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Pfingsten - das Fest der Freundschaft Gottes

An Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu, an Ostern erinnern wir uns an die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Und an Pfingsten? Was feiern wir da eigentlich? Das Fest des Heiligen Geistes? Das Fest der Hoffnung? Die Geburtsstunde der Kirche? Ein Fest, das alle und jede(n) Einzelne(n) bewegen und begeistern will?

1 Als der 50. Tag, der Tag des Wochenfestes, gekommen war, waren sie alle beisammen.

2 Da kam plötzlich vom Himmel her ein Tosen wie von einem Wind, der heftig daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich aufhielten.
(BigS - Apg. 2, 1+2)

Pfingsten ereignet sich am 50. Tag nach dem Pessachfest. An diesem Tag wird nach dem jüdischen Festkalender das Erntedankfest Schawuot gefeiert. Gleichzeitig ist Schawuot das Fest der Erinnerung an die Gabe der Tora, der Zehn Gebote am Sinai. Der Dank für die Ernte und die Erinnerung an die Israel von Gott geschenkte Lebensordnung, die leibliche und die geistliche Nahrung, gehören am Pfingsttag untrennbar zusammen.

Von seinen jüdischen Wurzeln her bekommt das christliche Pfingstfest eine neue Dimension: Pfingsten ist Erntezeit. Jesus hat den Samen ausgesät, und die Jüngerinnen und Jünger bringen die Gaben ein, die er gepflanzt hat. Pfingsten ereignet sich nicht nur 50 Tage nach dem Pessachfest, sondern auch 50 Tage nach dem Tod und der Auferweckung Jesu. Der Geist ist das Geschenk des auferstandenen und zum Himmel aufgefahrenen Christus, so wie er es den Seinen versprochen hat (Lk. 24, 49, Apg. 1, 4-5). Das Kommen des Heiligen Geistes lässt die junge Gemeinde aufbrechen und bewirkt eine neue Gemeinschaft der Glaubenden. Die Pfingsterfahrung zeigte sich in der gemeinsamen Begeisterung und im Gefühl einer neuen Identität und Zugehörigkeit zu Christus und zueinander in der Kraft des Geistes. Das spiegelte sich auch in ihrem Alltagsleben wider. Die junge Christengemeinde lebte solidarisch und teilte außer ihrem Glauben und ihrer Hoffnung auch ihre materiellen Güter.

Die Kraft vom Himmel bringt Menschen in Bewegung. Die Jüngerinnen und Jünger hatten sich nach Jesu gewaltsamem Tod am Kreuz zurückgezogen, sie waren verzweifelt und verunsichert. Sie wussten, dass Jesus auferstanden war, aber dieses Wissen verwandelte sie nicht, sie waren wie erstarrt und konnten ihre Erfahrungen aus der Zeit mit Jesus, sein Vermächtnis, nicht weitergeben. Da berührt sie die Geistkraft Gottes und verwandelt ihre Angst und Trauer in Mut zu einem Neubeginn. Von drinnen, aus geschlossenen Räumen, geht es nach draußen, auf öffentliche Plätze. Aus einem Unter-sich-Sein wird ein In-der-Welt-Sein. Jetzt sind sie in der Lage, die Heilsbotschaft weiterzugeben.

Die Gegenwart von Gottes Geist öffnet neue Wege und überschreitet Grenzen der Herkunft, Kultur oder Politik. Auch Sprachbarrieren werden überwunden (Apg. 8-11). Menschen aus vielen verschiedenen Ländern verstehen einander. Die Geistkraft macht Verständigung in Verschiedenheit möglich, sie verändert unsere Sprache, verändert die Art und Weise, wie wir miteinander und mit der Welt kommunizieren und umgehen.

Pfingsten ist auch heute noch erlebbare Wirklichkeit. Aber woran erkenne ich das Wirken der Geistkraft, gerade heute, in einer Zeit, in der Menschen einander Gewalt antun und unendlich viel Leid zufügen? Immer dann, wenn in der Bibel vom Geist Gottes die Rede ist, wendet sich Gott den Menschen liebevoll zu, sind wir eingeladen zum Fest der Freundschaft mit Gott. Das beginnt schon bei der Erschaffung der Welt, als Gottes Geist über den Wassern schwebt. Das will sagen, dass sich Gott der Welt zuwendet. Bei Jesu Taufe kommt Gottes Geist über ihn und offenbart ihn der Welt als seinen geliebten Sohn. Als Jesus in den Himmel auffährt, lässt er seinen Jüngern und Jüngerinnen als Zeichen seiner Zuwendung den Heiligen Geist zurück. Das feiern wir an Pfingsten. Die Heilige Geistkraft ist wie ein guter Freund, eine gute Freundin. Sie ist uns nahe, sie tröstet uns, sie schenkt uns neue Kraft, sie stellt unsere Füße auf weiten Raum, sie bringt uns in Bewegung und zeigt uns einen Weg, wenn wir uns verlaufen haben. Das ist Liebe, das ist Freundschaft.

Nach Pfingsten kehrt der Alltag ein, bei den Anhängern Jesu und bei uns, aber der Heilige Geist geht mit uns, Gottes Freundschaft begleitet uns und verändert den Alltag. Gottes Selbst ist in allem, was wir tun, mit dabei. Diese Pfingsterfahrung wünsche ich uns allen und dazu den Mut, aus dieser Gewissheit auch zu leben. Theresa von Avila, die Mystikerin und Theologin des Mittelalters, hat das so ausgedrückt: „Gott hat keine anderen Hände als unsere Hände.“ Er braucht unsere Hände. Er braucht uns, um die Welt besser und gerechter und friedvoller zu machen.

Zärtlicher Geist, berühre uns,
lass dich von uns berühren;
mach, dass wir
die Menschheit lieben
und der ganzen Schöpfung
in inniger Freundschaft
verbunden sind.

Gnädiger Geist,
führe uns zum Sprechen,
sprich uns so an,
dass wir handeln,
und schaffe durch uns
die Welt neu.

Komm, Heiliger Geist,
komm, Ruach,
und erfülle unser Leben.

aus: „Ich werde meinen Geist ausgießen“, Ökum. Rat der Kirchen

Christine Piston

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Wir glauben an Jesus Christus.

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