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Aktualisiert: vor 1 Stunde 6 Minuten

Die Kraft aufrichtigen Zuhörens

Fr, 04/20/2018 - 09:00

Vom 15. bis 19. März tagte die internationale Kommission für Diakonie und gesellschaftspolitische Verantwortung (General Board of Church and Society, GBCS) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Berlin. Einmal im Jahrviert sind die international besetzten Kommissionen der Generalkonferenz angehalten, außerhalb der Vereinigten Staaten zu tagen, um die Lebenswirklichkeit und die Situation der EmK in anderen Regionen der weltweit strukturierten Kirche wahrzunehmen. Für die Mitglieder der Kommission waren vor allem die Erfahrungen an der Gedenkstätte der Berliner Mauer an der Bernauer Straße im Herzen Berlins und die Begegnungen mit Flüchtlingen und Mitarbeitern in der Flüchtlingsarbeit besonders bewegend. Klaus Ulrich Ruof, der Referent für Öffentlichkeitsarbeit der EmK in Deutschland, begleitete die Gruppe und berichtet von den eindrücklichen Erfahrungen der Kommissionsmitglieder.

Christiane Schmidt hält inne. Ihr versagt die Stimme. Hunderte Male schon hat die Besucherführerin die Geschichte vom Fall der Berliner Mauer erzählt. Die Besuchergruppe aus den USA spürt ihr ab, dass die Ereignisse von damals sie auch heute noch tief bewegen. Die weißhaarige, engagiert erzählende Frau steht genau an der Stelle, wo sich der Altarraum der 1985 gesprengten Versöhnungskirche befand. Eindrücklich vermittelt sie, wie dieser Ort der Teilung und Zerstörung zu einem Mahnmal für Frieden und Versöhnung wurde.

Lebenszeichen in der Todeszone

Nach dem 2. Weltkrieg war das unter den vier alliierten Siegermächten aufgeteilte Berlin in besonderer Weise von der Teilung Nachkriegsdeutschlands betroffen. Mit dem Mauerbau im Jahr 1961 war die Grenze inmitten der Stadt schmerzhaft sichtbar und nahezu unüberwindbar geworden. Die im Ostteil Berlins gelegene Versöhnungskirche erlangte traurige Berühmtheit. Über 20 Jahre lang stand sie als unzugängliche Kirche inmitten der Sperranlagen und des Todesstreifens nur wenige Meter von der Mauer entfernt. »Die Kirche stand im Weg«, betonte die Besucherführerin und meinte das buchstäblich und im übertragenen Sinn. Den Machthabern im Osten Berlins und den sowjetischen Truppen verstellte die Kirche die freie Sicht auf das Schussfeld zur »Sicherung des Schutzwalls gegen den Imperialismus«. Auch das vielfotografierte Motiv einer zwar stummen, aber doch standfesten Kirche mit hochaufragendem Turm war den politisch Verantwortlichen ein Dorn im Auge. Nach langwierigen Verhandlungen und zugesagtem Schadensersatz für die Evangelische Kirche in der DDR war sie 1985 gesprengt worden. Niemand ahnte zu dem Zeitpunkt, dass gerade einmal vier Jahre später die Mauer fallen und die ehemalige Wunde mitten in der Stadt zu einem Mahnmal des Friedens und der Versöhnung werden würde. Gott hat Humor, könnte man meinen. Dass eine Kirche, die »Versöhnung« in ihrem Namen trägt, nach Kriegsende in der Todeszone einer Grenze steht und dem menschenverachtenden Terror eines Regimes weichen muss, war tragisch. Dass sie später als Versöhnungsmahnmal wiederersteht, könnte sich ein Romanautor oder Filmregisseur nicht besser ausdenken.

Zeichen für Zerstörung und Verbindung

Inzwischen hat Schmidt das Zittern ihrer Stimme wieder überwunden und lenkt die Blicke der gebannt lauschenden internationalen EmK-Besuchergruppe auf zwei Besonderheiten der nüchtern gestalteten Versöhnungskapelle. Die Mauern des Gebäudes waren mit Hilfe junger Freiwilliger aus vierzehn europäischen Ländern im Stampflehm-Verfahren errichtet worden. Junge Menschen aus ehemals verfeindeten europäischen Nationen erbauten miteinander ein Mahnmal der Versöhnung. In den Lehm wurden die durch die Sprengung zermalmten kleinteiligen Steinreste der ehemaligen Versöhnungskirche eingemischt. »Die Steine als Zeichen der Zerstörung und der Lehm als Zeichen der Verbindung mahnen zur Versöhnung und machen diesen Raum zu einem Ort des Friedens und der Vision«, beschreibt Schmidt sichtlich bewegt und dankbar die stumme Botschaft des lehmigen Mauerovals.

Gesichtsloser Jesus und kopflose Jünger

Wenige Schritte weiter weist die Zeitzeugin auf den fast unversehrt unter dem Schuttberg aufgefundenen Altaraufsatz hin, der in der Apsis der Kapelle seinen neuen Platz gefunden hat. »Jesus hat kein Gesicht mehr und auch einige der Jünger sind kopflos«, weist Schmidt auf die Figuren hin. Erst jetzt erkennen die Besucher die eigenartig beschädigten Teile dieses schönen Kunstwerks. »Da ist mir Jesus ganz nahe«, schließt Schmidt ihre eindrückliche Führung. Die nachdenklich gewordene Gruppe verlässt den Ort der Erinnerung. Beim Abendessen fragt ein US-amerikanisches Kommissionsmitglied sichtlich erschüttert: »Warum berührt uns dieser Ort der Versöhnung so stark, während wir andernorts Teilung forcieren, Trennung befürworten und Menschen vom Leben ausschließen?« Wenn Erlebnisse so nachwirken und fragend machen, dann hat sich die weite Reise der Kommission gelohnt. Wenn es gelingt, diese Erfahrungen anderen mitzuteilen, können Methodisten der Versöhnung ein Gesicht geben.

Herausforderungen einer Reise ins Ausland

Die Reise nach Berlin war von den Kommissionsmitgliedern mit Spannung erwartet worden. Einmal im Jahrviert eine Sitzung außerhalb der Vereinigten Staaten durchzuführen, helfe den Kommissionsmitgliedern, die EmK als weltweite Kirche besser zu verstehen. Davon ist die Generalsekretärin der Kommission, Susan Henry-Crowe überzeugt: »Wenn wir bereit sind, über den Tellerrand hinauszuschauen, können wir als Methodisten in der Welt etwas in Bewegung bringen.«

Was das Über-den-Tellerrand-Schauen bewirkt, erzählt Tamara Brown am Rande der Tagung. Von ihren »deutschen Freunden« habe die im US-Bundesstaat Texas in Houston lebende Psychologin gelernt, dass »viele der für die EmK so bedeutsamen Sozialen Grundsätze sich eigentlich auf staatliche Regelungen in den USA beziehen«. Deshalb müsse in anderen Ländern oft erst ausgearbeitet werden, worum es eigentlich gehe, bevor eine Aussage formuliert werden könne, die das auf den Kontext in dem anderen Land anwendet. »Wir sind doch keine US-Kirche, sondern eine weltweite Kirche«, betont Brown und formuliert ihre Erkenntnis: »Unser Reden und Tun muss dann auch die weltweite Realität unserer Kirche widerspiegeln.« Deshalb sei sie nun sehr gespannt, wie sich das in der Revision der Sozialen Grundsätze und im Vorschlag für die neue und reduzierte weltweite Kirchenordnung niederschlage. »Das brauchen wir dringend«, untermauert sie ihre Hoffnung.

Unterschiedliche Ansichten besser verstehen

Dass die weltweite Vernetzung für die EmK eine große Chance darstellt, bestätigt auch Randall Miller. Der Dozent für Christliche Ethik an der Pazifik-Hochschule für Religion im kalifornischen Oakland betont, dass dafür »aufrichtiges Zuhören« die Voraussetzung ist. »Auch wenn Sie mit jemandem nicht übereinstimmen, ist erst einmal wirkliches Zuhören angesagt, ohne währenddessen schon an die eigene Antwort zu denken.« Als Mitglied dieser Kommission sei es ihm ein großes Geschenk, »anderen Menschen zuzuhören und von ihnen zu lernen, was sie zu sagen haben«. Wer die unterschiedlichen Lebensverhältnisse erkenne, in denen Menschen leben, verändere seine Sicht auf die Dinge. »Dem aufrichtigen Zuhören wohnt eine Kraft inne, die die Menschen anspricht«, ist Randall zutiefst überzeugt.

»Was passiert, wenn wir Menschen die Menschlichkeit verweigern, war an der Berliner Mauer zu sehen«, beschreibt Bill Griffin seine Erfahrung an der ehemaligen Grenze in der Mitte Berlins. Der Geschichtslehrer an einer Highschool im US-Bundesstaat Georgia war schon häufiger in Europa. Ihm sei in Berlin erneut »bewusst geworden, dass wir unterschiedliche Sichtweisen, unterschiedliche Erfahrungen und verschiedene Hintergründe haben«. Er ist überzeugt: »Wenn wir uns gegenseitig unsere unterschiedlichen Geschichten erzählen, erkennen wir besser, warum wir unterschiedliche Sichtweisen haben.« Selbst wer das Gleiche sage, meine nicht unbedingt dasselbe, weshalb Griffin der Meinung ist, dass Menschen unbedingt durch andere Sichtweisen herausgefordert werden müssten. »Wir sind ja nicht in einem Echo-Raum, in dem wir immer wieder nur dem eigenen Reden wie einem Echo zuhören.«

»Danke, dass ihr uns hierher gebracht habt«

Bischöfin Sally Dyck war sehr dankbar für die von der Teilung Deutschlands und vom Mauerfall erzählten Geschichten. »Gegenseitiges Erzählen von Geschichten verändert uns«, ist die für die Region Chicago zuständige Bischöfin überzeugt. Besonders beeindruckend sei der Besuch der als Versöhnungskirche zerstörten und als Erinnerung wieder erstandenen Versöhnungskapelle gewesen. »Nicht die Mauer, nicht das Schießen, nicht die Teilung hatten Bestand – es war die Kirche, die überdauerte und wieder auferstand«, fasst sie ihre Empfindungen betont emotional zusammen. Erfahrungen vor Ort und Geschichten, die Menschen erzählen, seien durch nichts zu ersetzen, ist die Präsidentin der Kommission überzeugt. Sie erwartet, dass etliche der Kommissionsmitglieder von der Reise nach Berlin mit einer veränderten Sichtweise zurückkehren werden. Das werde hilfreich sein, um die weltweiten Herausforderungen um Frieden und Gerechtigkeit besser erkennen zu können und dafür angemessene Antworten zu finden, hofft die Bischöfin. Dass diese Hoffnung begründet ist, zeigt der nachdenkliche Kommentar eines sich überwältigt zeigenden Kommissionsmitglieds: »Ich bin von den Begegnungen und Eindrücken in Berlin tief berührt. Danke, dass ihr uns hierher gebracht habt.«

Fotos: Klaus Ulrich Ruof

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

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Eines der Themen, mit denen sich die in Berlin tagende internationale Kommission für Diakonie und gesellschaftspolitische Verantwortung befasst, ist die Neufassung der »Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche«. Zur Sitzung in Berlin lag der zur Diskussion freigegebene Entwurf noch nicht vor, ist aber seit 12. April zugänglich. 

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Meldung in Englisch

Das »Soziale Bekenntnis« der EmK – praktisch umgesetzt

Mi, 04/18/2018 - 13:25

Im Rahmen einer kleinen Feier erhielten am vergangenen Samstag, dem 14. April, die ersten Kirchlichen Umweltauditoren der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Mainz ihre Urkunden überreicht. Nach einer mehrteiligen Fortbildung fand in Mainz das abschließende Kolloquium mit Prüfungsgespräch statt, womit die Ausbildung zum »Kirchlichen Umweltauditor« abgeschlossen ist. Jetzt sind die Absolventen berechtigt, Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen bei der Einführung eines Umweltmanagements nach den Standards, die der »Grüne Gockel« vorgibt, zu beraten und zu begleiten.

Die einjährige Ausbildung umfasste zwei Wochenenden, vier weitere Fortbildungstage und den Abschlusstag mit fiktiver Umweltberatung einer Kirchengemeinde samt abschließendem Prüfungsgespräch. Stefan Weiland, Leiter der Kontaktstelle für kirchliches Umweltmanagement in der Süddeutschen Konferenz, freut sich, dass fünf der 19 Absolventen aus der EmK kommen. »Damit hat unsere Kirche kompetente Umweltauditoren, die Gemeinden für die Entwicklung eines nachhaltigen Umweltmanagements zur Seite stehen«, erklärte er am Rande der Veranstaltung in Mainz. Weiland war zusammen mit zwei Referentinnen der Evangelischen Landeskirche in Baden (EKiBa) sowie der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) für die Fortbildung zuständig.

Die fünf zertifizierten Umweltauditoren aus der EmK sind Deborah Detka, Studentin der Atmosphärenwissenschaften aus der Gemeinde Neuenhain im Taunus, die Studentin Kirsten Lüdeke aus der nördlich von Berlin gelegenen Gemeinde Oranienburg, Gerd Petras, Vertragsmanager in einem IT-Unternehmen der Energieversorgung aus dem Bezirk Berlin-Neukölln/Eichwalde, sowie Manfred Wemken, Handwerker im technischen Gebäudeservice aus der Gemeinde Bremen-Nord. Außerdem hat sich Hans Martin Renno, Pastor in Pforzheim und derzeit noch Referent für diakonische und gesellschaftspolitische Verantwortung, als Kirchlicher Umweltauditor zertifiziert. Die EmK-Absolventen eint das Motiv, ihr »Wissen zu umweltrelevanten Themen auch in die Kirche einzubringen«, wie es Kirsten Lüdeke ausdrückt. »Das ist die praktische Umsetzung des ›Sozialen Bekenntnisses der EmK‹, erklärte Gerd Petras in Verbindung mit der Verleihung der Urkunde. Jetzt freuen sich die Auditoren darauf, Gemeinden und Einrichtungen bei der Entwicklung eines nachhaltigen Umweltmanagements begleiten zu können.

Die Urkunden wurden überreicht von Christian Schwindt, Oberkirchenrat und Leiter des Zentrums für gesellschaftliche Verantwortung in der EKHN, sowie von André Witthöfft-Mühlmann, Leiter des Büros für Umwelt und Energie der EKiBa, und von Stefan Weiland im Auftrag von EmK-Bischof Harald Rückert. »Die Form der Zusammenarbeit über Kirchengrenzen hinweg war bislang einmalig und erstmalig«, erklärte Weiland nach dem erfolgreichen Auftakt dieser Ausbildung. Weitere Kurse seien denkbar, aber noch nicht vereinbart.

Foto: Kathrin Saudhof (EKHN)

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Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.  

 

 

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Die Ausbildung zum »Kirchlichen Umweltauditor« wurde von der Evangelischen Landeskirche in Baden, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelisch-methodistischen Kirche durchgeführt. Im Rahmen der Ausbildung nach den Richtlinien des geprüften Umweltmanagements der Europäischen Union (EMAS: Eco-Management and Audit Scheme, deutsch: Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung) sowie des kirchlichen Umweltmanagements Grüner Gockel/Grüner Hahn werden Kenntnisse zum Aufbau und zur Einführung eines Umweltmanagementsystems erworben. Dazu gehören die Erfassung und Bewertung von Umweltauswirkungen, Grundkenntnisse in Recht und Sicherheit für Kirchengemeinden, Energiemanagement in kirchlichen Gebäuden, Öffentlichkeitsarbeit und Prozessmoderation. Informationen zur Ausbildung und zum Umweltmanagement für Kirchengemeinden sind erhältlich bei der EmK-Kontaktstelle für kirchliches Umweltmanagement: umweltmanagement(at)emk.de

Katastrophe ohne Aufmerksamkeit

Mi, 04/18/2018 - 10:00

In der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) spielt sich eine der größten humanitären Krisen weltweit ab. Das Interesse der internationalen Gemeinschaft ist bislang jedoch gering. »Mehr als 13 Millionen Menschen sind in der DR Kongo auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das sind etwa so viele Menschen wie in Syrien«, erklärt Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, vor dem Start einer internationalen Geberkonferenz am Freitag in Genf. Von dieser Katastrophe nehme die Weltgemeinschaft jedoch kaum Notiz. Zudem sei die Hilfe seit Jahren »chronisch unterfinanziert«. Auch für das Jahr 2018 seien erst 12 Prozent des von den Vereinten Nationen veranschlagten Finanzbedarfs gedeckt.

Deshalb sei es positiv zu bewerten, »dass es endlich zu einer internationalen Konferenz kommt, um Mittel für die notleidende Bevölkerung zu mobilisieren«, so Füllkrug-Weitzel. Ebenso begrüßenswert sei, dass die Europäische Union als einer der Gastgeber in diesem Prozess vorangehe. Dass die kongolesische Regierung jedoch erklärt habe, nicht an der Konferenz teilzunehmen, weil sie sich von der internationalen Gemeinschaft übergangen fühle, weise darauf hin, dass »substanzielle politische Konflikte bisher nicht gelöst sind und vermutlich anhaltend auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen werden«, kritisiert Füllkrug-Weitzel. Die internationale Gemeinschaft müsse sich deshalb noch viel entschiedener um echte politische Konfliktlösungen bemühen, damit der Zugang zu den Hilfsbedürftigen ermöglicht wird.

Das flächenmäßig zweitgrößte Land Afrikas befindet sich seit mehr als 20 Jahren in einer Krise, die sich in den vergangenen Monaten immer weiter verschärft hat. Dramatisch zugespitzt hat sich die Lage in der Region Kasaï im Süden sowie in Ituri im Osten des Landes. Im Kasaï, einer bis 2016 friedlichen Region, wurden allein im Jahr 2017 mehr als 1,4 Millionen Menschen vertrieben, in Ituri sind es rund 340.000 Menschen, die seit Jahresbeginn ihre Heimat verlassen mussten. Mangelernährung und Hunger, Cholera und andere Krankheiten sind weit verbreitet.

Die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt die Menschen auch in diesen für Helfer schwer zugänglichen Regionen. Die Hilfe wird dabei immer an die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung angepasst und über ein breites Netzwerk lokaler Partnerorganisationen umgesetzt.

Grafik: Logo Diakonie Katastrophenhilfe

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Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.  

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Bei Spenden für die Diakonie Katastrophenhilfe aus dem Raum der Evangelisch-methodistischen Kirche sollte neben dem Namen auch die Nummer 5000032 stehen. Diese Nummer ist der EmK zugewiesen. Jede Spende, die im Verwendungszweck diese Nummer hat, wird automatisch der EmK zugeordnet.
Die Kontonummer für die Spenden für »Diakonie Katastrophenhilfe« lautet:
IBAN: DE68520604100000502502

Dranbleiben am Aufbrechen

Di, 04/17/2018 - 14:15

Von Mittwoch bis Sonntag, 11. bis 15. April, tagte die Norddeutsche Jährliche Konferenz (NJK) in Berlin. Am Sonntag fand der Abschluss der Tagung mit einem Sendungsgottesdienst in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin-Kreuzberg statt. Bischof Harald Rückert sandte die Geistlichen und die Laien an ihre Dienstorte.

Mikrofon frei zum Erzählen

»Wo seid ihr aufgebrochen? – Wo sei ihr stecken geblieben?«, fragte Bischof Harald Rückert die Konferenzgemeinde in der Berliner Heilig-Kreuz-Kirche. Damit knüpfte er an die Predigt an, die er ein Jahr zuvor beim Abschluss der NJK-Tagung in Bremerhaven zum Thema »Aufbrechen!« gehalten hatte. »Nehmt einen Impuls auf und setzt ihn um!«, hatte der Bischof damals die Konferenzmitglieder aufgefordert. In Berlin fragte er nun: »Wo seid ihr dran geblieben am Aufbrechen?« Dann gab er das Mikrofon frei und bat die Anwesenden, spontan von ihrem Aufbrechen zu erzählen.

Applaus für neue Orte, neue Formen

Acht Frauen und Männer nahmen die Gelegenheit in der gefüllten Heilig-Geist-Kirche wahr und erzählten von Aufbrüchen in ihren Gemeinden: Die Gemeinde in Wunstorf bei Hannover macht jetzt Gebetsspaziergänge durch ihren Stadtteil. »Wir haben gemerkt, wie Gott an dieser Stelle durch uns wirken will«, berichtete Ehrenfried Matt. Ihr Gemeindehaus aufgegeben hat zwischenzeitlich die Gemeinde in Magdeburg und erlebt die ökumenische Partnerschaft mit einer landeskirchlichen Gemeinde als belebend. Aus der Gemeinde Kiel berichtete Pastor Hartmut Kraft, dass wegen Konflikten nur noch wenige Menschen am Gottesdienst teilgenommen hatten. »Seit November erleben wir, dass ‚neue’ Menschen kommen. Das geschah wider den Augenschein.« In Eimsbüttel feiert die Gemeinde immer wieder Gottesdienste vor den Türen der Kirche, und in Hamburg-Eppendorf zieht die Aktion »Musik und Kirche« Eltern und ihre Kinder an. Helmuth Behnisch berichtete aus dem nordrhein-westfälischen Lage, dass die Gemeinde einen berufsbezogenen Sprachkurs für Flüchtlinge und eine Fahrradwerkstadt anbietet. »Wir werden gesegnet durch die Menschen, die zu uns kommen – auch durch Muslime«, erzählt er von dieser Erfahrung und ergänzt: »Letzte Woche bin ich gefragt worden, was Ostern ist.« Pastor Dirk Liebern feiert in Braunschweig Familiengottesdienste im Wohnzimmer und bestätigt: »Es ist gut, wenn man zu den Menschen geht und andere Formen und andere Orte wagt.« Ein Männerkreis, für den der Frauengebetskreis betet, habe sich in Wolfsburg-Ehmen gebildet, erzählte schmunzelnd Ute-Liane Filler. Die Konferenzgemeinde staunte und applaudierte.

»Wir können von ganzen Herzen Gott danken, was er unter uns tut, wenn wir nur die Augen aufmachen«, sagte Bischof Harald Rückert. Die pastoralen Mitglieder und die Laienmitglieder aus den Distrikten Berlin, Essen und Hamburg wurden vom Bischof nach vorne gebeten und mit dem Segen Gottes an ihre Orte gesandt. Sie sollen »dranbleiben am Aufbrechen«.

Gehaltsfragen und Attraktivität des pastoralen Dienstes

Am Samstagnachmittag schloss die NJK ihre Beratungen im Plenum ab. Der Schatzmeister Andreas Kraft hielt im Blick auf den Haushalt fest, dass sich die Arbeit der NJK im Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung bestätigt habe. In diesem Zusammenhang beschlossen die Konferenzmitglieder auf Antrag des Lübecker Pastors Thomas Lessmann, die Gehälter der Hauptamtlichen auf 100 Prozent der Gehaltstabelle anzuheben. Bisher hatte die NJK aufgrund der angespannten Haushaltslage vom Recht der Abweichung Gebrauch gemacht und Gehälter nur mit einem Abschlag von 1,6 Prozent gezahlt. In der Diskussion um Gehälter und Arbeitszufriedenheit wurde außerdem der Antrag gestellt, Pastoren und Pastorinnen einen dienstfreien Sonntag im Vierteljahr zu gewähren, wie es in der Süddeutschen Konferenz seit einigen Jahren praktiziert wird. Der Antrag wurde an die Kommission für Ordinierte Dienste, das Personalgremium der NJK, verwiesen. Von diesem Gremium soll für die nächstjährige Konferenztagung ein Vorschlag erarbeitet werden, ob dies ein Weg sein kann, den pastoralen Dienst wieder attraktiver zu machen. 

Foto: Heike Liese, NJK-Öffentlichkeitsarbeit

Der Autor
Michael Putzke ist leitender Redakteur des zweiwöchentlich erscheinenden EmK-Kirchenmagazins »Unterwegs«. Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

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Das Gebiet der Norddeutschen Konferenz umfasst 100 Gemeinden mit rund 9.900 Kirchengliedern und Kirchenangehörigen in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, sowie in Teilen von Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Dienstzuweisungen NJK 2018

So, 04/15/2018 - 12:30
Distrikt Berlin

Superintendent: Gabriel Straka (4)

  • Berlin-Charlottenburg:
    deutsche Gemeinde: Anja Müller (3, Lokalpastorin)
    internationale Gemeinde: Carolyn Kappauf (3)
  • Berlin-Friedenau/Schöneberg: Holger Sieweck (12)
  • Berlin-Friedrichshain: Holger Sieweck (4)
  • Berlin Ghanaische Gemeinde: Stephen Amoah (1, Mitarbeiter im Gemeindedienst), Aufsicht: Joachim Georg
  • Berlin-Kreuzberg: Thomas Steinbacher (4), Christian Voller-Morgenstern (4)
  • Berlin-Lankwitz: Frank Drutkowski (16, Lokalpastor), zu besetzen
  • Berlin-Neukölln/Eichwalde: Thomas Steinbacher (4), Sven Tiesler (4)
  • Berlin-Schöneweide/Marzahn: Joachim Georg (11/3)
  • Berlin-Spandau: Matthias Zehrer (11)
  • Berlin-Tegel: Matthias Zehrer (11)
  • Berlin-Wittenau: Anja Müller (3, Lokalpastorin)
  • Cottbus: Sven Tiesler (12), unter Mitarbeit von Matthew Barlow (5, Mitarbeiter im Gemeindedienst, internationale Gemeinde)
  • Eberswalde: Anne Detjen (9), Matthew Barlow (5, Mitarbeiter im Gemeindedienst)
  • Neubrandenburg: Rainer Prüßmann (3)
  • Neuruppin: Frank Drutkowski (1, Lokalpastor)
  • Oranienburg/Zepernick: Andreas Fahnert (3), Maren Herrendörfer (1)
  • Potsdam: Christian Voller-Morgenstern (4)
  • Rostock: Dirk Reschke-Wittko (15)
  • Vorpommern: Rainer Prüßmann (4)
Distrikt Essen

Superintendent: Stefan Kraft (1)

  • Bebra/Eisenach: Jürgen Stolze (5), zu besetzen
  • Bergisches Land: Rainer Mittwollen (6), Bodo Laux (5), Marco Alferink (3)
  • Bielefeld: Cornelis Appelo (7)
  • Braunfels: Steffen Klug (7)
  • Detmold: Günter Loos (4)
  • Duisburg: Frank Hermann (5)
  • Essen: Sven Kockrick (5)
  • Ghanaische Gemeinden Rhein/Ruhr: Charles Gyasi (3)
  • Großalmerode: Michael Putzke (14), Katharina Lange (13)
  • Herges-Hallenberg: Uwe Hanis (4)
  • Kassel: Katharina Lange (15), Michael Putzke (13)
  • Lage: Günter Loos (2)
  • Mülheim an der Ruhr: Sven Kockrick (1)
  • Rheinland: Dr. Rainer Bath (1), Van Jollie (13)
  • Ruhrgebiet Ost: Frank Hermann (6), Sebastian Begaße (10), Regine Stoltze (1), Abena Obeng (3, Lokalpastorin)
  • Thüringer Wald: Uwe Hanis (4)
  • Wuppertal-Barmen: Marco Alferink (7)
Distrikt Hamburg

Superintendentin: Irene Kraft (4)

  • Bookholzberg: Ruthild Steinert (2)
  • Braunschweig/Clausthal: Friederike Meinhold (1), Dirk Liebern (4, Lokalpastor)
  • Bremen: Susanne Nießner-Brose (11)
  • Bremen-Nord: zu besetzen, Aufsicht: Rudi Grützke
  • Bremerhaven: Christhard Elle (9)
  • Delmenhorst: Rudi Grützke (12)
  • Edewecht: Gunter Blaschke (8)
  • Ellerbek: Christine Guse (7)
  • Flensburg: Regina Waack (5)
  • Ghanaischer Bezirk Hamburg: Eldad Newlove Bonney D.Ed, M.phil. (1)
  • Hamburg International UMC: Edgar Lüken (2)
  • Hamburg-Eimsbüttel: Hartmut Kraft (3), William Barnard Jones (1, Lokalpastor)
  • Hamburg-Hamm: Edgar Lüken (3), Silke Bruckart (2)
  • Hamburg-Harburg: Andreas Kraft (1)
  • Hamburg-Nord: Uwe Onnen (4), William Barnard-Jones (7, Lokalpastor)
  • Hamburg-Wilhelmsburg: Karsten W. Mohr (6)
  • Hannover: Hans-Hermann Schole (2)
  • Kiel: Hartmut Kraft (3), William Barnard-Jones (1, Lokalpastor)
  • Leer: Siegfried Stoltze (8)
  • Lübeck: Thomas Leßmann D.Min. (17)
  • Minden: Nicole Bernardy (3)
  • Neuschoo/Aurich: zu besetzen, Aufischt: Andreas Fellenberg
  • Oldenburg: Klaus Abraham (13)
  • Osnabrück: Olaf Wischhöfer (6)
  • Westerstede/Wiesmoor: Bärbel Krohn-Blaschke (5)
  • Wilhelmshaven: Bärbel Krohn-Blaschke (9)
  • Wolfsburg: Dietmar Wagner (9)
In besonderen Diensten Im Bereich der Jährlichen Konferenz, Zentralkonferenz und deren Einrichtungen

Kinder- und Jugendwerk

  • Leiter: Lars Weinknecht (9)
  • Referenten für die Arbeit mit Jugendlichen: Dirk Liebern (1), Andreas Fahnert (3)
  • Referentin für die Arbeit mit Kindern: Friederike Meinhold (2)
  • Referent/in für die Arbeit mit Kindern: Maren Herrendörfer (2)

Kirchenkanzlei

  • Leiter: Ruthardt Prager (12), BK Frankfurt-Innenstadt (SJK)

Kommission für Evangelisation

  • Sekretär für missionarischen Gemeindeaufbau: Christhard Elle (1), BK Bremerhaven

Diakonie

  • Agaplesion Bethesda Krankenhaus und Seniorenzentrum Wuppertal: Jürgen Woithe (6), BK Bergisches Land
  • Diakoniewerk Bethanien Hamburg, Schwesternschaft: Uwe Onnen (4), BK Hamburg-Nord
  • Agaplesion Bethanien, Havelgarten Berlin: Birgit Fahnert (11), BK Berlin-Wittenau
  • Agaplesion Bethanien-Verbund Berlin: Birgit Fahnert (3), BK Berlin-Wittenau

Theologische Hochschule

  • Professor für Systematische Theologie: Stephan von Twardowski (1), BK Reutlingen-Erlöserkirche (SJK)

Öffentlichkeitsarbeit - Leitender Redakteur »unterwegs«

  • Michael Putzke (2), BK Großalmerode
Pastorinnen und Pastoren im Ruhestand

Dr. Daniele Baglio, Siegfried Barth, Dieter Begaße, Walter Berchter, Benno Bertram, Kurt Böttcher, Werner Braun, Volker Bruckart, Gerold Brunßen, Edit Czimer, Elke Dinkela, Daniel Dittert, Reinhold Elle, Siegfried Ermlich, Andreas Fellenberg, Andreas Fischer, Matthias Götz, Christel Grüneke, Hartmut Handt, Armin Hanf, Hans-Wilhelm Herrmann, Willi Holland, Carolyn Kappauf, Johannes Kapries, Martin Lange, Hans Michalski, Dr. Ute Minor, Karsten W. Mohr, Werner Mohrmann, Helmut Robbe, Esther Roch, Joachim Rohrlack, Dieter Rutkowski, Manfred Sanden, Manfred Selle, Helmuth Seifert, Dietmar Sieweck, Siegfried Soberger, Hans-Albert Steeger, Hans-Ulrich Stein, Herbert Stephan, Reinhard Theysohn, Karl Heinz Voigt, Friede-Renate Weigel, Joachim Weisheit

Bewerber/innen für das Predigtamt – Studierende An der Theologischen Hochschule Reutlingen
  • Eric Owusu, BK Berlin Ghanaische Gemeinde
  • Katrin Schinkel, BK Braunschweig/Clausthal
  • Markus Sochocki, BK Hannover
An Universitäten und anderen Ausbildungsstätten
  • Jonas Stolze, BK Ruhrgebiet Ost
Lokalisierte Pastoren/Pastorinnen
  • Jürgen Anker (i.R.), BK Braunschweig/Clausthal
  • Burkhardt Hübner, BK Berlin-Oberschöneweide
  • Manfred Müller, BK Braunfels
  • Andreas Schäfer, BK Hamburg-Harburg

Foto: Klaus Ulrich Ruof, EmK Öffentlichkeitsarbeit

Wie ein Schuhverkäufer im Barfußland

So, 04/15/2018 - 06:18

Die Mitglieder der in Berlin tagenden Norddeutschen Jährliche Konferenz (NJK) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) stellten sich am Samstag dem Thema »Mission und Gemeindebau in einer zunehmend säkularisierten Welt«. Dazu referierte Alexander Garth, Pfarrer der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Als Gründer und 15 Jahre lang Begleiter der »Jungen Kirche Berlin« ist er ausgewiesener Kenner missionarischer Arbeit in säkularer Umgebung. Seit Herbst vergangenen Jahres ist er Pfarrer in Wittenberg an der ehemaligen Predigtkirche Martin Luthers. In reformations-touristischer Umgebung stellt er sich jetzt dort der Herausforderung missionarischer Gemeindearbeit.

Die Sehnsucht boomt, aber die Kirchen leeren sich

»Ich träume davon, dass Menschen ihre Freunde und Nachbarn in die Kirche mitbringen – das bewegt mir das Herz!« Diese Sehnsucht durchdringe sein Leben, seit er als Jugendlicher zum Glauben kam, erklärte der launige Redner den Delegierten der NJK. Die in Europa gesellschaftspolitisch allseits akzeptierte Säkularisierung sei kein Megatrend, dem die Kirche sich anpassen oder gar weichen müsse. Im weltweiten Kontext betrachtet sei vielmehr ein »Megatrend zur Religiosität« festzustellen, der wissenschaftlich bestätigt sei.
Aus seiner missionarischen Gemeindepraxis und seinen Studien und internationalen Besuchsreisen sehe er die kirchliche Arbeit in Europa und besonders in Deutschland in einer »Kirchenmodellkrise«. Diese Krise sei in der Geschichte der Kirche durch die »Konstantinische Wende« und die seit der Reformation von den Landesherren bestimmte Religionszugehörigkeit begründet. Der Glaube sei ursprünglich eine alternative Lebensform gewesen. Durch die Veränderung zur Staatsreligion sei die Kirche zu einem Machtfaktor geworden, der zu einer »korrumpierten Religion« geführt habe.
Gegen die alles beherrschende Macht der Kirche sei die Aufklärung entstanden, die letztlich zur Selbstsäkularisierung der Kirche führte. Das Transzendente und die Erfahrungen des Glaubens seien aus dem Alltag der Kirche verschwunden. Schlussendlich sei der Glaube in der kirchlichen Praxis darauf reduziert worden »Gutes zu tun«. Diese »Ethisierung des Glaubens« habe, so Garth, die Menschen dahin gebracht, dass sie keinen » lieben Gott« mehr bräuchten, um ein »guter Mensch« zu sein. Das wiederum habe zur Folge, dass missionarische Arbeit in Deutschland mit einem Kommunikationsproblem zu kämpfen habe. »Wir schaffen es nicht, die Sehnsucht der Menschen nach Erfahrungen mit Gott, nach Erlösung, nach Sinn, nach Gemeinschaft richtig zu kommunizieren.« Die Sehnsucht boome zwar, so Garth, aber die Kirchen leerten sich. »Wir kommen uns vor wie Schuhverkäufer in einem Land, in dem alle barfuß gehen wollen«, beschrieb der umtriebige und kreative Pfarrer sehr bildhaft diese Spannung.

Die Realität wird über das Gefühl erschlossen

Als Quintessenz seiner Erfahrung beschreibt er »fünf Zugänge, wie Menschen zum Glauben kommen«. Es gehe in der missionarischen Arbeit darum, »die Sehnsucht nach dem lebendigen Gott in den Herzen von Menschen zu wecken«. Das gelinge, wenn die »Sinnfrage der Menschen« ernstgenommen werde. Menschen wollten wissen, wofür sie lebten. Der Glaube sei für viele zwar lächerlich, gleichzeitig ahnten viele: »der Gedanke an eine Welt ohne Gott ist absurd«, ist Garth überzeugt. Spaß und Genuss gäben auf die Sinnfrage keine Antwort. Das sei die Chance für die Kirche. Dazu müssten Christen einladend-sympathische »Beziehungen« mit Nicht-Christen leben, so sein zweiter Zugang. Dadurch könne die Sehnsucht der Menschen nach Erfahrungen mit Gott freigelegt werden. Außerdem müsse die Gemeindearbeit Räume öffnen für »spirituelle Erfahrungen«, weil für den postmodernen Menschen Realität über Gefühle erschlossen werde. Eine nur intellektuelle Argumentation sei nicht zielführend. Mit dem Bedürfnis nach »Gemeinschaft« und der Bereitschaft für »soziales Engagement« beschrieb Garth zwei weitere Zugänge zum Glauben. Besonders das soziale Engagement sei ein Zugang für die Menschen, die »helfen wollen« und als »Weltverbesserer« einen Teil dazu beitragen wollten, die Zustände in dieser Welt zu verändern. Wenn Gemeinden dafür Angebote machten, könnten die Menschen »das Evangelium entdecken«, ist Garth überzeugt.

Neuorientierung nötig

Wenn kirchliche Gemeindearbeit diese fünf Zugänge zum Glauben ernstnehmen wolle, »müssen wir uns heute auf dem religiösen Markt profilieren«, forderte Garth von den Hauptamtlichen und Laien der NJK ein. Bürgerliche, »normale« Gemeinden hätten es da schwer. Das gelte nicht nur für die Landeskirche, sondern auch für freikirchliche Gemeinden. Deshalb müssten Kirchen und Gemeinden ihre Arbeit »neu orientieren«. Der Blick in die Alte Kirche, bevor Glaube zur Staatsreligion wurde, könne dafür sehr hilfreich sein. In der Alten Kirche »waren Familien Missionsstationen«. »Jeder Christ war ein Jünger«, beschrieb Garth diese urtypische Form missionarischen Lebens. Neben diesem Blick zurück gehöre der aufrichtige Blick auf Kirchen außerhalb Europas dazu. Ohne Überheblichkeit müsse gefragt werden, »warum und wie sie wachsen«.

Sympathisch von Gott reden

Gemeinde könne sich dieser Herausforderung stellen, wenn sie bereit sei, »dem Umfeld zu dienen«, »den Ort zu wechseln« und »einladend und wertschätzend vom Glauben zu erzählen«. Nur wenn Gemeinde für das konkrete Umfeld relevant und dafür auch bereit sei, an andere Orte zu gehen, werde sich etwas grundlegend ändern können. Immer noch darauf zu warten, »dass die Menschen ja zu uns kommen können«, sei zu wenig. Gemeinde merke dann aber auch sehr schnell, dass dies eine aufrichtige Begegnung mit den Menschen erfordere. »Jesus ist das Beste, das diesem Planeten je passiert ist«, betont der Referent, weshalb Christen »offen, wertschätzend, freundlich und auf Augenhöhe den Menschen begegnen sollen«. Die Einzigartigkeit Jesu Christi sei in sympathischer Weise zu verkündigen. Weder sollten Menschen dabei bedrängt, noch andere Religionen abgewertet werden. »Wir haben eine einladende Botschaft«, wirbt Garth für diese Grundhaltung. »Wir können von Jesus in sympathischer Weise sprechen, dass wir den anderen gewinnen und dieser sein Herz aufmacht«. »Eine Gemeinde, die aus solchen Menschen besteht, ist einladend«, betont Garth seine Überzeugung einmal mehr. Denn: »Das Frohmachende ist hochinfektiös.«

Foto: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Die Autoren
Michael Putzke ist leitender Redakteur des zweiwöchentlich erscheinenden EmK-Kirchenmagazins »Unterwegs«. Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Zur Information
Das Gebiet der Norddeutschen Konferenz umfasst 100 Gemeinden mit rund 9.900 Kirchengliedern und Kirchenangehörigen in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, sowie in Teilen von Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Verstehen und verstanden werden

Sa, 04/14/2018 - 06:03

Am Freitag setzte die Norddeutsche Jährliche Konferenz (NJK) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) im Gemeindezentrum Kreuzkirche in Berlin-Lankwitz ihre Arbeit fort. Wegweisend war die morgendliche Bibelarbeit von Olaf Wischhöfer. Die Plenumssitzung beschäftigte sich intensiv mit der Frage der Dienstzuweisungen. Der Abend der Gemeinschaft mit Dienstjubiläen und dem Gedenken an Verstorbene beschloss den Tag.

»Wie lange haben wir noch, wenn sich nichts ändert?«

In seiner Bibelarbeit über die Seepredigt Jesu (Lukas 5,1-11) forderte Olaf Wischhöfer die Konferenz am Freitag auf, mit Jesus »in die Tiefe« hinauszufahren. Das konfrontiere auch mit dem, was verborgen ist: Schuld und Scham, aber auch Sehnsucht und Echtheit, Träume und Wünsche, erklärte der Osnabrücker EmK-Pastor. Jesus habe am Strand des Sees Genezareth Fischer getroffen, die die ganze Nacht nichts gefangen hatten. Die Erfolglosigkeit der Jünger ähnele sehr stark der aktuellen Situation der NJK, legte Wischhöfer dar. Die Jünger fragten, warum sie erneut die Netze auswerfen sollten. »Als NJK fragen wir uns ja schon lange: ›Wie geht es weiter?‹« Die Sinnfrage würde zwar nicht ganz so laut gestellt. »Aber«, so Wischhöfer weiter, »wir fragen uns: ›Wie lange haben wir noch, wenn sich nichts ändert?‹«

Heilung und Zukunft

Das NJK-Motto »Dranbleiben!« könne da nicht als Parole zum Durchhalten gemeint sein. In der Begegnung mit Jesus habe sich Petrus und den anderen Fischern am See »ein neuer Sinnhorizont über alle vermeintliche Realität hinaus« eröffnet. Die Jünger erlebten mit Jesus einen neuen Horizont, indem sie bereit waren, ihr bisheriges Leben aufzugeben. Deshalb sei der Fischzug des Petrus kein Aufruf zum Weitermachen, sondern die energische, aber liebevolle Einladung Jesu in die Tiefe hinauszufahren. Darum gehe es auch für die NJK: »In die Tiefe hinauszufahren, dort miteinander zu fischen, einander bisher Verborgenes zuzumuten.« Das führe zwar auch zum Erschrecken, müsse aber nicht zur Trennung von Gott oder voneinander führen. Gerade darin könne »Heilung und Zukunft« liegen, wenn das »Fürchtet euch nicht!« von Jesus vernommen werde. Gerade dafür sei die neue Arbeitskultur der in der NJK seit zwei Jahren praktizierten »Zukunftskonferenz« ein Beispiel. In dieser offenen Gesprächssituation könne »etwas mehr von unserer persönlichen und gemeinschaftlichen Tiefe« gezeigt werden. Dazu gehöre auch, »respektvoll und interessiert auf das Gegenüber zu reagieren«. So habe er »Schwestern und Brüder anders schätzen gelernt«, bekannte Wischhöfer. Verstehen und verstanden werden würden so den Grund dafür legen, dass die NJK konfliktfähiger werde. Wischhöfer ist überzeugt, dass das die Chance, »gemeinsam bessere und verlässlichere Entscheidungen zu treffen«, deutlich erhöhe.

Dienstzuweisung neu denken

In den Geschäftssitzungen stand die Suche nach einem neuen Dienstzuweisungsmodell im Mittelpunkt. Auf Basis von Vorarbeiten einer Arbeitsgruppe wurden drei Modelle diskutiert. Das eine sieht vor, dass Ortsgemeinden mit 120 und mehr Kirchengliedern mit einer oder mehreren pastoralen Stellen ausgestattet werden sollen. Kleinere Gemeinden sollen in Regionalbünden zusammengefasst werden. Darüber hinaus sollen Hauptamtliche auch für Projekte freigestellt werden, um neue Arbeitszweige zu eröffnen. Ein anderes Modell trägt dem Ansatz Rechnung, Dienstzuweisungen für Hauptamtliche und Gemeinden transparenter, verlässlicher und möglichst langfristiger zu gestalten. Neben diesen beiden Modellen soll auch eine dritte Möglichkeit erwogen werden, bei der sich Hauptamtliche frei bei Gemeinden bewerben können und umgekehrt auch Gemeinden auf Pastoren oder Pastorinnen zugehen dürfen, um diese für einen Dienst in ihrer Gemeinde zu gewinnen. Nach ausführlicher Diskussion dieser Vorschläge beauftragten die Konferenzmitglieder die Arbeitsgruppe, die drei Modelle weiterzuentwickeln und der NJK-Tagung im kommenden Jahr zur Abstimmung vorzulegen.

Gedenken und Danken

Beim Abend der Gemeinschaft wurde ehrend und dankbar an Verstorbene aus der Dienstgemeinschaft gedacht und Dienstjubiläen gefeiert. Der Superintendent für den Distrikt Berlin, Gabriel Straka, erinnerte an den verstorbenen Pastor Fritz Wittko, die verstorbene Pastorenfrau Sabine Elle sowie die Pastorenwitwen Renate Ott, Selma Michalski, Maria Wichers und Marion Laubsch-Groß und den im vergangenen Jahr verstorbenen Bischof Rüdiger Minor. Joachim Georg und Simone Bruhn ehrten die Dienstjubilare. Johannes Kapries wurde für 70 Dienstjahre geehrt, Reinhold Elle, Willi Holland und Dietmar Sieweck für 60 Dienstjahre, Hans-Albert Steeger und Karsten W. Mohr für 50 Dienstjahre, Van Jolli, Regine Stoltze und Klaus Abraham für 40 Dienstjahre sowie Günter Loos und Holger Sieweck für 25 Dienstjahre.

Foto: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Die Autoren
Michael Putzke ist leitender Redakteur des zweiwöchentlich erscheinenden EmK-Kirchenmagazins »Unterwegs«. Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit@emk.de. 

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Das Gebiet der Norddeutschen Konferenz umfasst 100 Gemeinden mit rund 9.900 Kirchengliedern und Kirchenangehörigen in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, sowie in Teilen von Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Vom Rechthaben anderer

Fr, 04/13/2018 - 11:45

Mit dem gestrigen Donnerstag nahm die Norddeutsche Jährliche Konferenz (NJK) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) im Gemeindezentrum Kreuzkirche in Berlin-Lankwitz ihre Arbeit auf. Am ersten Tag bildeten eine Bibelarbeit und das bischöfliche »Wort an die Konferenz« die inhaltlichen Schwerpunkte.

Neues wagen

»Es braucht neue Modelle von Gemeindearbeit und unterschiedliche theologische Akzente.« Das sagte Bischof Harald Rückert den Mitgliedern der Norddeutschen Jährlichen Konferenz in seinem »Wort an die Konferenz«. Gerade in einer Zeit, in der der menschliche Umgang in der Gesellschaft schwinde und der Umgang mit der Wahrheit in Frage stehe, sei die Kirche gefordert. Das gesellschaftliche Klima verändere gerade auch die Arbeit der Kirchen, die in Deutschland zunehmend an Bedeutung verlören. Aber gerade deswegen solle die Kirche Neues wagen, fordert Rückert.

»Vielleicht hat mein Gegenüber mehr Recht als ich«

Neben traditionellen Formen solle auch Neues Platz haben. Dazu verwies der Bischof auf den Eröffnungsgottesdienst vom Vorabend, bei dem sowohl Lieder aus dem Gesangbuch gesungen wurden als auch andere Lobpreislieder zusammen mit der Band der Lankwitzer EmK-Gemeinde. Rückert warb um Mut zur Vielfalt in der EmK. Bei aller Verschiedenheit brauche es aber auch eine Einheit, die um das wisse, was wesentlich sei. Dabei bezog sich Rückert auf eine den Methodismus von Anfang an prägende Aussage: »Im Wesentlichen Einheit — im Unwesentlichen Freiheit — über allem die Liebe«. John Wesley habe festgehalten, dass Menschen, die sich Methodisten nennen, sich nicht durch besondere theologische oder ethische Auffassungen auszeichneten. Es gehe nicht um bestimmte Glaubensstile oder Verhaltensweisen, hob Rückert hervor. »Da darf es Verschiedenheit geben«, ist der Bischof überzeugt. »Was sie ausmacht, ist die Liebe Gottes, die in ihr Herz ausgegossen ist.« Dann könne die Einsicht wachsen, »dass vielleicht ja auch mein Gegenüber ein bisschen mehr Recht hat, als ich«.

Bleiben in Jesus ist Leistung genug

Am Morgen begann die Sitzung der NJK mit einer Bibelarbeit von Anne Detjen über Johannes 15,1-8, wo vom Weinstock und den Reben die Rede ist. Die Pastorin der EmK-Gemeinde in Eberswalde betonte, einen Weinstock einfach wachsen zu lassen, sei das Schlimmste, das man ihm antun könne. Das, so Detjen in ihrer Auslegung, erkläre auch die Aussage, dass der Weingärtner Reben ohne fruchtbringende Ansätze wegnehme. Solche, die Frucht bringen würden, reinige er, dass sie noch mehr Frucht bringen könnten. Das gebe optimale Bedingungen für die Reben, die am Weinstock bleiben. Das, so Detjen weiter, beschreibe auch die Jüngerschaft. Allerdings gehe es dabei nicht um eine zu erbringende Leistung. »Wir hören, dass eben nicht die eigene Leistung etwas erbringen muss«, sagte Detjen, »sondern allein das Bleiben in Jesus ist Leistung genug, um Frucht zu bringen.«

Fotos: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Die Autoren
Michael Putzke ist leitender Redakteur des zweiwöchentlich erscheinenden EmK-Kirchenmagazins »Unterwegs«. Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.  

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Stabwechsel beim BCPD

Fr, 04/13/2018 - 10:00

Bei einer Festveranstaltung im baden-württembergischen Herrenberg wurde Ende Januar der Stabwechsel im Bundesvorstand des Bundes Christlicher Posaunenchöre Deutschlands (BCPD) vollzogen. Neuer Bundesvorsitzender ist Matthias Kapp, Pastor im Gemeindedienst der Evangelisch-methodistischen Kirche in Marbach. Claudia Raigel ist die neue Leiterin der Geschäftsstelle. Weitere Mitglieder des neuen Bundesvorstandes sind Günter Staaden als stellvertretender Bundesvorsitzender, Roland Werner als Bundesposaunenwart, Heinz Hörpel im Amt des Schatzmeisters. Außerdem gehören Martin Geissler, Werner Jung, Jürgen Spannagel und Benni Dignus zum Bundesvorstand.

Langjährige Verantwortungsträger wurden aus ihren Ämtern verabschiedet: Pastor Werner Jung als vormaliger Bundesvorsitzender und Klaus Geiger als stellvertretender Bundesvorsitzender und Leiter der Geschäftsstelle sowie des Verlags. Vertreter des Evangelischen Posaunendienstes in Deutschland, des Christlichen Sängerbunds, der Evangelisch-methodistischen Kirche, des Bundes Freier evangelischer Gemeinden und des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden richteten Grußworte an Werner Jung und Klaus Geiger und würdigten ihren engagierten Einsatz. Der Junge Bläserkreis des Neckarverbandes umrahmte diese Beiträge mit kurzen musikalischen Intermezzi.

Fotos: BCPD

Der Autor
Benni Dignus ist Bundesjugendvertreter im BCPD und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Räume zur Entwicklung eröffnen

Do, 04/12/2018 - 06:53

Am gestrigen Mittwoch begann die Norddeutsche Jährliche Konferenz (NJK) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) mit einem Gottesdienst in der Kreuzkirche in Berlin-Lankwitz. Bis Sonntag tagen dort gut 200 pastorale Hauptamtliche und Laien, um Themen zu beraten und Entscheidungen zu treffen, die für die EmK in Norddeutschland für die kommenden Jahre wegweisend sein werden. Dazu wird der vor zwei Jahren begonnene »Zukunftsprozess« weitergeführt.

»Dranbleiben bedeutet, kraftvoll neue Schritte zu gehen«, sagte Andreas Kraft, Pastor der Lankwitzer EmK-Gemeinde, in seiner Predigt im Eröffnungsgottesdienst der Konferenztagung. Mit dem Bezug zum Konferenzthema »Dranbleiben!« forderte er die aus rund 100 norddeutschen EmK-Gemeinden angereisten Delegierten auf, »nicht nur das Vorfindliche zu schützen«. Es gehe vielmehr auch darum, »Grenzen zu überschreiten und unmögliche Berufungen zu riskieren«. Zum Dranbleiben gehöre aber auch loszulassen, so Kraft weiter. Kirchenleitende Gremien hätten »kein Monopol auf Initiative« und auch nicht die »zustimmende Endkontrolle, damit Gottes Reich kommt«. Wichtig sei, geisterfüllten Menschen in der Kirche und den Gemeinden »Räume zu eröffnen«, damit Entwicklung geschehe und weitergehe.

Die Verbundenheit mit anderen Kirchen und Bewegungen kam im Gottesdienst durch die Anwesenheit ökumenischer Gäste zum Ausdruck. Christian Stäblein, Probst der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, betonte dabei, dass »Unterschiede bereichern und Reichtum schaffen« und es wichtig sei, dass die verschiedenen Religionen zum Frieden in der Stadt mitwirkten. Vom Erzbistum Berlin der römisch-katholischen Kirche war Weihbischof Matthias Heinrich zugegen, der die »starke und verlässliche Partnerschaft« lobte. Schwester Andrea Eulitz von der Gemeinschaft Chemin Neuf (Neuer Weg) im Kloster Lankwitz betonte den Wert der Gemeinschaft. »Allein geht man schnell, aber zusammen kommt man weit«, war ihr zur Zusammenarbeit und Begegnung einladender Gruß an die Delegierten der Konferenz.

Foto: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

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Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

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Die Norddeutsche Konferenz umfasst 100 Gemeinden mit rund 9.900 Kirchengliedern und Kirchenangehörigen in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, sowie in Teilen von Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Dranbleiben und nicht nachlassen

Di, 04/10/2018 - 13:00

Von Mittwoch bis Sonntag (11. bis 15 April) findet die Tagung der Norddeutschen Jährlichen Konferenz (NJK) in Berlin-Lankwitz statt. Dort wird der Zukunftsprozess weitergeführt, der schon die beiden letzten NJK-Tagungen in Braunfels (2016) und Bremerhaven (2017) bestimmte. Die methodische Arbeitsweise der Zukunftskonferenz beförderte eine neue Gesprächskultur: ein vielfacher Austausch in wechselnden Kleingruppen bezog alle Konferenzmitglieder ein und brachte gute Ergebnisse hervor. Auch in diesem Jahr werden in Lankwitz die neuen Arbeitsformen eingesetzt. So sollen Tischgruppen ein hohes Maß an Teilhabe aller Konferenzmitglieder ermöglichen, wie der für den Distrikt Berlin zuständige Superintendent Gabriel Straka hervorhebt. Auch die Berichte der Kommissionen und Beauftragten werden in diesen Kleingruppen diskutiert.

Gastredner am Samstag: Pfarrer Alexander Garth

Als Thema hat die NJK »Dranbleiben!« gewählt. Letztes Jahr war dies schon das Motto der Tagung der Süddeutschen Jährlichen Konferenz in Neustadt an der Weinstraße. Dieses Thema passe auch für die Situation der NJK, erklärt Gabriel Straka die Wahl. Denn für die EmK im Norden gelte es jetzt, im Zukunftsprozess dranzubleiben und nicht nachzulassen. Das »Dranbleiben!« wird in Bibelarbeiten zum Jesus-Wort »Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben« (Johannes 15,1–8) und in der Geschichte vom Fischzug des Petrus (Lukas 5,1–11) entfaltet. Am Samstag hält Alexander Garth ein Referat, das die Aufgabe der Kirchen für heute in den Blick nimmt: »Mission und Gemeindebau in einer zunehmend säkularisierten Welt: Herausforderungen und Chancen«. Alexander Garth gründete 1999 das Pilotprojekt »Junge Kirche Berlin« in Berlin-Hellersdorf, mit dem die evangelische Landeskirche und die Stadtmission junge Menschen erreichen. Seit dem vergangenen Jahr ist Alexander Garth Pfarrer an der Stadtkirche der Lutherstadt Wittenberg.

Neue Arbeitsweise des Konferenzverwaltungsrates

Ein Schwerpunktthema während der NJK-Tagung wird die Zukunft der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sein. Dazu liegt ein Zwischenbericht zur Diskussion vor. Während der Tagung in Berlin-Lankwitz sollen Weichen für die Weiterarbeit gestellt werden, damit 2019 für diesen Arbeitsbereich Beschlüsse gefasst werden können. Außerdem soll sich die Arbeitsweise des Konferenzverwaltungsrates ändern. Er wird die Aufgabe der bisherigen Steuerungsgruppe übernehmen und damit auch den Zukunftsprozess vernetzen sowie Impulse zur Weiterarbeit setzen. Ziel ist, den Zukunftsprozess weiterzuführen und zu verstetigen.

Bildrechte: Grafische Gestaltung: Markus Hinz-Sperling

Der Autor
Michael Putzke ist leitender Redakteur des zweiwöchentlich erscheinenden EmK-Kirchenmagazins »Unterwegs«. Kontakt: redaktion(at)emk.de

Start an der THR: von Twardowski tritt Professur an

Mo, 04/02/2018 - 07:56

Mit dem Beginn des Sommersemesters an der Theologischen Hochschule Reutlingen (THR) der Evangelisch-methodistischen Kirche nimmt Stephan von Twardowski seine Tätigkeit als Professor für Systematische Theologie auf. Dazu gehört die Lehrveranstaltung »Methodistische Theologie« und am Mittwoch, dem 4. April, der Hochschulgottesdienst. Im Rahmen dieses Gottesdienstes findet die Einführung in die neue Aufgabe statt. Von Twardowski hält die Predigt.

Im Sommer vergangenen Jahres war der 40-jährige Theologe und Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche vom Hochschulrat der THR als Nachfolger von Michael Nausner auf den Lehrstuhl für Systematische Theologie berufen worden. Zuletzt leitete er als Pastor den Bezirk Braunschweig/Clausthal und im Nebenamt als Referent die Arbeit mit Jugendlichen in der Norddeutschen Konferenz.

Foto: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
Vita Stephan von Twardowski

Zur Information
Der Gottesdienst zur Einführung von Stephan von Twardowski findet am 4. April 2018 um 12 Uhr statt.
Ort: Friedrich-Ebert-Straße 31, Reutlingen – Theologische Hochschule Reutlingen der Evangelisch-methodistischen Kirche
Kontakt: info(at)th-reutlingen.de
Web: www.th-reutlingen.de

Falsch gesucht – den Richtigen gefunden

Sa, 03/31/2018 - 20:16

Ein Witz kann Wahrheit nett vermitteln – wie dieser hier: In stockdunkler Nacht umkreist einer auf allen Vieren einen Laternenpfahl. Ein teilnahmsvoller Passant fragt ihn, warum er das tue. »Ich hab‘ meinen Hausschlüssel verloren.« – »Hier?« – »Nein, aber hier ist es heller.« Soll ich über diesen Mann lachen oder kann ich ihn verstehen? Recht hat er: Es sucht sich angenehmer im Hellen. Es ist leichter, wo alles klar und bekannt ist. Aber was nützt es, wenn das Gesuchte an ganz anderer Stelle liegt? Man wird nichts finden. Der Griff geht ins Leere.

Was wir festhalten, kann sich oft nicht mehr rühren

Wir möchten gern die Dinge in den Griff bekommen. Es ist angenehmer, wenn wir alles übersichtlich und festgelegt haben. Und doch: Was wir im Griff haben, was von uns festgelegt und festgehalten wird, kann sich oft nicht mehr rühren. Das ist wie mit einer Sammlung wunderschöner Schmetterlinge. Gefunden, präpariert und aufgespießt landeten sie in einer Vitrine. Da ist kein Leben mehr drin. Doch nicht nur mit Schmetterlingen geht es so. Mit jedem Versuch, alles im Leben glasklar und unzweideutig machen zu wollen, drohen wir Leben zu ersticken. Das gilt für den täglichen Umgang miteinander, und es gilt auch für Belange der Kirche.

»Was sucht ihr Christus, den Lebenden, bei den Toten?« Diese aufrüttelnde Frage steht am Beginn der Osterereignisse, so wie sie uns im Lukasevangelium (Lukas 24,5) geschildert werden. Jesus war festgenagelt am Kreuz. Er hat sich ins Leiden und Sterben hineingegeben. Er hat sein Leben verloren, für uns! Und doch – ihn musste der Tod wieder hergeben. Der Tod behielt nicht das letzte Wort. Gott hat Jesus zu neuem Leben auferweckt. Er ist der Lebendige. Deshalb ist er nicht zu finden in den Archiven der Geschichte, auch nicht in religiösen Richtigkeiten. Der Lebendige ist nicht in den Griff zu bekommen. Er entzieht sich unseren Festlegungen.

Jesus ist souverän – Nägel und Steine halten ihn nicht

Unvermutet will er uns begegnen, souverän und frei. Er ist fern und kommt doch immer wieder nah, viel zu nah vielleicht. Nägel und Steine halten ihn nicht. Bloße Erinnerungen fassen ihn nicht. Auch das »Es war doch schon immer so« wird ihm nicht gerecht, denn es gaukelt Klarheit und Übersichtlichkeit nur vor. Als der Lebendige will Jesus sich finden lassen. Offenheit und Sehnsucht nach Lebendigkeit – der Glaube eben –, das ist der Ort für uns, um Jesus zu finden und mit ihm das wahre Leben.

Foto: Klaus Ulrich Ruof, © EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Der Autor
Harald Rückert ist seit Mai 2018 Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Der Dienstsitz ist in Frankfurt am Main. Kontakt: bischofsbuero(at)emk.de.

Ermöglichen statt Kontrollieren

Di, 03/27/2018 - 13:15

Die Frühjahrssitzung des Kirchenvorstands der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) fand am vergangenen Freitag und Samstag (23. und 24. März) im hessischen Braunfels statt. Bei einer besonderen Feier erinnerte Karl Heinz Voigt in einem Vortrag an die 50 Jahre zurückliegende Vereinigung zur Evangelisch-methodistischen Kirche. Außerdem legte der Kirchenvorstand seine Arbeitsweise für die kommenden Jahre fest.

Vereinigungsgespräche verstellten den Blick auf gesellschaftliche Umbrüche

Mit einem Vortrag über das »Wollen, Sollen oder Müssen« betrachtete Karl Heinz Voigt den Zusammenschluss der beiden Vorgängerkirchen »Evangelische Gemeinschaft« und »Methodistenkirche« zur »Evangelisch-methodistischen Kirche« im Jahr 1968. Der im Ruhestand in Bremen lebende EmK-Pastor betonte dabei in besonderer Weise den Beginn der Vereinigungsgespräche auf europäischem Boden im Januar 1963 in Frankfurt am Main. Nachdem mehrere von der Methodistenkirche angestoßene Gesprächsversuche für eine Vereinigung gescheitert waren, sei 1963 die Initiative für den europäischen Raum von der Evangelischen Gemeinschaft ausgegangen. Im Rahmen einer Sitzung des Europäischen Zentralrats der Evangelischen Gemeinschaft in Frankfurt am Main sei seinerzeit eine Delegation der Methodistenkirche aus Deutschland und der Schweiz vertreten gewesen. Das wurde zum Ausgangspunkt für inhaltlich schon sehr weit von der Evangelischen Gemeinschaft vorgearbeitete Vereinigungsgespräche. Damit sei auch klar gewesen, »wer hier Gastgeber und wer Gast ist«, beschrieb Voigt diesen geschichtsträchtigen Anfang. Aufgrund der zahlenmäßigen Größenverhältnisse – die Methodistenkirche war deutlich größer als die Evangelische Gemeinschaft – seien die vorherigen Gesprächsanstöße des »größeren« Partners ein »gesteigertes Problem« gewesen. Aus diesen Erfahrungen folgte auf Seiten der Methodistenkirche eine starke Passivität. Mit Auftakt der Vereinigungsgespräche führte die zögerliche Haltung der Methodistenkirche dazu, dass die Delegation der Evangelischen Gemeinschaft das Heft in die Hand nahm. Die 1963 begonnenen Gespräche, die im Jahr 1968 zur Vereinigung der beiden Kirchen führten, zogen viele inhaltliche Fragen und Überlegungen zu einer gemeinsamen Kirchenordnung nach sich. Laut Voigt führte das dazu, dass die gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen jener Zeit in beiden Kirchen nicht genügend Beachtung gefunden hätten. Außerdem sei viel Kraft in die strukturelle Vereinigung geflossen. Für die an der Basis an zahlreichen Orten folgenden Bezirks- und Gemeindevereinigungen habe es daher zu wenig Hilfe und Anleitung gegeben.

Aus der »Lebensordnung« wurde eine »Kirchenordnung«

An konkreten Auswirkungen lasse sich auch heute noch die Herkunft unterschiedlicher Traditionen erkennen. Dazu gehöre das Bischofsamt, das nicht in einer »Weihe« zugesprochen werde, sondern in einer »Einführung« ins Amt gefeiert werde. Kritisch sieht Voigt das aus der Vereinigung erwachsene Kirchenverständnis. Mehr als eine »Variante der Volkskirche mit einigen eigenen Akzenten zu sein« attestiert Voigt dem gelebten und vermittelten Kirchenverständnis der seit 50 Jahren vereinigten Kirche nicht. Seiner Meinung nach biete der methodistische Ansatz, Kirche zu gestalten, »eine echte Alternative zu der Praxis der uns umgebenden Kirchen«, sei aber bei vielen Hauptamtlichen nicht im Blickfeld. Daran zu arbeiten, sei eine dringende und lohnende Aufgabe angesichts des weiter zurückgehenden Einflusses der volkskirchlichen und territorialen Kirchenformen, wie sie in Deutschland immer noch vorherrschend seien. Problematisch sieht Voigt die Verrechtlichung und Binnenorientierung, die aus der Vereinigung beider Kirchen erwuchs. Die ursprünglich als »Lebensform« angelegte Ordnung der Kirche zeige sich im englischen Namen »Discipline«. Bei der Vereinigung hätten beide Partner aber versucht, in einer neuen Kirchenordnung alles für sie Wichtige zu verschriftlichen und damit unverhandelbar festzulegen. Das habe weiteren Regulierungsbedarf nach sich gezogen, der sich in Diensthandbüchern mit weiteren Ausführungsbestimmungen niederschlug. So sei aus der ursprünglich als Jüngerschaftsordnung angelegten »Lebensordnung« (Discipline) eine stark regelorientierte Kirchenordnung geworden.

Nachdenktage, um Führung wahrzunehmen

Um aus dem Rückblick für die Zukunft zu lernen, gab Voigt den Mitgliedern des Kirchenvorstands zwei nachdenkenswerte Impulse mit auf den Weg. Zum einen dürfe der Kirchenvorstand der EmK »sich nicht selbst zu einem geschäftsführenden Gremium einer Institution reduzieren«. Dafür müsse sich dieses Gremium aber regelmäßig »Nachdenktage gönnen, um gewisse Schritte in die Zukunft zu gehen« und damit Führung wahrzunehmen. Außerdem ist es aus Sicht Voigts unbedingt nötig, das Bewusstsein der eigenen Herkunft und Geschichte zu stärken. Dafür, so Voigt weiter, sei es »dringend notwendig, einen eigenen Lehrstuhl für ›Methodistische Geschichte‹ einzurichten«. Noch besser sei sogar ein »Institut für die Erforschung der Geschichte des Methodismus in Europa«.

Vorwärtsgewandte Arbeit im Kirchenvorstand

Neben dem Fokus auf Impulse aus der Geschichte beriet der Kirchenvorstand in seinen Geschäftssitzungen eine neue, mehr zukunftsgewandte Arbeitsweise. Bischof Harald Rückert will damit eine »Akzentverschiebung« erreichen. Ziel der Arbeit im Kirchenvorstand sei nicht das Kontrollieren, sondern das Ermöglichen. Der Blick solle weniger zurück als vielmehr nach vorne gerichtet sein. Außerdem solle es weniger um Strukturfragen gehen, sondern mehr um die Frage, was für die Arbeit vor Ort in den Gemeinden wichtig ist und diese unterstützt. Die Beschäftigung mit der Entgegennahme von Berichten werde reduziert, um mehr Zeit für die inhaltliche Arbeit an relevanten und zukunftsorientierten Themen zu gewinnen. Außerdem betont der Bischof, dass entstehende Freiräume dann auch für Gebetszeiten und geistlichen Austausch genutzt werden sollen, die der Vertiefung der geistlichen Dimension der Arbeit im Kirchenvorstand dienten.

Neue Datenschutzordnung

Außerdem wurde nach umfangreicher Vorarbeit eine neue Datenschutzordnung verabschiedet, die der Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union entspricht. Die neue Datenschutzordnung regelt die Datenverarbeitung im kirchlichen und diakonischen Bereich und soll die Persönlichkeitsrechte von Personen schützen, deren Daten in Ausübung des kirchlichen oder diakonischen Dienstes erfasst werden.

Zentralkonferenztermin im November 2020

Der Termin für die nächste Zentralkonferenz wurde ebenfalls festgelegt. Sie findet vom 18. bis 21. November 2020 im Gebiet der Ostdeutschen Konferenz statt. Dazu entsenden die Norddeutsche und die Ostdeutsche Konferenz jeweils 16 Delegierte, die Süddeutsche Konferenz 40 Delegierte, jeweils zur Hälfte Ordinierte und Laien.

Foto: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit 

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links

Zur Information
Die Vereinigung von Methodistenkirche und Evangelischer Gemeinschaft zur Evangelisch-methodistischen Kirche war ein Prozess auf Weltebene, da beide Vorgängerkirchen und die heutige Evangelisch-methodistische Kirche weltweit strukturierte Kirchen waren und sind. In vorstehender Meldung zitierter Vortrag bezog sich auf die Ereignisse der Vereinigungsbemühungen in Europa und dort schwerpunktmäßig für den deutschen Sprachraum.
Der Vereinigungsprozess für die Vorgängerkirchen (Evangelical United Brethren Church und The Methodist Church) auf Weltebene nahm spätestens 1958 in Cincinnati, im US-amerikanischen Bundesstaat Ohio, seinen Ausgang, als sich Verhandlungsgremien beider Kirchen erstmals trafen. Mit der Vereinigung zur United Methodist Church (deutsch: Evangelisch-methodistische Kirche) am 23. April 1968 in Dallas, im US-Bundesstaat Texas, fand dieser Prozess seinen Abschluss. Die Vereinigungsbemühungen in Europa waren von den auf Weltebene stattfindenden Verhandlungen abgeleitet und standen zu Beginn unter der Leitung von US-Bischöfen. So auch die im Januar 1963 aufgenommenen Vereinigungsbemühungen der beiden Vorgängerkirchen in Europa. Einer der sensiblen Bereiche in den Vereinigungsgesprächen waren die Größenverhältnisse der beiden Partner. In Gesprächsunterlagen der damaligen Evangelischen Gemeinschaft werden Verhältniszahlen der Evangelischen Gemeinschaft und der Methodistenkirche für die USA mit 1:10, für Westdeutschland mit 1:2 und für Ostdeutschland ebenfalls mit 1:10 vermerkt. Das begründet die besondere Vorsicht und entstandene Zurückhaltung seitens der Verhandlungsgruppen der Methodistenkirche. Für Deutschland fand die Vereinigung in einem feierlichen Gottesdienst am 26. Mai 1968 in der St. Peterskirche in Frankfurt am Main statt.
Der Referent des Vortrags, der im Ruhestand in Bremen lebende Pastor Karl Heinz Voigt, ist ausgewiesener Kenner der Geschichte des deutschen und europäischen Methodismus‘. Ab 1963 war er Sekretär von Friedrich Wunderlich, dem Bischof der damaligen Methodistenkirche. Auf diese Weise erlebte er den Vereinigungsprozess der beiden Vorgängerkirchen hautnah mit.

Berlin – Beispiel für Teilung und Versöhnung

Do, 03/22/2018 - 13:00

Die Globale Kommission für diakonische und gesellschaftspolitische Verantwortung (General Board of Church and Society) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) traf sich am vergangenen Wochenende (15. bis 18. März) in Berlin. Einmal im Jahrviert zwischen den Generalkonferenzen sollen die international besetzten Kommissionen eine Tagung außerhalb der USA abhalten. Die Globale Kommission für diakonische und gesellschaftspolitische Verantwortung wählte dieses Mal dafür Berlin aus, weil die ehemals geteilte Stadt in besonderer Weise für Umbruch und Versöhnung steht. Außerdem stehe sie als Schmelztiegel von Kulturen und Aufenthaltsort für viele Migranten auch für das Thema Migration.

»Was könnten 12 Millionen Methodisten erreichen, wenn sie sich gemeinsam für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen?« Darüber sollten die nach Berlin angereisten Kommissionsmitglieder nachdenken, forderte Susan Henry-Crowe, Generalsekretärin der Kommission, in ihrem Bericht auf. Das Leben sei ständig von Übergängen und Veränderungen geprägt. Das sei in geografischen und politischen Dimensionen zwischen Ost und West oder Süd und Nord erkennbar. Es gehe aber auch um Armut und neue Lebenschancen oder Wege vom Krieg zum Frieden. Wer auf die Geschichten hören könne, die Menschen von ihren Übergangserfahrungen erzählten, könne aktiv an der Gestaltung der Welt hin zu mehr Gerechtigkeit und Frieden beitragen. Dazu, so Henry-Crowe, sollten die Tagungsteilnehmer die Zeit und die Begegnungen mit Menschen in Berlin nutzen.

Die Kirche steht im Weg

Schwerpunkt des Treffens in Berlin waren neben den üblichen Geschäftssitzungen vor allem Exkursionen und Begegnungen. Dazu gehörte auch ein Ausflug an die Gedenkstätte an der Bernauer Straße zur Erinnerung an die Teilung Deutschlands und der Stadt Berlin. Am Ort der ehemaligen, während der DDR-Zeit zerstörten, Versöhnungskirche erhielten die internationalen Gäste einen Eindruck davon, wie diese Gemeinde sich für Versöhnung und Frieden einsetzte. Die heutige Versöhnungskapelle steht am Platz der vormaligen Versöhnungskirche, die im sogenannten Todesstreifen zwischen Ost- und Westberlin gesprengt wurde, weil sie sowjetischen Wünschen nach vollständiger Kontrolle im Weg war. Die deutsche Besucherbetreuerin fasste das in der Aussage zusammen: »Die Kirche muss manchmal im Weg stehen, um die Welt in Bewegung zu bringen.«

Gerettet – und doch wie verloren in einer anderen Welt

Ein Spaziergang unter Anleitung von vier syrischen Flüchtlingen führte durch den Berliner Stadtteil Neukölln. An Stationen in diesem Quartier schilderten die Flüchtlinge Situationen aus ihrem Leben, ihrer Flucht, ihrer Ankunft und Aufnahme in Deutschland. Berlin-Neukölln war für die Tour ausgesucht worden, weil dort viele Nationalitäten zuhause sind und auch Läden und Restaurants in der jeweiligen Sprache und Schrift auf sich aufmerksam machen. Wie fremd man sich da vorkommt, erlebten die Kommissionsmitglieder beispielsweise durch die Aufforderung, anhand eines Zettels mit arabischen Schriftzeichen ein bestimmtes Geschäft ausfindig zu machen. »So ergeht es uns Flüchtlingen«, erklärte einer der Gruppenführer den Kommissionsmitgliedern. »Wenn wir in ein Land kommen, dessen Sprache und Schrift wir nicht kennen, fühlen wir uns wie verloren in einer anderen Welt.«

Ostern, das »Hasenfest«

Am Sonntag teilte sich die Kommission auf und besuchte drei ganz unterschiedliche EmK-Gemeinden in Berlin. Ziel waren die eher traditionelle Innenstadtgemeinde Christuskirche im Stadtteil Kreuzberg, die im Süden Berlins gelegene dynamische Kreuzkirchen-Gemeinde in Berlin-Lankwitz und im Nordosten der Stadt in Berlin-Marzahn die Versöhnungskirche. Letztgenannte ist ein ökumenisches Projekt zusammen mit einer evangelisch-landeskirchlichen Gemeinde im gleichen Gebäude. Bei Begegnungen im Anschluss an die Gottesdienste konnten sich die Kommissionsmitglieder ein Bild davon machen, wie methodistische Gemeinden ihre kirchliche Situation in einer säkularen Großstadt erleben. Die Spannung brachte ein amerikanisches Kommissionsmitglied mit einer Rückfrage zum Ausdruck: »Warum sind alle Läden österlich geschmückt und verkaufen Ostersachen, wenn die kirchliche Bedeutung nicht mehr bekannt ist?« In einer säkularen Umgebung sei für viele Menschen Ostern nur noch »das Hasenfest« erklärte ein deutscher Gesprächspartner.

Religionen werden als Partner der Außenpolitik entdeckt

Hohen Besuch erhielt die Kommission aus dem Außenministerium der Bundesrepublik Deutschland. Die stellvertretende Leiterin des Arbeitsstabes »Friedensverantwortung der Religionen«, Silke Lechner, hielt einen Vortrag über die Bedeutung der Kirchen und Religionen für die Friedensförderung. Im deutschen Außenministerium sei dafür eine besondere Abteilung eingerichtet worden. Weltweit seien über 80 Prozent der Bevölkerung der verschiedenen Länder religiös geprägt, erklärte Lechner. Deshalb dürfe Politik, besonders Außenpolitik, davor nicht die Augen verschließen. Die verschiedenen Religionen müssten als Partner für die Entwicklung friedensfördernder Maßnahmen wahrgenommen und in den politischen Dialog mit einbezogen werden.

Neufassung der »Sozialen Grundsätze« in Vorbereitung

Im Rahmen zügiger Geschäftssitzungen wurden organisatorische Fragen und Zuschüsse für verschiedene Aktionen und Kampagnen beschlossen. Gegenstand ausführlicher Information war die Vorbereitung einer Neuformulierung der Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche. Die erste Textfassung lag allerdings auch der Kommission noch nicht vor. Sie wird erst nach Ostern öffentlich zugänglich gemacht werden. Ziel der Neugestaltung der Sozialen Grundsätze ist eine Fassung, die internationalen Gegebenheiten besser Rechnung trägt. Bisher sind viele inhaltliche Formulierungen durch US-amerikanische Lebensverhältnisse und Gesetze animiert. Das führt im internationalen Gebrauch zu Einschränkungen. Die jetzt angestrebte Fassung soll komprimierte, grundlegende Soziale Grundsätze formulieren, die im jeweiligen religiösen, politischen und kulturellen Umfeld weiter konkretisiert werden können. Bei der Frühjahrssitzung im kommenden Jahr wird die Kommission einen endgültigen Entwurf beschließen und der im Jahr 2020 tagenden Generalkonferenz als Beschlussantrag vorlegen.

Foto: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Voneinander lernen – aufeinander hören – füreinander beten

Sa, 03/17/2018 - 10:25

Vom kommenden Sonntag an sind die drei Konferenzen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland eine Woche lang mit dem »Gebet für unseren Weg in die Zukunft« an der Reihe. Diese weltweite Gebetskette ist eine Initiative des internationalen Bischofsrats der EmK, um die Arbeit der Kommission »Ein Weg in die Zukunft« zu begleiten.

Beieinander bleiben und nach vorne blicken

»Beten verändert!«, ist Harald Rückert, der Bischof für die EmK in Deutschland überzeugt. Er lädt die Gemeinden der EmK in Deutschland für die kommende Woche dazu ein, sich der internationalen Gebetskette anzuschließen. Rückert bekennt, dass die engagierten Gespräche in der Kommission und im EmK-Bischofsrat die Beteiligten oft an den Rand ihrer Möglichkeiten geführt hätten. »Aber«, so Rückert weiter, »die gemeinsame Ausrichtung auf Gott, das Eingeständnis unserer Ohnmacht und die Bitte um Leitung durch Gottes Heiligen Geist hat uns ermöglicht, beieinander zu bleiben und nach vorne zu blicken«. Dabei habe er immer wieder erlebt, »dass das gemeinsame Gebet, die Schwerpunkte zurechtgerückt hat«.

Zankapfel Homosexualität

Anlass für diese Gebetskette und die Einsetzung der Kommission sind Fragen zur menschlichen Sexualität. Diese führten in der weltweiten EmK, besonders im Blick auf den Umgang mit Homosexualität, zu andauernden und unüberbrückbar scheinenden Gegensätzen. Es herrscht Uneinigkeit darüber, ob die bestehenden Regelungen, praktizierende Homosexuelle nicht zur Ordination zuzulassen und gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht zu segnen, beibehalten oder verändert werden sollen. Eine außerordentliche Generalkonferenz soll im nächsten Jahr zu diesen Fragen Entscheidungen treffen. Die Kommission »Ein Weg in die Zukunft« hat den Auftrag, in geistlicher Einheit einen Weg für die weltweit strukturierte Evangelisch-methodistische Kirche zu entwerfen, auf dem das methodistische Zeugnis an möglichst vielen Orten in der Welt gefördert wird. Dabei soll berücksichtigt werden, dass das Evangelium immer in die jeweilige Umgebung hineinwirkt und deshalb auch regionale und kulturelle Umstände in die Überlegungen einzubeziehen sind. Die Kommission tagt letztmalig vom 19. bis 22. März in Los Angeles zur Erarbeitung des Abschlussberichts, der dem Bischofsrat zu dessen Sitzung Ende April vorgelegt wird.

Stichwort »Kontextualität«

»Die Kommission konzentriert sich darauf, einen Weg in die Zukunft zu weisen, der unseren Auftrag, Menschen zu Jüngern und Jüngerinnen Jesu Christi zu machen, um so die Welt zu verändern, besonders denen gegenüber berücksichtigt, die noch nicht Teil unserer Kirche sind«, sagte Kenneth H. Carter, der als Bischof für die Region Florida zuständig ist. Die Mitglieder der Kommission konzentrierten sich dabei auf die als »Kontextualität« beschriebene Verkündigung und Zuspitzung des Evangeliums in die jeweilige konkrete Lebensumgebung. »Unsere ständige Aufgabe ist, voneinander zu lernen und aufeinander zu hören«, so Carter, der als einer der drei Moderatoren der Kommission fungiert.

Die Generalkonferenz entscheidet im Februar 2019

In ihrer Novembersitzung hatte die Kommission drei Vorschläge mit unterschiedlichen Konsequenzen skizziert. In der Februar-Sitzung hat die Kommission ihre Vorschläge dann auf zwei Modelle reduziert, die viele der Werte und Prinzipien der vorherigen drei Vorschläge weiterführten, ohne dazu nähere Angaben zu machen. Die jetzt in Los Angeles stattfindende letzte Kommissionstagung wird einen Abschlussbericht anfertigen, der dem Bischofsrat vorgelegt wird. Dieser entscheidet dann darüber, was der außerordentlichen Generalkonferenztagung im Februar 2019 in St. Louis, US- Bundesstaat Missouri, vorgelegt werden soll.

Bewahrung der Einheit

Angesichts der anhaltenden Diskussionen und unterschiedlichen Meinungen den kirchlichen Umgang mit Homosexualität betreffend, melden sich in der EmK in den USA und weltweit viele Persönlichkeiten zu Wort, die zur Bewahrung der Einheit mahnen. Dazu gehören auch die in Deutschland in verschiedenen EmK-Kreisen bekannten Pastoren Adam Hamilton (Autor von »24 Stunden«) und Mike Slaughter sowie der ehemalige Leiter des EmK-Verlagshauses in den USA, Neil Alexander. Zusammen mit anderen betonen sie auf einer Internetpräsenz: »Trotz unserer Unterschiede haben wir gelernt, miteinander zu leben und einander als Brüder und Schwestern in Christus zu lieben, die gleichen historischen Glaubensbekenntnisse zu bekräftigen, die gleichen Gemeinden, Sonntagsschulklassen und Bibelstunden zu besuchen und Seite an Seite in Mission und Dienst zu wirken.«

Fürbitte für die Verantwortlichen

»Die Verantwortung ist sehr groß und die Konsequenzen für unsere Kirche sind weitreichend«, schreibt Bischof Rückert in einer Information an alle hiesigen Gemeinden anlässlich der Übernahme der Gebetskette für eine Woche ab dem morgigen Sonntag. »Bitte begleiten Sie diesen ganzen Prozess und diejenigen, denen in besonderer Weise Verantwortung übertragen wurde, mit Ihrer Fürbitte.«

Foto: umc.org

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Gebetsimpuls 18.3.2018 (H. Rückert): Deutsch, Englisch
Ausführlicher Gebetsaufruf vom April 2017
Informationen zur internationalen Gebetskette (Englisch) (umcprays.org)

Weitere Informationen
Internetseite: umc.org/wayforward
Facebook: UMCforward
Twitter: @UMCforward
Instagram: UMCforward

Zur Information
Die Kommission »Ein Weg in die Zukunft« wurde bei der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche im Mai 2016 beschlossen. Grund dafür waren unlösbare Auseinandersetzungen über Fragen zur menschlichen Sexualität, insbesondere die Ordination Homosexueller oder die Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften betreffend. Im November 2016 wurde die aus 32 Personen bestehende Kommission vom Bischofsrat eingesetzt und hat im Januar 2017 die Arbeit aufgenommen. Aus Deutschland ist Bischöfin i.R. Rosemarie Wenner Mitglied dieser Kommission.

Garant ökumenischer Partnerschaft

Di, 03/13/2018 - 13:16

Der frühere Vorsitzende der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, verstarb am Sonntag (11. März) im Alter von 81 Jahren in Mainz. In einem Schreiben an das Bischöfliche Ordinariat des Bistums Mainz würdigt Bischof Harald Rückert den Verstorbenen als profilierten Theologen, der sich »der Freiheit und Weite des Evangeliums verpflichtet« wusste. Lehmann habe in großer Offenheit zum ökumenischen Miteinander beigetragen und dieses mit Überzeugung und Umsicht gepflegt. Bei Begegnungen sei Lehmann ein »aufmerksamer und wertschätzender Gesprächspartner« gewesen, der die Evangelisch-methodistische Kirche »als ökumenischen Partner auf Augenhöhe« betrachtet habe.

Erster mit der Martin-Luther-Medaille ausgezeichneter Katholik

Karl Kardinal Lehmann war von 1983 bis 2016 Bischof im Bistum Mainz und von 1987 bis 2008 zudem Vorsitzender der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Im Jahr 2001 wurde er von Papst Johannes Paul II. (1920–2005) zum Kardinal erhoben. Am Reformationstag des Jahres 2016 war Lehmann der erste Katholik, der mit der Martin-Luther-Medaille des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland ausgezeichnet wurde. Damit wurden Lehmanns Verdienste um die Ökumene in Deutschland gewürdigt. Lehmann war es auch, der das Reformationsjubiläum als ökumenische Chance sah und die stellenweise bemerkbare Zurückhaltung gegenüber diesem Gedenken in seiner Kirche kritisierte.

Foto: Bistum Mainz

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Apotheke, Kino und Eishalle als Veranstaltungsorte

Do, 03/08/2018 - 10:10

Vom kommenden Sonntag an wird die Evangelisation »proChrist LIVE« eine Wochen lang von Leipzig aus an rund 500 Orte übertragen. Christliche Gemeinden, Vereine, Hauskreise und einzelne Gastgeber laden dazu ein, Kernaussagen des christlichen Glaubens kennenzulernen. Übertragungen gibt es nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch in der Slowakei, Kroatien und Serbien. Als Treffpunkte dienen auch ungewöhnliche Veranstaltungsorte, darunter eine Apotheke, eine Markthalle, ein Kino, eine Gaststätte und eine Eishalle.

Zentrale Veranstaltung in Leipzig, dezentrale Veranstaltungen an anderen Orten

Die Hauptredner an den sieben von Leipzig aus übertragenen Themenabenden sind die Theologen Elke Werner aus dem hessischen Marburg und Steffen Kern aus dem in Baden-Württemberg bei Reutlingen gelegenen Walddorfhäslach. Unter dem gleichen Motto »Unglaublich?« finden an 35 weiteren Orten Veranstaltungen mit eigenen Referenten statt. Zudem gibt es die Möglichkeit, das Programm im Fernsehen bei »Bibel TV«, im Radio bei »ERF Medien« oder im Internet zu verfolgen. Zur Sprache kommen sollen unter anderem zentrale Aussagen des Apostolischen Glaubensbekenntnisses. Neben den Vorträgen berichten prominente Gäste, welche Bedeutung der Glaube an Gott in ihrem Leben spielt. So ist neben Daniel Böcking, dem stellvertretenden Chefredakteur der Bild-Zeitung, auch Yassir Eric, ein ehemaliger islamistischer Aktivist aus dem Sudan, zu Gast. Auch der über schwarze Löcher im Weltall forschende Wissenschaftler Heino Falcke wird zum Glauben an Gott Stellung beziehen.

Antworten auf Sinn- und Glaubensfragen

Die überkonfessionelle Veranstaltungsreihe will Menschen dazu einladen, sich mit Sinn- und Glaubensfragen auseinanderzusetzen. Der Vorsitzende des »proChrist«-Trägervereins, Roland Werner, weist darauf hin, dass viele Menschen Orientierung und Halt suchten und angesichts von Leiderfahrungen empfänglich seien für Fragen nach dem Sinn des Lebens und nach Hoffnung. »Der christliche Glaube gibt darauf Antworten, die über den Tag hinaustragen«, ist Werner überzeugt. »Das wollen wir nicht für uns behalten, sondern an möglichst viele Menschen weitergeben.« Von Seiten der Veranstalter sieht das Übertragungskonzept vor, dass die Besucher in Leipzig und an den anderen Veranstaltungsorten die Gelegenheit erhalten, mit den Gastgebern über das Gehörte ins Gespräch zu kommen.

Auftakt 1993 mit Billy Graham

»proChrist« wurde erstmals 1993 aus Essen ausgestrahlt. Hauptredner der per Satellit übertragenen Evangelisation war der jüngst verstorbene US-amerikanische Pastor Billy Graham. Es folgten weitere Veranstaltungen mit dem Kasseler CVJM-Generalsekretär Ulrich Parzany in Leipzig (1995), Nürnberg (1997), Bremen (2000), Essen (2003), München (2006), Chemnitz (2009) und Stuttgart (2013). Danach wurde die Veranstaltungsform geändert und 2015 mit mehreren Rednern durchgeführt. In diesem Jahr findet die »proChrist«-Reihe zum neunten Mal statt.

Grafik: © proChrist e. V. Kassel

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Interview mit dem »proChrist LIVE«-Redner Steffen Kern
Informationen zum Träger und zur Veranstaltung
Übersicht über die Veranstaltungsorte

Kompetenz, Erfahrung, Gestaltungsfreude

Di, 03/06/2018 - 06:12

Der Rat der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) hat Ende Februar in Warschau Mario Fischer zum neuen Generalsekretär der Gemeinschaft gewählt. Mit Fischer wird die Position des Generalsekretärs erstmals hauptamtlich besetzt, heißt es in einer GEKE-Mitteilung. Diese Grundsatzentscheidung hatte der Rat bereits 2016 in Rom getroffen und anschließend das Auswahlverfahren eingeleitet.

Der 41-jährige promovierte Theologe Fischer stammt aus dem südlich von Frankfurt am Main gelegenen Darmstadt und ist Pfarrer der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie in Mainz, Marburg, Rom und München wurde er in München mit einer Arbeit über die Bedeutung religiöser Erfahrung in der Religionsphänomenologie des frühen Heidegger promoviert. Als Vikar und Pfarrer war Fischer in verschiedenen Gemeinden des Rhein-Main-Gebiets tätig. Neben seinem Pfarrdienst wirkte er aktiv in der Freiwilligen Feuerwehr mit. 2010 arbeitete er als Sondervikar in der GEKE-Geschäftsstelle in Wien und war unter anderem für Projekte wie das Stewardprogramm der Vollversammlung 2012 in Florenz zuständig. Seit 2016 ist Fischer Büroleiter der GEKE-Geschäftsstelle.

In einer Medienmitteilung betont Gottfried Locher, Präsident der GEKE, Fischers »theologische Kompetenz, internationale kirchliche Erfahrung und ausgeprägte Gestaltungsfreude«. Der neue Generalsekretär wird sein Amt nach der im September dieses Jahres in Basel stattfindenden GEKE-Vollversammlung antreten. Als besondere Aufgaben für die Wahlperiode von 2019 bis 2024 betrachtet Fischer die Vertiefung der Kirchengemeinschaft im gottesdienstlichen Leben und der gesellschaftlichen Verantwortung der Kirchen. Fischer übernimmt das Amt in Nachfolge von Michael Bünker, dem Bischof der Evangelischen Kirche A.B. (Augsburgischen Bekenntnisses) in Österreich, der im kommenden Jahr in den Ruhestand geht und für eine Wiederwahl nicht zur Verfügung stand.

Foto: CPCE, leuenberg.net

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Zur Information
Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ist ein Verbund evangelischer Kirchen in Europa. Dazu gehören 94 lutherische, methodistische, reformierte und unierte Kirchen aus über 30 Ländern Europas und Südamerikas. Damit vertritt die GEKE insgesamt rund 50 Millionen Protestanten. Durch ihre Zustimmung zur Leuenberger Konkordie von 1973 gewähren die beteiligten Kirchen einander Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. www.leuenberg.net 

Auf dem Weg zur Kirchengemeinschaft

Mo, 03/05/2018 - 15:13

Die Kirche von England will den Weg der Annäherung mit der Methodistischen Kirche in Großbritannien weitergehen. Dies besagt ein Beschluss der Allgemeinen Synode der Kirche von England, die sich mit 290 Ja-Stimmen dafür aussprach, die Bemühungen für eine engere Gemeinschaft mit der Methodistischen Kirche in Großbritannien fortzusetzen. Gegen diesen Beschluss votierten nur 59 Mitglieder der Synode, 24 enthielten sich.

Vollständige Kirchengemeinschaft als Ziel

Im Jahr 2003 hatte eine theologische Annäherung beider Kirchen zur Unterzeichnung einer anglikanisch-methodistischen Vereinbarung geführt. Diesem historischen Ereignis folgte eine zwölfjährige Arbeit der gemeinsamen Umsetzungskommission. Der jüngste Beschluss der Kirche von England ist ein weiterer Schritt auf dem Weg der Heilung und Versöhnung zweier Kirchen, deren Wege sich vor mehr als 200 Jahren trennten. Mit der Fortsetzung des Dialogs soll der Prozess des Zusammenwachsens verfeinert und konkretisiert werden. Ziel des Prozesses ist die vollständige Kirchengemeinschaft und »sichtbare Einheit«. Diese sieht vor, dass Pastoren und Pastorinnen in der jeweils anderen Kirche Dienst tun können. Außerdem könnte die Methodische Kirche in Großbritannien eigene Bischöfe oder Bischöfinnen einsetzen.

Fortschritte auf dem Weg der Versöhnung

Justin Welby, Erzbischof von Canterbury, bekräftigte seine Unterstützung für das Anliegen, indem er sagte: »Ich habe den Eindruck, dass wir, wenn wir für eine weitere Annäherung stimmen, auf das biblische Gebot der Einheit in der Vielfalt reagieren – und dass wir uns vom Heiligen Geist ansprechen lassen, der in beiden Kirchen wirksam ist und uns zusammenbringt.« Pastor Gareth J. Powell, Sekretär der Konferenz der Methodistischen Kirche in Großbritannien, zeigte sich nach der Debatte und dem deutlichen Beschluss der Synode der Kirche von England erfreut: »Wir sind sehr dankbar für die Möglichkeit des Gesprächs über die Fortschritte auf dem Weg der Versöhnung und der Neuordnung unserer bestehenden Dienste, welche den Bedürfnissen und Wünschen beider Kirchen Rechnung trägt.« Konkrete Vorschläge im Blick auf den weiteren Weg werden der Konferenz der Methodistischen Kirche in Großbritannien jedoch frühestens im Jahr 2019 vorliegen.

»Es geht um Gottes Mission«

Sowohl die Kirche von England als auch die Methodistische Kirche in Großbritannien sehen sich konfrontiert mit einem deutlichen Rückgang der Kirchengliederzahlen und schwindender gesellschaftlicher Bedeutung. Der Schritt zur stärkeren Verbindung der beiden kirchlichen Traditionen wird jedoch nicht mit dieser Realität begründet. Vielmehr gehe es »um die Sache der neuen Welt Gottes«, so John Sentamu, Erzbischof von York. »In allem geht es um Gottes Mission«, brachte er es auf den Punkt.

Der Autor
Urs Schweizer arbeitet in Zürich als Assistent des evangelisch-methodistischen Bischofs, der für die Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa zuständig ist. Kontakt: urs.schweizer(at)umc-cse.org.

Weiterführende Links
Meldung der Methodistischen Kirche von Großbritannien (Englisch) 

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