamerikas ausging. Aufbruch und Besiedelung waren seinerzeit nicht nur eine Erfolgsgeschichte. Das Monument steht zwar für das »Tor zum Westen« und damit für Aufbruch und großartige Leistungen. Aber es erinnert eben auch an die Bedeutung und die Dramatik der Aufbrüche der damaligen Zeit und durchaus auch an noch immer nicht verheilte Wunden. Welche Geschichte wird die Evangelisch-methodistische Kirche in den kommenden Tagen in St. Louis schreiben?

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Achtungsvolle Weite als Auftrag

Sa, 02/23/2019 - 10:50

Mit »Ein Kampf um die Sexualität« macht die Tageszeitung »St. Louis Post-Dispatch« ihre Titelgeschichte am Vortag der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) auf. Die 864 Delegierten und weit mehr als 3.000 Besucher, Beobachter und Lobbyisten würden sich in den kommenden vier Tagen mit mehreren Entwürfen beschäftigten, wie die jahrzehntelange Diskussion über Homosexualität einer Lösung zugeführt werden könne. Dass eine Lösung, die allen schmecken wird, schwer möglich sein wird, ist Tenor des Artikels.

Reicht der Wunsch nach Zusammenhalt aus?

Anerkennend wird Marie Griffith zitiert, die Direktorin des in Washington ansässigen John-C.-Danforth-Zentrums für Religion und Politik. Der Evangelisch-methodistischen Kirche sei es, so erklärt Griffith, trotz großer Unterschiede in theologischen Fragen über Jahrzehnte hinweg gelungen, »in einer Weise zusammenzuhalten, die anderen Denominationen abging«. Allerdings habe die Frage der Sexualität die amerikanischen Christen gegeneinander aufgebracht und auch die Politik zutiefst gespalten. Davor, das zeige jetzt die außerordentlich tagende Generalkonferenz, seien offensichtlich auch die Methodisten nicht gefeit. Sie versuchten zwar, auch in dieser Frage zusammenhalten zu können, aber die Folgen einer Entscheidung seien für die unterschiedlichen Gruppen mit ihrer jeweiligen Überzeugung zu wichtig, als dass der alleinige Wunsch nach Zusammenhalt dafür ausreiche. Angesichts der aus Sicht des Artikelschreibers eher erwartbaren Zerreißspannung während der Konferenztagung überrascht der Schluss des Zeitungsartikels dann doch. Dort kommt Pastorin Kim Jenne zu Wort, Pressesprecherin der 780 Gemeinden zählenden Konferenzregion im US-Bundessattes Missouri. Sie hofft, »dass wir in Beziehung miteinander bleiben«. Das sei manchmal hart. »Es ist hart, mit Menschen in Gemeinschaft zu leben, mit denen du definitiv nicht übereinstimmst, aber wir sind davon überzeugt, dass Gott uns genau zu dieser Aufgabe beruft.«

Wollmützen als Zeichen der Gastfreundschaft

Wie sehr sich die beiden die Tagung ausrichtenden Konferenzen, die Illinois-Great-Rivers-Konferenz und die Missouri-Konferenz, um Gastfreundschaft bemühen, wird schon am Flughafen deutlich. Die aus aller Welt ankommenden EmK-Gäste werden von Ehrenamtlichen in roten T-Shirts empfangen und in einen Empfangsraum begleitet, von dem aus sie auf Busse verteilt werden, die sie zu den verschiedenen Hotels fahren. Was es mit den im Empfangsraum auffallenden Kleiderständern auf sich hat, erschließt sich erst am nächsten Tag so richtig. Auch in der Eingangshalle des Konferenzzentrums wird es plötzlich laut, als zwei Transportwagen angekarrt werden und eine Art Second-Hand-Kleiderbörse aufgebaut wird. Einige der Delegierten und anderen Gäste bedienen sich an Jacken, Anoraks und Pudelmützen. Jetzt wird klar, dass es sich hier um einen besonderen Ausdruck der Gastfreundlichkeit handelt. Viele der aus wärmeren Regionen angereisten Delegierten rechneten nämlich nicht mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, die sie oft auch gar nicht kennen. Mit Sandalen und leichter Kleidung kommen sie gegen die winterlichen Temperaturen im Mittleren Westen der USA natürlich nicht an. Kurzerhand zaubern Wollmützen, Jacken und Daunenanoraks ein Lachen auf die Gesichter dieser von weither angereisten Methodisten. Die konkret erfahrbare Gemeinschaft hat nun schon geklappt. In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob dieser Art praktizierter Gemeinschaft auch die viel anstrengendere Form der Gemeinschaft in inhaltlichen Fragen entsprechen wird.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Die Generalkonferenz kann im Livestream verfolgt werden:
In englischer Sprache
In französischer Sprache

Die Tagungen beginnen in der Regel zwischen 7 und 9 Uhr in der Früh (Ortszeit). Das entspricht 14 bzw. 16 Uhr deutscher Zeit. Der aktuelle Zeitplan (Änderungen möglich) kann hier heruntergeladen werden.

Anstiften mit »Stiftfilm«

Sa, 02/23/2019 - 06:10

Anfang Februar tagten in Prag europäische Liturgie-Fachleute der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Die Tagung diente einer ersten Auswertung, wie die vor vier Jahren in Teilen Europas angestoßene Gottesdienstreform in den Gemeinden der EmK angenommen wurde. Außerdem wurden neue Materialien vorgestellt und weitere Schritte für die Fortsetzung der innereuropäischen Zusammenarbeit vereinbart.

Einführungsphase gelungen

Vor vier Jahren hatten die »Fachgruppe für Gottesdienst und Agende« der Zentralkonferenz Deutschland und die »Arbeitsgruppe Liturgie« der Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa bei einem Treffen in Reutlingen eine Gottesdienstreform für ihre Zuständigkeitsbereiche innerhalb der EmK auf den Weg gebracht. Seither sind es immer mehr Gemeinden, die ihren Gottesdienst mit den vier Schritten »Ankommen, Hören, Teilen, Weitergehen« gestalten. Die Teilnehmer berichteten, was in der Zwischenzeit geschehen ist und wie die erste Phase der Einführung gelungen ist. Um die Gemeinden weiter zu ermutigen, diese Reform aufzugreifen, wurde bei dem Treffen in Prag das erste größere Projekt, ein sogenannter Stiftfilm, vorgestellt. Unter dem Titel »Ganz verschieden und doch gemeinsam – methodistische Gottesdienste« ist der Film im Internet abrufbar. Außerdem wurde beschlossen, weitere hilfreiche Links für den Bereich des Gottesdienstes und einzelne Materialien zum Abendmahl in dieses Internetangebot einzustellen.

Pilotprojekte als Wegbereiter

Sowohl für das in Deutschland erscheinende EmK-Magazin »unterwegs« als auch für das Schweizer Pendant »Kirche und Welt« wurden Beiträge zusammengestellt, um die Hintergründe und die Inhalte der Gottesdienstreform einer größeren Leserschaft in den EmK-Gemeinden vorzustellen. Für »unterwegs« ist die Veröffentlichung noch im März geplant. In Deutschland, der Schweiz und in Österreich haben sich verschiedene Gemeinden bereiterklärt, einzelne Aspekte des Gottesdienstes in Pilotprojekten auf Basis der Gottesdienstreform anders oder neu zu gestalten und darüber zu berichten. Für interessierte Gemeinden gibt es einen Leitfaden für ein solches Projekt, das ebenfalls über das von den Arbeitsgruppen eingerichtete Internetangebot abrufbar ist.

Austausch als Zeichen methodistischer »Konnexio«

Neben den gemeinsamen Sitzungszeiten gab es auch getrennte Einheiten, um begonnene Projekte weiter voranzutreiben oder darüber zu berichten, was sich in den nicht-deutschsprachigen europäischen Ländern mit EmK-Präsenz in Sachen Liturgie und Gottesdienst tut. Auch gemeinsame Morgen- und Abendandachten sowie ein Spaziergang durchs nächtliche Prag gehörten zu dieser Begegnung. Es ist gut, dass die Arbeitsgruppen der beiden Zentralkonferenzen die vermehrte Zusammenarbeit suchen und gegenseitig Materialien und Ressourcen austauschen, teilen und zugänglich machen. Auch auf diese Weise zeigt sich methodistische Konnexio (Verbundenheit).

Bildnachweis: privat

Die Autorin
Esther Handschin lebt und arbeitet in Wien, Österreich, als Pastorin der Evangelisch-methodistischen Kirche. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
Internetangebot zur Gottesdienstreform
Film zur Gottesdienstreform (deutsch)
Film zur Gottesdienstreform (englisch)

Zur Information
Die vier Teile des reformierten EmK-Gottesdienstes lauten genau: Ankommen – Gott bringt uns zusammen, Hören – Gott spricht zu uns, Teilen – Gott verbindet uns miteinander, Weitergehen – Gott segnet uns. Ausführliche Informationen hierzu finden sich im zugehörigen Internetangebot www.emk-gottesdienst.org

Auf der Suche nach der Lösung

Fr, 02/22/2019 - 06:21

Von morgen an bis zum kommenden Dienstag (23. bis 26. Februar) kommt die Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) zu einer außerordentlich einberufenen Tagung in St. Louis, im Bundesstaat Missouri im Mittleren Westen der USA, zusammen. Einziges Thema, das die 864 Delegierten aus allen Weltregionen der EmK beraten werden, ist die Frage, wie die Evangelisch-methodistische Kirche eine Lösung in den strittigen Fragen zur menschlichen Sexualität findet.

Bischof Rückert bittet um Gebet

In einem Schreiben an die EmK-Gemeinden in Deutschland spricht Harald Rückert, der für Deutschland zuständige Bischof der EmK, von einer »spannungsvollen Situation« in der sich die Kirche befindet. »Wir suchen einen Weg, der uns die Einheit der Kirche bewahrt und doch die Unterschiede und die Vielfalt unserer Kirche in einer für viele tragbaren Weise abbildet.« Für diese Suche bittet Rückert die Methodisten in Deutschland darum, das Tagungsgeschehen und besonders die Delegierten »im Gebet zu begleiten«, damit eine Entscheidung getroffen werde, »die uns allen dient«.

Vom Bischofsrat favorisiert

Bei der Generalkonferenz stehen drei Vorschläge zur Diskussion, die vom internationalen Bischofsrat der EmK im Mai vergangenen Jahres veröffentlicht wurden (emk.de berichtete – Link hinterlegen). Vom Bischofsrat empfohlen wurde der sogenannte »One Church Plan« (deutsch: Entwurf, die Einheit der Kirche zu bewahren). Aus den aktuell gültigen Ordnungstexten werden bei diesem Vorschlag die Passagen entfernt, die Homosexualität ausdrücklich verurteilen und disziplinarische Maßnahmen beschreiben. In den Sozialen Grundsätzen führt das zu sprachlichen Anpassungen in den beiden Abschnitten, die von Ehe und menschlicher Sexualität sprechen. Außerdem wird ausdrücklich sichergestellt, dass niemand im ordinierten pastoralen und bischöflichen Dienst dazu gedrängt werden darf, gegen die eigene Überzeugung zu handeln.

Zwei alternative Vorschläge

Neben diesem vom Bischofsrat favorisierten Vorschlag liegen den Delegierten ein »Traditionalist Plan« und ein »Connectional Conference Plan« vor. Der sogenannte »Traditionalist Plan« (deutsch: Entwurf, die bestehende Ordnung zu bewahren) hält am aktuellen Wortlaut der EmK-Kirchenordnung fest. Es werden zusätzliche Abschnitte eingefügt, die die konsequente Anwendung der bisherigen Regelungen sicherstellen sollen, dass homosexuelle Handlungsweisen mit der christlichen Lehre unvereinbar sind. Der sogenannte »Connectional Conference Plan« (deutsch: Entwurf für Konferenzen-Verbünde) würde zu einer umfassenden strukturellen Veränderung der weltweiten EmK führen. Unter dem Dach einer gemeinsamen Grundordnung und einiger gemeinsam verantworteter Arbeitsbereiche sind bei dieser Lösung drei oder mehr Verbünde vorgesehen, die sich an unterschiedlichen theologischen Grundhaltungen orientieren.

Gebet – Meinungsaustausch – Debatte – Beschluss

Die Konferenztagung wird zum Auftakt am Samstag ohne Diskussion und Debatten sein. Stattdessen wird ein »Tag des Gebets« stattfinden, bei dem die Delegierten sich geistlich auf die anstehenden Diskussionen einstellen werden. Der Sonntag wird von der methodistischen Praxis des im Englischen »Christian Conferencing« genannten christlichen und geschwisterlichen Meinungsaustauschs geprägt sein. Erst am Montag wird formal in parlamentarischer Plenumsdebatte über die Entwürfe und die eingegangenen Anträge diskutiert. Am letzten Konferenztag, dem Dienstag, wird die Beschlussfassung stattfinden. Sich daraus ergebende Folgen und Fragen für den deutschen Teil der EmK werden bereits kurz nach der Generalkonferenz vom 7. bis 9. März bei der Tagung des Kirchenvorstands in Fulda aufgegriffen. Dieses Gremium wird unter der Leitung von Bischof Rückert beschließen, wie und in welchem Zeitrahmen die Generalkonferenz-Beschlüsse für Deutschland umzusetzen sind. Die Öffentlichkeit wird darüber am 10. März informiert.  

Bildnachweis: Dan Donovan, © St. Louis Convention & Visitors Commission. Alle Rechte vorbehalten.

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Übersicht Homosexualitätsdebatte (PDF)
Übersicht Soziale Grundsätze (PDF)
»unterwegs«-Nummer 21/2018 mit ausführlicher Darstellung (PDF)
Gebetsflyer Bischof (PDF)
Linkliste (PDF)

Zur Information
Die Bedeutung der Generalkonferenz für die Evangelisch-methodistische Kirche
Als oberstes kirchenleitendes Gremium der Evangelisch-methodistischen Kirche kann allein die Generalkonferenz Fragen zur weltweiten Ordnung der Kirche entscheiden und beschließen. Deshalb sind die Delegierten gefordert, über Fragen der Fortentwicklung biblischer Lehre, kirchlicher Praxis und gesellschaftlicher Relevanz zu ringen, wie es aktuell in der Auseinandersetzung um Fragen zur Homosexualität der Fall ist. Je zur Hälfte sind die Delegierten Laien und Pastoren bzw. Pastorinnen. Die Bischöfe nehmen an der Generalkonferenz teil, haben aber kein Rederecht und auch kein Stimmrecht. Nur diejenigen Bischöfe, die als Vorsitzende die Sitzungen der Generalkonferenz leiten, haben Rederecht zur Erfüllung ihrer formalen Aufgabe. Andere Bischöfe haben nur dann Rederecht, wenn es ihnen von den Delegierten ausdrücklich zugestanden wird.
Aus Deutschland sind bei der Generalkonferenz neben Bischof Harald Rückert und seiner Amtsvorgängerin Rosemarie Wenner sechs rede- und stimmberechtigte Delegierte vor Ort. Aus jeder der drei deutschen Jährlichen Konferenzen je ein pastorales und ein Laienmitglied. Aus der Norddeutschen Konferenz sind dies Kai Uwe Dannenberg aus Clausthal-Zellerfeld und Pastorin Anne Detjen aus Eberswalde, aus der Ostdeutschen Konferenz Steffen Landrock aus Leipzig und Pastor Werner Philipp aus Dresden sowie aus der Süddeutschen Konferenz Christine Flick aus Wendlingen und Superintendent Markus Jung aus Nürnberg.

»Blessings 4 you« und Oncken-Verlag arbeiten zusammen

Do, 02/21/2019 - 14:50

Der baptistische Oncken-Verlag in Kassel gibt zum 1. April 2019 seine Versandbuchhandlung und den Zeitschriftenvertrieb auf. Die beiden Bereiche werden im Rahmen einer Teilbetriebsübertragung an den eng mit der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) zusammenarbeitenden Dienstleister »Blessings 4 you« in Stuttgart übergeben. Das teilten beide Firmen in einer Presseerklärung mit.

Wirtschaftlicher Druck führt zur Zusammenlegung

Die Geschäftsführer von »Blessings 4 you«, Angela May und Tobias Blessing, erklärten, dass sie sich sehr über die verstärkte Zusammenarbeit freuten. Durch die Zusammenlegung der Versandbuchhandlungen könnten Synergien erzielt werden, die den Kunden beider Häuser zugutekommen. Auf Basis der jetzt publik gemachten Vereinbarung werden rund 600 Büchertische in evangelisch-freikirchlichen und evangelisch-methodistischen Gemeinden sowie zahlreiche Privatkunden betreut. Die Zusammenlegung sei eine Reaktion auf den wirtschaftlichen Druck in den vergangenen Jahren. Die drei von der Übergabe betroffenen Oncken-Mitarbeiter in Kassel werden ab dem 1. April für »Blessings4you« tätig sein und von Kassel aus weiter als Ansprechpartner für die bisher vom Oncken-Verlag betreute Kundschaft zur Verfügung stehen. Der Oncken-Verlag wird seinen Schwerpunkt stärker auf die inhaltliche Ausgestaltung des Verlagsprogramms legen.

Pastorin übernimmt Geschäftsführung beim Oncken-Verlag

Ferner wurde im Zusammenhang mit der Vereinbarung über eine engere Zusammenarbeit beider Firmen bekannt, dass die baptistische Pastorin Silke Tosch aus Mönchengladbach zum 1. Juni 2019 die Geschäftsführung des Oncken-Verlags übernimmt. Sie wird Nachfolgerin des 67-jährigen Heinz Sager, der seit 2006 Oncken-Geschäftsführer ist und Ende Mai in den Ruhestand geht.

Bildnachweis: privat

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
www.blessings4you.de
www.onckenverlag.de

Zur Information
Der Oncken-Verlag ist nach Johann Gerhard Oncken (1800–1884) benannt, dem Begründer baptistischer Gemeindearbeit in Deutschland und auf dem europäischen Festland. Er gründete 1828 in Hamburg eine Versandbuchhandlung, die preiswerte Bibelausgaben und Erbauungsliteratur vertrieb. Aus ihr ging der Oncken-Verlag hervor. Ebenfalls in Hamburg gründete Oncken 1834 die erste baptistische Gemeinde auf dem europäischen Kontinent. – Der Verlag wurde 2006 vom damaligen Eigentümer, dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden), an die Oncken Stiftung (Bad Homburg) übertragen. Die Stiftung war 2002 von Gemeinden und Einzelpersonen gegründet worden, um die missionarisch-publizistische Arbeit des Verlages zu stärken.
»Blessings4you« betreibt eine Versandbuchhandlung und ist Dienstleister für die Evangelisch-methodistische Kirche. Im Großraum Stuttgart betreibt die Firma außerdem vier Buchhandlungen.

Vertrauensübung

Mo, 02/18/2019 - 15:03

Am kommenden Samstag, dem 23. Februar, beginnt die außerordentliche Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. In seiner regelmäßigen Kolumne im EmK-Magazin »unterwegs« schaut Bischof Harald Rückert auf diese Tage voraus. Auch wenn es um ein strittiges Thema gehe, nämlich die Frage, wie sich die weltweite Evangelisch-methodistischen Kirche in Fragen der Homosexualität positionieren werde, gehe es jetzt darum, »unser Kämpfen und Werben loszulassen«. »Jetzt«, so sagt der Bischof, »ist es Zeit, zu vertrauen.« Nachfolgend gibt emk.de den Wortlaut der Bischofskolumne wieder:

Die Spannung ist zu spüren

In etwa einer Woche, am Samstag, dem 23. Februar, beginnt in St. Louis, USA, die mit Spannung erwartete außerordentliche Generalkonferenz unserer Evangelisch-methodistischen Kirche. Der komplette erste Tag ist dem Gebet und der geistlichen Ausrichtung vorbehalten. Erst danach treten die 864 Delegierten in die Beratungen und den Entscheidungsprozess ein. Seit Monaten finden weltweit intensive Gespräche statt. Aufgeregtheit, Anspannung und Verunsicherung sind zu spüren. Gelegentlich wird der Blick eng. Auch bei uns in Deutschland wurde die bevorstehende Entscheidung auf vielen Ebenen besprochen. Es wurden Briefe geschrieben und viele E-Mails verschickt. Verschiedenste Emotionen traten dabei zu Tage: Erwartung und Sehnsucht, Angst und Erleichterung. Beim Bemühen, das Gegenüber zu verstehen, wurden eigene Schmerzgrenzen spürbar. Es gab aber auch Glücksmomente, in denen neues Verstehen möglich wurde. Es gab viele gelungene Gespräche im Geist Jesu. Jedoch ging manche Kommunikation auch schief. Nicht immer wurde miteinander, sondern auch übereinander geredet. Verletzende Äußerungen sind gefallen, ausgrenzende Urteile wurden gefällt.

Dreischritt im Gebet

Liebe Schwestern und Brüder, jetzt ist es an der Zeit, all unser Reden und Ringen aus der Hand zu geben. Es ist an der Zeit, unser Planen und Sorgen, Kämpfen und Werben beiseite zu legen. Es ist Zeit, unsere unruhigen Gedanken und aufgewühlten Gefühle loszulassen. Es ist Zeit, uns selbst und unsere Kirche Gott zu überlassen. Es ist Zeit, zu vertrauen. Wie kann das konkret geschehen? Sucht Versöhnung mit denen, die ihr in den zurückliegenden Monaten verletzt habt. Vergebt, wo andere euch Schmerz zugefügt haben. Die Jahreslosung »Sucht Frieden und jagt ihm nach« (Psalm 34,15) erinnert uns alle daran. Dieser Friede ereignet sich, wenn ihr auch im Gegenüber mit anderer Überzeugung den Bruder und die Schwester seht und achtet. Bittet Gott um Kraft dafür.
Sucht Gottes Nähe – allein und zusammen mit anderen in der Gemeinde. Dankt ihm für all das, was er euch durch unsere Kirche geschenkt hat: für tragende Gemeinschaft und tiefe Glaubenserfahrungen. Überlasst ihm eure aufgewühlten Gedanken, eure Hoffnungen und euren kleinen Glauben, dass aus allem doch noch etwas Gutes werden kann. Betet dafür, dass Gott uns als Kirche einen Weg führt, auf dem wir ein glaubhaftes Zeugnis der Frohen Botschaft sein können. Danken, ablegen, bitten – vielleicht macht ihr diesen Dreischritt zur Grundlage eures täglichen Gebetes in der kommenden Zeit. Ich werde es jedenfalls für mich so praktizieren.

Übrigens: Die Vertrauensübung, uns selbst und unsere Kirche Gott zu überlassen, ist mit der Entscheidung der Generalkonferenz nicht beendet. Ich bete dafür, dass wir dranbleiben und den »methodistischen Weg, Kirche zu sein«, wie David N. Field ihn beschrieben hat, vertrauensvoll gemeinsam weitergehen.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, © EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Dieser Artikel ist dem EmK-Magazin »unterwegs« 4/2019 vom 17. Februar 2019 entnommen.

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Humanitäre Hilfe darf nicht missbraucht werden

Sa, 02/16/2019 - 14:33

Angesichts der problematischen Versorgungslage in Venezuela melden sich jetzt fünfzehn internationale humanitäre Hilfsorganisationen zu Wort, darunter auch die Diakonie Katastrophenhilfe aus Deutschland. In einem gemeinsamen Appell an die politischen Akteure in dem im Norden von Südamerika gelegenen Land fordern sie alle Akteure in Venezuela dazu auf, die dringend benötigte Hilfe für die Menschen nicht zum Spielball politischer Interessen zu machen.

»Es ist dramatisch, intolerabel und wirft kein gutes Licht auf beide Konfliktparteien, dass sie im Machtkampf um Venezuela humanitäre Hilfe ganz unverblümt als politisches Druckmittel einsetzen«, kritisiert Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe. Sie verletzten durch diese politische Instrumentalisierung die Neutralität und damit eines der wichtigsten humanitären Prinzipien. Außerdem nähmen sie das Leid von Abertausenden bewusst in Kauf.

Die Menschen in Venezuela sind aufgrund der sehr schlechten Versorgungslage im Land davon abhängig, dass lebenswichtige Güter nach Venezuela gelangen können. Lokale Initiativen seien sehr engagiert, brauchten aber neutrale und unabhängige Unterstützung von außen, »denn allein werden sie den akuten Versorgungsengpass im Land nicht beseitigen können«, sagt Füllkrug-Weitzel. Nur durch strikte Neutralität und Unabhängigkeit der Hilfsangebote aus dem Ausland kann das Argument der politischen Einflussnahme entkräftet werden. Deshalb sei der von den Hilfsorganisationen an alle Akteure gerichtete Appell so dringend.

Zu Situation: Seit drei Jahren verschlechtert sich die politische, wirtschaftliche und soziale Situation in Venezuela zunehmend. Große Teile der Bevölkerung können sich keine Lebensmittel mehr leisten, sofern diese überhaupt noch verfügbar sind. Etwa 2,4 Millionen Menschen sind in den letzten fünf Jahren wegen der verheerenden Lage aus Venezuela geflohen, die meisten von ihnen in die direkten Nachbarländer. Etwa ein Drittel der Flüchtlinge sucht Schutz in Kolumbien, das sich selbst noch nicht von den Folgen des jahrzehntelangen Bürgerkriegs erholt hat. Dort unterstützt die Diakonie Katastrophenhilfe mit ihren lokalen Partnern die Flüchtlinge an der Grenze zu Venezuela. Häufig kommen die Menschen vollkommen mittellos in Kolumbien an und erhalten zunächst finanzielle Hilfe, um sich Lebensmittel und dringend benötigte Hygieneartikel kaufen zu können. Vor allem Frauen und Kinder sind auf der Flucht besonders gefährdet. Die Frauen bekommen soziale und juristische Beratung. Traumatisierte Kinder werden psychologisch betreut.

Bildnachweis: Diakonie Katastrophenhilfe

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Zur Information
Die Evangelisch-methodistische Kirche unterstützt den Spendenaufruf der Diakonie Katastrophenhilfe.
Bitte versehen Sie Ihre Spende mit dem Stichwort »Venezuela«.
Ergänzen Sie im Verwendungszweck die Nummer 5000032. Diese Nummer ist der EmK zugewiesen, wodurch jede Spende automatisch der »Spendenherkunft aus der EmK« zugeordnet wird.
Kontonummer (IBAN) der Diakonie Katastrophenhilfe: DE68520604100000502502

»Tue Gutes und rede darüber«

Fr, 02/15/2019 - 06:31

Im Herbst vergangenen Jahres startete Denise Courbain in ihre neue Aufgabe als Referentin für diakonische und gesellschaftspolitische Verantwortung für die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) in Deutschland. Nach einem halben Jahr Einarbeitungszeit fand jetzt in der evangelisch-methodistischen Kirchenkanzlei in Frankfurt am Main die erste Auswertung statt. Dazu trafen sich mit der Stelleninhaberin der für Deutschland zuständige Bischof der EmK, Harald Rückert, und zwei Personen von »Brot für die Welt«, einem deutschen Entwicklungswerk evangelischer Kirchen, das die Stelle mitfinanziert, sowie vier weitere Personen aus verschiedenen Arbeitsbereichen der EmK. 

Wer versteht wird nachhaltig leben

Nach acht Jahren in dieser Aufgabe war Pastor Hans Martin Renno, Courbains Vorgänger, im vergangenen Jahr wieder in den Gemeindedienst zurückgekehrt. In seiner Nachfolge hatte die zuletzt im baden-württembergischen Backnang als Lokalpastorin wirkende Religions- und Sozialpädagogin eine zu großem Umfang angewachsene Arbeit übernommen. »Es geht um die Unterstützung vor Ort«, fasste Uta Brux, die für Brot für die Welt bei der Auswertung zugegen war, die Aufgabenstellung prägnant zusammen. Mit dieser Aussage reduzierte sie das so umfangreich erscheinende Arbeitsgebiet zielgerichtet auf den konkreten Nutzen für die Gemeindearbeit vor Ort. Aus Sicht der Projektstellen-Förderung sei das Augenmerk wesentlich auf Bildungsarbeit zu richten. Damit könne Einsicht bewirkt werden. Es sei wichtig, den Menschen in den Gemeinden verständlich zu machen, inwiefern ihr Verhalten mit globaler Gerechtigkeit zu tun hat und dass davon »besonders die Länder des globalen Südens betroffen sind«. Die von Courbain beschriebenen Aktivitäten mit Kontakten in die verschiedenen EmK-Regionen sowie die Weitergestaltung des vom Vorgänger geschaffenen Kontakt-Netzwerks seien dafür die Grundvoraussetzung.

Mehr-Stufen-Modell für Gemeinden in Planung

Brux bestärkte Courbain in ihrem vorgelegten Ansatz, das Thema der gesellschaftspolitischen Verantwortung für Gemeinden und die Menschen in den Gemeinden so konkret wie möglich zu machen. Die von Courbain angedachte Verstärkung »ökofairer« Verhaltensmuster durch ein möglichst einsichtiges und leicht in den Gemeinden anwendbares Mehr-Stufen-Modell fand in der Auswertung der ersten Arbeitsphase besondere Aufmerksamkeit. Martina Faseler, die andere für Brot für die Welt anwesende Mitarbeiterin und dort für das Projekt »Zukunft Einkaufen« im Fachbereich Nachhaltige Entwicklung zuständig, betonte gerade diesen für die Umsetzbarkeit in den Gemeinden sehr wichtigen Aspekt. Auch Stefan Weiland, für die EmK-Kontaktstelle Umweltmanagement im Beirat tätig, bestätigte, dass der Basisbezug für nachhaltige Veränderungen im Konsumverhalten nicht vernachlässigt werden dürfe.

Kleine Erfolge geben Mut für größere Schritte

Das angedachte Stufenmodell soll schneller als die umfangreiche Zertifizierung mit dem »Grünen Gockel« in den Gemeinden zu erfahrbaren Erfolgen führen. Dazu gehörten Maßnahmen für den Einkauf von Materialien, Putzmitteln, Geräten und Zubehör unter »ökofairen« Gesichtspunkten. Weitere Aspekte seien die Anregung zu Tauschbörsen, Reparatur-Café-Angebote oder Kinderkleider-Basare. Wenn diese ersten Schritte umgesetzt sind, wagten Gemeinden sich dann eher auch an die Zertifizierung zum »Grünen Gockel«, ist Weiland überzeugt.

Wie kann Nachhaltigkeit jugendgemäß kommuniziert werden?

Angedacht sind Überlegungen, wie die jüngere Generation stärker für die Herausforderungen nachhaltiger Verhaltensweisen herangeführt werden könnten. »Ich bin dafür auf der Suche, wie ich dafür mehr in den Sozialen Medien aktiv werden kann«, erklärte die 39-Jährige, die zusammen mit ihrem Mann vier Kinder erzieht. Sie wolle junge Menschen gewinnen, um kurze Videofilme zu drehen, in denen das Thema Nachhaltigkeit auf jugendgemäße und kurzweilige Art ins Gespräch gebracht werden könne.

Ruf zum Glauben und Bewahrung der Schöpfung gehören zusammen

Bischof Harald Rückert freut sich, dass mit Denise Courbain eine Person für die Aufgabe gewonnen werden konnte, die eine gemeindepädagogische Ausbildung mitbringt. »Das ist hilfreich, um das wichtige Thema in den Gemeinden ins Gespräch zu bringen«, ist Rückert überzeugt. Weil sich die Themen Ökologie und Nachhaltigkeit immer stärker mit den Fragen nach Gerechtigkeit und Frieden weltweit verbinden, müssten sich die Gemeinden dieser Herausforderung unbedingt stellen. »Der Ruf zum Glauben an Jesus Christus und das Ringen um Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung sind zwei Seiten ein und derselben Medaille«, betont der Bischof. Das dürfe nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Lob muss auch Kritik aushalten

In einem Resümee lobte Uta Brux von Brot für die Welt das von Hans Martin Renno in Gang gebrachte und in der Kürze der Zeit von Denise Courbain bereits weiterentwickelte nachhaltige Engagement in der EmK. Eine echte Auswertung müsse neben Lob aber auch Kritik aushalten, ergänzte sie und zielte damit auf die ausbaufähige Auffindbarkeit des Nachhaltigkeitsengagements innerhalb der deutschen Internetpräsenz der EmK. »Die EmK ist schon so weit mit ihren nachhaltigen Anstrengungen. Das sollte besser öffentlich gemacht werden«, kritisierte sie die nur mühsam recherchierbaren Angebote und Nachrichten. Dazu gehörten neben der leichten Kontaktmöglichkeit zur Referentin für diakonische und gesellschaftspolitische Verantwortung auch die Angebote aus diesem Aufgabenbereich, die bereits zweite Fortbildungsmaßnahme zum Umweltauditor, die Zertifizierung der Kirchenkanzlei in Frankfurt mit dem »Grünen Gockel« und weitere nachhaltige Angebote und Engagements in Deutschland. Der altbekannte Satz »Tue Gutes, und rede darüber« könne diese so wichtige Arbeit noch stärker in die Öffentlichkeit tragen und die Gemeinden der EmK zu weiterem Engagement animieren, ist Brux überzeugt.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Erster Rundbrief von Denise Courbain
Fortbildung zum Umweltauditor – Anmeldeschluss Anfang März
Schöpfungsleitlinien und Umweltbericht der Kirchenkanzlei

Seiten

Öffnet das Internetangebot des Bethanien-Bethesda-Verbunds in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot des EmK-Bildungswerks in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot des Evangelisationswerks in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot des EmK-Frauenwerks in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot der Fachgruppe Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot des EmK-Kinderwerks in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot von Martha-Maria in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot der Evangelisch-methodistischen Kirche in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot von radio-m in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot der Theologischen Hochschule Reutlingen in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot der Emk-Weltmission in einem neuen  Fenster. Öffnet das Internetangebot der EmK-Jugend in einem neuen Fenster.
Copyright © EmK Friedrichsdorf, Wilhelmstr. 28, 61381 Friedrichsdorf | 06172-74033 | friedrichsdorf@emk.de | Konto: IBAN: DE59512500000020092432 BIC: HELADEF1TSK