Wie sie zum christlichen Glauben gefunden haben

Wie sie zum christlichen Glauben gefunden haben

- Manizheh und Marziyeh berichten -
Im Juli 2018 sind mir die beiden Schwestern zum ersten Mal begegnet, Manizheh Soltanmohammadi Kohanestani und Marziyeh Soltan Mohammadi Kohanestani. Es war im Gottesdienst unserer Gemeinde. Sie strahlten mich mit ihren Augen an. Die Tochter von Manizheh, Farinoush Koleiny, sprach ein wenig Deutsch. Ich kam mit ihnen ins Gespräch. Hände und Füße sprachen kräftig mit. Seitdem sind 15 Monate vergangen. Sie besuchen regelmäßig den Gottesdienst, nehmen an anderen Veranstaltungen der Gemeinde teil und bringen sich persönlich ein. Nach einem mehrmonatigen Kurs zu Fragen des Glaubens und der Bibel haben sie sich am 17. März 2019 taufen lassen und wurden als Glieder in unsere Kirche aufgenommen. Von ihnen haben wir gelernt, wie wichtig es ist, in Freiheit den Glauben an Jesus Christus bekennen und leben zu können.

1. Warum hast du dich im Iran vom Islam abgewendet?
Marziyeh: Als Kind einer streng religiös muslimischen Familie wurde ich gezwungen, an allen religiösen Ritualen teilzunehmen. Die Rituale gaben mir aber nichts für meine Seele und mein Leben. Einen Gott der Liebe hat man mir dort nicht verkündet. Mein Herz blieb leer. Deshalb ging ich irgendwann auch nicht mehr in die Moschee. Ich bekam daraufhin den Widerstand meiner Familie zu spüren.
Manizheh: Der Islam ist eine frauenfeindliche Religion. Der Mann entscheidet über alles Wesentliche, und die Frau muss sich fügen. Die Religion bringt der Frau leider keine Wertschätzung entgegen. Das habe ich persönlich erlebt und irgendwann nicht mehr aushalten können. Wer sich, wie ich es tat, nicht fügt, gerät in Schwierigkeiten. Dass der Islam frauenfeindlich ist, wirkt sich auch bei einer Ehescheidung aus: immer wird dem Ehemann das Sorgerecht der Kinder zugesprochen und niemals der Ehefrau.

2. Was hast du im Iran vom Christentum kennen gelernt?
Manizheh: Auf der Suche nach Lebenssinn und neugierig, wie ich war, bin ich zu einer Hauskirche gekommen. Dort lernte ich eine Christin kennen, die mich etwas anderes lehrte, als man mir im Islam näher gebracht hatte: Gott ist Liebe. In Jesus Christus hat er sich den Menschen zugewandt und besonders denen, die im Leben zu kurz kamen. Seine Botschaft der Liebe hat mich innerlich sehr gepackt.
Marziyeh: In meinem Berufsleben im Iran habe ich zweimal eine Kollegin gehabt, die sehr freundlich und menschlich mit mir umging. Mit der Zeit stellte sich heraus, dass sie beide Christen waren. Viele Gespräche mit ihnen führten mich schließlich in eine Hauskirche. Dort hat mein Glaube an den Gott der Liebe Nahrung bekommen. 

3. Welche Rolle spielte der christliche Glaube für deine Entscheidung zur Flucht aus dem Iran?
Marziyeh: Mein Christsein durfte nicht bekannt werden. Ich musste meinen Glauben (ohne Taufe) verdeckt ausüben. Das war sehr schwierig und irgendwie auch ärgerlich. Um meinen Glauben in dem schwierigen iranischen Umfeld zu stärken, brauchte ich den Austausch mit anderen. Doch mit ihnen in Kontakt zu treten, war sehr gefährlich, denn dies bedeutete nicht nur eine Gefahr für mich, sondern auch für sie. So war mein Leben immer mit viel Lebensangst versehen. Dazu kam, dass ich durch meine Scheidung viel Haß erlebte und persönlicher Verfolgung ausgesetzt war.
Manizheh: Die Teilnahme an christlichen Versammlungen in einer Hauskirche gilt im Iran als Bedrohung der nationalen Sicherheit. Wer vom Islam zum Christentum konvertiert, kann im Iran zum Tod verurteilt werden. Leider hat ein Bekannter von mir die Hauskirche, zu der ich ging, entdeckt und der Geheimpolizei verraten. Daraufhin wurden einige Personen der Hauskirche verhaftet. Auch ich war in Gefahr, verhaftet zu werden. Mir blieb nur die Flucht, um mein Leben und das meiner Tochter zu retten.

4. Wie war dein Weg in die christliche Gemeinde in Deutschland?
Manizheh: 4 Wochen nach unserer Flucht nach Deutschland wurde uns Friedrichsdorf als Wohnort zugewiesen. Hier kam ich zum ersten Mal in meinem Leben in einen Gottesdienst, der in Freiheit stattfindet und wo ich ohne Angst hingehen konnte. Das war der Gottesdienst in der Evangelisch-methodistischen Gemeinde. Ich wurde dort sehr freundlich aufgenommen und spürte viel menschliche Wärme. Die Gemeinde ist seitdem wie eine Familie für mich geworden.
Marziyeh: Ein Dolmetscher hat mich in der Flüchtlingsunterkunft in Friedrichsdorf auf die Evangelisch-methodistische Gemeinde aufmerksam gemacht. Er sagte mir, die Gemeinde engagiere sich stark in der Arbeit mit Geflüchteten und begegne diesen sehr freundlich. Als ich dann dort in den Gottesdienst ging, traf ich auf freundliche und offene Menschen. Und ich entdeckte noch andere iranische Landsleute, die zur Gemeinde gehören. Dies hat mir beim Einleben in Deutschland sehr geholfen.  
  
5. Was bedeutet die Taufe für dich?
Manizheh: Durch meine Taufe bin ich Gott näher gekommen und fühle mich neu geboren. Mein Taufspruch "Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen" aus Psalm 37, Vers 5 gibt mir jeden Tag Kraft und schenkt mir Lebensmut. Ich weiß, an wen ich mich wenden und meine Sorgen abgeben kann.
Marziyeh: Im Iran hätte ich nicht ohne Lebensgefahr getauft werden können. Die Taufe habe ich nun in Deutschland nachgeholt. Sie bedeutet für mich eine wichtige Zäsur. Ich habe ein neues Leben begonnen. Was in der Vergangenheit war, habe ich hinter mir gelassen. Ich bin frei geworden für das neue Leben, das Leben mit Jesus Christus.

6. Wie lebst du als Christ heute?
Manizheh: Ich gehe regelmäßig in den Gottesdienst. Es gibt vieles, was ich noch von Jesus und aus der Bibel lernen muss. Ich erzähle anderen von meinem Glauben, auch in meinen Kontakten zum Iran. Ich bitte Gott, dass alle Menschen die Möglichkeit erhalten, ihren Glauben an Gott frei zu leben.
Marziyeh: An Jesus zu glauben gibt mir inneren Frieden und stärkt mich auf meinem Lebensweg. Ich bin neugierig, jeden Tag mehr über Jesus zu erfahren und Gott näher zu kommen. Ich suche die Gemeinschaft mit anderen Christen. Andererseits weiß ich, dass ich als Konvertitin nicht mehr in den heutigen Iran zurückkehren kann
Das Interview führte Günter Hammann.

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