Neues aus der EmK

Neues aus der EmK Feed abonnieren
Aktualisiert: vor 1 Stunde 14 Minuten

Friedensstifter sein mit Einsatz und Ausdauer

Sa, 12/29/2018 - 07:46

»Suche Frieden und jage ihm nach« lautet die Jahreslosung für das Jahr 2019. Mit einer kurzen Videobotschaft zu diesem Wort aus Psalm 34 Vers 15 wendet sich Harald Rückert, der Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland, an die EmK-Gemeinden in Deutschland.

Das kurze Bibelwort sei »herausfordernd aktuell und programmatisch« und formuliere, wozu Christen berufen seien. »Mit Einsatz und Ausdauer« sollten auch die Menschen der Evangelisch-methodistischen Kirche Friedensstifter sein. Die Gesellschaft brauche dringend solche Menschen des Friedens. Angesichts von Ausgrenzung und Scharfmacherei habe es die Wahrheit schwer. Deshalb, so Rückert weiter, brauche es »Beharrlichkeit, geistliche Klarheit und ein unerschrockenes Herz«, um in dieser Welt einen Beitrag zum Frieden einbringen zu können.

Auch in der Kirche müsse die Erinnerung zum Frieden gehört werden. Trotz unterschiedlicher Meinungen und Überzeugungen sei es wichtig, einander nichts Böses zu unterstellen und Polarisierungen zu vermeiden. Dazu gehöre, einander aufmerksam und ehrlich zuzuhören und durchaus in der Sache engagiert ringen, aber ohne das Gegenüber zu verletzen. Für die Evangelisch-methodistische Kirche sei dieses Bibelwort ein Hinweis für die »Zerreißprobe, in der wir derzeit als Kirche stehen«. Im Vorfeld und im Nachgang zur im Februar in den USA tagenden Generalkonferenz und der dort anstehenden Entscheidungen hinsichtlich der Fragen zur Homosexualität und damit verbundener kirchenrechtlicher Konsequenzen »brauchen wir Menschen des Friedens unter uns«, betont Rückert.

Einfach und bequem sei diese Aufforderung zum Frieden nicht. Die Herausforderungen in Gesellschaft und Kirche seien groß. »Trotzdem«, so ist Rückert überzeugt, »sind wir genau dazu berufen: Im Namen Gottes sollen wir Friedensstifter sein und Botschafter der Versöhnung.«

Bildnachweis: Ausschnittfoto aus der Videobotschaft

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Video in hoher Auflösung
Video in niedriger Auflösung
(Zum Anschauen anklicken; zum Herunterladen mit rechter Maustaste klicken und im Menü »speichern unter« auswählen.)
Video auf YouTube anschauen

Zur Information
Wöchentliche Gebetsanregungen und Andachten im Internet
Mit einer Auslegung der Jahreslosung eröffnet der Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche die Gebetsanregungen auf der EmK-Internetseite www.ichbetefürmeinekirche.de. Dort werden wöchentlich aus jeweils einem der Arbeitsbereiche der EmK eine Kurzandacht zum biblischen Wochenspruch und kirchliche Gebetsanliegen veröffentlicht. Die Seite ist so angelegt, dass sie als persönliche Internet-Startseite verwendet werden kann, um sich regelmäßig ans Gebet für kirchliche und andere Anliegen erinnern zu lassen. Außerdem stehen die Gebetsinformationen zum Herunterladen im DIN-A4-Format zur Verfügung, um in den Gemeinden für Gebetsgruppen eingesetzt zu werden. Das Angebot gibt es seit sechs Jahren und wird mit der Unterstützung eines Übersetzerteams auch in englischer Sprache zur Nutzung in den EmK-Migrantengemeinden zur Verfügung gestellt. Die statistische Auswertung der Seite zeigt, dass die Seite gut genutzt wird.

Im Schatten der Reformation

Fr, 12/28/2018 - 08:25

Zu den aus methodistischer Sicht enttäuschenden Erkenntnissen des 2017 opulent gefeierten Reformationsjubiläums zählt die Beobachtung, dass die Freikirchen im öffentlichen Bewusstsein wenig präsent sind und ihre Rolle als kaum gesellschaftsrelevant eingeschätzt wird. Das gängige Bild der deutschen Kirchenlandschaft ist jedenfalls nicht bunt, sondern zweifarbig: Man ist entweder römisch-katholisch oder evangelisch-landeskirchlich.

Perspektivwechsel

Welche historischen Ursachen dieser verengte Blickwinkel hat und welche Aufgaben sich daraus für das kirchliche Miteinander heute ergeben, beschreibt Karl Heinz Voigt in seinem Buch. Auf 380 Seiten entwirft er das Panorama einer fünfhundertjährigen Kirchengeschichte aus der Perspektive jener Glaubensgemeinschaften, die von einem unduldsamen Protestantismus lange verfolgt, bekämpft, ja sogar ausgelöscht wurden. Dieser Perspektivwechsel war längst überfällig, denn die Dominanz der »großen« Kirchen hat auch die Kirchengeschichtsschreibung oft einseitig gewichtet.

Einmal mehr erweist sich Voigt als ungemein kenntnisreicher Autor, der kein trockenes akademisches Lehrbuch vorlegt, sondern Erfahrungen aufgreift, die viele Methodisten von den Gründungsgeschichten ihrer Gemeinden her kennen: die Verunglimpfung als Sektenanhänger, die polizeiliche Überwachung von Versammlungen, das verweigerte Singen und Beten bei Begräbnissen. Sie sind indes nur ein Teil dessen, was als Geschichte »im Schatten der lutherischen Reformation« dargestellt wird. Von den unterdrückten Waldensern, Hussiten und Mennoniten spannt Voigt den Bogen über die Kontrolle pietistischer Zirkel bis zu den beargwöhnten Anfängen des Methodismus, Baptismus und anderer Freikirchen im 19. Jahrhundert und lässt auch Geschichte und Gegenwart der ökumenischen Bewegung nicht außer Acht.

Warum der Ausschluss von Minderheiten?

Als entscheidend für die Verweigerung religiöser Vielfalt identifiziert Voigt den Westfälischen Frieden, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendete. Dieser legitimierte das katholische, lutherische und reformierte Bekenntnis und schloss zugleich alle Andersgläubigen aus. Welch fatale Folgen dies hatte und mit welcher Härte kirchliche Machthaber gegen Minderheitsbekenntnisse vorgingen, illustriert Voigt an vielen Beispielen. Er beleuchtet aber auch die Nischen, in denen Religionsverfolgte unter dem Schutz liberaler kleinerer Landesfürsten ihre Frömmigkeit entfalten konnten, seien es die Mennoniten in Krefeld, die Waldenser in Hessen-Homburg oder Zinzendorfs Brüdergemeine in der Wetterau.

Dass selbst die bürgerliche Vorstellungswelt des 19. Jahrhunderts keine grundlegende Besserung für die Minderheitenkirchen bedeutete, arbeitet Voigt ebenso prägnant heraus wie den beschwerlichen Weg, den die ökumenische Bewegung seit den 1920er-Jahren gegangen ist, um Feindschaft und Misstrauen zwischen Landes- und Freikirchen zu überwinden. Dass es hier wichtige Erfolge gab, belegt die Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft zwischen der Evangelisch-methodistischen Kirche und den Evangelischen Kirchen in Deutschland seit nunmehr drei Jahrzehnten.

Ein Fazit

Insgesamt kommt Voigt zu dem Schluss, dass verweigerte konfessionelle Vielfalt stets kirchliche und gesellschaftliche Verluste nach sich zog. Man darf das Buch daher nicht nur als Ertrag langjähriger Forschungen lesen, sondern auch als Plädoyer eines engagierten Ökumenikers für zwischenkirchliche Begegnungen »auf Augenhöhe«. In diesem Sinne verspricht Voigts verdienstvolles Werk eine gewinnbringende Lektüre für kirchengeschichtlich Interessierte, aber auch Impulse für den pastoralen Dienst und die vielen interkonfessionellen Gesprächsmöglichkeiten im beruflichen und privaten Umfeld. Denn der Umgang mit denen, die »anders glauben«, ist und bleibt für jeden Christen eine Herausforderung.

Bildnachweis: Vandenhoeck & Ruprecht (Buchtitel); Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit (Voigt)
Dieser Artikel ist dem EmK-Magazin »unterwegs« 25/2018 vom 9. Dezember 2018 entnommen.

Der Autor
Dr. Michael Wetzel ist Historiker und leitet die Studiengemeinschaft für Geschichte der Evangelisch-methodistischen Kirche. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Zur Information
Karl Heinz Voigt: Kirchliche Minderheiten im Schatten der lutherischen Reformation vor 1517 bis nach 2017.
Vandenhoeck & Ruprecht 2018, 382 Seiten, gebunden, 32,99 Euro, ISBN: 978-3-8471-0803-0

Menschenrecht und Christenpflicht

Do, 12/27/2018 - 08:25

Bereits Anfang Dezember haben die Evangelischen Freikirchen Deutschlands anlässlich des 70. Jahrestags der Menschenrechtserklärung in einer Stellungnahme betont, dass der Einsatz für Menschenwürde und Freiheit unverzichtbar ist. In der Nachrichtenflaute der Weihnachtstage rückt diese Meldung das Thema noch einmal ins Blickfeld.

Ungebrochen aktuell

»Es ist ein Anliegen von ungebrochener Aktualität, sich auf die Menschenrechte zu besinnen und sie zu beachten, wenn wir uns die Entwicklungen in Europa und weltweit anschauen: Die Armut nimmt zu, Menschen werden wegen ihrer Religion verfolgt, eigene Interessen werden über den Schutz von Menschen gestellt.« Mit diesen Worten würdigte der Präsident der Vereinigung Evangelischer Frei-kirchen (VEF), Christoph Stiba, die Bedeutung der »Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte«. An deren öffentliche Erklärung vor 70 Jahren erinnerte die Freikirchenvereinigung Anfang Dezember in einer veröffentlichten Stellungnahme.

Das ganzheitliche Wohlergehen der Menschen im Blick haben

»Bedenkliche Entwicklungen im In- und Ausland, durch die Menschen in ihren elementaren Rechten – etwa Meinungs- und Pressefreiheit, Religionsfreiheit, Asylrecht – eingeschränkt werden, machen es notwendig, dass wir uns immer wieder für die Würde eines jeden Menschen stark machen«, so Stiba. Dass die Menschenrechte »einen global akzeptierten Bezugsrahmen darstellen«, sei in hohem Maße der Erklärung vom 10. Dezember 1948 zu verdanken. Die VEF-Stellungnahme beschreibt die »Menschenrechtsidee« als einen »der stärksten und wirkungsvollsten Gedanken der Gegenwart«, den es zu schützen gelte: »Unsere Solidarität, unser Einsatz und unsere Fürbitten gelten allen Menschen, denen grundlegende Menschenrechte, Würde und Freiheit vorenthalten werden.« Die Freikirchen sähen ihre Aufgabe darin, das Evangelium von der Liebe Gottes in Wort und Tat zu den Menschen zu bringen: »Dazu gehören die Einladung zum Glauben an Jesus Christus und die Sorge um unsere Welt, in der wir leben. Das Wohlergehen der Menschen ganzheitlich im Blick zu haben, ist unser Anliegen.« Deshalb seien die in der Vereinigung zusammengeschlossenen Freikirchen nicht nur dankbar für die »Allgemeine Erklärung der Menschenrechte«, sondern unterstütze auch die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung.

Doppelgebot der Liebe und Menschenrechte

Für Peter Jörgensen, den Beauftragten der Vereinigung Evangelischer Freikirchen am Sitz der Bundesregierung, stellen die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung eine Konkretisierung elementarer Menschenrechte dar: »Gemeinsam mit der Initiative ›Micha Deutschland‹ versuchen wir, ein Bewusstsein für diese wichtigen Ziele zu schaffen. Keine Armut, kein Hunger, Klimaschutz, vom sozialen Status unabhängige Bildungschancen, Gleichberechtigung und Sicherheit durch Frieden – diese Anliegen machen den Geist der Menschenrechtsidee greifbar.« Als roter Faden ziehe sich das Konzept eines globalen Gemeinwohls durch Menschenrechtserklärung und die nachhaltigen Entwicklungsziele, so Jörgensen: »Motiviert durch das biblische Doppelgebot der Liebe wissen wir uns den Menschenrechten verpflichtet.«

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Stellungnahme der VEF zur Erklärung der Menschenrechte

Zur Information
Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) wurde 1926 gegründet. Ihr gehören zwölf Mitglieds- und drei Gastkirchen an. Verschiedene Arbeitsgruppen der VEF befassen sich mit Themen wie Evangelisation und missionarischem Gemeindeaufbau, gesellschaftlicher Verantwortung, Rundfunkarbeit, Angeboten für Kinder und Jugendliche oder theologischer Aus- und Weiterbildung.
Weitere Informationen: www.vef.de.

Geschlossene Tür wird zum Segen

Mi, 12/26/2018 - 07:05

Die Kirche des Nazareners, eine in der wesleyanischen Tradition stehende Freikirche, hatte 1965 in der beim schweizerischen Schaffhausen gelegenen deutschen Exklave Büsingen eine internationale Bibelschule gegründet. Dort sollten Männer und Frauen auf die Ordination und den Dienst im Reich Gottes vorbereitet werden. Schon in den frühen 1990er-Jahren begann die Schule einen Prozess, der neben der Weiterführung des Campus in Büsingen auch die Schaffung dezentraler Studienzentren in europäischen Ländern zur Folge hatte. Diese Studienzentren sollten Männern und Frauen eine theologische Ausbildung ermöglichen, die nicht in Büsingen studieren konnten – auch weil sie der englischen Sprache nicht mächtig waren. Doch dann wurde die Bildungsstätte mit unvorhersehbaren Entwicklungen konfrontiert, die letztlich zum Entscheid führten, das Campus-Programm aus studienbezogenen, finanziellen und personellen Gründen im Sommer 2011 zu schliessen.

Die theologische Ausbildung ging und geht jedoch weiter – dezentral in heute fünfzehn regionalen Studienzentren. Als die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) in Albanien vor der Frage stand, wo ihre künftigen Pastoren eine Ausbildung in albanischer Sprache absolvieren konnten, zeigte sich im regionalen Studienzentrum der Kirche des Nazaraners für Albanien und den Kosovo eine verheißungsvolle Antwort. Mustafa Isufi, seit vielen Jahren umsichtiger und menschenzugewandter Leiter der EmK-Gemeinde in Pogradec und Mitglied des Leitungsteams der EmK in Albanien, absolvierte dort in den vergangenen Jahren das gesamte Studienprogramm. Vor einem Monat konnte er das entsprechende Diplom entgegennehmen. Die einem vollen Bachelor-Studiengang entsprechende Ausbildung war für ihn herausfordernd, musste er sie doch nebenberuflich absolvieren. Umso mehr ist der erfolgreiche Abschluss Grund zur Freude und Dankbarkeit – und Ansporn für die zwei anderen evangelisch-methodistischen Studenten aus Albanien, Florian Çela und Gjergj Lushka.

»Als Pastor wird von mir erwartet, dass ich eine Koordinationsrolle im kirchlichen Leben, in der Begleitung von Projekten sowie in der Beziehung mit den Bedürftigen übernehme. Manchmal gelingt es uns durch unseren Glauben und durch tätige Liebe, ein kleines Licht Hoffnung, Ermutigung und Liebe an andere weiterzugeben. Manchmal gelingt uns dies auch nicht. Unabhängig davon bleibt es aber meine Aufgabe, mit Menschen auf ihrem Glaubens- und Lebensweg unterwegs zu sein.« Mit dieser Überzeugung führt Mustafa Isufi seinen wertvollen Dienst in der sich erfreulich entwickelnden EmK in Albanien weiter. Dass er dabei Segensspuren hinterlassen kann, hängt auch ein wenig damit zusammen, dass sich vor Jahren in einem kleinen Dorf am Rhein eine Tür geschlossen hat.

Bildnachweis: EmK Schweiz

Quelle
Sekretariat des für die Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa und Nordafrika zuständigen Bischofs Dr. Patrick Streiff, Zürich. Kontakt: info(at)emk-schweiz.ch.

Weitere Informationen
Informationen zur EmK in Albanien

»Die Menschen jetzt nicht alleine lassen«

Di, 12/25/2018 - 06:32

Diakonie Katastrophenhilfe ruft zu Spenden für Indonesien auf
Hunderte Tote nach erneutem Tsunami

Erst vor drei Monaten war Indonesien auf der Insel Sulawesi von einem Erdbeben und anschließender Flutwelle getroffen worden. Jetzt hat es die Menschen auf Indonesien erneut getroffen. Laut aktuellen Informationen sind mindestens 370 Menschen ums Leben gekommen, über 1.400 Menschen wurden verletzt, zahlreiche werden noch vermisst. Es wird erwartet, dass die Opferzahlen in den belebten Küstenregionen noch steigen.

Besonders betroffen sind die Gebiete an der Küste der sogenannten Sundastraße. So heißt die Meerenge zwischen den Inseln Sumatra und Java. Indonesien liegt am sogenannten pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Welt. Darüber hinaus hat kein anderes Land so viele aktive Vulkane wie Indonesien. Wegen dieser geographischen Lage wird die Region immer wieder von schweren Naturkatastrophen getroffen. »Nach dem verheerenden Tsunami Ende September hat nun schon wieder eine Flutwelle unvorstellbares Leid für tausende Familien gebracht«, sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe. »Wir dürfen die Menschen jetzt nicht alleine lassen. Daher rufen wir dringend zu Spenden auf.«

Nach Angaben der indonesischen Katastrophenschutzbehörde traf der Tsunami die Menschen ohne Vorwarnung. Ursache für die Flutwelle soll der Ausbruch des Vulkans Anak Krakatau sein. Die Provinzen Lampung auf Sumatra und Banten auf Java wurden vom anschließende Tsunami schwer getroffen. In der beliebten Tourismusregion wurden zahlreiche Häuser und Hotelanlagen weggerissen und Straßen überflutet. Dass nicht noch viel mehr Tote und Verletzte zu beklagen sind, ist der Tatsache zu verdanken, dass Vulkanausbruch und Flutwelle sich am späten Abend gegen 21 Uhr ereigneten und sich daher nur verhältnismäßig wenige Menschen direkt an den Küsten aufhielten.

Auch wenn bisher wenige Informationen vorliegen, rechnet die Diakonie Katastrophenhilfe damit, dass zunächst vor allem Nahrungsmittel und Notunterkünfte gebraucht werden. Das Hilfswerk der evangelischen Kirchen steht in ständigem Kontakt mit den erfahrenen Partnerorganisationen in Indonesien und zwischenzeitlich erste Gelder für Soforthilfe bereitgestellt. »Wir werden jetzt mit unseren Partnern schnellstmöglich klären, wie wir den Menschen auf Sumatra und Java in den kommenden Tagen am besten helfen können«, sagt Michael Frischmuth, Kontinentalleiter Asien bei der Diakonie Katastrophenhilfe.

Bildnachweis: Diakonie-Katastrophenhilfe

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Sie können helfen:
Evangelisch-methodistische Kirche – Diakonie Katastrophenhilfe.
IBAN der Diakonie Katastrophenhilfe: DE68520604100000502502
Spende mit dem Stichwort »Tsunami Indonesien« versehen.
Im Verwendungszweck die Nummer 5000032 ergänzen. Damit wird die Spendenherkunft automatisch der EmK zugeordnet.

Geht ins Ohr, bleibt im Kopf, erreicht das Herz

Mo, 12/24/2018 - 07:36

Zweihundert Jahre »Stille Nacht, heilige Nacht«: Das ist die Geschichte einer weihnachtlichen Weise, um die sich viele Legenden ranken. Mancher Mythos hält sich hartnäckig. Der Popularität des Liedes tut das keinen Abbruch – es ist ein Evergreen. Während die einen es als Schmonzette bezeichnen, entdecken die anderen darin eine tiefe Sehnsucht. Weil der Klassiker polarisiert, er weltbekannt und weltbeliebt ist, gehen wir ihm nach.

Abgeschnitten vom Fortschritt und arm

Die Zeitreise führt ins österreichische Salzburger Land nach Mariapfarr im Lungau. Das tausend Quadratkilometer große Tal erreicht man heute über den Tauerntunnel beziehungsweise die Autobahn. Vor zwei Jahrhunderten hingegen ist die Gegend weitab vom Schuss: Kleine Bauerndörfer auf über tausend Meter Seehöhe, umringt von der majestätischen Kulisse der Alpen, abgeschnitten vom Fortschritt, saukalt und arm. Und dennoch mittendrin im Weltgeschehen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts herrschen in Europa erbärmliche Zustände. Ausgehend vom Sturm auf die Bastille kommt es zu den sogenannten Koalitionskriegen. Von Anfang an mit dabei ist das Haus Habsburg in Österreich. Es stellt sich mit seinen Verbündeten gegen das revolutionäre Frankreich, sympathisiert mit der Monarchie und führt über zwanzig Jahre Krieg und muss schwere Niederlagen einstecken. Französische Truppen feiern Siege, werden zu Besatzern, plündern, brandschatzen und fordern exorbitante Reparationszahlungen. Der Landstrich blutet aus: Seuchen, Verelendung, mehr Todesfälle als Geburten – das Leben gleicht einer Tortur.

Das Jahr ohne Sommer

Es kommt noch schlimmer: In Indonesien ereignet sich 1815 einer der größten Vulkanausbrüche der Neuzeit. Eine gigantische Eruption sprengt den Vulkan Tambora und erschüttert das maritime Südostasien. Im Umkreis von 1.300 Kilometern geht Ascheregen nieder; zwei ganze Tage bleibt der Himmel schwarz. Riesige Flutwellen kosten etwa zehntausend Menschen direkt das Leben.

Die globale Dimension dieser Naturkatastrophe ist enorm. Schwefelgase gelangen in die Erdatmosphäre. Aerosolwolken »schlucken« das Sonnenlicht. Weltweit kühlt das Klima ab. Europa leidet 1816 ganzjährig unter Schnee, Hagel und Dauerregen. Die wenige Saat, die aufgeht, verfault auf den Äckern. Vieh wird notgeschlachtet. Seuchen grassieren. Man mischt Sägespäne unter die Brotlaibe; vor allem in den Bergen herrscht bitterstes Elend. In und aus dieser Not entsteht das Lied »Stille Nacht«.

Der Pfarrvikar und der Arrangeur

Joseph Mohr, 1792 unehelich nahe bei Salzburg geboren: Die Mutter Strickerin, der Vater Soldat und Deserteur. Karg sind die Verhältnisse, in denen der Junge aufwächst. Umso mehr überrascht seine erstaunliche Intelligenz. Johann Nepomuk Hiernle – Salzburger Domvikar – fördert den begabten Buben, so dass er Philosophie studieren kann. Mit neunzehn Jahren beginnt er seine theologische Ausbildung im Priesterseminar in Salzburg; 1815 wird er 23-jährig zum Priester geweiht. Ausgerechnet im Heimatort seines Vaters, in Mariapfarr im Lungau, tritt er seinen Dienst an und verfasst »Stille Nacht« als Gedicht mit sechs Strophen. Inspiriert vom spätgotischen Altar-Tafelbild mit der Anbetung der drei Könige soll er den Vers »Holder Knabe mit lockigem Haar« verfasst haben.

Das Klima der unwirtlichen Gegend setzt dem jungen Mann zu. Seine Tuberkulose flammt auf, er muss ins Hospital, wechselt danach ins klimatisch mildere Oberndorf bei Salzburg. Dort trifft er auf den fünf Jahre älteren Franz Xaver Gruber. Der stammt ebenfalls aus ärmlichem Milieu: geboren 1787 in labilen Zeiten, ausgestattet mit musikalischem Talent. Dass er das Zeug zum Lehrer und Musiker hat, fällt seinem Schulmeister auf. Orgelunterricht wird ihm durch den städtischen Pfarrorganisten Georg Hartdobler ermöglicht. Er wird Lehrer unter seinem Lehrer, arbeitet als solcher als Zwanzigjähriger in Arnsdorf. Um seine Finanzen aufzubessern, hilft er als Organist in der Kirche St. Nikola zu Oberndorf aus. Mohr, der Hilfsvikar und er, der Musikus, treffen aufeinander.

Der Schlüsselmoment: Heiligabend 1818

Die Orgel in St. Nikola in Oberndorf schwächelt an Heiligabend. Warum dies so war, darum ranken sich Legenden. Am bekanntesten ist die Erzählung, dass eine Maus den Blasebalg der Kirchenorgel angeknabbert haben soll. Mit musikalischer Begleitung an Heiligabend sieht es jedenfalls mau aus. Trotzdem bittet der Geistliche Josef Mohr den Organisten Gruber um eine Vertonung für sein zwei Jahre zuvor geschriebenes Gedicht. Gruber wählt dafür den Sechs-Achtel-Takt, den zärtlich melancholischen Siciliano-Rhythmus. Seine wiegenliedähnliche Komposition in D-Dur ist angesichts der Situation für zwei Solostimmen plus Chor und Gitarrenbegleitung erdacht. Priester und Aushilfsorganist bringen das Lied am 24. Dezember 1818 erstmals zu Gehör – nach der Christmette! Mohr spielt Gitarre und singt Tenor, Gruber besetzt den Bass. »Die Ergriffenheit derer, die an der Messe teilgenommen haben, war eine echte«, erinnert er sich später. Text und volksliedhafte Weise gehen ins Ohr, bleiben im Kopf und erreichen das Herz. Dass das Lied zu Propagandazwecken umgedichtet wird, es als Friedenswunsch in Schützengräben ertönt, Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill es 1941 im Garten des Weißen Hauses singen werden – das weiß 1818 niemand. Dass es zum nationalen immateriellen Unesco-Kulturerbe in Österreich zählt, ihm eine Landesausstellung gewidmet und es entsprechend vermarktet wird, es millionenfach als Internet-Video vertreten ist oder gar verfilmt wird, ahnt ebenfalls noch niemand.

2,4 Milliarden Menschen – 350 Sprachen und Dialekte

Kleine Geste, große Wirkung: Im Zuge der Orgelreparatur von St. Nikola bittet Orgelbauer Mauraucher Kantor Gruber um die Noten. So gelangen Text und Komposition ins etwa 150 Kilometer entfernte Zillertal. »Stille Nacht« wird Teil des Programms der dortigen Sängergruppen. Ähnlich wie im böhmischen Erzgebirge verdingen sie sich als fahrende Händler und haben Tiroler Nationallieder im Gepäck. Es sind die Geschwister Strasser, die im Winter auf deutschen Märkten in Tracht musizieren, um Kundschaft anzulocken. Sie finden Gehör; die Leipziger sind begeistert. Ihre Auftritte im Telegrammstil: 1831 Weihnachtsmarkt Leipzig, 1832 Hotel de Pologne Leipzig, anschließend eine Deutschlandtour mit Stopps in Dresden, Berlin, Königsberg. Preußens König Friedrich Wilhelm IV. erklärt es zu seinem Lieblingslied; der Berliner Domchor nimmt es ins Repertoire auf. Ganz groß heraus kommt das Lied mit »The Rainer Family« aus Fügen. Überliefert ist, dass sie es vor Österreichs Kaiser Franz I. und Russlands Zar Alexander I. anstimmen. Auf Empfehlung hin bereisen sie ganz Europa, singen bei den Royals in England und touren mit den »Tyrolean Melodies« – eben Musik aus Tirol – fünf Jahre durch die USA. Von da an singt die ganze Welt: »Christ, der Retter ist da!«

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Dieser Artikel ist dem EmK-Magazin »unterwegs« 26/2018 vom 23. Dezember 2018 entnommen.

Die Autorin
Beatrix Junghans-Gläser ist Journalistin und lebt in Lößnitz. Kontakt über: redaktion(at)emk.de

Ein Lied als Türöffner

So, 12/23/2018 - 06:35

In einer Kolumne des Kirchenmagazins »Unterwegs« der Evangelisch-methodistischen Kirche erklärt Bischof Harald Rückert was ihm das Adventslied »Macht hoch die Tür« bedeutet. Die Redaktion von emk.de übernimmt diesen Artikel zum vierten Advent.

Singender Widerstand

Schon immer hat mir dieses Adventslied gefallen. Pfarrer Georg Weissel aus Königsberg schrieb es im Jahr 1623. Dazu wird eine berührende Geschichte überliefert: Ein gewisser Herr Sturgis ließ kurzerhand einen Weg versperren, der vom Armenhaus der Stadt über das Wiesengrundstück vor seinem Schlösschen zur Kirche führte. Er tat dies mit dem Hinweis, dass er die Elendsgestalten einfach nicht jeden Sonntag vor seinem Haus vorbeilaufen sehen möchte.
Am vierten Advent kam der Kurrendechor zu Sturgis’ Haus. Zahlreiche arme und gebrechliche Leute aus dem Heim hatten sich den Sängern angeschlossen. Vor dem abgesperrten Gartentor des Geschäftsmannes hielt Weissel eine kurze Predigt. Mit großem Ernst sprach er von der hochmütigen Verblendung, mit der viele Menschen dem König aller Könige, der ja auch das Kind in der Krippe sei, die Tore ihres Herzens versperrten, so dass er bei ihnen nicht einziehen könne. Mit erhobener Stimme wurde er sehr konkret: »Und heute, lieber Herr Sturgis, steht er vor eurem verriegelten Tor. Ich rate euch, ich flehe euch an bei eurer Seele Seligkeit, öffnet ihm nicht nur dieses sichtbare Tor, sondern auch das Tor eures Herzens und lasst ihn demütig mit Freuden ein, ehe es zu spät ist.«
Er hatte das letzte Wort noch nicht ausgesprochen, als der Chor das neue Lied zu singen begann: »Macht hoch die Tür, die Tor macht weit …« Noch bevor die letzten Töne des Liedes verklungen waren, griff Sturgis in seine Tasche, kramte den Schlüssel hervor und öffnete das Tor. Die Bewohner des Armenhauses hatten ihren kurzen Weg zur Kirche wieder. Noch lange Zeit wurde er »Adventsweg« genannt.

Gott hat Tore und Türen des Himmels aufgerissen

So kann es also gehen mit einem Adventslied. Es öffnet die Herzenstür eines Menschen und dadurch eröffnen sich Wege für andere Menschen. Mich berührt diese Geschichte. Umso mehr, als in den zurückliegenden Monaten immer ungenierter über Zäune, Tore und Mauern in Europa und anderen Stellen der Welt geredet wird, um das Flüchtlingselend aus unserem Blickfeld zu verbannen. Wie klar ist demgegenüber die Botschaft des Liedes!
Weihnachten steht vor der Tür. Wir feiern, dass Gott sämtliche Tore und Türen des Himmels aufgerissen hat, um uns ganz nahe zu kommen. In einer Notunterkunft, unter ärmlichen Umständen, kam Jesus auf die Welt. Bald danach befanden sich seine Eltern mit ihm aus Angst um Leib und Leben auf der Flucht.
Als Christen sind wir Gefolgsleute dieses Gottes. Möge uns diese Botschaft neu ergreifen, erfüllen und bewegen. Gesegnete Weihnachten!

Bildnachweis: Volker Kiemle, © EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Dieser Artikel ist dem EmK-Magazin »unterwegs« 26/2018 vom 23. Dezember 2018 entnommen.

Der Autor
Harald Rückert ist Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Der Dienstsitz ist in Frankfurt am Main. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Vereinigt um zu einen

Sa, 12/22/2018 - 08:00

Die Geburtsstunde der Evangelisch-methodistischen Kirche, die sich aus den beiden Vorgängerkirchen Methodistenkirche und Evangelischer Gemeinschaft vereinigte, liegt fünfzig Jahre zurück. Im Rückblick auf dieses Ereignis fand in der Theologischen Hochschule Reutlingen (THR) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) Ende November ein Vortragsabend statt. Zwei Experten von diesseits und jenseits des Atlantiks waren Referenten dieses Abends. Als Hauptreferent war der Generalsekretär der Internationalen Kommission für Geschichte und Archivwesen der Evangelisch-methodistischen Kirche, Alfred T. Day, aus Madison im US-Bundesstaat New Jersey angereist. Er brachte die amerikanische Perspektive der Kirchenvereinigung ein. Aus deutscher Sicht referierte der im Ruhestand in Tübingen lebende ehemalige Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland und vormalige Dozent und Rektor des damaligen Theologischen Seminars in Reutlingen, Dr. Walter Klaiber. Vom Vortragsabend berichtet die Reutlinger Theologiestudentin Janina Schmückle.

Wenn vom Jahr 1968 die Rede ist, verbinden viele damit recht schnell den Vietnamkrieg, die Hippie-Bewegung oder die Ermordung Martin Luther Kings. Wie viele aber – auch aus der Evangelisch-methodistischen Kirche – würden mit diesem geschichtsträchtigen Jahr aus dem Stegreif und außerhalb des Erinnerungsjahres die Geburtsstunde der Evangelisch-methodistische Kirche verbinden? Inzwischen sind es wohl nicht mehr so viele, denen dieses Ereignis wirklich im Bewusstsein ist. Ein Grund mehr, im Jahr 2018 auf »50 Jahre Kirchenvereinigung« zurückzublicken.

Vereinigung zieht Versöhnungsarbeit nach sich

Alfred Day, der aus den USA angereiste Hauptreferent des Vortragsabends, hob in seinem Vortrag besonders auf das englische Wort »united« ab. In der englischsprachigen Kirchenbezeichnung »United Methodist Church« ist die »Vereinigung« betont und damit im Namen dauerhaft als »vereinte« Kirche erinnert. Der symbolträchtige Akt dieser Vereinigung hatte am 23. April 1968 in Dallas, im US-Bundesstaat Texas stattgefunden. Doch die Kirchenvereinigung sei mehr als nur ein feierlicher Akt gewesen. Was genau sich hinter dem Namensbestandteil »united« (vereint) verberge, erläuterte Day anhand eines kurzen historischen Rückblicks.
»United« bedeute die Vereinigung der Vorläuferkirchen mit ihren verschiedenen Verwurzelungen im deutschen Pietismus und der englischen Erweckungsbewegung. »United« meine aber noch mehr als die Zusammenführung verschiedener kirchlicher Traditionen. In den USA bedeutete das zugleich die Auflösung der afro-amerikanischen Zentralen Jurisdiktionalkonferenz, die 1939 aus rassistischen Motiven separiert wurde. Bis heute sei immer noch Versöhnungsarbeit zu leisten und in Erinnerung zu rufen, welche Bereicherung gerade die afro-amerikanischen Geschwister für die Vereinigung darstellten, erklärte Day. Schließlich sei die Vereinigung auch Ergebnis und Ausdruck der Leidenschaft vieler Menschen, die trotz unterschiedlicher ethnischer Herkunft, Kultur und Sprache die Erfahrung der Liebe Gottes in Jesus Christus teilen und die Früchte des Heiligen Geistes leben.

Kirche in turbulenten Zeiten

Von Beginn an sah sich die frisch vereinigte Evangelisch-methodistische Kirche großen Herausforderungen ausgesetzt. Bürgerrechtsbewegungen, Kalter Krieg, eine wachsende evangelikale Bewegung und gleichzeitig eine Liberalisierung der Lehrmeinungen sowie gesellschaftliche Umbrüche in Fragen zu Ehe oder Sexualität stellten die Frage, wie verbunden die neue Kirche in solch turbulenten Zeiten sein könne. Diese Frage stellte Day in den Raum und nannte daraufhin verschiedene Bewegungen, die aus den vielen Herausforderungen der zurückliegenden fünfzig Jahre entstanden sind. Dazu gehörten Bewegungen zur Befreiung aus Armut und aus der Dominanz einzelner traditioneller Gesellschaftsmodelle sowie die Bewegung des politischen und gesellschaftlichen Engagements in der Flüchtlingskrise angesichts eines zunehmenden Neo-Nationalismus.
Damit schlug Day den Bogen zu Gegenwart und Zukunft. Der fünfzigste Geburtstag der geeinten Kirche könne eigentlich Anlass zum Jubeln geben. Stattdessen, so Day weiter, nehme er eine Stimmung des Auseinanderbrechens, der Angst und der Nervosität wahr. In diesen turbulenten Zeiten, denen die weltweite Evangelisch-methodistische Kirche ausgesetzt sei, dürfe man sich nicht nur an alten Ordnungen und Strukturen orientieren. Vielmehr solle diese Kirche offen sein für die vielleicht größte Gabe des Heiligen Geistes: Kreativität. Im Vertrauen auf diesen Geist könne die Evangelisch-methodistische Kirche eine Kirche sein, die lebt und wächst, indem sie als vereinigte Kirche einend wirkt, durch tiefe Reue eine Erlösung bringende Kirche ist und indem sie durch Christus geprägt Gottes siegreichen Kampf für die Menschheit bezeugt.

Hoffnung auf missionarischen Durchbruch

Der zweite Referent des Abends, Walter Klaiber, war zur Zeit der Kirchenvereinigung von Methodistenkirche und Evangelischer Gemeinschaft in Deutschland Assistent an der Theologischen Fakultät der Universität in Tübingen. Die 68er-Bewegung übte in Deutschland Einfluss auf die Kirche aus ähnlich der Ereignisse in den USA. Der Drang nach Veränderung sei groß gewesen, während gleichzeitig eine Annäherung an die Volkskirchen stattgefunden habe, die laut Klaiber nicht nur positive Folgen hatte. Moderne liberale theologische Strömungen hätten auch die methodistische Theologie beeinflusst, weshalb es infolgedessen 1971 zu einem radikalen Umbruch am Theologischen Seminar in Reutlingen gekommen sei. Basierend auf diesem geschichtlichen Rückblick und persönlichen Erinnerungen stellte Klaiber die aus seiner Sicht grundlegende Frage, ob die kirchliche Vereinigung zu einer neuen kirchlichen Identität geführt habe. Die Vereinigung habe nicht, wie erwartet, zu einem missionarischen Durchbruch geführt. Vielmehr hätte die Evangelisch-methodistische Kirche das traurige Schicksal vieler vereinigter Kirchen geteilt, nämlich den Rückgang von Gliederzahlen. Die Gründe dafür sieht Klaiber in verschiedenen Faktoren. Maßgeblich sei, dass Vereinigungen meistens nicht in Erfolgszeiten stattfänden, sondern eher in Krisenzeiten.

Suche nach kirchlicher Identität

Außerdem beanspruche eine Vereinigung viele Kräfte für Strukturfragen und erschwere so die nötige Findung einer klaren Identität. Gerade das Fehlen eines eindeutigen markanten Profils erleichtere zwar ein ökumenisches Miteinander, biete vielen Suchenden aber keine klare Alternative zur Volkskirche. Allerdings habe die Vereinigung auch Positives bewirkt. Dazu gehöre, so Klaiber, die »kritisch-konstruktive« methodistische Wesley-Forschung, die zu einer klaren theologischen Fundierung geführt habe. Gerade sie habe im theologischen Denken und in der Verkündigung in eine neue Weite geführt, was Klaiber »als Geschenk« der Vereinigung betrachtet. Vor allem auf dem Papier habe die EmK ein eigenes, geprägtes theologisches Profil. In der Praxis jedoch scheine der ganzheitliche Anspruch an die Kirche, den Day zum Schluss seines Vortrags zitiert hatte, schwer umzusetzen zu sein. Seit der Kirchenvereinigung habe sich vieles getan, »aber«, so fragte Klaiber, »wissen wir heute noch, was der wesleyanische Grundauftrag ›Seelen zu retten‹ konkret bedeutet?« Die Frage nach einer neuen kirchlichen Identität beantwortete Klaiber am Ende seines Vortrags selbst: »Als Evangelisch-methodistische Kirche haben wir ein wichtiges Erbe, das nicht verwaltet, sondern für andere gelebt werden sollte.« Diese Aussage aufgreifend erwiderte Day: »Dieses Erbe, das sind Menschen, die ihren persönlichen Glauben in Gemeinschaft und in der sozialen Heiligung leben. Dort hin sollten wir zurückkommen, dann werden wir wieder wachsen.«

Bildnachweis: privat

Die Autorin
Janina Schmückle ist Studentin der Theologie im Master-Studium an der Theologischen Hochschule Reutlingen. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Gesprächsstoff

Mo, 12/10/2018 - 07:32

Vor kurzem hat sich das Kirchenmagazin »unterwegs« der Evangelisch-methodistischen Kirche ausführlich mit der Debatte über Homosexualität in der Evangelisch-methodistischen Kirche befasst. Seither gibt es viel zu besprechen. Das zeigen auch die Leserbriefe, die seither in der Redaktion von »unterwegs« eintreffen. Bischof Harald Rückert versucht in der Ausgabe des Kirchenmagazins vom 9. Dezember auf Fragen einzugehen, die den Inhalt und die Tragweite der drei möglichen Lösungen betreffen.

Derzeit wird in unseren Gemeinden viel über das Thema Homosexualität gesprochen. Es ist gut, miteinander zu sprechen. Es ist nötig, einander gut zuzuhören. Es ist verheißungsvoll, gemeinsam zu beten und zu fasten – besonders auch mit den Menschen, die anders denken als wir.

Drei vieldiskutierte Modelle

Um einen gemeinsamen Weg für die Zukunft der Evangelisch-methodistischen Kirche auch in den Fragen um die Homosexualität zu ermöglichen, hat der Bischofsrat unserer Kirche im Mai dieses Jahres eine Vorlage an die außerordentliche Generalkonferenz auf den Weg gebracht. Darin wird eines der drei Modelle empfohlen und zwei weitere beschrieben. Seither werden diese Modelle natürlich auch in den Gemeinden diskutiert. Lassen Sie mich als Bischof einige Hinweise geben, die uns gegenseitig zum besseren Verständnis helfen. Die detaillierte Beschäftigung mit den Modellen wird vorrangig die Aufgabe der Generalkonferenzdelegierten sein. Sie werden sich inhaltlich ganz konkret und sehr intensiv damit auseinanderzusetzen haben. Trotzdem ist es gut, wenn die drei Modelle in ihren wesentlichen Inhalten bekannt sind. Deshalb will ich sie kurz und bündig zu erklären versuchen:

Der sogenannte »Traditionalist Plan«

Viele meinen, mit der Entscheidung für dieses Modell bleibe alles, wie es bisher war. Das ist ein Missverständnis. Richtig ist vielmehr: Im Kern zielt dieses Modell auf eine harte und konsequente Umsetzung der Kirchenordnung bei allen Fragen rund um Homosexualität. An der »traditionellen Sichtweise« der bisherigen Kirchenordnung wird nicht nur festgehalten, sondern es werden noch zahlreiche weitere Paragraphen hinzugefügt. Dabei geht es um sehr detaillierte Vorgaben zur Ahndung von Vergehen. Es werden konkrete Verpflichtungserklärungen abverlangt, disziplinarische Maßnahmen einschließlich Kirchengerichtsverfahren bei Verstößen werden exakt beschrieben, und es werden Regelungen formuliert, wie diejenigen die Kirche verlassen können, die diese Verschärfungen nicht billigen. Alle Personen im ordinierten pastoralen und bischöflichen Dienst sowie alle Jährlichen Konferenzen, die sich auf diese erweiterte und verschärfte Ordnung nicht schriftlich verpflichten lassen, müssen bis Ende des Jahres 2020 die Evangelisch-methodistische Kirche verlassen. Danach dürfen sie den Kirchennamen nicht mehr verwenden.

Der sogenannte »One Church Plan«

Viele meinen, mit der Entscheidung für dieses vom Bischofsrat empfohlene Modell werde künftig alles ausdrücklich erlaubt. Die Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften und die Ordination homosexueller Menschen werde dann zum neuen und für alle verpflichtenden Standard in der Praxis der Kirche. Das ist ein Missverständnis. Richtig ist vielmehr: Aus der bisherigen Kirchenordnung sollen die wenigen Formulierungen gestrichen werden, die praktizierte Homosexualität ausdrücklich verurteilen und in denen die disziplinarischen Maßnahmen beschrieben sind, wenn eine Pastorin oder ein Pastor dagegen verstößt. Einige Abschnitte werden eingefügt, die ausdrücklich sicherstellen, dass niemand im ordinierten pastoralen und bischöflichen Dienst dazu gedrängt werden darf, gegen die eigene Überzeugung zu handeln. Niemand muss seine eigene Überzeugung in diesen Fragen ändern, um zur Evangelisch-methodistischen Kirche gehören zu können. In unserer Kirche sollen Menschen mit »traditioneller Sichtweise « und solche mit einer »anderen Sicht« gleichberechtigt ihren Platz haben. Abstimmungen der Jährlichen Konferenzen können erfolgen, müssen aber nicht.

Der sogenannte »Connectional Conferences Plan«

Dieses Modell sieht vor, dass sich in den USA drei methodistische Konferenzen formieren, die nicht mehr geographisch orientiert sind. Das wesentliche Kriterium dieser Neuformierung ist die Haltung zum Thema Homosexualität. Dieses Modell würde zu je einer Konferenz mit konservativer und mit liberaler Ausrichtung sowie zu einer beide Ausrichtungen verbindenden Konferenz führen. Jede dieser Konferenzen kann sich weitgehend eigene Ordnungen geben, inhaltliche Schwerpunkte setzen und ist finanziell eigenverantwortlich. Diese eigenständigen Konferenzen arbeiten unter einem gemeinsamen Dach, das sich »Evangelisch-methodistische Kirche« nennt. Dabei können in gewissen Bereichen gemeinsame Ressourcen genutzt werden. Außerhalb den USA können sich Jährliche Konferenzen und Zentralkonferenzen einer dieser Konferenzen in den USA anschließen. Die mit diesem Modell verbundenen strukturellen Herausforderungen sind zahlreich, kompliziert und sehr langwierig. Wie soll das Eigentum aufgeteilt werden? und Wie werden die Pensionsrücklagen verrechnet? sind nur einige der dann zu klärenden Fragen. Die daraus folgenden Klärungsprozesse werden alle Ebenen von der Generalkonferenz bis »hinunter« in Bezirke und Gemeinden betreffen. Dieses Modell enthält zudem zahlreiche Änderungen der Verfassung, über die nach der Generalkonferenz weltweit alle Mitglieder aller Jährlichen Konferenzen abstimmen müssen.

Die Bischöfe haben kein Stimmrecht

Diese drei Modelle sowie rund hundert Anträge von Einzelpersonen liegen den Delegierten der außerordentlichen Generalkonferenz im Februar zur Beratung und Beschlussfassung vor. Die oben dargestellten Modelle können also noch grundlegende Veränderungen erfahren. Was viele gar nicht wissen, aber für die Leitung der Kirche sehr bedeutsam ist: Bischöfinnen und Bischöfe haben bei Generalkonferenzen kein Rederecht und sie dürfen auch nicht abstimmen. Sie sollen die Kirche durch die Autorität des verkündigten Wortes leiten.

Gegenseitige Achtung – aufrichtige Liebe – gemeinsame Zukunft

In unserer aktuellen Kirchenordnung heißt es in den Sozialen Grundsätzen: »Wir bejahen, dass alle Menschen von heiligem Wert und nach dem Bilde Gottes geschaffen sind. Alle benötigen den Dienst der Kirche in ihrem Ringen um menschliche Erfüllung wie auch die geistliche und emotionale Fürsorge einer Gemeinschaft, die versöhnende Beziehungen zu Gott, zu Anderen und zu sich selbst ermöglicht. (…) Wir bekräftigen, dass Gottes Gnade allen Menschen gilt. Wir wollen darum in christlicher Gemeinschaft zusammenleben und einander willkommen heißen, vergeben und lieben, so wie auch Christus uns geliebt und angenommen hat. Wir flehen Familien und Gemeinden an, lesbische und schwule Kirchenglieder und Kirchenzugehörige sowie Personen aus dem Freundeskreis nicht abzulehnen oder zu verurteilen. Wir verpflichten uns zum Dienst an und mit allen Menschen.« (Art 161 G, VLO)
In dieser Haltung wollen wir uns mit den strittigen Fragen in unserer Kirche beschäftigen. Dabei ist es wichtig, die Grundzüge der drei Modelle zu kennen und sich darüber auszutauschen. Wichtiger ist aber, sich in den Gemeinden dann folgenden Fragen zuzuwenden: Was verbindet uns und hält uns zusammen? Wie gehen wir mit der Bibel um? Wie gehen wir miteinander um, wenn wir die Bibel unterschiedlich verstehen? Was macht uns als Kirche im Kern aus? Ich bin überzeugt: Wenn wir dafür Antworten in gegenseitiger Achtung und in aufrichtiger Liebe suchen, dann finden wir auch den Weg, auf dem Gott uns gemeinsam in die Zukunft führt.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Dieser Artikel ist dem EmK-Magazin »unterwegs« 25/2018 vom 9. Dezember 2018 entnommen.

Der Autor
Harald Rückert ist Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Der Dienstsitz ist in Frankfurt am Main. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
Beschreibung der drei Modelle
Artikel und Links zum 100-Seiten-Dokument über die drei Modelle 

Geschichten erzählen

Mo, 12/03/2018 - 08:40

Im kommenden Jahr feiert die Evangelisch-methodistische Kirche auf der ganzen Welt das 200-jährige Bestehenihrer Missionsgesellschaft. Dabei wird an die 1819 gegründete Missionsgesellschaft der Bischöflichen Methodistenkirche (Missionary Society of the Methodist Episcopal Church) erinnert. Außerdem wird im Rahmen der Feierlichkeiten an die 150 Jahre zurückliegende Gründung der Frauengesellschaft für Äußere Mission (Woman’s Foreign Missionary Society) erinnert, mit der die vielseitig engagierte Missionsarbeit von Frauen der Bischöflichen Methodistenkirche begann.

Erzählte Geschichten als Geschichte

Die Feierlichkeiten werden vom Internationalen Missions- und Hilfswerk (General Board of Global Ministries, GBGM) der Evangelisch-methodistischen Kirche organisiert. Laut Informationen der Organisatoren soll dabei nicht nur allgemein die Missionsarbeit im Leben der Kirche beleuchtet werden, sondern auch dazu anregt werden, »über die Bedeutung des Missionsauftrags im Leben der Gemeinden, in der Praxis der Jährlichen Konferenzen und der ganzen weltweiten methodistischen Familie nachzudenken«. Im Rahmen der Feierlichkeiten werde es zwei Schwerpunkte geben. Es sollen Missionsgeschichten über und von Menschen aus methodistischen Bewegungen aus der ganzen Welt gesammelt und vorgestellt werden. Außerdem werde im Rahmen des Jubiläums auch eine Weltkonferenz von Missionsleitern und Missionsforschern stattfinden, bei der es darum gehe, wie Gottes Stimme in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft methodistischer Missionen gehört werden könne. Jubiläum und Weltkonferenz finden vom 8. bis 10. April 2019 in Atlanta, im US-amerikanischen Bundesstaat Georgia statt.

Bildnachweis:GBGM

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Informationen zu Jubiläum und Konferenz
Einreichen von Geschichten aus der Mission als Text, Audio-Aufnahmen oder kurze Videos

Pulsschlag der Gemeinden

So, 12/02/2018 - 05:10

Im Januar jeden Jahres lädt die weltweite Evangelische Allianz zur »Internationalen Gebetswoche der Evangelischen Allianz« ein. Auftakt für die einwöchige Veranstaltungsreihe ist der 13. Januar des kommenden Jahres.

Für den Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), Hartmut Steeb, ist das gemeinsame Gebet nach wie vor der »Pulsschlag der Gemeinde«. »Wir werden nicht müde, das zentrale Thema der Evangelischen Allianz, Gebet und Einheit der Christen, von allen Seiten zu beleuchten, nach allen Seiten zu bedenken, nach allen Regeln der Kunst davon zu reden«, erklärte Steeb in Verbindung mit der Veröffentlichung der Arbeitshilfen, die den Gemeinden vor Ort zur Verfügung gestellt werden.

Ziel der Gebetswoche sei, vor Ort Christen und Gemeinden verschiedenster Richtungen über deren eigene Grenzen hinaus zu verbinden und damit »die Einheit der Jünger Jesu« sichtbar zu machen. »Das ist uns in die Wiege gelegt, mehr noch: Es entspringt dem Wollen und Willen von Jesus Christus selbst“, so Steeb. Die Gebetswoche wird deutschlandweit dezentral organisiert und findet laut eigenen Angaben der im thüringischen Bad Blankenburg ansässigen Organisation in rund 1000 örtlichen Allianzgruppen statt. Neben der Einladung zur Allianzgebetswoche lädt die Evangelische Allianz seit Jahren während des Fastenmonats Ramadan zur Gebetsaktion »30 Tage Gebet für die islamische Welt« ein. Am zweiten Sonntag im November geht es mit dem Gebetstag für verfolgte Christen um die Situation der verfolgten Christen weltweit.

Bildnachweis: Adrian Jozefowicz / pexels.com

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Informationen und Arbeitshilfen zur Allianzgebetswoche
Informationen zu »30 Tage Gebet für die Islamische Welt«
Informationen zum Gebetstag für verfolgte Christen 

Zur Information
Die Evangelische Allianz in Deutschland (DEA) ist ein Netzwerk evangelisch gesinnter Christen aus verschiedenen Kirchen, Gemeinschaften und Gruppen. Als internationale Bewegung wurde die Evangelische Allianz 1846 in London gegründet. An der kirchlichen Basis ist die Evangelische Allianz in Deutschland an rund 1.100 Orten aktiv und hält zu über 350 überregionalen Werken und Verbänden Kontakt. Die Zentrale befindet sich im thüringischen Bad Blankenburg. Vorsitzender ist Ekkehart Vetter, Generalsekretär ist Hartmut Steeb.
www.ead.de

Eigene Überzeugungen auf den Prüfstand stellen

Fr, 11/30/2018 - 05:34

In einer multikulturellen Gesellschaft ist der interreligiöse Dialog unverzichtbar, denn er befördere das gegenseitige Verstehen und stelle das gesellschaftliche Miteinander auf eine breitere Basis. Dies ist das Ergebnis einer Tagung des interreligiösen Projekts »Weißt du, wer ich bin?«, die am 19. und 20. November im Jüdischen Gemeindezentrum in Frankfurt am Main stattfand. Gerade bei den zunehmenden Konflikten und zunehmenden nationalistischen und fundamentalistischen Tendenzen müssten die Bemühungen im interreligiösen Dialog verstärkt werden.

Interkulturelle Öffnung

In diesem Zusammenhang unterstrich Heiner Bielefeldt, Professor für Menschenrechtspolitik an der Universität Erlangen-Nürnberg, die Bedeutung der Menschenrechte. »Die Menschenrechte sind als Praxis des Hinhörens und des gegenseitigen Respekts zu verstehen«, sagte Bielefeldt. Wo die Menschenrechte geachtet würden, führe dies automatisch zu einer vielfältigen und pluralen Gesellschaft. Gleichzeitig warnte er davor, die Menschenrechte zu einer »Quasireligion« zu machen oder ihnen den Status eines allgemeinen Ethos zu verleihen. Die Konzentration auf die Menschenrechte im interreligiösen Dialog führe dazu, »die eigenen Überzeugungen stets auf den Prüfstand zu stellen«. Gemeinsam hätten die Religionen die Aufgabe, die Menschenrechte gegen politische Ansprüche und andere Interessen zu verteidigen. Eine interkulturelle Öffnung führe dazu, dass die Menschenrechte ihre Wirkung breit entfalten könnten.

Gemeinsame Basis trotz unterschiedlicher Auffassungen

Wie religiöse Identität und interreligiöser sowie gesellschaftlicher Dialog zur Integration beitragen können, waren weitere Themen der Veranstaltung. So könne eine religiöse Identität Menschen Orientierung im gesellschaftlichen Miteinander geben. In diesem Zusammenhang plädierte der Berliner Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik dafür, einen von der geographischen Herkunft abgelösten Begriff von Heimat zu finden »als territorialer, sozialer und geistiger Ort respektierter Verschiedenheit«. Dabei nehme die Religion eine wichtige Rolle ein, weil die Sichtbarkeit von Religion Heimat stiften könne, so Brumlik.
Die Veranstaltung betonte auch, dass für einen gelingenden Dialog Zielsetzungen wichtig seien, die über das reine Kennenlernen hinausgehen. Der Dialog dürfe nicht nur von engagierten Einzelpersonen geführt werden, sondern solle in allen Strukturen der Religionsgemeinschaften verankert werden. Abraham Lehrer, stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, plädierte dafür, zwischen den Religionsgemeinschaften noch mehr Kooperationen zu finden. Dabei könne man von den Erfahrungen der ökumenischen Bewegung profitieren, erklärte Bischöfin Rosemarie Wenner, stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland. In der Ökumene habe man gelernt, trotz unterschiedlicher Auffassungen und Interpretationen eine gemeinsame tragende Basis zu finden und in einer positiven Atmosphäre auch kritische Punkte zu besprechen. 

Positive Erfahrungen bei Projekten an der Basis

In der interreligiösen Praxis zeige sich, dass die Begegnung zwischen Menschen unterschiedlicher Religion ein wesentlicher Faktor für ein friedliches Miteinander in der Gesellschaft ist. Mehrere Projekte, die mit Fördergeldern des Projektes »Weißt du, wer ich bin?« gefördert wurden, präsentierten ihre Erfahrungen auf der Tagung. Gerade in der Arbeit mit jungen Geflüchteten helfe die Begegnung mit Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften sehr weiter, um beispielsweise diffusen antisemitischen Vorurteilen entgegenzutreten. Aber auch die Wissensvermittlung oder der Austausch von spirituellen Erfahrungen trage wesentlich zum gegenseitigen Verstehen bei.

Bildnachweis: ACK

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Zur Information
Mit dem interreligiösen Projekt »Weißt du, wer ich bin?« werden christliche, jüdische und muslimische Gemeinden dazu ermutigt, sich gemeinsam für ein friedliches Miteinander einzusetzen. Die Religionsgemeinschaften leisten mit dem Projekt einen Beitrag zur interreligiösen Verständigung, zur Integration von Geflüchteten und fördern den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland. Das Projekt wird vom Bundesministerium des Innern, für Heimat und Bau gefördert und von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, dem Zentralrat der Juden in Deutschland, dem Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland, der Türkisch-Islamischen Union (DITIB), dem Verband Islamischer Kulturzentren und dem Zentralrat der Muslime in Deutschland getragen. Weitere Infos unter www.weisstduwerichbin.de.

Öffnet das Internetangebot des Bethanien-Bethesda-Verbunds in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot des EmK-Bildungswerks in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot des Evangelisationswerks in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot des EmK-Frauenwerks in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot der Fachgruppe Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot des EmK-Kinderwerks in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot von Martha-Maria in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot der Evangelisch-methodistischen Kirche in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot von radio-m in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot der Theologischen Hochschule Reutlingen in einem neuen Fenster. Öffnet das Internetangebot der Emk-Weltmission in einem neuen  Fenster. Öffnet das Internetangebot der EmK-Jugend in einem neuen Fenster.
Copyright © EmK Friedrichsdorf, Wilhelmstr. 28, 61381 Friedrichsdorf | 06172-74033 | friedrichsdorf@emk.de | Konto: IBAN: DE59512500000020092432 BIC: HELADEF1TSK