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Aktualisiert: vor 1 Stunde 42 Minuten

»We come to worship God!«

Di, 10/17/2017 - 07:15

Zum Gebet bitte ich Sie, aufzustehen oder niederzuknien, wenn es Ihnen möglich ist«, spricht Markus, der an diesem Sonntag Liturgendienst hat, ins Mikro. Die Gemeinde erhebt sich zum Gebet, ein paar knien. Das ist neu in unserem Gottesdienst.

Die ersten Afrikaner, die schon vor vielen Jahren zu uns in den Gottesdienst kamen, nahmen ganz hinten in der letzten Kirchenbank Platz. Dort konnten sie sich niederknien, ohne zu sehr aufzufallen. Heute, an diesem Sonntagmorgen, kniet auch ein Deutscher neben einer Afrikanerin. Und zwar ganz vorne, in der ersten Reihe.

Sam, der erste Nigerianer, der in unsere Gemeinde kam, ist sich ganz sicher: »Gott hört unser Gebet, wenn wir uns hinknien und ernsthaft zu ihm beten. Er reagiert. Sich vor Gott hinzuknien, ist wahrlich ein Zeichen von Respekt, der ihm gebührt!«, sagt er auf englisch.

Niederknien: Da fällt mir die Aufstiegsfeier der örtlichen Fußballmannschaft ein. »Auf die Knie! Auf die Knie«, rief der 19-jährige Mittelfeldspieler von der Bühne den Fans zu, die sich auf dem Rathausplatz versammelt hatten. Er wiederholte seine Forderung immer lauter, bis fast alle Feiernden auf das Kopfsteinpflaster gesunken waren. Wenn man sich aus Freude über den Aufstieg einer Fußballmannschaft niederwirft – warum nicht vor dem großen Gott? Die katholischen Christen haben das nie verlernt. Und wir Methodisten hierzulande kommen ins Nachdenken, wenn unsere afrikanischen Geschwister neben uns niederknien.

Das Schönste ist gerade gut genug

Die bestangezogensten Männer in unserer Gemeinde sind die Afrikaner. Während die einheimischen Gemeindeglieder Schuhe tragen, mit denen sie auch gut die vierzehn Kilometer zur Kirche laufen könnten (obwohl sie meist mit dem Auto kommen), tragen die afrikanischen Männer im Gottesdienst so elegante Schuhe, als würden sie zum Tanzen gehen. Und das tun sie gelegentlich auch in unserem methodistischen Gottesdienst. Und: In solch einem Abendkleid, wie Lovetta aus Sierra Leone es heute trägt, gehe ich einmal im Jahr zum Presseball – aber nicht zum Gottesdienst!

Warum eigentlich nicht? Warum mache ich mich erst schick, wenn ich mich für den Theaterabend meines Sonntags-Abos herrichte und nicht schon vormittags, wenn ich in die Kirche gehe? Joseph, der schon sehr gut deutsch spricht, erzählt, er sei »schockiert« gewesen, als er zum ersten Mal an einem Gottesdienst hierzulande teilnahm. »Gottesdienst – das ist, als wenn man vor den König tritt. Oder wenigstens, als wenn man in die Disco geht, oder zu einer Geburtstagseinladung«, sagt er. Daheim in Nigeria lassen sie sich extra Gottesdienstgewänder schneidern. Und natürlich wird vor dem Gottesdienst immer geduscht und die Frisur gestylt – zur Begegnung mit Gott.

Auch wenn Christiana hier mit Kopfbedeckung zum Gottesdienst kommt – in der Regel ein buntes afrikanisches Tuch, das sie kunstvoll um ihrem Kopf drapiert – wenn sie zwischendurch wieder in West-Afrika zur Kirche geht, zieht sie sich viel schöner an als hier. Die Menschen, die aus anderen Kulturen zu uns kommen, passen sich in deutschen Kirchen oft an; vertauschen das mit Pailletten bestickte lange Gottesdienstgewand mit der Jeans.

Nur äußerliche Rituale?

Wenn ich mich festlich kleide, gehe ich erwartungsvoller zu einer Veranstaltung, als wenn ich in Alltagskleidung komme. Wenn ich knie, bete ich konzentrierter als im Stehen.

Wenn einer, statt eines dankbaren Stoßgebets im Stillen, im Gottesdienst einen Sack Reis oder eine Osterkerze zum Dank nach vorne bringt und dies dem Pastor für die Gemeinde überreicht, und eine andere während der Zeit der Gemeinschaft aufsteht und Gott vor allen Anwesenden ein Lied singt, weil Gott ihr geholfen hat, dann erleben sie – und auch wir – die Liebe Gottes viel stärker. Ob die hohe Wertschätzung des Gottesdienstes etwas damit zu tun hat, dass auf anderen Kontinenten die Zahl der Glaubenden so stark wächst?

Vielleicht liegt es ja auch daran, dass zum Beispiel Afrikas Kultur dazu neigt, auch Übernatürliches mit dem Leben in Verbindung zu bringen und das, was uns im Alltag begegnet, einfach ganzheitlicher wahrzunehmen. Als die untergehende Sonne ein fast übernatürliches Licht auf die Wolken über dem Kirchendach zaubert, das in krassem Kontrast zu dem dunklen Himmel steht, sagt Faith plötzlich: »Vielleicht kommt jetzt der Herr wieder.«

Wir deutschen Methodisten schauen sie verwundert an. Wir hätten jetzt lediglich ein aufziehendes Gewitter erwartet, aber nicht die Wiederkunft Christi.

Hat sich ihr Glaube in Deutschland geändert?

Wie ist es nun, wenn Menschen aus Afrika oder Asien nach Deutschland, und damit in eine völlig andere Kultur kommen? Alles ändert sich für sie; auch ihr Glaube?

Zunächst ist es für sie eine Befreiung, hier zu sein, sagt Anna und erklärt, warum ihr Glaube hier in Deutschland intensiver geworden ist. In ihrem Heimatland, dem buddhistisch geprägten Myanmar, durfte sie ihren Glauben nicht offen leben. Man konnte dort nicht so einfach mit anderen über den Glauben reden oder in die Kirche gehen, sagt sie. Seit sie in Deutschland ist, habe ihr Glaube an Tiefe gewonnen. Das käme auch vom Bibellesen, berichtet sie. Weil sie so viel in ihrer deutschen Bibel studiert, habe sich nicht nur ihr Deutsch sehr verbessert, sondern auch ihr Glaube.

Ruang ist methodistischer Pastor. Er kam im Winter aus Myanmar, dem früherem Birma, hierher und berichtet von der Wärme, die er in Deutschland unter anderen Methodisten spürte. »Ein Stück Heimat in der Fremde.« Auch sein Glaube habe hier an Tiefe gewonnen, bestätigt er.

»Jeder, der zu uns kommt, verändert uns.« Diesen Satz habe ich kürzlich gehört. Ich sehe ihn nicht negativ, sondern als große Chance. Es ist für alle ein Gewinn, wenn wir einander kennenlernen und miteinander unseren Glauben und die Erfahrungen, die wir dabei machen, teilen.

Die Autorin
Iris Hahn ist Kommunikations-Designerin und macht verschiedene Zeitschriften sowie Öffentlichkeitsarbeit im kirchlichen und kulturellen Bereich.

Beitrag entnommen aus »unterwegs« 21/2017
Foto: Iris Hahn

Den Worten Taten folgen lassen

Mo, 10/16/2017 - 06:32

Bei der Tagung der Zentralkonferenz der Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) im März dieses Jahres verabschiedeten die Delegierten die Fortschreibung des EmK-Friedensworts. Unter dem Titel »Frieden gestalten: gewaltfrei, gerecht und schöpfungsgemäß« werden in verschiedenen Kapiteln Ursachen benannt, die einer friedvollen Welt entgegenstehen. Im Rahmen des Friedensworts werden mit »Thesen zum Gespräch« Gemeinden und einzelne eingeladen, sich dem Thema »Frieden und Gerechtigkeit« zu stellen.

Den Worten Taten folgen lassen

Für die Arbeit mit dem Friedenswort liegt nun eine Arbeitshilfe vor, die von der »Fachkommission für Hauskreise und Kleingruppen« erstellt wurde. Mit konkreten Impulsen können sich Hauskreise, Bibelgruppen oder Arbeitskreise mit dem Friedenswort und den verschiedenen Themenbereichen befassen. »Uns war wichtig, den Gruppen Material zur Verfügung zu stellen, um ganz praktisch ein Hauskreistreffen gestalten zu können«, erläutert Ralf Würtz, der Vorsitzende der Fachkommission, die Zielsetzung dieser Arbeitshilfe. Seinen Wunsch für die Wirkung des Friedenswortes schiebt er gleich nach: »Aus Worten sollen Taten folgen«. Zusammen mit Würtz haben Dorothea Föllner, Dagmar Köhring und Jörg Mathern Impulse für die Arbeitshilfe beigesteuert. Die beruflichen Hintergründe der Mitwirkenden aus Theologie, Medienarbeit, Pädagogik und Informationstechnik sorgen für interessante Blickwinkel auf die Themenfelder. Zum Start stehen sechs Impulse zur Verfügung, die von der Internetseite der EmK-Hauskreisarbeit (www.emk-hauskreise.de) heruntergeladen werden können.

Der Autor
Hans Martin Renno ist Mitinitiator des Friedensworts und seit 2010 als Referent für die gesellschaftspolitische Arbeit in der EmK verantwortlich. Kontakt: hans.martin.renno(at)emk.de.

Graifk: Titelbild EmK-Forum 42, Foto: privat

»Takulandirani« Herzlich willkommen!

Do, 10/12/2017 - 06:15

Takulandirani: Herzlich willkommen! Mit diesem Gesang wurden wir als Familie im Januar 2011 in Malawi am Flughafen von einer Delegation der Evangelisch- methodistischen Kirche begrüßt. Damit begann unser neues und ganz anderes Leben.

Wo so vieles ganz anders ist

Das Wort »anders« ist uns in unserem Missionseinsatz in Malawi zentral geworden. Die Menschen in Malawi beurteilen das Leben aufgrund ihres kulturellen Kontextes anders als wir. So ist ihr Umgang mit Geld anders und ihre Art zu kommunizieren. Zum Beispiel: Wann ist ein »Ja« ein wirkliches »Ja« und nicht ein verstecktes »Nein«? Ohne dieses »anders« im Blick zu haben, könnte man sagen, da hat mich jemand angelogen. Bezieht man dieses »anders« mit ein, erkennt man, dass es sich in der malawischen Kultur nicht gehört, einem Gast zu widersprechen. Also sagt man »ja« aus Gastfreundschaft heraus, auch wenn man »nein« meint. Das war für uns fremd.

Auch die Feier des Gottesdienstes in der EmK in Malawi ist grundlegend anders. Mein längster Gottesdienst dauerte etwa fünf Stunden. Tanzen, Lachen und Interaktion gehören elementar dazu. Mein Empfinden und das meiner Familie, was einen lebendigen Gottesdienst ausmacht, hat sich dadurch verändert. Ebenfalls ist der Glaube der Menschen in Malawi anders gefüllt. Unter anderem bilden die Welt der Ahnen, die Frage nach Zauberei die kulturelle Grundlage, auf der der Glaube und auch die Theologie hervorgehen. Dinge passieren nicht nur einfach in der physischen Welt. Es gibt meistens dafür ein Pendant in der geistigen Welt. Deswegen ist für die Menschen in Malawi Aids nicht einfach nur eine medizinische Frage, sondern die Menschen fragen auch, wer dafür in der geistigen Welt verantwortlich ist. Das heißt: »Wer hat mir diese Krankheit durch Zauberei geschickt?«

Diese Denkvoraussetzungen teilten wir nun nicht. Bei vielen Verhaltensweisen hatten wir am Anfang unsere Fragezeichen. Oft saßen wir als Ehepaar abends zusammen und versuchten uns einen Reim auf das Verhalten von Menschen zu machen. Die Frage: »Warum verhalten sich die Menschen so?«, half uns nach den tieferliegenden gesellschaftlich-kulturellen Zusammenhängen zu graben. Da war Geduld von unserer Seite aus gefragt. Die Versuchung lag nahe, zu voreiligen Schlüssen zu kommen, in dem man automatisch das eigene kulturelle Koordinatensystem anlegt. Geholfen hat uns dabei die Erinnerung an den Geist der Besonnenheit aus 2.Timotheus 1,7: »Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Feigheit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit« (Gute Nachricht Bibel).

Die andere Art zu glauben, wurde mir beim Training von Laien deutlich, das ich in einem Bezirk im südlichen Malawi durchgeführt habe. Am Abend kamen nach der Unterrichtseinheit die Leiter der Gemeinde auf mich zu und sagten, dass eine Teilnehmerin Kopfschmerzen habe. Gut deutsch dachte ich zuerst: »Gebt ihr eine Aspirin«. Nachdem ich offensichtlich ein bisschen ahnungslos geschaut habe, meinte der Pastor zu mir, ich solle für sie beten, damit die Kopfschmerzen verschwinden. Was ich dann auch getan habe. Ob die Kopfschmerzen verschwunden sind, habe ich nicht erfahren. An dieser Begebenheit wurde mir aber deutlich, welch Geistes Kind ich bin: Mein Denken und Glaube sind durch Aufklärung und Wissenschaft geprägt. Die Menschen in Malawi erwarten grundlegend alles von Gott und gestalten ihr Leben in Vertrauen auf ihn. Dabei fordern sie unsere westliche aufgeklärte Sicht heraus. So durften wir als Familie immer Lernende sein, die von der malawischen Sicht auf das Leben, den Glauben und die Welt profitiert haben. Unser Glaube wurde dadurch weiter, offener und toleranter.

Nachdenken über die eigene Kultur

Solche Begebenheiten ließen uns über die eigene Kultur nachdenken und auch zu schätzen, was man an der eigenen Glaubens-Kultur hat. Ein Stück Heimat waren Begegnungen mit Deutschen in Malawi, da man im Umgang miteinander keine kulturellen Codes entziffern musste. Deswegen können wir Menschen aus einem anderen Kulturkreis, die in Deutschland leben, gut verstehen, wenn sie von Zeit zu Zeit ihre eigenen kulturellen Cliquen bilden.

So wie man einen Kulturschock erlebt, wenn man in eine fremde Kultur eintaucht, kann das auch passieren, wenn man in das eigene Heimatland zurückkehrt. In Deutschland ist uns das meiste vertraut und bekannt, aber manches ist uns durch unsere Zeit in Malawi fremd geworden. Während man sich in Malawi sehr freundlich auf der Straße gegrüßt hat, kann man in Deutschland dafür erstaunte Blicke ernten. Aber auch unsere deutsche Konsumgesellschaft mit ihren »first world problems« – zum Beispiel die Diskussionen, ob ein Apple- oder Android-Smartphone besser ist – löste nach unserer Rückkehr Unverständnis in uns aus.

Inzwischen sind wir in Ludwigsburg angekommen, wobei ein Teil unserer Herzen in Malawi geblieben ist. Erhalten wollen wir uns gerne die Dankbarkeit für Alltägliches. Wir schätzen die deutsche medizinische Versorgung, nachdem wir das malawische Gesundheitssystem kennengelernt haben. Das Buch »Wo es keinen Arzt gibt« von David Werner wurde dort zu einer stets griffbereiten Lektüre. Leitungswasser kann man hier trinken, es muss nicht gefiltert oder abgekocht werden. Strom gibt es den ganzen Tag. Eines der ersten schwierigeren deutschen Wörter, das eine unserer Töchter in Malawi gelernt hat, war »Stromausfall«. Wenn beim Abendessen das Licht ausging, bemerkte sie trocken: »Omofall«. Alltägliches, über das wir uns in Deutschland keine Gedanken gemacht haben, entwickelte sich in Malawi zu etwas, für das wir dankbar wurden.

In unserer Zeit in Malawi haben wir Dürre und übermäßigen Regen erlebt, anscheinend Auswirkungen des Klimawandels, wodurch die Menschen existentiell bedroht sind. Seit Malawi kommt man nicht umhin darüber nachzudenken, welche Kosten unser Wohlstand und unser westlicher Lebensstil auf der anderen Seite des Globus verursacht. Unser Konsumverhalten hat einen Preis, der sehr viel höher ist, als wir wahrhaben wollen. Und wenn man dann noch konkret Menschen vor Augen hat, Namen und Gesichter, die das betrifft, denkt man nur: jetzt ist Zeit für einen Wandel zu einem nachhaltigen Leben für alle, für einen besonnenen Konsum und für Verzicht. Wir selbst können einen Anfang machen.

Der Autor
Klaus Schmiegel war von 2011 bis 2016 für die Ausund Weiterbildung von Pastorinnen, Pastoren und Laien in der EmK in Malawi zuständig.

Beitrag entnommen aus »unterwegs« 21/2017
Foto: privat

Freude am Gehen und Einsatz für Klimaschutz

Di, 10/10/2017 - 07:25

 

An 19 Tagen legen »Klimapilger« fast 350 Kilometer auf »Schusters Rappen« zurück, um bis zur Ankunft in Bonn ihr Engagement für die Schöpfung zu bezeugen und um auf die globalen Dimensionen des Klimawandels aufmerksam zu machen. Ziel ist der Tagungsort der vom 6. bis 17. November 2017 in Bonn tagenden 23. UN-Weltklimakonferenz, die sogenannte »COP 23« (Conference of the Parties, Konferenz der Teilnehmerländer des Pariser Klimaabkommens).

Mit diesem zweiten »Klimapilgerweg« findet der im Jahr 2015 vom Nordkapp bis nach Paris durchgeführte Pilgerweg seine Fortsetzung. Am 18.Oktober startet er an der oberhalb Eisenachs gelegenen Wartburg. An diesem Gedenkort der Reformation übersetzte Martin Luther die Bibel. Von dort führen 16 Etappen an 19 Tagen nach Bonn. Unterwegs verbinden Christen verschiedener Konfessionen die Freude am Gehen und ihre Bereitschaft zum Aufbruch mit dem Einsatz für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit. Dazu gehören ökumenische Andachten in Kirchen oder an besonderen Orten auf dem Weg, sowie der Besuch von sogenannten »Schmerzpunkten«, an denen die Gefährdung der Schöpfung veranschaulicht wird. Aus den Kirchengemeinden und Städten entlang des Weges sind Interessierte eingeladen, sich den Klimapilgern anzuschließen und ein längeres oder kürzeres Teilstück mitzupilgern.

Nach Informationen der Veranstalter können die Pilger an allen Etappenorten mit einem Abendessen sowie schlichten Übernachtungsmöglichkeiten und anderntags mit einem Frühstück rechnen. Abend- und Morgenandachten bildeten den geistlichen Rahmen für den Pilgerweg. Zudem organisieren Kirchengemeinden vor Ort Begegnungen und thematische Veranstaltungen oder informieren über ihren Ort und ihr Engagement.

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Zur Information
Geht doch weiter! – Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit – 18.10. bis 5.11.2017
Geplante Route: Wartburg, Eisenach, Lüderbach, Waldkappel, Spangenberg, Homberg, Ziegenhain, Stadtallendorf, Marburg, Obereisenhausen, Rudersdorf, Siegen-Weidenau, Friesenhagen, Waldbröl, Ruppichteroth, Hennef ( Sieg), Bonn-Beuel und Bonn.
Infoflyer (PDF):
Anmeldung: anmeldung(at)pilgerwolf.de
www.klimapilgern.de

Foto: © Dieter Preß

Wenn das Leben zur Baustelle wird

Mo, 10/09/2017 - 07:50

Das Thema für den ZDF-Gottesdienst aus der Karlsruher Erlöserkirche der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) heißt: »Darauf kannst du bauen«. Entlehnt ist das »Bauthema« für die Livesendung am 15. Oktober aus  der Situation der Stadt Karlsruhe. »Dort ist seit zwei Jahren eine Großbaustelle und fordert die Geduld der Bewohner heraus«, erklären die beiden Pastoren der Gemeinde, Gottfried Liese und Daniel Schopf.

Dramatische Klänge und heitere Lieder

Die Situation der Stadt sei damit ein Sinnbild für existenzielle Fragen: Wie gelingt der Glaube, wenn das Leben plötzlich zur »Baustelle« wird und Veränderungen nötig sind? Was gibt in unwägbaren Situationen Halt? Die Bibel, so die Idee der Vorbereitungsgruppe um die beiden Pastoren, antworte darauf mit dem Gleichnis vom Hausbau, das den Mittelpunkt des Gottesdienstes bildet. Musikalisch überträgt Manfred Walz die Aussagen an der Orgel in dramatische Klänge. Heitere Lebens-Lieder zum Mitsingen spielt die Band der Gemeinde mit Timo Körner, Günther Mayer, Berthold Wolfinger und Boglárka Mitschele.

Ein Gottesdienst für die Fernsehzuschauer

»Die Vorbereitungen für den Fernsehgottesdienst haben vor rund eineinhalb Jahren begonnen«, beschreibt Liese den Vorlauf und die intensive Begleitung durch die zuständige Redaktion beim ZDF. »Zuerst dachte ich, dass mehr oder weniger der Gottesdienst einer Gemeinde abgefilmt wird«, schmunzelt Liese im Rückblick auf den Beginn der Vorbereitungen. Dann aber sei schnell klar geworden, dass es sich um eine Fernsehsendung handelt, die bewusst für die Zuschauer gemacht wird. Eine gute Erfahrung für die Mitwirkenden sei die Gottesdienstvorbereitung im Team gewesen, in die viele kreative Ideen eingeflossen seien. Auf die Frage, was ihm besondere Freude gemacht habe, antwortet Liese spontan: »Das Feilen an Formulierungen und das Wissen, dass wir sehr viele Menschen mit dem Gottesdienst und seiner Botschaft erreichen können.« Für die Mitarbeiter der Gemeinde als »Fernseh-Amateure« sei insbesondere der Auftritt vor der Kamera eine große Herausforderung. Zudem, so Liese, sei es gar nicht einfach, »die inhaltliche Spannung und einen lockeren Auftritt hinzubekommen«, wenn Thema und Texte des Gottesdienstes schon so lange im Voraus feststünden und mehrmals geprobt würden.

Gemeinde mit Solardach und offener Jugendarbeit

Der EmK-Bezirk Karlsruhe hat Gemeinden in der Karlsruher Innenstadt sowie in den Stadtteilen Durlach-Aue und Grötzingen. Der ZDF-Gottesdienst wird von allen Gemeinden gemeinsam gestaltet und findet in der Karlsruher Erlöserkirche statt, der Kirche der Innenstadtgemeinde. In diesem Kirchengebäude ist auch die EmK-Jugendkirche der Süddeutschen Konferenz beheimatet. Dieses offene Jugendzentrum bietet Jugendlichen neben Jugendgottesdiensten und Freizeiten regelmäßig einen Raum für Begegnung, Spielen, Unterstützung durch Hausaufgabenhilfe oder Hilfen bei Konflikten. Außerdem engagiert sich die Gemeinde sehr stark im Bereich von Umweltthemen. Zertifiziert mit dem »Grünen Gockel« dokumentiert die Gemeinde ihr umweltschonend ausgerichtetes Gemeindeprogramm und Immobilienmanagement. Dazu gehört auch eine Kooperation mit der Ökumenischen Energiegenossenschaft im Rahmen der Nutzung des 500 Quadratmeter großen Solardachs auf der Erlöserkirche.

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
Homepage EmK Karlsruhe 
ZDF-Fernsehgottesdienst

Zur Information
Der evangelische Fernsehgottesdienst wird gestaltet von den Karlsruher EmK-Gemeinden und übertragen aus der Erlöserkirche der EmK in Karlsruhe.
Termin: 15. Oktober 2017, 9.30-10.15 Uhr im ZDF (Zweites Deutsches Fernsehen)
Nach der Sendung gibt es ein telefonisches Gesprächsangebot der örtlichen EmK:
Tel.: 0700 14141010 (6 Cent/Minute. Mobilfunkkosten abweichend)

Foto: Otmar Vöhringer

Unsere Herausforderung: Einheit suchen und Freiheit gewähren

Fr, 10/06/2017 - 11:00

Ein kurzer Blick auf meine drei zurückliegenden Kolumnen, die in »unterwegs« erschienen sind: Die erste hieß: Gemeinsam sind wir Kirche. Niemand soll sich zurücklehnen und sich über die anderen auslassen. Raushalten geht nicht. Die zweite sprach die Vielfalt des Glaubens an: Das Evangelium will allen Menschen mit ihren vielfältigen Lebensgeschichten und Lebensentwürfen das Heil in Jesus Christus zusprechen. In dieser Bewegung hin zu den Menschen sollen wir die Vielfalt unter uns umarmen. Und drittens brauchen wir die Einheit: Damit die Vielfalt uns nicht trennt, gilt es, immer wieder die Einheit unter uns zu suchen und sie festzuhalten. Es gilt, sich von dem festhalten zu lassen, der uns eint: Jesus Christus.

Freiheit geben, Neues zu probieren

Aus all dem ergibt sich für mich eine wichtige und sicher nicht ganz einfache Herausforderung für die Zukunft: Es ist nötig, dass wir als Kirche das Verhältnis von Einheit und Freiheit unter uns neu buchstabieren. Auf allen Ebenen stellt sich diese Aufgabe, weltweit, innerhalb unserer Zentralkonferenz in Deutschland sowie in unseren Gemeinden vor Ort. Ich bin überzeugt, dass wir einander künftig noch mehr Freiheiten zugestehen müssen, um an unterschiedlichen Orten und in unterschiedlichen Zusammenhängen Neues auszuprobieren. Neben den bewährten Modellen traditioneller Gemeindearbeit brauchen wir zugleich auch frische, gewagte und vielleicht sogar etwas »schräg« wirkende Ideen, um Menschen in die Gemeinschaft der Glaubenden und Suchenden einzuladen. Lasst uns einander zugestehen, dass wir auf verschiedenen Wegen versuchen, Gottes Liebe zu den Menschen zu tragen. Lasst uns gemeinsam um Gottes Segen bitten und ihm dann mit frohem Herzen gemeinsam danken, wenn wir im Neuen und im Vertrauten sein Wirken entdecken dürfen. Lasst uns lernen und einüben, einander freizugeben statt einander zu binden oder gar zu blockieren.

Einander den Glauben glauben

Dies kann gelingen, wenn wir im Kern ganz nah beieinanderbleiben. Es braucht ein Grund-Einverständnis unter uns über unseren Auftrag als Evangelisch-methodistische Kirche. Und es braucht Vertrauen zwischen denen, die Neues versuchen und denen, die Bewährtes bewahren wollen. Lasst uns deshalb entschieden das suchen, was das Vertrauen unter uns stärkt, und ebenso entschieden das meiden, was Vertrauen zerstört. Dazu könnte gehören: Miteinander, statt übereinander zu reden; im notwendigen Ringen um Entscheidungen die »Sache« in den Mittelpunkt stellen, statt die Person des anderen zu beschädigen; einander den Glauben glauben, statt ihn abzusprechen; gelegentlich einen halben Schritt zurücktreten, statt unbeirrt Recht behalten zu wollen. Lasst uns Vertrauen untereinander leben und aneinander festhalten. Im Beten, Reden und Ringen können wir uns dann viel Freiheit zugestehen.

Foto: Volker Kiemle / EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Entnommen aus: »unterwegs« 20/2017

Trost im Glauben

Mi, 10/04/2017 - 13:35

Vor einem knappen Jahr hatte Hillary Clinton die Wahl um die US-Präsidentschaft gegen Donald Trump verloren. Eine schmerzhafte Niederlage, nach der sie sich zunächst aus der Öffentlichkeit zurückzog. Unter anderem mit dem Schreiben eines Buches hat die 69-jährige Politikerin, die zur Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) gehört, ihre Niederlage verarbeitet.

Nicht mehr Politikerin, aber nicht unpolitisch

Für den Deutschlandfunk (DLF) hat Jürgen Kalwa, US-Korrespondent des Senders, einen Beitrag gemacht, der bei einem Podiumsgespräch in der Riverside Church in Manhattan, New York, seinen Ausgang nimmt und sich auf Passagen ihres Buches »What Happened« (Was passiert ist) bezieht. Darin gibt sie Einblick in ihr Seelenleben mit vielen persönlichen Erfahrungen. Trost habe sie in einer Predigt des in die USA ausgewanderten Theologen Paul Tillich gefunden. In einer Auslegung über die Gnade zu einer Stelle im Römer-Brief, Kapitel 5, Vers 20, habe sie »entscheidenden Halt« gefunden. Den Tipp für diesen Text hatte sie vom damaligen Pastor ihrer EmK-Gemeinde erhalten. Aus der öffentlichen Politik habe sie sich inzwischen zurückgezogen. Aber ganz heraushalten kann sie sich nicht. Angesichts der Zerrüttung der US-amerikanischen Gesellschaft und der schwierigen politischen Lage habe sie die Organisation »Onward Together« (Gemeinsam weiter) gegründet, mit der sie auf der Basis ihres Glaubens politische Aktivisten unterstützen will. Kirchengemeinden, so Clinton, könnten Orte sein, wo Energie gefunden und der Glaube erneuert werden könne.

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

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Grafik: Deutschlandfunk

Nachwahl

Di, 10/03/2017 - 06:53

Der in der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland tätige und aus Nordirland stammende Pastor meldet sich nach der Bundestagswahl mit einem Facebook-Eintrag mit einer einfachen wie überraschenden Botschaft zu Wort: Gewählt wird nicht nur, wenn gewählt wird.

Pastor, Autor, Pilger, Visionär – und Wähler

Barry Sloan wurde 1965 in Nordirland geboren. Nach einer technischen Ausbildung und Tätigkeit studierte er Theologie und wurde Pastor der Methodistischen Kirche in Irland. Seit 1998 lebt er in Deutschland und arbeitete zunächst 13 Jahre lang als Pastor der EmK-Gemeinde in Chemnitz-Erlöserkirche. Vor fünf Jahren wurde er als Leiter für das Evangelisationswerk der EmK in Deutschland berufen und hinterlässt seither direkt und indirekt bis weit über die Grenzen seiner zweiten Heimat hinaus wertvolle Spuren. Seinen Wohnsitz hat er weiterhin in Chemnitz, wo er sich zudem mit seiner Frau und weiteren Personen für die Neubelebung eines Stadtviertels engagiert. Daneben bezeichnet er sich als »lebenslanger Pilger«, und auch das Buch, das er geschrieben hat, widmet sich diesem Thema (»Pilgern auf Irisch«).

Worte zur Wahl in seiner »Wahl«-Heimat

In all diesen Engagements zeigt sich eine ehrliche und glaubwürdige Nähe zu den Menschen. Und diese Nähe ist es auch, diese Verwurzelung im realen Leben, die seine Worte über das Wählen prägen. Worte, die es verdienen, gehört zu werden, auch wenn keine Bundestags- oder andere Wahl ansteht. In seinem Facebook-Eintrag am Tag nach der Bundestagswahl schrieb er:
»Gestern habe ich gewählt. Nicht bei der Bundestagswahl. Ich bin kein deutscher Bürger und darf hier nicht wählen. Aber ich habe gestern trotzdem gewählt. Ich werde es auch heute tun. Und mit Gottes Gnade auch morgen und übermorgen. Jeden Tag wähle ich. Bewusst. Oder unbewusst. Jeder Tag ist Wahltag. Ich kann Hass wählen. Oder Liebe. Großzügigkeit oder Gier. Beleidigen oder Segnen. Schubladendenken oder Offenheit. Rechthaberei oder Demut. Ungeduld oder Geduld. Ausgrenzen oder Einschließen. Bitterkeit oder Vergebung. Egoismus oder Gemeinwohl. Aufbauen oder Fertigmachen. Resignation oder Hoffnung. Wut oder Gebet. – Wie wir im Alltag wählen, prägt und formt unsere Gesellschaft – und, ja, auch die Politik. Wir sind das Volk. Lasst uns heute wählen gehen.«

Der Autor
Urs Schweizer in einem Beitrag (Link hinterlegen: www.emk-schweiz.ch/de/news-und-publikationen/news/newsdetail/artikel/2017/sep/waehlen-gehen.html) für die Internetseite der EmK in der Schweiz. Er arbeitet in Zürich als Assistent von Patrick Streiff, der als Bischof für die Zentralkonferenz der EmK für Mittel- und Südeuropa zuständig ist. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
Homepage des Evangelisationswerks der EmK
Homepage der Methodistischen Kirche in Irland
Pilgern auf Irisch 

Wem verdanken Sie etwas?

Mo, 10/02/2017 - 10:00

Grundhaltung: »Dankbar«, war die Antwort eines Mannes, als ich ihn nach seinem Ergehen fragte. Da er aufgrund seines Alters schon lange das Haus nicht mehr verlassen konnte, freute er sich, wenn jemand zu Besuch kam. Was er mir mit seiner Antwort zwischen den Zeilen sagen wollte, hatte ich in diesem Moment schon verstanden: »Ich will gar nicht jammern, eigentlich geht’s mir leidlich und ich bin nicht undankbar. Lass uns über was anderes reden.«

Kann man sich das vornehmen, eine dankbare Grundhaltung zum Leben einzunehmen und durchzuhalten? Ist das gemeint, wenn der Apostel Paulus an die Gemeinde in Thessalonich schreibt: »Seid dankbar in allen Dingen«? Einerseits beeindruckt es mich, wie diese Einstellung dem alten Bruder offenbar half, mit Schmerzen, Kummer und dem Alleinsein zurechtzukommen. Er richtet seine Aufmerksamkeit nicht auf das, was beschwerlich und traurig ist, sondern darauf, was noch einigermaßen gut ist oder jedenfalls nicht schlecht. Andererseits kommt mir das nicht sehr lebendig und fröhlich vor. Deswegen stelle ich die Frage: Kann es nicht auch aktivere und kreativere Formen der Dankbarkeit geben, sodass wir aus der Haltung zum Handeln kommen? Drei kleine Schritte möchte ich Ihnen zum Erproben vorschlagen:

Wem verdanken Sie etwas?

Machen Sie sich bewusst, wer in Ihrem Alltag und in der Gemeinde etwas für Sie tut. Wem verdanken Sie etwas in den verschiedenen Bereichen ihres Lebens? Sprechen Sie Ihren Dank aktiv aus: zum Beispiel für den Nachbarn, der den Müll runterbringt. Denken Sie sich ein kleines Zeichen der Dankbarkeit aus und sprechen Sie den Dank auch aus. Schreiben Sie dem verlässlichen Postboten selbst einen Brief Ihres Dankes. Bedanken Sie sich bei den Angestellten im Supermarkt für Ordnung und Sauberkeit und beim Kassierer für seine Geduld oder Ehrlichkeit. Üben Sie Dankbarkeit ein gegenüber den Personen, die Ihre Gemeinde zu dem Platz machen, an dem Sie Gott begegnen können. Danken Sie derjenigen, die die Fächer bestückt genauso wie dem Organisten oder der, die den Abwasch übernimmt.

Was war heute erfreulich, überraschend oder versöhnlich?

Seit einigen Jahren benutze ich die Schreibausgabe der Losungen. Hier versuche ich ein positives Tagebuch in Stichworten zu führen. Ich schreibe auf, was an diesem Tag für mich erfreulich, überraschend oder versöhnlich war. Ich werfe einen Blick auf das Gute, das ich erlebt habe. Was gab mir Trost oder neue Hoffnung? Manchmal reicht der Platz kaum aus für die vielen Gründe, dankbar zu sein. An anderen Tagen bleibt nur noch die Losung, um mir klar zu machen: Ich kann dankbar sein, Gott ist ja da, an meiner Seite.

Kollekte als Dankopfer geben

In ghanaischen Gemeinden ist die Kollekte kein stummes, verschämtes Geldgeben in ein unauffälliges Körbchen. Um das Dankopfer einzulegen, gibt es eine glitzernde Schale mitten im Raum. Minutenlang tanzen die Menschen nach vorne zur funkelnden Schale, um ihr Dankopfer einzulegen. Ist Ihre Kollekte ein Dankopfer? Ich habe gelernt, Kollekte zu geben ist eine Form des Gebetes, eine Art des Jubels über Gottes Güte. Wenn ich gebe, dann denke ich an Gottes Güte. Und ich vertraue mich Ihm an, vertraue darauf, dass Gott mich versorgen wird. Dabei hoffe ich dankbar darauf, dass er etwas aus meinen Gaben machen kann. Könnte Erntedank nicht bedeuten: Wir machen ein Fest daraus, Gott zu danken – am besten das ganze Jahr lang.

Foto: privat
Entnommen aus »unterwegs« 20/2017

Segensreiche Gaben der »methodistischen Familie«

So, 10/01/2017 - 08:41

 »In einer Zeit, in der Mauern gebaut werden und Menschen sich voneinander distanzieren, bauen wir Brücken und verpflichten uns, unsere Verbindung in der methodistischen Familie zu stärken.« Damit beschrieb Christian Alsted, Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) für Nordeuropa und das Baltikum, die Bedeutung der vom Europäischen Rat Methodistischer Kirchen (European Methodist Council, EMC) feierlich erklärten »Gemeinschaftsvereinbarung«. Alsted ist zusammen mit Sifredo Teixeira, dem Bischof der Methodistischen Kirche in Portugal, Co-Vorsitzender des EMC.

Auf geschichtsträchtigem Boden

Diese Gemeinschaftsvereinbarung war aus der Erkenntnis heraus entstanden, dass der EMC zwar eine Verfassung habe, die Mitglieder untereinander aber noch nie eine gegenseitige Selbstverpflichtung zur Kooperation erklärt hatten. Die Vereinbarung war daraufhin bei der EMC-Tagung im September letzten Jahres verabschiedet und zwischenzeitlich von allen Mitgliedskirchen ratifiziert worden. Damit werden die Beziehungen der methodistischen Kirchen in Europa untereinander intensiviert und sichtbar gemacht. Außerdem verpflichten sich die Mitgliedskirchen zu stärkerer Zusammenarbeit an Orten oder in Regionen, wo zwei oder mehrere der Kirchen präsent sind. Darüber hinaus sollen die Verbindungen zur weltweiten methodistischen Kirchenfamilie ebenfalls stärker gepflegt werden. Die feierliche Erklärung erfolgte am 10. September bei einem Gottesdienst in der »Wesley-Chapel« in London auf geschichtsträchtigem Boden.

Innere Veränderung muss äußerlich sichtbar werden

Im Rahmen der Tagung beschäftigten sich die Teilnehmer auch mit der gegenwärtigen politischen Situation in Europa. Dabei ging es vorrangig um die Frage, wie die zum Europäischen Rat gehörenden Kirchen mit ihrem christlichen Zeugnis der Zunahme des Rechtsextremismus und den wachsenden Spannungen zwischen den Nationen entgegenwirken könnten. Es gehe darum, ein Leben in der Heiligung und im Einsatz für die Gerechtigkeit zu führen. Das betonte Rachel Lampard, die ehemalige Vizepräsidentin der Methodistischen Kirche in Großbritannien und Leiterin des Teams für gesellschaftspolitische Angelegenheiten (Joint Public Issues Team) in ihrer theologischen Botschaft mit dem Hinweis auf den spezifisch methodistischen Auftrag. »Die innere Veränderung muss äußerlich sichtbar werden«, so Lampard. »Der Glaube, dass Gottes Liebe allen gilt, hat evangeliumsgemäße und soziale Auswirkungen.«

Einladung zu methodistischen Festivals

Der Europäische Rat lädt europaweit Menschen aus den zugehörigen Gemeinden ein, die beiden nächsten internationalen methodistischen Veranstaltungen zu besuchen. So findet im Mai nächsten Jahres das Europäische methodistische Festival »Staunen!« in Cuxhaven statt. Zu diesem Anlass werden über 900 Teilnehmer aller Altersgruppen erwartet. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen bereits über 550 Anmeldungen vor. Erst im August 2021, dann aber als übereuropäische Versammlung, wird die Methodistische Weltkonferenz im schwedischen Göteborg abgehalten.
Beide Veranstaltungen wollen methodistische Christen aus vielen Teilen der Welt Gemeinschaft erleben lassen. Dabei können sie voneinander lernen und für den persönlichen Glauben Impulse empfangen. EmK-Bischöfin im Ruhestand Rosemarie Wenner, als »Genfer Sekretärin« für den Weltrat Methodistischer Kirchen Mitglied im EMC, formulierte dementsprechend: »Bei der Teilnahme an der Ratstagung waren wir erneut von den verschiedenen Gaben aus der großen methodistischen Familie gesegnet. Diesen Segen vermehren wir, indem wir unsere Erfahrungen miteinander teilen.«

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Gemeinschaftsvereinbarung, englisch (PDF)

Europäisches Methodistisches Festival »Staunen!«
8.-13. Mai 2017 in Cuxhaven
www.staunen.net

Methodistische Weltkonferenz
August 2021 in Göteborg, Schweden
worldmethodistconference.com/ (englisch)

Zur Information
Europäischer Rat Methodistischer Kirchen (European Methodist Council, EMC)
Im EMC sind die drei europäischen Zentralkonferenzen der EmK und methodistische Kirchen sowie vereinigte Kirchen mit geerbter methodistischer Tradition vertreten, die präsent sind in Albanien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Mazedonien, Moldawien, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, der Schweiz, Serbien, der Slowakei, Spanien, Tschechien, der Ukraine, Ungarn und Weißrussland. Die Mitgliedskirchen des EMC beraten sich über Fragen von gemeinsamem Interesse, entwickeln Impulse und Angebote zur Förderung des methodistischen Zeugnisses in Europa, teilen bei Bedarf ihre Ressourcen miteinander, helfen sich gegenseitig zur besseren Vertretung in ökumenischen und säkularen Gremien und koordinieren die methodistische Zusammenarbeit in Europa. Ein ständiger Ausschuss des EMC ist für den »Fonds Mission in Europa« zuständig. Für den Fonds werden finanzielle Mittel eingeworben und an solche Kirchen und Konferenzen in Europa verteilt, die für ihre Missions- und Sozialarbeit Unterstützung benötigen. Der Rat hat nur beratende Funktion. Entscheidungen der Ratstagungen sind für die Mitgliedskirchen nicht bindend. Weitere Informationen: www.methodist.eu/de

Foto: Üllas Tankler

Ein Kamel durchs Nadelöhr schicken

Sa, 09/30/2017 - 11:49

Die internationale Kommission »Ein Weg in die Zukunft« der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) tagte vom 18. bis 20. September in Berlin. Der Ort war ausgewählt worden, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass die EmK eine weltweite Kirche ist. So konnten sich die aus Afrika, Asien, Europa und den USA anreisenden Mitglieder der Kommission bei dieser einzigen außerhalb der USA stattfindenden Sitzung quasi »auf halber Strecke« treffen. Kontakte mit Berliner EmK-Gemeinden und Besuche an Gedenkstätten des Holocausts, der überwundenen Teilung der Stadt Berlin sowie an der »Wiege der Reformation« in Wittenberg trugen dazu bei, sich bewusst zu machen, wie sich Veränderungen und Versöhnung auswirken.

Ausstieg aus dem »Wer-wird-gewinnen-Modus«

»Ich bin fest davon überzeugt, dass wir diese Aufgabe mit der Hoffnung, die wir haben, gemeinsam bewältigen können«, erklärte das Kommissionsmitglied Hortense Aka zu Beginn des Berliner Treffens in einer Andacht. Die Laienführerin und Psychologieprofessorin aus der westafrikanischen Elfenbeinküste betonte, dass es möglich sei, »im Glauben zu hören und zu sehen, was Gott uns lehren will zu tun«. Sie habe die Hoffnung, dass es Einheit in Vielfalt gebe. Von solcher Hoffnung und gleichzeitig großer Anspannung war dieses fünfte Treffen durchzogen. Es bildete die Mitte der bis in den Herbst 2018 geplanten Sitzungsfolge. Gleichzeitig war es das erste Treffen, in dem Modelle diskutiert wurden, »wie wir die Konnexio in unserer Kirche erhalten und den Unterschieden unter uns dennoch Raum geben können«, erklärte Ruhestandsbischöfin Rosemarie Wenner, die vom internationalen EmK-Bischofsrat in diese Kommission entsandt ist. Kenneth Carter, Bischof der US-amerikanischen Florida-Konferenz und einer der drei Moderatoren der Kommission, beschrieb sehr bildhaft, dass in dieser Phase der Kommissionsarbeit viele Vorschläge aufgegriffen, bearbeitet, geändert und auch wieder verworfen werden: »Wir skizzieren Modelle für einen Weg in die Zukunft, indem wir in der einen Hand einen Stift halten und in der anderen einen Radiergummi.« Es gehe darum, so Wenner, einen Prozess anzuleiten und zu begleiten, »der die Menschen in der Kirche für Veränderungen öffnet«. Die Delegierten der im Frühjahr 2019 tagenden außerordentlichen Generalkonferenz müssten durch die Vorarbeit der Kommission in die Lage versetzt werden, »aus dem ›Wer-wird-gewinnen-Modus‹ auszusteigen und nach einem Weg zu suchen, der möglichst viele Menschen beieinander hält«. Nur so könne »das Potential unserer weltweiten Kirche für den missionarischen Dienst in der Welt fruchtbar gemacht werden«.

Die Arbeit kostet viel Kraft

Die Kommissionsmitglieder bilden ein breites Spektrum hinsichtlich geografischer Herkunft, theologischer Überzeugung und persönlicher Lebenswirklichkeit ab. Unter ihnen seien sowohl homosexuelle Menschen als auch Vertreter des »evangelikalen Flügels« der EmK. Trotz dieses breiten Spektrums herrsche laut Wenner eine gute Arbeitsatmosphäre und eine tiefe geistliche und menschliche Verbundenheit. »Ich freue mich jedes Mal, alle Geschwister wiederzusehen, wiewohl ich mit manchen inhaltlich übereinstimme und mit der Meinung anderer starke Mühe habe.« Die Arbeit koste dennoch viel Kraft, und die Gräben, speziell in der EmK in den USA, seien sehr tief. Die Spannung entzünde sich daran, dass »für viele Menschen in der Kirche« die Fragen nach der Segnung schwuler oder lesbischer Partnerschaften oder die Ordination Homosexueller für den kirchlichen Dienst nicht im Zentrum der kirchlichen Lehre stünden. Deshalb könnten diese mit unterschiedlichen Meinungen und Praktiken leben. Demgegenüber könnten andere Menschen in der Kirche das biblische Zeugnis nur so bewerten, dass die Ordination Homosexueller oder die Segnungen ihrer Partnerschaften abzulehnen sei.

Bei Gott ist nichts unmöglich

Auf die Frage, wo die Kommission sich im Prozess gerade befinde, erklärt Wenner: »Noch haben wir kein Ergebnis, über das wir berichten könnten.« Allerdings zeichne sich eines schon ab: »Unsere Kirche wird in einigen Jahren anders aussehen als heute.« Wie stark sich das auf Deutschland auswirken werde, hänge von den konkreten Vorschlägen ab, die von der Kommission vorgelegt würden. Für die anderen europäischen Zentralkonferenzen seien die Herausforderungen größer, weil sie aufgrund ihrer geografischen Ausdehnung und Ländervielfalt viel weniger homogen seien. »Deshalb«, so Wenner, »gleicht die Aufgabe unserer Kommission manchmal dem Versuch, ein Kamel durchs Nadelöhr zu schicken.« Mit einer bei den Kommissionsmitgliedern stark nachwirkenden Andacht zu diesem Jesuswort hatte Gabriel Straka, der Berliner Superintendent, die Kommission begrüßt. Bei aller Anstrengung ist aus Bischöfin Wenners Aussagen Zuversicht zu entnehmen: »Die Verheißung, dass bei Gott kein Ding unmöglich ist, lässt uns an der Aufgabe dranbleiben.«

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Gebetsaufruf (April 2017, PDF)
Gebetsimpuls 23.4.2017 (R. Wenner)
Gebetsimpuls (englisch) 23.4.2017 (R. Wenner)
Zwischenbericht – deutsch (PDF)
Zwischenbericht – englisch (PDF)
Zwischenbericht – englisch (Video)
umc.org/wayforward (englisch)

Zur Information
Kommission »Ein Weg in die Zukunft«
Die Kommission »Ein Weg in die Zukunft« wurde bei der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche im Mai 2016 beschlossen. Grund dafür waren unlösbare Auseinandersetzungen über Fragen zur menschlichen Sexualität, insbesondere die Ordination Homosexueller oder die Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften betreffend. Im November 2016 wurde die aus 32 Personen bestehende Kommission vom Bischofsrat eingesetzt und hat im Januar 2017 die Arbeit aufgenommen. Aus Deutschland ist Bischöfin i.R. Rosemarie Wenner Mitglied dieser Kommission.

Nah bei den Menschen

Fr, 09/29/2017 - 15:40

Pastor Fritz Herbert Wittko verbrachte die Zeit seines Ruhestands in Berlin-Kreuzberg. Am vergangenen Freitag verstarb er im Alter von 86 Jahren. Von 1986 an war Wittko neun Jahre lang Superintendent im Distrikt Berlin. In dieser Aufgabe leitete er den Distrikt in einer herausfordernden Zeit bis zum Eintritt in den Ruhestand im Jahr 1995. So erlebte er die deutsche »Wendezeit« mitten in Berlin und war in dieser Zeit einer der drei Moderatoren am Runden Tisch im »Roten Rathaus«, dem Sitz des Berliner Magistrats und späteren Berliner Senats. Nach Bildung der Norddeutschen Jährlichen Konferenz übernahm Wittko als Superintendent auch die Aufsicht über die vormaligen Westberliner Gemeindebezirke.

Auf Augenhöhe

Fritz Herbert Wittko wurde am 1. Juni 1931 in Wiskiauten im nordöstlichen Ostpreußen geboren. Im Alter von 14 Jahren erlebte er die Flucht nach Wismar und kam dort in Kontakt mit der Gemeinde der Evangelischen Gemeinschaft, einer der beiden Vorgängerkirchen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Noch während der Lehrzeit erkrankte der angehende Möbeltischler an Tuberkulose und konnte diese Ausbildung erst nach einem jahrelangen Krankenhausaufenthalt beenden. In Dresden engagierte er sich in der Jugendarbeit der dortigen Zionskirche und wurde 1955 für den Weg ins Predigtamt empfohlen. Nach dem Vorpraktikum in Halle an der Saale studierte er von 1956 bis 1960 Theologie in Bad Klosterlausnitz und erhielt nach Beendigung des Studiums seine erste Dienstzuweisung nach Leipzig-Bethesdakirche. Nach 11 Jahren in Leipzig war er 15 Jahre lang Pastor an der Michaeliskirche in Rostock. Daran schloss sich bis zum Jahr 1995 die Zeit als Superintendent für den Distrikt Berlin an. In allen kirchlichen Dienstbereichen war es ihm stets wichtig, nahe bei den Menschen zu sein und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen.

Den Ruhestand erlebte Fritz Wittko gemeinsam mit seiner Frau Else in Berlin-Kreuzberg. Zuletzt war er immer wieder lange Zeiten in Krankenhäusern und kurze Zeit auch in einer Pflegeeinrichtung. Am 22. September verstarb Fritz Wittko im Alter von 86 Jahren. Er hinterlässt seine Frau Else und drei erwachsene Kinder.

Der Autor
Gabriel Straka ist Superintendent für den Distrikt Berlin der Norddeutschen Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Kontakt: superintendent.berlin(at)emk.de.

Foto: privat

Historisches ökumenisches Ereignis

Do, 09/28/2017 - 16:27

Ende August fand in Wittenberg die achttägige Ökumenische Versammlung der Internationalen Ökumenischen Gemeinschaft (International Ecumenical Fellowship, IEF) statt. Die Konferenz stand unter dem von Luthers These 62 aus dem Jahr 1517 inspirierten Thema: »Vom wahren Schatz der Kirche(n). Dem Evangelium miteinander auf der Spur.« Im Rahmen der Tagung ging es um Fragen der Ökumene und die Feier des 50-jährigen Bestehens der Internationalen Ökumenischen Gemeinschaft. Unter den rund 300 Teilnehmern aus zwölf europäischen Ländern war auch Rosemarie Wenner, die im Mai in den Ruhestand getretene Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Starkes Zeichen

Den Höhepunkt der Tagung bildete ein ökumenischer Sonntagsgottesdienst in der Wittenberger Stadtkirche nach der sogenannten »Lima-Liturgie«. Dieser außergewöhnliche Gottesdienst fand sogar in der säkularen Berichterstattung ein besonderes Echo. So überschrieb die Mitteldeutsche Zeitung ihren Bericht darüber mit: »Ein starkes Zeichen«. Am kommenden Dienstag, den 3. Oktober wird dieser Gottesdienst von Bibel-TV übertragen.

Abendmahlsgottesdienst mit sieben verschiedenen Kirchen

Der Gottesdienst war ein ökumenischer Abendmahlsgottesdienst für die Teilnehmer aus den verschiedenen Konfessionen der Tagung und für die Öffentlichkeit. Geleitet wurde er vom Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, dem lutherischen Pfarrer Olav Fykse Tveit. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Heinrich Bedford-Strohm, hielt die Predigt. Besondere Bedeutung gewann die ökumenische Abendmahlsfeier dadurch, dass darin elf Kirchenleiter aus sieben verschiedenen Kirchen mitwirkten, unter ihnen Ruhestandsbischöfin Rosemarie Wenner für die EmK, für die römisch-katholische Kirche der emeritierte Bischof Hans-Jochen Jaschke und für die Koptisch-orthodoxe Kirche Bischof Anba Damian. Ökumenegeschichtlich war dieser Gottesdienst ein historisches Ereignis: Nachdem Luther im Jahr 1526 die Deutsche Messe eingeführt hatte, wurde nach 491 Jahren erstmals wieder ein umfassender Abendmahlsgottesdienst mit evangelischen, katholischen und orthodoxen Bischöfen gefeiert – und noch dazu in Luthers Predigtkirche!

Die rund 700 Teilnehmer dieses Gottesdienstes empfingen das Abendmahl in Kreisen an neun verschiedenen Stationen der Kirche unter Austeilung eines Bischofs oder einer Bischöfin sowie einer Laien-Person, um die Gemeinschaft von Ordinierten und Laien, Männern und Frauen sowie von Angehörigen verschiedener Konfessionen und damit das »allgemeine Priestertum aller Getauften« sichtbar zum Ausdruck zu bringen.

Schon heute die Kirche von morgen leben

Die deutsche Region der Internationalen Ökumenischen Gemeinschaft verabschiedete außerdem einen Aufruf an die Kirchenleitungen und Gemeinden in Deutschland« Darin geht es um die »entdeckten und noch ungehobenen Schätze der Kirche«. Statt über das zu klagen, was nach 50 Jahren noch immer nicht möglich ist, gehe es darum, die Möglichkeiten entschlossen zu ergreifen und so »schon heute die Kirche von morgen zu leben«.

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
Entdeckte und noch ungehobene Schätze der Kirchen – Wittenberger ökumenischer Aufruf der deutschen Region der Internationalen Ökumenischen Gemeinschaft (IEF) 2017 an die Kirchenleitungen und Gemeinden in Deutschland

Zur Information

Gottesdienstübertragung bei Bibel-TV:
3. Oktober 2017, von 10.00 bis 11.26 Uhr: Übertragung des ökumenischen Gottesdienstes nach der Lima-Liturgie vom 27. August in der Wittenberger Stadtkirche im Rahmen der Ökumenischen Wittenberger Versammlung

Lima-Liturgie
Die Lima-Liturgie ist ein eucharistischer Gottesdienst (Abendmahlsgottesdienst), der zum ersten Mal auf der Tagung der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) 1982 im peruanischen Lima verwendet wurde. Auf jener Tagung wurde der Text auch zur Weitergabe an die Kirchen gebilligt und diese wurden um offizielle Stellungnahmen gebeten. Die Lima-Liturgie ist aufgrund ihrer Verwendung bei internationalen ökumenischen Zusammenkünften bekannt und wird auch gerne auf nationaler und örtlicher Ebene eingesetzt. Weitere Informationen zur Lima-Liturgie.

Grafik: © Ökumenische Wittenberger Versammlung

Die Glaubensfarben der Kirche abbilden

Fr, 09/22/2017 - 14:05

Unter dem Thema »Die Freiheit des Wortes« wurde am gestrigen Donnerstag in Kassel der Gottesdienst zum Wechsel in der Redaktionsleitung der Kirchenzeitung »unterwegs« gefeiert. Michael Putzke, der neue Redaktionsleiter, knüpfte in seiner Predigt an das Documenta-Kunstwerk »Parthenon der Bücher« an. Beim Anblick des Kunstwerks aus 67.000 Büchern, die »irgendwo auf der Welt einmal verboten waren oder noch verboten sind«, sei ihm klargeworden, »welche Freiheit wir genießen dürfen«. Mit Bezug auf einen Text des Apostels Paulus aus dem Galaterbrief (Kapitel 6,1-5) betonte Putzke: »Es steht uns gut an, die Freiheit des Wortes zu schätzen und zu bewahren.« Deshalb solle auch die Kirchenzeitung »unterwegs« »die verschiedenen Glaubensfarben unserer Kirche abbilden«. Es gebe in der EmK zwar eine herausfordernde Vielfalt, »aber von der Freiheit her, die Christus uns gibt, wollen wir diese Vielfalt wertschätzen«. Dafür stehe »unterwegs« auch in Zukunft.

Harald Rückert, der Bischof der EmK in Deutschland, dankte Volker Kiemle, der die EmK-Zeitschriftenredaktion fast neun Jahre geleitet hatte. »Ideenreich und kreativ« habe Kiemle die EmK-Kirchenzeitung vorangebracht und damit viel bewegt. Er wünschte ihm für das neue Aufgabenfeld als Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Diakoniewerk Martha-Maria in Nürnberg Gottes Segen.

Dem Theologen Michael Putzke und der Grafikerin Iris Hahn wünschte Rückert, dass sie mit »leidenschaftlicher Textarbeit« sowie »Kreativität und Fachkompetenz« wie auch »gutem Gespür für die Themen, die die Menschen in unseren Gemeinden bewegen« die Kirchenzeitung »unterwegs« weiterentwickeln.

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Zur Information
Die Kirchenzeitung »unterwegs« der Evangelisch-methodistischen Kirche ist ein zweiwöchentlich erscheinendes Magazin mit einem Umfang von 24 Seiten. Redaktionell verantwortet wird die Zeitung vom leitenden Redakteur Michael Putzke in Zusammenarbeit mit Iris Hahn als weiterer Redakteurin und in Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeitsarbeit der EmK. Wirtschaftlich verantwortlich ist die Stuttgarter Firma Blessings4 you. Die Zeitung ist im Wesentlichen durch die Abonnenten und nur durch einen geringen Teil Werbeeinnahmen finanziert und kommt ohne kirchliche Zuschüsse aus.
Abonnement-Informationen

Foto (Titel): Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Fotos (Parthenon der Bücher): Michael Putzke

Aus dem Erbe der Reformation können wir Kraft schöpfen

Di, 09/19/2017 - 11:00

Wahljahr 2017: Richtungsweisende Parlamentswahlen haben in den Niederlanden und in Frankreich stattgefunden, in Deutschland steht in wenigen Tagen die nächste Bundestagswahl an.

Kürzlich bin ich in eine Partei eingetreten. Für mich ist die Zeit gekommen, mich politisch mehr zu engagieren. Noch nie war die Demokratie und alles, was ich an ihr schätze, so in Gefahr wie heute. Und ich will mich nicht von späteren Generationen fragen lassen: Warum hast du dich nicht für Demokratie eingesetzt? Warum hast du nicht gekämpft?

Junge Menschen in Großbritannien haben sich nach dem Votum für den Brexit selbst angeklagt: Viele von ihnen hätten nicht an der Abstimmung teilgenommen. Das Leben in Europa sei für sie so selbstverständlich geworden. Sie seien gar nicht auf die Idee gekommen, dafür zu kämpfen und ihr Wahlrecht in Anspruch zu nehmen.

Heute versucht in Deutschland die »Neue Rechte«, die in Wirklichkeit die alte Rechte ist, wieder die Macht im Land zu übernehmen. Sie war nie weg, sie hat nach dem Zweiten Weltkrieg weiter ihre Ideen verbreitet – freilich, ohne in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Sie geht subtil vor, nutzt Krisen und Schwächen der Demokratie gnadenlos für ihre Zwecke. Sie zu entlarven ist anstrengend, aber lohnend. Sie ist der Hauptgegner, und ihre Protagonisten sammeln sich in der AfD. Als Christ will ich entschieden dagegen eintreten, dass eine Partei mit diesem Programm noch mehr politischen Einfluss in unserem Land gewinnt. Wer laut schreit, wird wahrgenommen. Doch niemand verbietet den christlichen Kirchen, ebenfalls laut zu sein und die christlichen Werte hoch zu halten. Wer Angst vor einer Islamisierung hat, sollte sich zuerst für die Christianisierung unseres Landes einsetzen.

Die Bundestagswahl 2017 wird wieder eine Richtungswahl. Die Debatte um die Gestaltung der Zukunft unseres Landes muss im Sinne der Meinungsfreiheit offen geführt werden. Beteiligen dürfen sich alle, die an einem Dialog interessiert sind.

Ängste überwinden

Angst vor Veränderungen, Angst vor dem Fremden und Unbekannten ist menschlich. Aber diese Ängste sind überwindbar. Christen müssen eigentlich überhaupt keine Angst vor Veränderungen haben. Schon gar nicht Angst vor dem »Untergang des Abendlandes «. Echte Sorge bereiten sollte Christen die hohe Zahl an Kirchenaustritten und spärlich gefüllte Kirchen.

2017 feiern wir 500 Jahre Reformation. Dieses Gedenkjahr gibt allen die Chance, sich wieder neu auf das reiche kulturelle Erbe unseres Landes zu besinnen, das von der Reformation maßgeblich geprägt wurde. Deutschland hat die dunklen Kapitel seiner jüngsten Vergangenheit in einem langen, schmerzlichen Prozess aufgearbeitet und Lehren daraus gezogen. Aus der Bewältigung vergangener Krisen erwächst die Zuversicht, dass unser Land auch jetzt die Herausforderungen der Zukunft meistern kann.

Martin Luther als Vorbild

Wer, wenn nicht Martin Luther, steht für Mut zu Veränderungen? Aus dem Erbe der Reformation können wir Kraft schöpfen. Eine wichtige Botschaft der Reformation lautet für mich, dass Gott uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben hat, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit (2.Timotheus 1,7). Ich bin sicher, wenn sich viele Menschen neu auf die christlichen Werte besinnen, die Europa über Jahrhunderte geprägt haben, wenn Christen sich wirklich von diesem Geist der Kraft, der Liebe und Besonnenheit leiten lassen, ist kein Platz für Angst vor Veränderungen, was auch immer die Zukunft bringen mag. Dieser Geist öffnet vielmehr den Blick für die Chancen. Dafür will ich werben, wenn es um die Bundestagswahl 2017 geht.

Diese Andacht erschien zuerst in »für heute«.

Foto: Ingo Bartussek / Fotolia
Entnommen aus: »unterwegs« 19/2017

Die Zukunft des Landes mitgestalten

Sa, 09/16/2017 - 07:00

»Die Freiheit demokratischer Wahlen geht mit der Verantwortung einher, die Zukunft des eigenen Landes mitzugestalten«, erklärte Christoph Stiba, der Präsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), anlässlich der Veröffentlichung der »Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2017«. Der ausführliche Fragenkatalog war an alle Parteien verschickt worden, die nach aktuellen Prognosen am Wahltag Chancen haben, in den Bundestag einzuziehen. »Die Antworten sollen eine Hilfestellung für die Wahlentscheidung sein«, so Stiba.

Fragen »die uns als Christen besonders auf dem Herzen liegen«

Die Fragen befassen sich mit den Themenfeldern Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung, Migration, Ehe und Familie, Miteinander der Generationen sowie Kirche und Staat. Es sei dabei bewusst nicht um die Themen gegangen, die von den Parteien selbst in den Mittelpunkt gestellt würden, sondern um Fragen, »die uns als Christen besonders auf dem Herzen liegen«, so Friedrich Schneider vom Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, der den Katalog für die VEF zusammen mit einem Arbeitskreis erstellte.

Ziele nachhaltiger Entwicklung aus christlicher Perspektive wesentlich

Gegenüber den Wahlprüfsteinen zur letzten Bundestagswahl seien viele Fragen neu hinzugekommen, betonte der VEF-Beauftragte am Sitz der Bundesregierung, Peter Jörgensen. Neu seien unter anderem Fragen zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung, die von den Vereinten Nationen formuliert wurden. Die VEF sehe diese Ziele im Fokus ihrer politischen Arbeit. Dabei geht es um die Bekämpfung von Armut, Hunger und Ungleichheit, den Einsatz für Bildung, gerechte Arbeitsverhältnisse und einen nachhaltigen Umgang mit den der Menschheit anvertrauten Ressourcen. »Diese Ziele nachhaltiger Entwicklung sind aus christlicher Perspektive wesentlich«, so Jörgensen.

Signal zur aktiven Mitgestaltung der Gesellschaft

Die Fragen an die Parteien sollen nicht nur zeigen, was Christen wichtig sei, sondern auch signalisieren, »dass wir bereit sind, unsere Gesellschaft bei diesen Themen auch aktiv mitzugestalten«. Als Beispiel nannte der VEF-Beauftragte das Thema Migration: »Wir stellen hierzu nicht nur Fragen in den Wahlprüfsteinen, sondern unsere Gemeinden leisten durch ihren Einsatz in der Flüchtlingskrise einen gesellschaftlichen Beitrag.«

AfD antwortet nicht

Auf die den Parteien vorgelegten 35 Fragen seien von CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Die Linke Antworten eingegangen. Die ebenfalls angeschriebene AfD habe nicht reagiert. Die VEF veröffentlicht die Antworten aus den Parteizentralen unkommentiert und ohne eine Wahlempfehlung abzugeben.

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2017

Zur Information
Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) wurde 1926 gegründet. Ihr gehören zwölf Mitglieds- und drei Gastkirchen an. Verschiedene Arbeitsgruppen der VEF befassen sich mit Themen wie Evangelisation und missionarischem Gemeindeaufbau, gesellschaftlicher Verantwortung, Rundfunkarbeit, Angeboten für Kinder und Jugendliche oder theologischer Aus- und Weiterbildung.
Weitere Informationen: www.vef.de 

Foto: VEF-Logo

Gute Gegenfrage

Fr, 09/15/2017 - 09:07

Nach wochenlanger Vorbereitung ist es soweit: Die Gemeinde der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) im hessischen Brombach im Taunus (Schmitten) wird mit ihrem Gottesdienst am kommenden Sonntag, den 17. September, in Radio und Fernsehen zu hören beziehungsweise zu sehen sein. Übertragen wird der Gottesdienst im Radio von »ERF Plus« und im Fernsehen über »Bibel-TV«.

Dazu war am vergangenen Sonntag der christliche Medienanbieter »ERF Medien« im Taunusstädtchen Brombach zu Gast und hat den dortigen EmK-Gottesdienst aufgenommen. Das Thema des Gottesdienstes ist die Frage »Wohin sonst sollten wir gehen?«. Mit dieser Frage kontert Petrus die Frage Jesu, ob seine Jünger ihn auch verlassen wollten (Johannesevangelium Kapitel 6,60-69). »Im Gottesdienst«, so erzählt die Gemeindepastorin Cornelia Trick, »geht es um Weggabelungen und was Gott mit unseren Entscheidungen zu tun hat«. Mitgestaltet wird der Gottesdienst von der Chor-Werkstatt unter Leitung von Benedikt Baum und Michael Braaz sowie der Organistin Cornelia Hiller.

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
Homepage der Gemeinde Brombach im Taunus

Zur Information

Sendetermine Radio:
Sonntag, 17. September 2017, 10 Uhr (Wiederholungen 14 Uhr und 22 Uhr) - auf ERF Plus (Digitalradio DAB+; www.erfplus.de; Satellit Astra Radioliste)

Sendetermin Fernsehen:
Sonntag, 17. September 2017, 11.30 Uhr – auf Bibel TV (Satellit Astra, Kabel-Fernsehen)

Der Audiobeitrag steht ab 17.9.2017 in der ERF-Mediathek zur Verfügung.

Foto: © ERF

Globale Gestalt der Kirche als Herausforderung

Do, 09/14/2017 - 15:00

Die internationale Kommission der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) »Ein Weg in die Zukunft« kommt von Montag bis Mittwoch kommender Woche, 18. bis 20. September, in Berlin zu ihrer fünften Tagung zusammen. Dazu reisen die Mitglieder und Moderatoren der Kommission aus den USA, sowie aus verschiedenen afrikanischen Ländern, den Philippinen, aus der Schweiz und aus Deutschland bereits am Samstag an. Am Sonntag beteiligen sie sich an Gottesdiensten und Begegnungen mit Berliner EmK-Gemeinden und interessierten Gemeindegliedern. Es ist das einzige Kommissionstreffen, das außerhalb der USA stattfindet. Die Sitzungen sind nicht öffentlich.

Unterschiede verstehen und achten

Die Tagung in Berlin ist eine wichtige Etappe auf dem Weg dieser Kommission. Dies ist auch dem nach der vierten Sitzung im Juli dieses Jahres veröffentlichten Zwischenbericht zu entnehmen. Darin ist vom »globalen Kontext der Kirche als Herausforderung« die Rede. Hinsichtlich menschlicher Sexualität seien Anliegen und Ziele in der ganzen Welt sehr unterschiedlich, und auch die Zentralkonferenzen und Jurisdiktionalkonferenzen der EmK seien »nicht einer Meinung« in den Fragen zur Ordination Homosexueller oder Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften. Der globale Kontext sei aufgrund unterschiedlicher kultureller, gesellschaftlicher und gesetzlicher Regelungen sehr »komplex«. Deshalb würden Änderungen an der aktuellen Sprachregelung der kirchlichen Ordnung »für die kraftvolle Mission unserer Zentralkonferenzen eine Bedrohung darstellen«. Für den Fortschritt in den Beratungen sei es deshalb entscheidend, »die Unterschiede in den Zentralkonferenzen zu verstehen und zu achten«.

Lösungsansätze skizzieren und diskutieren

Zwischenzeitlich hat die Kommission Rückmeldungen von Einzelpersonen, aus vielen Regionen der weltweiten EmK, aus Gremien und Ausschüssen sowie von Laien und Geistlichen eingeholt. Im nächsten, jetzt in Berlin anstehenden Arbeitsschritt, werden die Ideen und Vorschläge zusammengeführt und diskutiert. Das geschieht, um Lösungsansätze zu skizzieren und zu erörtern, die für die weltweite Kirche die Einheit bewahren und gleichzeitig die unterschiedlichen kirchlichen Kontexte achten. Der Zeitplan der Kommission sieht vor, bis Ende des Jahres 2018 einen Lösungsvorschlag zu formulieren. Dieser wird während der außerordentlichen Tagung der Generalkonferenz beraten, die vom 23. bis 26. Februar 2019 in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri tagen wird.

Bitte um Gebetsunterstützung

Die zwei Moderatoren aus den USA, Sandra Steiner Ball, Bischöfin der West-Virginia-Konferenz, sowie Kenneth Carter, Bischof der Florida-Konferenz, und der dritte Moderator David Yemba, Bischof im Ruhestand der Zentralkonferenz Kongo, bitten um Begleitung im Gebet. Die Sitzung in Berlin sei ein »kritischer Punkt im Verlauf unserer Kommissionsarbeit«. Deshalb »laden wir die Glieder der weltweiten EmK ein, für die Kommission und unsere Kirche um die Kraft und schöpferische Berührung durch den Heiligen Geist zu beten«, so die Moderatoren.

Zuversicht, Entschlossenheit, Umsicht

Angesichts der »großen Aufgabe« wünscht Harald Rückert, der Bischof der EmK in Deutschland, den Mitgliedern der Kommission, »dass sie die begonnene Aufgabe vom Heiligen Geist bewegt zuversichtlich weiterführen – entschlossen, umsichtig und in Gottes Liebe gegründet«. Die seit Mai im Ruhestand befindliche Bischöfin Rosemarie Wenner ist Mitglied der Kommission und will zum Fortschritt der Beratungen beitragen. Die Erfahrungen im früher geteilten und heute international offenen Berlin und die Rückbesinnung im Jahr des Reformationsgedenkens, »werden uns helfen«, so Wenner weiter, »die unterschiedlichen Kontexte, in denen wir als weltweite Kirche arbeiten, ein wenig besser zu verstehen und in diesem Jahr des Reformationsgedenkens damit zu rechnen, dass sich die Kirche zum Positiven verändern kann«. In einem Schreiben haben sich Wenner und Rückert mit der Bitte an die Gemeinden der EmK in Berlin gewandt, die Tagung der Kommission im Gebet besonders zu unterstützen. Diese Einladung gelte aber auch über die EmK-Gemeinden in Berlin hinaus. »Wir sind froh, wenn die Menschen unserer Kirche in Deutschland die Beratungen der Kommission intensiv im Gebet begleiten«, so Rückert.

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
Aktueller Gebetsaufruf (PDF)
Gebetsaufruf (April 2017, PDF)
Gebetsimpuls 23.4.2017 (R. Wenner)
Gebetsimpuls (englisch) 23.4.2017 (R. Wenner)
Zwischenbericht – deutsch (PDF)
Zwischenbericht – englisch (PDF)
Zwischenbericht – englisch (Video)
umc.org/wayforward (englisch)

Zur Information
Die Kommission »Ein Weg in die Zukunft« wurde bei der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche im Mai 2016 beschlossen. Grund dafür waren unlösbare Auseinandersetzungen über Fragen zur menschlichen Sexualität, insbesondere die Ordination Homosexueller oder die Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften betreffend. Im November 2016 wurde die aus 32 Personen bestehende Kommission vom Bischofsrat eingesetzt und hat im Januar 2017 die Arbeit aufgenommen. Aus Deutschland ist Bischöfin i. R. Rosemarie Wenner Mitglied dieser Kommission.

Foto: Maidstone Mulenga

Weitsicht und Tatkraft – zum Tod von Kurt Kircher

Di, 09/12/2017 - 09:00

Am gestrigen Montag, den 11. September, nahm eine große Trauergemeinde in Korntal bei Stuttgart Abschied von Kurt Kircher. Der im Ruhestand in Korntal lebende Pastor der Süddeutschen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) war eine Woche zuvor, am Montag, den 4. September, im Alter von 83 Jahren verstorben.

Eine Frage, die das Leben verändert

Über die Grenzen der EmK hinaus war Kurt Kircher vielen als Gründer und langjähriger Leiter des EmK-Bildungswerks und unermüdlicher Impulsgeber für Bildungsarbeit bekannt. Kirchers ursprünglicher Berufswunsch ließ das nicht erwarten. Der am 22. Mai 1934 geborene älteste Sohn einer in Frankenbach bei Heilbronn ansässigen methodistischen Familie wollte nach der Schulzeit zunächst Maschinenbauingenieur werden. Die Frage des damaligen für den Nürnberger Distrikt zuständigen Superintendenten Karl Dahn, ob er nicht Pastor werden wolle, änderte diese Lebensplanungen nachhaltig.

Jugendarbeit – staatlich gefördert und missionarisch innovativ

Nach Gemeindepraktika in Nürnberg und Naila studierte er Theologie am damaligen Theologischen Seminar der Methodistenkirche in Frankfurt am Main. Von 1959 an war er fünf Jahre Pastor im Bezirk Stuttgart-Zuffenhausen. Nach weiteren fünf Jahren als Pastor in Schorndorf wurde er 1969 für die Jugendarbeit der Süddeutschen Konferenz freigestellt. Elf Jahre lang leitete er das EmK-Jugendwerk der Süddeutschen Konferenz und der Zentralkonferenz. In dieser Zeit trug er wesentlich dazu bei, das Jugendwerk mit seinen verschiedenen Arbeitszweigen aufzubauen und dabei auch die Möglichkeiten der staatlichen Förderung in Anspruch zu nehmen. Die damals entstandene jugendmissionarische Arbeit »JMM«, Junge Menschen missionieren, wurde weit über den süddeutschen Bereich hinaus bekannt und aufgegriffen. Erst vor kurzem wurde das 50-jährige Bestehen dieser heute in »JAT« (Jugendaktionstage) weiterlebenden Aktion gefeiert.

Initiator und Impulsgeber

Als Impulsgeber und Mensch, der Ziele erkennen und verfolgen konnte, entwickelte er immer wieder neue Formen und Aktionen, um das Evangelium zu verkündigen. So entdeckte der die Bedeutung der Bildungsarbeit für die Kirche. Auf dem Hintergrund der politischen Bildungsoffensive sah er Aufgabe und Chance, Menschen durch Bildungsangebote zu fördern und ihnen das Evangelium nahezubringen. Seit 1977 hat er das Bildungswerk der Süddeutschen und Südwestdeutschen Konferenz der EmK aufgebaut und bis zum Eintritt in den Ruhestand 1998 geleitet. In diese Zeit fällt auch der von Kircher unermüdlich vorangetriebene Bau des Bildungs- und Begegnungszentrums der EmK in Stuttgart-Giebel. Außerdem förderte er den Neubau der damals noch in der DDR gelegenen Bildungs- und Begegnungsstätte in Schwarzenshof.

Mit Weitsicht und Tatkraft die Kirche geprägt

Mit kluger Weitsicht hat Kircher »seiner« Kirche nicht nur neue Wege für die Verkündigung des Evangeliums in der sie umgebenden Welt eröffnet, sondern sie auch immer wieder mit großer Tatkraft vorangehend mitgezogen. Am 4. September verstarb Kurt Kircher im Alter von 83 Jahren. Er hinterlässt seine Frau Elisabeth und vier erwachsene Kinder.

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Foto: privat

Haiti: Hurrikan Irma verursacht Schäden

Fr, 09/08/2017 - 17:05

Besonders betroffen ist der Norden des Landes, dort leben mehr als zwei Millionen Menschen. Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe, sagt: »Das Ausmaß der Katastrophe werden wir gemeinsam mit unseren erfahrenen Mitarbeitern und Partnern in den kommenden Stunden erfassen. Wir können sofort anfangen, zu helfen und hoffen, dass die Schäden nicht so groß sind wie durch Hurrikan Matthew im vergangenen Jahr.« Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet um Spenden für die Nothilfe in Haiti.

Der Wirbelsturm Irma hat die höchste Kategorie 5 und gilt als einer der stärksten Hurrikans, die jemals über dem Atlantik gemessen wurden. Er hat nicht nur Sturmschäden verursacht, durch die großen Regenmassen kam es vielerorts zu Überschwemmungen. »Einige Regionen im Norden Haitis sind derzeit noch schwer zugänglich, da viele Straßen überflutet sind«, erläutert Sterry Sprenkle, Leiterin des gemeinsamen Projektbüros von Diakonie Katastrophenhilfe, Lutherischem Weltbund (LWF) und Norwegian Church Aid (NCA). »Viele Menschen leben nach dem Erdbeben 2010 und dem Hurrikan im vergangenen Jahr noch immer in provisorischen Unterkünften und sind Irma zum Teil schutzlos ausgeliefert.«

Der Inselstaat ist immer wieder von schweren Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Hurrikans betroffen. Da Haiti als eines der ärmsten Länder der Welt gilt, treffen diese Katastrophen die Bevölkerung besonders hart. Die Diakonie Katastrophenhilfe ist über das internationale Hilfsbündnis ACT Alliance gut vernetzt und schon seit vielen Jahren in der Soforthilfe, dem Wiederaufbau und der Katastrophenvorsorge in Haiti aktiv. Die Diakonie Katstrophenhilfe hat mit ihren Partnern Frühwarnsysteme eingerichtet und Notunterkünfte gebaut. »Jetzt geht es darum, die Menschen mit sauberem Trinkwasser, Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln zu versorgen«, erklärt Martin Keßler die nächsten Schritte. »Wir sind sehr froh, dass wir über unsere Partner vor Ort sofort helfen können. Daher bitten wir dringend um weitere Spenden für unsere Nothilfe und die wichtige Katastrophenvorsorge in Haiti.«

Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet um Spenden

Diakonie Katastrophenhilfe, Berlin
Evangelische Bank
IBAN: DE68 5206 0410 0000 5025 02
BIC: GENODEF1EK1
Stichwort: Sturmhilfe Karibik
Online unter: www.diakonie-katastrophenhilfe.de/spenden

Caritas international, Freiburg
Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe
IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02
BIC: BFSWDE33KRL
Stichwort: Hurrikan Karibik
Online unter: www.caritas-international.de

Foto: Logo Diakonie Katastrophenhilfe

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