Ringen um Bewahrung der Einheit

Ringen um Bewahrung der Einheit

10.03.2019

Von Klaus Ulrich Ruof

Das Ringen um einen Weg zur Bewahrung der Einheit

Als Reaktion auf den Beschluss des »Traditional Plan« wendet sich der Kirchenvorstand mit einer Botschaft an die Gemeinden der EmK in Deutschland.

Der Kirchenvorstand der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland hatte seine turnusgemäße Frühjahrssitzung am Freitag und Samstag (8. und 9. März) der jetzt zu Ende gegangenen Woche. Fast die gesamte Sitzungszeit beschäftigte sich das im hessischen Fulda tagende Gremium mit dem Beschluss der jüngst in St. Louis zu Ende gegangenen Generalkonferenz. Mit einer Botschaft, die Einheit zu bewahren und sich dafür gemeinsam auf den Weg zu machen, wendet sich der Kirchenvorstand an die EmK-Gemeinden in Deutschland.

Betroffenheit und Sorge um die Einheit der EmK

»Es gibt kaum eine Region auf der evangelisch-methodistischen Weltkarte, wo nach der Entscheidung der Generalkonferenz nicht Scherben, Zerbruch und tiefe Gräben entstanden sind«, eröffnete Harald Rückert, der für die EmK in Deutschland zuständige Bischof, die Sitzung des Kirchenvorstands. Das seien erste Auswirkungen der Entscheidung der Generalkonferenz, die den sogenannten »Traditional Plan« beschlossen hatte, mit der an den bisherigen Bestimmungen der Kirchenordnung zur Homosexualität festgehalten wird. Darüber hinaus fordert der Beschluss die konsequente Anwendung aller diesbezüglichen Regelungen und verschärft diese durch Kontrolle und Strafen. Tief betroffen hörten die Mitglieder des Kirchenvorstands Rückerts Informationen von zahlreichen Bischofskollegen aus Nord-, Mittel- und Südeuropa, aus den USA, aus Afrika und von den Philippinen. Aus allen Regionen sei tiefe Betroffenheit und große Sorge um die Einheit der EmK zu vernehmen. Mit Zitaten aus Schreiben an den Bischof erhielten die Mitglieder dieses Leitungsgremiums für die EmK in Deutschland auch Einblick in die Zerrissenheit und emotionale Betroffenheit, die der Beschluss bei Menschen mit ganz unterschiedlichen Haltungen in Gemeinden der EmK in Deutschland auslöste.

»Nicht akzeptabel«

Mit dem Beschluss der Generalkonferenz hatte sich der Kirchenvorstand zu befassen, weil im Rahmen der Beschlussfassung der Generalkonferenz ausdrücklich eine Stellungnahme weltweit aller Jährlichen Konferenzen der EmK verlangt wird. Mit zwei wesentlichen Aussagen wendet sich der Kirchenvorstand nach seinen Beratungen an die Menschen in den deutschen EmK-Gemeinden. Zum einen heißt es in der Botschaft des Kirchenvorstands: »Unabhängig von unseren inhaltlichen Überzeugungen sind wir einstimmig der Meinung, dass diese Bestimmungen des Traditional Plan für unsere Kirche in Deutschland nicht akzeptabel sind.« Deshalb gehe die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland »den damit eingeschlagenen Weg von Gesinnungskontrolle und verschärften Strafen nicht mit«. Die Mitglieder des Kirchenvorstands betonen, dass »demokratisch getroffene Entscheidungen« zu achten sind. Allerdings würden die weitreichenden Folgen dieses Beschlusses in diesem Fall eine Übernahme und Ausführung des Beschlusses durch die evangelisch-methodistischen Gremien in Deutschland nicht ermöglichen.

Ein gemeinsamer Weg, »der uns allen viel abverlangt«

Die zweite Hauptaussage der Botschaft des Kirchenvorstands ist eine Einladung an alle Gruppierungen der EmK in Deutschland, an einem Weg zur Bewahrung der Einheit mitzuwirken. Auf diesem Weg könne die Kirche nur zusammenbleiben, wenn es gelinge, »auch ohne Einigkeit in wichtigen Fragen, in Nähe und Anerkennung zu leben. Deshalb wollen wir eine Kirche werden, in der sowohl homosexuell empfindende Menschen ordiniert und bei einer Eheschließung gesegnet werden können als auch traditionell eingestellte Menschen ihre Vorstellungen und Lebensweisen bewahren können. In diesem Ziel sind wir uns als Kirchenvorstand einig.« Dieser Weg werde eingeschlagen im Bewusstsein, »dass das Bemühen um Gemeinschaft uns allen auch in Zukunft viel abverlangen wird«, wenn Menschen unterschiedlicher Überzeugungen Geborgenheit und Heimat in der Kirche finden sollen. Die Bitte wird ausgesprochen, »in unserer Kirche zu bleiben und zusammen mit uns diesen Weg zu suchen«.

Runder Tisch

Der Kirchenvorstand beschloss, für die Suche eines Weges zur Bewahrung der Einheit, einen »Runden Tisch« zu bilden, zu dem »Menschen verschiedener Gruppierungen und Richtungen« eingeladen werden. Dieser werde noch vor Mitte Mai seine Arbeit aufnehmen. Eine Gruppe, die den Prozess für einen Runden Tisch einleiten soll, wird von Bischof Rückert berufen und geistlich geleitet. Im November 2020 sollen bei der Zentralkonferenz »richtungsweisende Beschlüsse« gefasst werden, weil nur dort die kirchliche Ordnung betreffende Entscheidungen für alle drei deutschen Jährlichen Konferenzen gefasst werden können.

Zeichen für eine zunehmend zerrissene und gespaltene Gesellschaft

Die Mitglieder des Kirchenvorstands weisen ausdrücklich darauf hin, dass der Beschluss nach intensiven Beratungen zustande gekommen sei. Die für die neun Distrikte der EmK in Deutschland zuständigen Superintendenten (eine Frau und acht Männer) sowie die weiteren 21 stimmberechtigten und beratenden Mitglieder des Kirchenvorstands hätten, so die Botschaft an die Gemeinden, »mehrere Tage lang intensiv, emotional und ehrlich mit diesem Beschluss und allen seinen Folgen gerungen«. Trotz weit auseinanderliegender Überzeugungen hätten sie zu diesem einstimmigen Beschluss gefunden. Wenn dieser Weg gelinge, so heißt es am Schluss der Botschaft, könne das »ein Zeichen in einer zunehmend zerrissenen und gespaltenen Gesellschaft« sein. Der Wortlaut der gesamten Botschaft an die Gemeinden ist einem Anhang zu dieser Meldung zu entnehmen.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Quelle: https://emk.de


Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links


 

01.03.2019

Brief von Bischof Rückert an die Gemeinden der EmK Deutschland (PDF-Datei)

26.02.2019

Generalkonferenz

Von Klaus Ulrich Ruof

An der Einheit der Kirche weiter arbeiten

Bischof Harald Rückert reagiert auf Presse- und Gemeindeanfragen zu den Beschlüssen aus St. Louis. Die wichtigste Nachricht: »Wir haben Zeit.«

Die Tagung der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) ist zu Ende. Vom vergangenen Samstag bis Dienstag dieser Woche (23. bis 26. Februar) hatte sich dieses höchste gesetzgebende Gremium mit 864 Delegierten in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri eingefunden, um für die Praxis dieser weltweit verfassten Kirche eine Lösung in den strittigen Fragen zur menschlichen Sexualität zu finden. Auf die Heimreise haben die Delegierten und die bis zu 3.000 Besucher, Beobachter und bei der Tagung vor Ort anwesenden Personen verschiedenster Einrichtungen und Werke der EmK einen Beschluss mitgenommen, mit dem der bisherige Inhalt der Kirchenordnung zu diesen Fragen bestätigt und mit zusätzlichen Artikeln und Ausführungsbestimmungen erweitert wurde.

Was dieser mit knapper Mehrheit verabschiedete sogenannte »Traditional Plan« für die EmK und ihre Gemeinden in vielen Teilen der Welt und unterschiedlichen Kulturräumen bedeute, wird jetzt von vielen Seiten gefragt. Der für Deutschland zuständige Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche, Harald Rückert, antwortet in ersten Pressereaktionen auf diese Entscheidung. Außerdem wendet er sich mit einem Videobeitrag an die Gemeinden in Deutschland. Für die Gottesdienste am 3. März wird ein Bischofsbrief versandt.

Rückert: »Das macht mich traurig«

Er habe sich, so teilt er in einem kurzen Videobeitrag mit, für den Entwurf eingesetzt, mit dem die Einheit der Kirche bei einer gegenseitig respektierten Vielfalt gestaltet werden sollte. Dieser sogenannte »One Church Plan« war jedoch bei der zurückliegenden Tagung in keiner der Beratungen mit einer erforderlichen Mehrheit versehen worden. »Das macht mich traurig«, gibt Bischof Rückert in seiner Videobotschaft an die Gemeinden freimütig zu. Es schmerze ihn besonders auch für die Menschen, die mit ihrer Homosexualität in dieser Kirche leben und arbeiten und jetzt erneut mit einer für sie als Ablehnung empfundenen Entscheidung konfrontiert sind.

Umsetzung der Beschlüsse erst 2020 nötig

»Die Entscheidung ist eine bleibende große Herausforderung für die EmK, an der Einheit der Kirche zu arbeiten und für die Vielfalt zu werben“, erklärte Rückert auf eine Presseanfrage nach den Folgen für die EmK. Es gebe große kulturelle Unterschiede in einer weltweiten Kirche, die sich sowohl in der Diskussion als auch im Ergebnis niederschlügen. Die Umsetzung des jetzt getroffenen Beschlusses mit allen Teilaspekten werde für Deutschland erst nach der im November 2020 tagenden Zentralkonferenz wirksam. Bis dahin seien alle Rechtsfolgen und die Verfassungskonformität der Beschlüsse geklärt. Diese würden jetzt noch vom Rechtshof der EmK überprüft und der nächsten ordentlichen Tagung der Generalkonferenz 2020 zur Bestätigung vorgelegt. Bis dorthin sei Zeit, um gründlich die Konsequenzen für den deutschen Teil der EmK zu beraten und die sich daraus abzeichnenden Wege zu beschreiben.

Zeit für Gespräche

Für manche, so gibt Rückert in seiner Videobotschaft zu bedenken, sei die Entscheidung zum Aufatmen, für andere ein Grund zur Trauer. Das sei eine Spannung, die ihm in vielen Reaktionen und Zuschriften begegne, und die miteinander ausgehalten werden müsse. Dazu brauche es Gespräche auf allen Ebenen der Kirche. Es sei gut, dass das nicht unter Zeitdruck geschehen müsse, weil die Zeit bis zur Zentralkonferenz 2020 gut bemessen sei. Rückert dankte auch den Menschen in den Gemeinden für viele Gebete und Gebetsveranstaltungen vor und vor allem während der Generalkonferenz. »Betet weiterhin!«, fordert er auf, »und sucht weiterhin die Einheit unter uns. Werdet nicht müde, das Evangelium von Jesus Christus hinauszutragen in unsere Zeit durch Taten und Worte.«

Bildnachweis: Bildausschnitt aus dem Video
Quelle: https://emk.de


Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

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Video auf YouTube
Video zum Download (MP4|100 MB)

Zur Information
Die Generalkonferenz ist das höchste gesetzgebende Gremium der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Sie allein kann für die EmK sprechen und die weltweite Ordnung und Lehre festlegen und ändern. Die Zentralkonferenz Deutschland der EmK kann die weltweit geltende Ordnung in bestimmten Grenzen für den deutschen Teil der EmK anpassen.

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