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Meine Zeit in Gottes Händen

Sie sind so schnell vorbei, diese wenigen goldenen Herbsttage, in denen das Laub an den Bäumen schon bunt, aber noch nicht abgefallen ist. Und an denen die Sonne am Nachmittag nochmal so warm scheint, dass man den Kaffee auf der Terrasse genießen kann. Meistens verpasse ich sie, diese Tage – oder habe zumindest im Rückblick das Gefühl, sie nicht richtig genutzt zu haben. Dann, wenn der Herbst sich schon kurz darauf von seiner trüben und dunklen Seite zeigt. Wenn der Wind durch die Straßen fegt und die Regentropfen ans Fenster klopfen. Zu spät, denke ich wehmütig, um bei einer letzten Wanderung durch den Taunus Farben und Sonnenstrahlen zu sammeln und glänzende Kastanien durch die Finger gleiten zu lassen. Und ich ärgere mich über mich selbst. Und darüber, dass ich die geschenkte Zeit nicht richtig ausgekostet habe.

Verpasste Chancen und ungenutzte Möglichkeiten – damit umzugehen, finde ich gar nicht so leicht. Vor allem dann, wenn es nicht nur um mich geht, sondern wenn auch andere Menschen davon betroffen sind. Der Geburtstag, den ich mir extra in den Kalender geschrieben und dann doch vergessen habe. Die flüchtige Begegnung an der Kirchentür, die mich mit dem Gefühl zurücklässt: „Da hättest du dir Zeit nehmen und genauer nachfragen sollen.“ Worte, die ich nicht gesagt habe, obwohl sie vielleicht wichtig gewesen wären. Mit solchen Momenten hadere ich. Auch wenn ich weiß, dass sie sich kaum vermeiden lassen. Es gehört wohl zum Leben, dass Dinge offenbleiben. Und trotzdem tut es weh. Besonders dann, wenn es keine Wiederholung gibt und keine Möglichkeit, Versäumtes nachzuholen.

Die Texte der Bibel erzählen an vielen Stellen von der Zerbrechlichkeit und Begrenztheit unserer menschlichen Existenz. Ganz realistisch schauen sie auf die Endlichkeit, die uns Menschen ausmacht. Darauf, dass zum Leben immer auch das ungelebte Leben gehört: das, was wir nicht getan haben, was unfertig ist und was wir einander schuldig bleiben. Und darauf, dass es immer nur Bruchstücke sind, die wir mit unseren Händen festhalten können.

„Meine Zeit steht in deinen Händen“, betet ein Mensch in den Psalmen zu Gott (Ps 31,16). Und mich tröstet dieser Gedanke. Dieses tiefe Vertrauen darauf, dass es nicht allein an uns liegt, mit den Fragmenten unseres Lebens umzugehen. Sondern dass da noch ein anderer ist, der unser Leben im Blick hat und behütet: Gott, der unsere Zeit in seinen Händen hat. Der all die Momente sammelt, in denen wir nicht fertiggeworden sind und Chancen verpasst haben. Und der liebevoll darauf achtgibt, dass nichts verloren geht. Auch nicht das, was in unseren Händen Stückwerk bleibt.

Pastorin Stefanie Reinert

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Evangelisch-methodistische Kirche Friedrichsdorf

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Wir glauben an Jesus Christus.

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